Bessere Spurtrennung, smarter Workflow
Mit dem Release von Steinberg SpectraLayers Pro 12 arbeitet Steinberg sich nun weiter vor in den Rängen der forensischen Audiobearbeitung, aber vor allem auch in Sachen Spurtrennung. Was sind die Neuheiten bei diesem spektralen Audio-Editor und wie lässt er sich einsetzen?
- Neue Module: VoiceEnhance, DePlosive, Phasenrotation, Soundtrack- und Instrument-Entmischung erweitern die Bearbeitungsmöglichkeiten deutlich.
- Verbesserte Werkzeuge: Auswahl-, Fade- und Mehr-Ebenen-Funktionen arbeiten präziser und praxisnäher als zuvor.
- KI-Entwicklung: Die Stem-Separation liefert bessere, wenn auch nicht perfekte Ergebnisse – besonders bei Schlagzeug und Stimmen.
- Fazit: Solides, inkrementelles Update mit Fokus auf Workflow und Sprachbearbeitung, kein Quantensprung, aber konsequent verbessert.
Inhaltsverzeichnis
Steinberg SpectraLayers Pro 12 Installation
Für die Installation von Steinberg SpectraLayers Pro 12 ist der Activation Manager von Steinberg notwendig. Den Download Assistenten braucht ihr dagegen nicht, da ihr die Installationsdatei von der Steinberg Website einzeln herunterladen könnt. Ansonsten gestaltet sich der Vorgang problemlos, wenn ihr auf eventuelle Firewall-Einstellungen achtet, denn es ist eine Online-Anbindung notwendig.
Im Gegensatz zum Vorgänger sind die Systemvoraussetzungen ein wenig gestiegen und so wird nun mindestens macOS 12 (Monterey) benötigt. Es ist auch bereits kompatibel mit macOS 26 (Tahoe).
Auf der Windows-Seite begnügt sich das Programm mit Windows 10 21H2, Windows 11 wird ab Version 21H2 unterstützt. Zum ersten Mal ist Steinberg SpectraLayers Pro 12 auch für „Windows on Arm“ verfügbar.
Bedienoberfläche des spektralen Audio-Editors
Auf der Bedienoberfläche hat sich generell nichts Dramatisches getan, allerdings können jetzt die einzelnen Module und deren Presets über eine Freitexteingabe und Kategorien gefiltert werden. Das ist ganz praktisch, wenn z. B. gerade nur Werkzeuge zur Stimmenbearbeitung zum Einsatz kommen sollen.
Auswahlwerkzeuge in Steinberg SpectraLayers Pro 12
Beginnen wir mir den Werkzeugen, die ja schließlich das sind, mit dem das Programm „angefasst“ wird. Hier haben sich vor allem die Funktionen der Auswahlwerkzeuge stark verbessert.
Da wäre zunächst das einfache Auswahlwerkzeug, mit dem ihr nun einen Bereich nach der Auswahl von allen Seiten her verändern könnt. Das funktioniert auch mit gezeichneten Auswahlbereichen, die sich so entsprechend verformen lassen.
Aber nicht nur das. Ihr könnt nun auch Volume-Fades direkt in der Auswahl vornehmen, indem ihr diese sachte von links oder rechts anfasst. Das klappt auch in der vertikalen Richtung, nur dass dadurch ein Frequenz-Fade veranlasst wird – alles Sachen, die ihr also nachher nicht mehr durch Editieren des kopierten Abschnitts machen müsst.
Die vom Klangmaterial abhängigen Auswahlfunktionen in Steinberg SpectraLayers Pro 12 wurden alle verbessert, so dass es nun einfacher ist, präzise den Grundton einer Spur zu selektieren, da dieser nicht mehr so leicht mit Obertönen verwechselt wird.
Auch diese lassen sich nun gezielter auswählen, ebenso wie die Transienten eines Signals. In der Tat ist mir aufgefallen, dass die Auswahl der Grundtonlinie wesentlich präziser ist. Bei der Auswahl der Obertöne gibt es allerdings, je nach Material, meist noch etwas Streuung in oberen Bereich.
Was auch in diese Abteilung fällt, ist die Anwendung der Auswahl und anderen Werkzeugen auf mehrere Ebenen gleichzeitig mglich, das war bisher nur auf einzelnen Ebenen der Fall. Ist nun also ein Störgeräusch auf mehreren Ebenen zu eliminieren, geht das jetzt schneller vonstatten.
Module in Steinberg SpectraLayers Pro 12
Es sind eine ganze Reihe an neuen Modulen in Version 12 dazugekommen:
- VoiceEnhance
- DePlosive
- Phasenrotation
- Soundtrack entmischen
- Instrument entmischen
VoiceEnhance
Ich habe mir mal eine arg verbeulte Stimmenaufnahme genommen (Dank an Florian Scholz für die Originalaufnahme) und mit dem VoiceEnhance-Modul bearbeitet. Ich denke, Stärken und Schwächen des Algorithmus können hier sehr deutlich herausgehört werden. Ein bisschen unfair war die Aufnahme zuweilen und natürlich fehlen im Ergebnis die Passagen, die auch in der Ausgangsdatei nicht zu hören waren. Allerdings fällt gegen Ende auf, dass einige Satzteile, die sehr wohl vorher zu hören waren, vom Steinberg SpectraLayers Pro 12 Algorithmus als Störsignal identifiziert und so herausgenommen wurden. In diesem Fall sollte eine Anpassung der Algorithmus-Intensität für bessere Ergebnisse sorgen.
DePlosive
Wie der Name vermuten lässt, können allzu starke Plosiv-Laute (P, K, T) gebändigt werden, die meistens bei Aufnahmen ohne Mikrofonschirm und zu nahem Besprechen auftreten können. Das ergänzt wunderbar die De-Esser-Funktion.
Phasenrotation
Phasenrotation korrigiert Signale, bei denen die Phase asymmetrisch ist. Das kommt vor allem bei Mikrofonaufnahmen vor. Im Signal macht sich das durch eine Wellenform bemerkbar, die unterhalb des 0-Punktes eine andere Auslenkung hat als oberhalb. Dadurch kann unter anderem auch die Normalisierung des Signals nicht die maximale Lautstärke herausholen. Das Modul korrigiert dies und symmetriert das Signal um die Achse herum.
An dieser Stelle ist ein kleiner Einschub in Sachen Anleitung angebracht. Als ich mir diese Funktion genauer im Handbuch anschauen wollte, war ich genau dazu „gezwungen“. Denn anstatt einer ausführlichen Textpassage mit erklärenden Abbildung, gibt es lediglich drei kurze Sätze und Links auf YouTube-Videos von Steinberg. Dafür brauche ich aber nun wirklich keine Anleitung.
Soundtrack entmischen
Um dieses neue Modul zu testen, habe ich eine kleine Szene zusammengestellt. Soundtrack entmischen ist speziell auf Audio trainiert, wie es typischerweise im Film und Fernsehen vorkommt. Also einem Dialog im Vordergrund, Umgebungsgeräuschen und Hintergrundmusik.
Das Entmischen gelang dem Modul auch ganz passabel, jedoch wurde die Stadtatmo im Hintergrund kräftig wegkomprimiert. Auch sind die Ebenen, bis auf die mit der Stimme, etwas unsauber.
Instrument entmischen
Wie der Name bereits verrät, lassen sich mit dieser Funktion Instrumente entmischen. Dazu benötigt ihr allerdings eine Solopassage dieses Instrumentes. Diese wird benötigt, damit der Algorithmus lernen kann, auf was ihr aus seid. Denkt dabei immer in Klang und nicht so sehr Instrumenten – eine cleane E-Gitarre zu lernen um ein verzerrte E-Gitarre heraus zu rechnen, wird nicht funktionieren. Der Pferdefuß ist natürlich, dass ihr überhaupt erst mal eine Solo-Aufnahme des eigentlichen Klangs benötigt, um diesen in der zu bearbeitenden Aufnahme freizustellen.
Verbessertes Song- und Drums-Entmischen
Einige Module in Steinberg Spectral Layers 12 Pro haben Verbesserungen erfahren (die KI lernt ständig weiter) und so interessierte mich natürlich vor allem die Stem-Separation und hier vor allem, das Modul Schlagzeug zu entmischen. Dazu habe ich zum einen eine Mehrspuraufnahme herangezogen und zum anderen eine Aufnahme mit einem einfachen Raummikrofon. Zunächst die Separation der Mehrspuraufnahme:
Die Bass- und auch die Saxophon-Spur hat sich deutlich verbessert, allerdings ist die Trennung von Gitarre und Klavier nicht ganz eindeutig. So landen auf der Ebene „Weitere“ eine Mischung dieser beiden, wobei andere Anteile auf den korrespondierenden Ebenen „Klavier“ und „Gitarre“ zu finden sind. Bei staccato gespielten Gitarren-Licks kommt es dazu auch vor, dass diese auf der Drum-Spur landen.
Dann habe ich daraus dann das Schlagzeug in seine Bestandteile extrahiert:
Die Ergebnisse sind in der Tat recht gut. Schön zu hören ist, wie das Ride-Becken gegen Ende hereinkommt und recht sauber herausgetrennt wird.
Im nächsten Beispiel handelt es sich eine einfache Raumaufnahme mit einem Zoom Recorder. Hier bekommt der Algorithmus schon eher Probleme. Verständlich, denn durch die Raumakustik ist jedes Instrument mit dem anderen verbunden und so sind diese untereinander stärker korreliert.
Im ausgewählten Zeitabschnitt ist auch der Synth-Bass zu hören, der aber 80 % der Zeit meistens auf der Spur „Weitere“ landet. Genau wie auch das E-Piano wieder mit einem deutlichen Gitarrenanteil auf dieser Spur landet.
Alles in allem hat Steinberg SpectraLayers Pro 12 hier schon einige Probleme – aber Wunder darf man auch nicht erwarten und um die Aufnahme für Bandkollegen etwas aufzupolieren, reicht es allemal.
Weitere Änderungen in Steinberg SpectraLayers Pro 12
Es gibt zahlreiche Verbesserungen in den einzelnen Modulen, wie z. B. das „Modul Voice DeNoise“, das auch im „Soundtrack entmischen“-Modul schon für eine exzellente Trennung von Sprache sorgt.
Mit dem Modul „Transkription entmischen“ lassen sich nun noch mehr Sprachen, 21 an der Zahl, direkt aus dem Audiomaterial transkribieren.
Wer VST3 Effekte auf die Spuren anwenden möchte, kann jetzt auch endlich mehrere Plug-in-Fenster gleichzeitig öffnen und editieren – sehr hilfreich in Mastering-Situationen oder bei der kreativen Klanggestaltung.












































Weiß jemand was man mit der in bzw. ‚mit“ der in Cubase enthaltenen Grundversion anstellen kann? Ich werde dbzgl. weder fündig noch schlau. Ich checks wirklich null und fand nix! Diese scheint wohl zeitgleich mit Cubase 15 erneuert worden zu sein und daher logisch, dass jetzt die dazugehörige Vollversion erscheint. Vielleicht kann hier jemand etwas Licht ins dunkel bringen.
@Filterpad In Cubase 15 ist, soweit ich das klanglich beurteilen kann, eine vereinfachte „quick and dirty“ Version der Spurtrennung mit nur vier Stems (Stimme, Bass, Drums, Sonstiges) enthalten. Die geht relativ schnell über die Bühne und hat daher ihre praktischen Anwendungsbereiche, haut einen klanglich aber nicht um (ziemlich deutliche Artefakte in allen Stems).
Spectralayers 12 hat drei Qualitätsstufen je nach Bedarf und bietet auch mehr Stems. Es gab und z.T. gibt aber noch einige Probleme mit Grafikkarten-Beschleunigung der Berechnung (siehe Steinberg-Forum) je nach Rechner und Grafikkarte – und die Geschwindigkeit der Berechnung bei der höchsten Qualitätsstufe schwankt zum Teil stark zwischen Rechner-Konfigurationen und ist anscheinend für manche User erschütternd langsam (z.T. so was wie 20-30 Minuten Computer-Vollauslastung für einen 3-5 Minuten Song). Aber insgesamt hat Spectralayers unglaublich viele nützliche Werkzeuge an Bord, nicht nur Stem-Trennung – und hat für mich komplett die NI RX Suite abgelöst, deren Upgrades mittlerweile m.E. unverschämt teuer sind.
Die Spectralayers-Stemtrennung ist zum Teil sehr gut, versagt aber (wie die meisten Stem-Splitter) immer noch ziemlich kläglich bei der Trennung verschiedener Keyboard-Sounds und kann in der Regel nicht mal einen Piano-Sound deutlich von anderen Keyboard-Sounds trennen. Vocal, Drum, Bass und z.T. auch Gitarren und Bläser- Stems sind aber in hoher Q§ualitätsstufe gut bis sehr gut getrennt.
@defrigge Vielen Dank für die tolle Auskunft. 💪
Da bei SLPro 12 ist je nach Bearbeitungablauf so ziemlich „alles“ möglich…
Meine Erfahrungen seit Erscheinen = Absoöut unschlagbar und umwerfend, wer eine aktuelle Audio-Workstation als Grundlage nutzt, der hat schnell sehr gute Ergebnisse!
Meiner Meinung nach: Derzeit gibt es KEINE HOCHWERTIGERE SPEKTRALBEARBEITUNG als Spectralyer pro 12