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Test: Steinberg UR 44, Steinberg UR 22 Audiointerface

19. Mai 2014

Harte Schale, flexibler Kern

 

Steinberg UR 44

Steinberg UR 44

Mit dem Steinberg UR 22 bzw. seinem größeren Bruder, dem Steinberg UR 44, bringt einer der großen deutschen Namen in Sachen Recording ein weiteres Desktop Interface auf den Markt, das sich in dem hart umkämpften Segment bis ca. 300,- Euro behaupten möchte. Um nicht im Fahrwasser anderer Mitbewerber abgehängt zu werden, werden heutzutage schon besondere Ausstattungsmerkmale in Bezug auf Klang und Verarbeitung erwartet. Auch wenn in dieser Preisregion eine Fertigung in China nahezu unausweichlich ist, so wird Steinberg dennoch versuchen, möglichst viele Trademarks eines deutschen Unternehmens in den Herstellungsprozess zu transportieren.

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Insbesondere die Bereiche Klang der Vorverstärker und Verarbeitung des Produktes bieten nach wie vor eine große Angriffsfläche, um gegenüber der Konkurrenz zu punkten. Auch der Bereich der Transportfreundlichkeit, eine entsprechende Anschlussperipherie und eventuell eine knackige Optik tragen dazu bei, dass man sich im Entscheidungsfall dem einen oder dem anderen Produkt für seine Budget-Produktion zuwendet. Beide Produkte richten sich primär an Musiker, Produzenten oder Tontechniker, die ein kleines, mobiles Interface suchen, das nicht nur mit sehr guten Messwerten überzeugt, sondern in Sachen Transport bei Bedarf auch einmal schnell in der nächsten Aktentasche verschwindet.

Steinberg hat sich mit der UR-Serie das Ziel gesetzt, alle oben genannten Punkte zu erfüllen und eventuell im einen oder anderen Bereich eine Schippe extra drauf zu legen. Zum Test liegen die Produkte UR 22 und UR 44 vor, die konzeptionell dem gleichen Design unterliegen, sich in Sachen Anschlussmöglichkeiten jedoch deutlich unterscheiden. Allerdings legt das UR 44 im Ladenpreis mit 289,- Euro gegenüber seinem kleinen Bruder mit 120,- Euro auch um über 100 Prozent zu. Mal sehen, wer welche Einsatzbereiche am besten abdeckt.

Konstruktion

Beiden Produkten der UR-Reihe liegt ein einheitliches Erscheinungsbild zugrunde. Auffällig sind zunächst einmal die massiven Stahlgehäuse, die einen äußerst stabilen Eindruck hinterlassen. Kratzer werden sich wohl leider nicht ganz vermeiden lassen, gegenüber seinen Kunststoff-Kollegen werden die UR-Gehäuse aber garantiert mit erhöhter Langlebigkeit glänzen. Beide Produkte ruhen auf vier weichen Gummifüßen, die zwar einen sehr guten Stand auf glatten Oberflächen bieten, allerdings nicht allzu akkurat in Sachen rechtem Winkel aufgeklebt wurden. Zugegeben, ein sehr marginaler Mangel. Da kleine Produkte auch immer wieder gerne gestohlen werden, befindet sich auf der Rückseite beider Gehäuse eine Kensington Diebstahlsicherungsöffnung.

Mit den Abmessungen 158 x 45 x 158 mm (UR 22) und 252 x 47 x 158 mm (UR 44) (B x H x T), nehmen beide Produkte vergleichsweise wenig Platz auf dem Desktop ein und gestalten sich bezüglich ihrer Höhe zudem dermaßen flach, dass sie neben dem Fuß unterhalb des Bildschirms eines handelsüblichen Monitors Platz finden. Auch das Gewicht von knapp einem Kilogramm (UR 22) bzw. 1,6 Kilogramm unterstützt den mobilen Einsatzbereich. In Sachen Systemanforderungen erweisen sich beide Produkte als äußerst genügsam. Im PC-Bereich genügen laut Werksangaben Windows XP mit gerade mal 2 GB RAM, unter OSX geht sogar noch die 10.5.8 Variante durch. Wie immer bei allen Angaben, gerade im Bereich RAM, darf es für einen reibungslosen Ablauf gerne das Doppelte oder mehr sein.

Steinberg UR 22 - Front

Steinberg UR 22 – Front

Als Treiber kommt ASIO zum Einsatz, der trotz der hohen Sampling-Raten von bis zu 192 kHz und einer Wortbreite von 24 Bit vergleichsweise geringe Latenz bei hoher Stabilität gewährleistet. In Sachen Stromversorgung genügt dem UR 22 der PC interne USB-Port, während das UR 44 nach dem mitgelieferten Netzteil verlangt. Damit geht das UR 22 mit weniger Kabeln aufgeräumter zur Sache, ist aber abhängig von der verwendeten DAW. Als Recording Programm liegt beiden Produkten erwartungsgemäß ein Steinberg Programm, in diesem Fall Cubase AI, bei. Um für alle Plattformen unmittelbar zur Verfügung zu stehen, hat Steinberg bei dem UR 44 auf der Rückseite einen sogenannten CC-Schalter eingebaut, der dafür sorgt, dass bei Aktivierung von Apple Produkten, zum Beispiel unter iOS, das Produkt sofort als Interface erkannt wird.

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Optisch erkennt man umgehend die Zugehörigkeit zur gleichen Produkt-Familie. So wurden neben den gleichen Reglern und der konzeptionellen Ausrichtung auch die gleichen Vorverstärker verwendet. Zum Einsatz kommen wie auch bei dem größeren Bruder UR 824 die sogenannten D-Pre-Vorverstärker von Yamaha, die durch die Verwendung der doppelten Anzahl von Transistoren bessere Werte im Signalfluss erzeugen sollen. Eingangstechnisch verfügt das UR 22 über 2 Kombibuchsen (UR 44 4 Kombibuchsen), die allesamt bei Bedarf mit 48V Phantomspeisung beschickt werden können. Das UR 44 ist zudem bei den Eingängen 1 und 2 für den Betrieb von hochohmigen Instrumenten wie zum Beispiel einem E-Bass ausgerüstet, während die restlichen Eingänge wahlweise einen Line-Pegel verkraften. Das UR 44 verfügt zudem auf der Rückseite des Gehäuses über 2 weitere Klinken-Line-Eingänge.

Steinberg UR 44 - Front

Steinberg UR 44 – Front

Über 2 separate Line-Outputs lassen sich bei UR 44 2 unterschiedliche Mixe aus dem Gerät führen. Dafür hat das UR 22 einen sehr sinnvollen Mix-Regler, der ein stufenloses Überblenden zwischen dem Eingangs- bzw. DAW-Signal erlaubt. Während das UR 44 über 2 separat steuerbare Kopfhörerausgänge verfügt, muss man sich bei dem UR 22 mit nur einem Ausgang zufrieden geben. Um allen Synchronisationsproblemen aus dem Weg zu gehen, verfügen beide Produkte sowohl über MIDI In als auch MIDI Out. Ein weiterer Bonus des UR 44 sind die DSP gestützten Effekte, die neben einem latenzfreien Monitoring die Effektsektionen Guitar Amp Classics, REV-X Reverb, Sweet Spot Morphing Channel Strip und im Computerbereich einen Phase Switch pro Kanal und ein High-Pass Filter ermöglichen. Zudem wird es die dspMixFx Applikation des UR44 als iPad App geben.

In Sachen Anzeigen ist bei beiden Geräten Schmalhans Küchenmeister. Es steht lediglich eine Peak-Anzeige pro Kanal mit 48V Speisung zur Verfügung. Letztendlich werden die persönlichen Geschmäcker diesbezüglich zwischen „völlig ausreichend“ bis hin zu „unzureichend“ variieren, von daher sollte man den Punkt als neutral betrachten.

Steinberg UR 22 - Back

Steinberg UR 22 – Back

Praxis

In der Praxis fallen als erstes die sehr hohen Aufholreserven der Vorverstärker ins Gewicht, die mit -67,5 dB auch sehr schwachen Signalen eine adäquate Pegelanpassung gewährleisten können. Als weiteres Highlight muss der neutrale Klang der Interfaces gewertet werden, die frei von Rauschen oder anderweitigen Nebengeräuschen alle anliegenden Klangquellen einwandfrei verarbeiten konnten. Wie bereits erwartet, arbeiten die Preamps aufgrund ihrer hohen Verstärkungsreserven auch bei schwachen Signalen niemals am Limit und verfügen somit bei jeglichem Signalfluss über ausreichend Headroom.

In Sachen Auflösung und Impulsverhalten absolvieren beide Geräte einen sehr guten Job, insbesondere wenn man sich das Einsatzgebiet des mobilen Recordings vor Augen führt. Echte Schwachpunkte konnten in keinem Bereich ausgemacht werden, es bleibt ein rundum gelungener Gesamteindruck, der bei der Konkurrenz das eine oder andere Stirnrunzeln hervorrufen wird.

Steinberg UR 22 - Side

Steinberg UR 22 – Side

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Fazit

Mit dem Steinberg UR 22 bzw. UR 44 weiß Deutschlands Vorzeigeschmiede in Sachen DAW auf breiter Linie zu überzeugen. Klanglich, verarbeitungstechnisch und konzeptionell wissen beide Produkte, insbesondere durch ihre sehr guten Vorverstärker, ihre Stärken in Szene zu setzen. Für gehobenes mobiles Recording eine klare Empfehlung.

Plus

  • Klang Preamps
  • Verarbeitung
  • Konzeption

Preis

  • UVP: 148,75 Euro (UR 22), 349,- Euro (UR 44)
  • Straßenpreis: 120,- Euro (UR 22), 289,- Euro (UR 44)
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Forum
  1. Profilbild
    cyaneo

    Das UR22 unterstützt leider keine IOS Geräte.

    Man muß (wenn es denn ein Steinberg UR sein soll) entweder auf das UR12, welches aber teurer als das UR22 ist und nur 1x XLR Mic-Eingang hat, oder auf das UR44 (größer und unhandlicher und wesentlich teurer) ausweichen.

  2. Profilbild
    pytrel  

    Kann man eigentlich beim UR44 ein signal durch outboard gear schleifen? Sind die line outs hinten frei Zuweisbar ?

  3. Profilbild
    VALLE

    So, jetzt muss ich mal meinen Senf dazugeben und etwas Ärger loswerden.

    Meines erachtens ist doch DIE Funktion, die zahlreichen Outputs bieten sollten, Signale aus der DAW raus, durch Hardware und dann wieder ins Interface hinein schleifen zu können .
    Aber leider ist genau das irgendiwie nicht ersichtlich einzurichten (Ableton/Windows).
    Entweder entsteht eine Feedback schleife, oder man erhält ein Signal was irgendwie nach „anderem Ende von Tunnel“ klingt.
    Keine Ahnung. Vielleicht stell ich mich auch einfach nur verdammt dumm an,
    egal wie ich bin doch eher enttäuscht von der Kiste.
    Weniger DSP Kram, und dafür auf die Soliden sachen Fokusieren, das hätt ich schön gefunden.

    Dann wirds halt doch ein RME Uc.

    • Profilbild
      Spamn

      MIX 1 und MIX 2 in der Software gehen in die verschiedenen Ausgänge. Steht alles genau in der Bedienungsanleitung beschrieben…

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