Test: Steinberg Virtual Bassist

12. Juli 2005

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Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis das nächste Mitglied der Virtual-Familie die Welt erblickt: nach Virtual Guitarist, Virtual Guitarist Electric Edition und Groove Agent 1 + 2 (alle Testberichte im AMAZONA-Testarchiv) gibt es jetzt ein neues Software-Instrument aus dem Hause Steinberg. 550 MB schwer und vom gleichen Programmier-Team (die Betonung liegt auf Programmierer – doch dazu später mehr) wie auch schon die anderen Titel der erfolgreichen Virtual-Familie. Der Name? Virtual Bassist (VB) und damit der zu Computercode gewordene Profi-Bassist-Ersatz. Auch mit diesem Titel setzt Steinberg voll auf die erfolgreiche Virtual-Philosophie: professionelle Styles von echten Musikern, gute Klangqualität, realistische Spielbarkeit und eine einfache Handhabung verbunden mit sinnvollen Features zur Klangmanipulation. Um es vorweg zu sagen: der VB ist eine tolle Ergänzung der Virtual-Familie und eine wertvolle Hilfe im Studioalltag.

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Installation
Die Installation gestaltet sich wie bei allen Steinberg-Produkten sehr einfach – leider verwenden alle neueren Steinberg-Produkte einen Funktions- und Kopierschutz in Form eines USB-Dongles, der nicht im Lieferumfang enthalten ist und separat erworben werden muss. Wer hier nicht aufmerksam das Kleingedruckte auf der Rückseite oder den kleinen Hinweis auf der Vorderseite des Kartons gelesen hat, guckt spätestens jetzt in die Röhre und darf für 19,90 Euro einen Dongle bei Steinberg bestellen. Wer bereits über einen Steinberg-Dongle verfügt, braucht natürlich keinen weiteren Key zu kaufen, sondern kann die beiliegende Softwarelizenz per Internetverbindung auf diesen Dongle übertragen – dieser Vorgang wird ausführlich im beiliegenden Handbuch beschrieben. Pro Sprache (englisch, deutsch und französisch) wird der VB auf rund 70 Seiten ausführlich beschrieben und daher auch für Einsteiger sehr gut geeignet. Als kostenlose Beigabe sind außerdem Demo-CDs von Cubase SX3, Groove Agent 2 und Halion 3 im Lieferumfang enthalten.

Funktionsweise
VB arbeitet, wie auch schon der Virtual Guitarist, nicht einfach mit gesampelten Bass-Klängen und einer subtraktiven Klangsynthese, sondern mit einer riesigen Sammlung von speziellen Audioaufnahmen, die von einem lebenden Bassisten im Studio aufgenommen wurden. In Echtzeit wählt VB die richtigen Aufnahmen aus der Sammlung aus, sobald auf dem Keyboard ein Akkord gedrückt oder ein Klangparameter verändert wird. Die Basssequenzen sind nicht an ein bestimmtes Tempo gebunden – die Sequenzen können in beliebigen Geschwindigkeiten abgespielt werden. VB bietet 30 unterschiedliche Musik-Stile wie z.B. Heavy, Disco, Hip Hop, Reggae, Hard Rock oder Pop. Jeder Stil enthält 13 verschiedene Spielweisen (Parts) und 6 Fills, die per Keyboard abgerufen werden können. Zusätzlich verfügt VB über diverse sinnvolle Bass-Effekte und verschiedene Lautsprecherkonfigurationen. Außerdem kann die Position des Mikrofons vor der Lautsprecherbox und Typ (dynamisch oder Kondensator) eingestellt werden. Eigene Bass-Samples (z. B. aus Halion) können jedoch nicht importiert werden.

In der Praxis
Nach dem Start der Standalone-Version oder nach der Einbindung in einen Sequenzer, kann VB über die Tastatur eines MIDI-Keyboards angesteuert werden. Der untere Bereich des Keyboards (C1-H2) dient dabei als Fernbedienung für elementare Funktionen und zur Auswahl der gespielten Bass-Linien. So schaltet man z.B. mit der Taste C#2 zwischen einer Bassgitarre mit vier oder fünf Saiten um. Die D#2-Taste legt fest, ob ein Part melodische Basslinien oder nur die Grundtöne der angeschlagenen Note wiedergibt. Mit den Tasten F#1, G#1 und B1 sowie F#2, G#2 und B2 werden jeweils die 6 verschiedenen Fills angetriggert. Nach Beendigung des Fills spielt VB automatisch den letzten ausgewählten Part weiter – es sei denn man drückt während des Fills eine andere Note oder Akkord. Mit den weißen Tasten wird einer der 13 Bass-Pattern ausgewählt. Der obere Bereich des Keyboards (C3-H4) wird als Pitchbereich bezeichnet und steuert die Tonhöhe der gespielten Parts, Fills oder Einzelnoten. Ab einer Anschlagstärke über 125 wird übrigens ein Akzent wiedergegeben, so dass die Bass-Sequenzen in Echtzeit variiert werden kann. Wird mit Aftertouch gespielt, erzeugt VB automatisch ein Vibrato in regelbarer Geschwindigkeit. Die Akkorderkennung funktioniert wie auch schon beim virtuellen Gitaristen einwandfrei, wenn man alle Noten eines Akkordes drückt – also für einen maj7-Akkord alle 4 Noten. Der erkannte Akkord wird in einem kleinen Fester angezeigt. Die Tastaturbelegung kann übrigens beliebig angepasst werden. Außerdem kann der obere Tastatur-Bereich mit dem unteren Bereich komplett getauscht werden. Für die Auswahl der Bass-Pattern hätte ich mir eine alternative Auswahl per Maus-Klick gewünscht.

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Die einzelnen Styles können komfortabel über einen separaten Style-Browser auf der rechten Bildschirmseite ausgewählt werden. Das Laden des ausgewählten Stils dauerte überraschenderweise nur 1-2 Sekunden auf unserem Referenz-PC (PIV, 3.2 GHz, 2 GB RAM, HDSP9632). Jedes Style kann auch vorgehört werden: als Besonderheit wird jedoch nicht nur die einzelne Bass-Sequenz, sondern gleich ein komplettes Arrangement mit Gitarre (Virtual Guitarist) und Drums (Groove Agent) abgespielt! Spätestens hier wird deutlich, dass die vorhandenen Grooves perfekt auf das Zusammenspiel mit Groove Agent, Virtual Guitarist und VG-Electric Edition abgestimmt sind.

Ganz neu und einzigartig in der Virtual-Serie: neben den vorgefertigten Parts können auch eigene Parts erstellt werden! Dazu wechselt man einfach den MIDI-Kanal von 1 auf 16 und schon können mit Hilfe der unteren Tasten die einzelnen Komponenten, aus denen ein Part besteht, gespielt und im Sequenzer aufgenommen werden.

Bedienelemente auf der Bassgitarre und Play-Seite
Das Besondere an VB ist die Simulation typischer Funktionen einer echten Bassgitarre, um ein möglichst realistisches Spiel zu ermöglichen. Direkt auf der Gitarre befinden sich vier Drehregler für Lautstärke (Ausgangspegel des Basses inkl. Übersteuerung), Tone (Dämpfung der hohen Frequenzen), Attack (Härte des Anschlages – also entweder mit den Fingern gespielt oder mit dem Plektrum) und Damp (Abstoppung der Saiten mit der Hand). Wer nicht möchte, dass sich die Werte dieser Regler bei der Auswahl eines neuen Styles ändern, kann sie mit Hilfe eines Schloss-Symbols diese fest speichern. Sogar die Position des Tonabnehmers kann verändert werden. Ein kleiner Schieberegler lässt den Klang entweder wärmer und bassiger oder härter und aggressiver erklingen. Alle Veränderungen erfolgen dabei in Echtzeit – d.h. die Note oder der Akkord braucht nicht neu angespielt zu werden.

VB läuft immer temposynchron zum Songtempo. Mit dem Speed-Parameter kann jedoch die Geschwindigkeit einer Sequenz halbiert oder verdoppelt werden. Der Latch-Modus sorgt für ein Anhalten der gedrückten Akkorde oder Noten und bei Aktivierung der Retrigger-Funktion beginnt die Wiedergabe eines Parts jedes Mal von vorne – unabhängig von der aktuellen Position im Takt.

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Klangbeispiele
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