Test: Steinberg Virtual Bassist

Effekte und mehr
Verstärker und Effekte spielen eine wichtige Rolle bei elektrischen Bässen und so wird als besonderes Schmankerl gleich ein ganzes Multi-Effekt-Board zur Verfügung gestellt. Dieses Board kann auch außerhalb von VB in einem beliebigen Mixer-Kanal der Host-Applikation als VST-/DirectX-/AU-Effekt genutzt werden. Selbst die Zuweisung von MIDI-Controllern ist möglich: einfach einen Regler mit der rechten Maus-Taste anklicken und einen beliebigen Controller auswählen!
Das Herzstück der Effektabteilung ist der Amp-Bereich. Der Verstärker verfügt über zwei authentische Modi: „Solid State“ und „Tube“ – der Röhrenverstärker erzeugt einen warmen, edlen Klang; der Solid-State-Verstärker einen klaren, hellen Sound.
Mit Hilfe des Drive-Reglers wird die Verstärkung des Vorverstärkers eingestellt – natürlich in Abhängigkeit des gewählten Verstärkers. Für die optische Kontrolle gibt es ein VU-Meter.

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Speziell für die Anpassung des Bass-Sounds gibt es einen hochwertigen EQ mit einem parametrischen Mittelfrequenzband.

Das Effekt-Angebot wurde speziell auf die Anforderungen einer Bass-Gitarre angepasst. Sechs typische virtuelle Bodeneffekte sind im Paket enthalten. So gibt ein Wah-Pedal mit regelbarer Resonanz, eine Fuzzbox für verzerrte Klänge, einen Compressor zwecks Anpassung des Dynamikbereiches, einen Octaver, der dem Basssound ein zweites Bass-Signal in einer anderen Tonhöhe hinzufügt und einen Chorus/Flanger/Tremolo-Effekt. Alle Effekte sind in Serie hintereinander angeordnet. In der FX-Routing-Anzeige werden eingeschaltete Effekte entsprechend angezeigt. Die einzelnen Effektmodule können direkt in der Anzeige mit der Maus ein- oder ausgeschaltet werden. Die Signalkette kann für den EQ und den Compressor an zwei Stellen verändert werden (Pre/Post). Für meinen Geschmack hätte die Routing-Anzeige etwas mehr Kontrast vertragen können, da bei ungünstigen Lichtverhältnissen die Anzeige schlecht lesbar ist. Man kann jedoch die Effekte auch über einen separaten Ein- und Ausschalter direkt am Modul aktivieren (inkl. optischer Kontrolle in Form einer roten LED).

Alle Effekte arbeiten temposynchron – die gewünschte Geschwindigkeit der Modulationen kann separat eingestellt werden. Den letzten Schliff erhält die Bass-Spur im Ausgangsbereich von VB. Mit Hilfe eines DI/MIC-Reglers kann eingestellt werden, ob die Wiedergabe des Basses über eine DI-Box (also direkte Verbindung des Basses zum Mischpult) erfolgt oder ob das Signal mit Hilfe eines Mikros vor einem Lautsprecher aufgenommen wird. Für den zweiten Einsatzbereich stehen verschiedene Simulationen von Lautsprecherboxen (von 8×10“ bis 1x 18“) und Mikrofonen (dynamisch oder Kondensator) zur Wahl. Mit einem speziellen Regler kann sogar ein beliebiger Mix zwischen DI-Box und Lautsprecher eingestellt werden.

Für die Effektabteilung steht ein eigener Effekt-Browser zur komfortablen Auswahl der 78 Effekt-Presets zur Verfügung. Eigene Effektkonfigurationen können selbstverständlich auch abgespeichert werden.

Klangbeispiele
Die angefügten Klangbeispiele enthalten jeweils ein kleines Arrangement mit Gitarre, Drums und Bass für alle verfügbares Styles.

Mitbewerber:
Der geistige Vater von Virtual Guitarist und Groove Agent ist Sven Bornemark. Und genau dieser Sven Bornemark brachte Ende 2004 einen eigenen virtuellen Bass unter dem Namen „Broomstick Bass“ (BB) heraus. Auf seiner Web-Seite stellt Sven noch einmal klar, dass VB und BB nichts miteinander zu tun haben. Beide Programme sind eigenständige Titel und wurden parallel voneinander von verschiedenen Leuten entwickelt. Trotzdem gibt es viele Gemeinsamkeiten, aber auch einige Unterschiede. BB bietet eine größere Auswahl an Bässen (z.B. Synthesizer-Bässe). VB bietet dagegen nur einen Bass, der aber im Grundsound verändert werden kann und mehr Styles und Effekte. Außerdem macht die Benutzeroberfläche bei VB einen professionelleren Eindruck. Pluspunkt für BB: neue Styles und Samples werden für registrierte User auf der Internetseite zum kostenlosen Download angeboten – das wünsche ich mir auch für VB! Den vollständigen Testbericht zum „Broomstick Bass“ finden Sie im AMAZONA-Testarchiv.

Fazit:
Mit viel Liebe zum Detail haben die Virtual Bassist-Entwickler eine wirklich gute und sinnvolle Ergänzung für das virtuelle Instrumenten-Rack geschaffen. Alle Dinge, die normalerweise für eine gute Bassaufnahme benötigt werden, wie z.B. Aufbauen, Stimmen, Warmspielen, Mikrofonieren und Aufnehmen, können mit dem virtuellen Bassisten in einem Bruchteil der Zeit realisiert werden. Das Timing kann je nach Geschmack eingestellt werden. Durch die Bearbeitungsmöglichkeit vorhandener Bass-Parts können Pattern erstellt werden, die auf einer echten Bass-Gitarre gar nicht spielbar wären. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei VB immer noch um ein Computerprogramm mit vorgefertigten Styles und nicht um einen echten Bassisten. Die mitgelieferten Styles decken ein breites musikalisches Spektrum ab. Der natürliche Klang der Grooves und die umfangreichen Bearbeitungsmöglichkeiten des Basssounds inkl. kompletten Effekt-Rack und die intuitive Bedienung sind die Highlights dieses Instrumentes.

Plus:
++++ realistisch klingender virtueller Bassist, basierend auf live eingespielten Grooves
+++ umfangreiche Bearbeitungsmöglichkeiten des Basssounds
+++ Styles decken ein breites musikalisches Spektrum ab
+++ einfache, intuitive Bedienung
+++ komplettes Effektrack mit 6 „Bodeneffekten“– auch separat für andere Instrumente verwendbar
++ ausführliches, sehr gut verständliches Handbuch

Klangbeispiele
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