Jetzt mit vollen Dolby Atmos-Support
Neben ein paar neuen Plug-ins und Workflow-Verbesserungen bekommt Steinberg WaveLab Pro 13 in seiner neuen Version auch umfassende Dolby Atmos Funktionen spendiert. Klar, dass wir uns die neue Software einmal näher anschauen.
- Dolby Atmos: Vollwertiger ADM-Import, objektorientiertes Arbeiten, Loudness-Analyse und -Anpassung direkt in der Montage.
- Großer Entwicklungsschritt: Atmos-Support kommt überraschend umfassend und ermöglicht modernes Immersive-Audio-Mastering.
- Neue Plug-ins: MasterRig 2, UltraShaper, PitchShifter, VocalChain und spezialisierte Tools wie Bass Manager erweitern das Klangarsenal deutlich.
- Workflow-Optimierung: Farbregeln, Clip-Hüllkurven-Sync, Sidechaining und Batch-Rendering beschleunigen komplexe Edit- und Mastering-Prozesse.
- Kritikpunkte: Dolby Atmos GUI mit Luft nach oben und kein AC4-Export, dennoch klares Pflicht-Update für Dolby-Atmos-Anwender.
Inhaltsverzeichnis
Installation von Steinberg WaveLab Pro 13
Steinberg WaveLab Pro 13 findet, wie bei der Hamburger Software-Schmiede seit Jahren etabliert, über den Steinberg Download Assistenten seinen Weg ins Studio bzw. auf den Rechner. Das funktioniert, keine Überraschung, gut. Anders als bei Cubase und Nuendo gibt es für die Installation lediglich eine Datei.
Um sich mit den Dolby Atmos Funktionen vertraut zu machen, liegt ein entsprechendes Demo-Projekt zum Download bereit.
Das Lizenzsystem von Steinberg ist mittlerweile bekannt und macht, was es soll, sehr gut. Beim ersten Start werden die Einstellungen (Audioeinstellungen, Key Commands usw.) von einer ggf. vorher bestehenden WaveLab 12 Installation übernommen.
Das grafische Nutzerinterface sieht auf den ersten und zweiten Blick genauso aus wie in WaveLab 12 oder auch 11. Allerdings fällt schnell der neue Dolby-Button in der Audiomontage auf. Es ist durchaus kein Nachteil, wenn sich mit jedem Major-Update nicht auch gleich die Nutzeroberfläche mehr oder weniger stark ändert. Denn die Oberfläche von WaveLab ist mittlerweile recht durchdacht und funktioniert gut bis sehr gut.
Immerhin hat WaveLab in seiner Geschichte zwei sehr extreme Änderungen des GUI mitgemacht, die zwar jedes Mal eindeutig ein Schritt in die richtige Richtung waren, jedoch von uns am Rechner einiges an Umgewöhnung abverlangt hatten.
Dolby Atmos in Steinberg WaveLab Pro 13
3D Audio ist eines der großen Ton-Themen der letzten Jahre. Es ist also nur konsequent, dass unsere Werkzeuge auf der Software-Seite nachziehen und entsprechende Fähigkeiten anbieten, wenn da nicht unterschiedliche Formate im Markt präsent wären: MPEG-H bietet sich für Streaming und TV an, Dolby Atmos und DTS:X sehen ihren Schwerpunkt in Film und Musik.
Es ist von einem einzelnen Programm kaum zu erwarten, dass mehrere oder gar alle Systeme unterstützt werden, so komplex erscheint dieses Thema. Auch können wir die Dolby Atmos-Features in Steinberg WaveLab Pro 13 nur anreißen, schon weil das Thema selbst mehrere Artikel füllen würde.
Wer beim Thema Dolby Atmos/3D Audio neu ist, sollte sich zunächst die bereits hier erschienenen Artikel zum Thema zu Gemüte führen
In Steinberg WaveLab 13 Pro lassen sich nun (Dolby Atmos-) ADM-Files importieren. Das ging zwar prinzipiell irgendwie auch mit dem Vorgänger, allerdings war das alte WaveLab mit dem Handling überfordert, da es nicht (genau) wusste, wie es mit den Dateien umzugehen hat: Es hatte die Klangobjekte schlicht nicht erkannt und als zusätzliche Spuren angezeigt. Das ist nun anders.
Steinberg WaveLab Pro 13 erkennt jetzt alle Metadaten, die Klangobjekte, die Beds usw. Es wird alles richtig wiedergegeben und auch entsprechend visualisiert. Geöffnet werden ADM-Files wie Montagen, auch das Handling ist entsprechend. Plug-ins, die die Summe bearbeiten sollen, lassen sich auf alle Beds und Klangobjekte parallel anwenden. Die Plug-ins, die das unterstützen, werden jeweils mehrfach instanziiert und synchronisiert. Das funktioniert richtig gut und erleichtert den Workflow erheblich.
Prinzipiell können das alle VST3-Plug-ins, auch jene von Drittherstellern. VST2.X und VST1.X Plug-ins bleiben dagegen außen vor. Soll nur ein Bed mit einem Plug-in bearbeitet werden, ist diese Zusammenschaltung nicht möglich, es bedarf dann spezieller Plug-ins, die bspw. 7.1.2 als Kanalkonfiguration anbieten.
Während auf den Gesamtmix auch Plug-ins anwendbar sind, die keinen 3D-Support (wie bspw. 7.1.2) bieten, ist das auf Beds oder mehrkanaligen Klangobjekten nicht möglich. Steinberg: hier bitte nachbessern!
- Hinweis auf das Plug-in-Syncing in Dolby Atmos Montage
- Plug-ins synchronisieren in Dolby Atmos
WaveLab ist, was das GUI angeht, den anderen beiden großen Audio-Produkten (Cubase/Nuendo) meist etwas unterlegen (zumindest nach meinem Dafürhalten), so auch hier. Die Dolby-Atmos-Oberfläche ist optisch nicht so ansprechend wie in Cubase/Nuendo und auch nicht so intuitiv. Aber keine Frage, nach etwas Einarbeitungszeit wird sich jeder zurechtfinden. Mit dieser Oberfläche lässt sich fraglos produktiv arbeiten, es ist aber noch Luft nach oben.
Wer mit seinem Dolby-Atmos-Mastering fertig ist, kann noch in Steinberg WaveLab Pro 13 eine Loudness-Analyse und automatische Anpassung an Zielwerte nutzen und danach wieder eine ADM-Datei speichern. Für die meisten Veröffentlichungsprozesse ist das der korrekte und angesagte Weg.
Die Online-Distributoren, die Dolby Atmos unterstützen, fordern in der Regel ADM-Files an. Es wäre allerdings noch interessant, hier einen direkten AC4-Export anzubieten, also das Dolby-Atmos-Projekt in das Format zu bringen, das bei uns im Wohnzimmer auf den Endgeräten läuft (und Dolby Digital abwärtskompatibel ist). Manchmal wird dieses Format (AC4) eben doch zur weiteren Nutzung wichtig, bspw. wenn die Mischungen auf unterschiedlichen Anlagen, auch Consumer-Systemen, getestet werden sollen. Hier sollte Steinberg nachlegen. AC3 wäre dann allerdings auch sehr gut als Feature, ich habe da Hoffnung.
Auf der Wunschliste stünde maximal noch, dass auch MPEG-H (immerhin hat Nuendo das im Angebot) und DTS:X Unterstützung finden.
Die Umsetzung des Dolby Atmos Supports in Steinberg WaveLab Pro 13 ist ein wirklich dickes Brett, das die Steinberger da gebohrt haben. War in der letzten Version von diesen Features noch nichts zu sehen, ist diese Version ein deutlicher Sprung von 0 auf 100 in Sachen objektorientiertem Immersive Audio, wirklich sehr gut gemacht. Üblicherweise wachsen solche Funktionen mit den Updates auch gerne Mal in solchen Programmen über ein paar Monate oder Jahre heran, hier kommen diese Möglichkeiten mit einem Schlag.
Die Features reichen locker aus, um modernes, zeitgemäßes Arbeiten mit ADM-Files zu erlauben, das GUI könnte allerdings noch etwas modernisiert werden. Und auch die Option Mehrkanal-Klangobjekte wieder zu gruppieren (…), wäre ebenso wünschenswert.
Auch könnte es interessant sein, zusätzliche Beds anzulegen oder Mehrkanalobjekte ebenfalls mit einem Plug-in (s. o.) zu bearbeiten. Prinzipiell sind die Hanseaten aber auf dem richtigen Weg und haben uns mit diesem Update ordentlich was auf den Desktop gelegt, da freue ich mich auf Updates noch einmal mehr.
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Neue Plug-ins für Steinberg WaveLab Pro 13
Die bereits aus dem letzten Cubase-Update bekannten Plug-ins haben (teilweise) ihren Weg in Steinberg WaveLab Pro 13 gefunden: Vocalchain, PitchShifter und der UltraShaper. Besonders letzterer dürfte die Gemeinde der WaveLab Jünger sehr willkommen heißen.
Etwas unverständlich ist, warum diese Effekte in WaveLab erst hinzugefügt werden müssen und Cubase/Nuendo-Nutzern nicht automatisch in WaveLab zur Verfügung stehen, wenn die entsprechende Lizenz bereits mit dem anderen Programm erworben wurde. Um es klipp und klar zu sagen: Hier konterkariert Steinberg massiv den Gedanken eines Plug-ins! Bis also mein neues Lieblings-Plug-in nicht in WaveLab verfügbar ist, muss ich Audiodateien zwischen den Programmen hin und her schicken.
Das hatten wir schon mal. Damals waren Plug-ins nicht Gang und Gäbe und es war einfach nicht ergonomisch, immer zwischen Programmen wechseln zu müssen. Steinberg, bitte durchdenkt diesen Ansatz noch mal.
Früher (vor VST3) ging das doch auch, die notwendige Lizenz vorausgesetzt. Klar, das erhöht etwas den Aufwand, weil die Plug-ins auch in anderen Hosts getestet werden müssten, würde aber erheblich den Mehrwert solcher Updates steigern!
Für alle Sounddesigner und Hörspielmacher unter uns ist das Underwater-Plug-in sicherlich besonders interessant (ich würde es ja gerne auch in Cubase nutzen, aber … genau, das geht wieder nicht): Es handelt sich hierbei um ein Tiefpassfilter, der die Klangverfärbung unter Wasser simulieren soll.
Der neue Bass-Manager und das neue MixerDelay sind Helferlein für Immersive Audio, gerade auch im Hinblick auf die neuen Dolby Atmos-Features sehr interessant. Es sind Brot-und-Butter-Werkzeuge für diesen Sektor und verrichten klaglos ihren Dienst, gut. Es lässt sich also mit dem Bass-Manager das Bass-Management an die eigenen Bedürfnisse anpassen: Geregelt wird, welcher Signalanteil – neben dem LFE-Signal – noch auf den Subwoofer geschickt wird (verkürzt erklärt) und MixerDelay kompensiert Schwächen in der Lautsprecheranordnung.
Spannend ist das neue MasterRig 2. Die Oberfläche wurde nahezu komplett überarbeitet, das machen die Steinberger doch schon mal ganz gerne bei Plug-ins. Unter der Haube wurde an bestehenden Modulen gearbeitet und es sind drei neue Module hinzugekommen. Zwei neue EQs (nach Angaben des Herstellers von Pultec inspiriert) und ein neuer Limiter.
Im Prinzip funktioniert das MasterRig 2 in Steinberg WaveLab 13 Pro wie sein Vorgänger auch. Wer sich damit auskennt, erlebt hier keine Überraschungen. Klanglich geht das Plug-in absolut in Ordnung, speziell für ein Stock-Plug-in. Die EQs klingen gut und zeigen klanglich, von wem (oder was) diese inspiriert wurden. Der Limiter braucht sich auch nicht hinter so mancher Payware zu verstecken.
Zwar nicht direkt ein neues Plug-in, aber neu beim Arbeiten mit Plug-ins: Steinberg WaveLab Pro 13 bietet nun einen erweiterten Support der Sidechain-Funktionalität in der Montage. Signale von Spuren und Clips lassen sich nun in Spur-Plug-ins zum Sidechaining nutzen.
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Workflow in Steinberg WaveLab Pro 13
Ich kann mich noch erinnern, als die ersten Sequencer auf den Markt kamen, die es erlaubten, Spuren und Parts/Clips zu färben. Ich war damals immer noch auf meine guten alten Atari STFM unterwegs. Der kannte nur Schwarz und Weiß (nein, kein Grau). Da erschien mir das wie sehr verschwenderischer Luxus. Später musste ich eingestehen: Ergonomie und Workflow sind kein Luxus, sondern Teil einer guten und effektiven Arbeitsumgebung.
In Steinberg WaveLab Pro 13 sind nun Farbregeln definierbar. Damit können Spuren und Clips nach unterschiedlichen Regeln eingefärbt werden. So ist es möglich, dass alle Clips, die das Wort „Musikbett“ im Namen haben, einheitlich gefärbt werden. Ebenso alle Spuren mit dem Wort „Sprecher“ im Namen usw. Es lassen sich Presets definieren und mehrere Regeln mit einem Klick auf eine Montage anwenden. Das schafft Übersicht und das noch (teil-) automatisiert, sehr gut.
Hüllkurven sind in WaveLab kalter Kaffee, aber wenn in einer Montage – bspw. beim Stem-Mastering oder beim Bauen eines Podcasts mit Jingle-Elementen (…) – mehrere Clips quasi synchron bearbeitet werden sollen, mussten die Anpassungen bisher Spur für Spur und Clip für Clip vorgenommen werden.
Mit dem aktuellen Update lassen sich nun Hüllkurven-Operationen von einem Clip auf die darunter liegenden übertragen bzw. gleichzeitig anwenden. Das Ganze geht absolut und relativ.
Wird der erste Clip auf +6 dB in einem Bereich angehoben, wird der identische Bereich bei den anderen Clips ebenfalls auf +6 dB angehoben. Soll die Bearbeitung relativ erfolgen, wenn bspw. alle Clips in einem Bereich um 7,5 dB abgesenkt werden sollen, geht das auch auf die gleiche Art und Weise. Ebenso ist ein Synchronisieren der Fades möglich. Ja, das hilft durchaus weiter und verkürzt so manche Edit-Session.
Auch interessant ist, dass sich die Wiedergabe über verschiedene Audio-Montagen hinweg synchronisieren lässt. So lassen sich bspw. unterschiedliche Varianten eines Projektes (in unterschiedlichen Montagen) miteinander besser vergleichen. Die entsprechende Schaltfläche unten schaltet die Option ein und aus. Das verkürzt Arbeitswege.
- Der neue Limiter im MasterRig 2
- Der altbekannte Raiser im neuen MasterRig 2
Wer öfter an Projekten arbeitet, bei denen mehrere Audio-Montagen angelegt werden müssen, kennt das folgende Szenrario: Am Ende sitzen wir vor dem Rechner trinken Kaffee (oder Tee) und starten das Rendering für die einzelnen Montagen nacheinander. Das geht jetzt endlich auch als Batch-Prozess. Mir fehlt allerdings noch, dass ein Rendering-Job im Batch Renderer gespeichert werden kann, ohne dass die Montage gespeichert wird. Somit könnten von einer Montage parallel zig Varianten gerendert werden. So ähnlich geht das bspw. in Adobe Premiere.
Steinberg WaveLab Pro 13 bietet schon seit den vorherigen Versionen viele Optionen, den Workflow zu individualisieren. So lassen sich nahezu alle Befehle und Vorgänge mit Tastaturkürzel und/oder MIDI-Befehl fernsteuern.
Leider unterscheidet die Software dabei den Arbeitsbereich und das aktive Fenster: Für dieselben Marker gibt es unterschiedliche Shortcuts/Einträge in den Einstellungen. Dabei sind die Tastatur-Befehle im Aufnahmemodus, der Montage und Wave-Editor nicht identisch. Das erschwert den Aufbau von Macroboards wie Touch Portal oder Streamdeck.
So ist es auch bspw. etwas seltsam, dass für den intelligenten Bypass das entsprechende Fenster in WaveLab offen und ausgewählt sein muss (den Fokus haben), sonst wird weder der Shortcut noch der MIDI-Befehl zum Umschalten ausgeführt! Das ist gerade hier nicht sinnvoll, denn das läuft der Logik solcher Shortcuts doch etwas entgegen.
Eine weitere gute Idee ist der Clip-Ribbon in der Audiomontage: Hier gibt es keine neuen Features, sondern es werden Clip-bezogene Funktionen gesammelt dargestellt, gut so!
Neben den hier vorgestellten Workflow-Anpassungen hat Steinberg noch viele weitere kleine Verbesserungen hinzugefügt. Die komplette Übersicht findet ihr hier.
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