Test: Sterling by Music Man John Petrucci JP160 RW

13. Januar 2019

Petruccis Vorzeigemodell

John Petrucci JP160

John Petrucci JP160

Gekonnt shredden – auf der musikalischen Weltbühne gab es vor der Zeit des Social Media Hypes ein paar Namen, welche die jüngere Generation dahin gehend geprägt und inspiriert haben. Der legendäre Bucket Head, Malmsteen – oder eben John Petrucci. Der Rhythm- und Lead-Gitarrist der Prog-Metal-Pioniere Dream Theater hat mit seinem Spiel und seinen Kompositionen Heerscharen von Gitarristen inspiriert. Dream Theater haben seit jeher eine starke Fanbase und unzählige Instagram- oder YouTube-Channels und Karrieren hätten ohne Petruccis Spiel niemals das Licht der Welt erblickt. Dass der Hersteller Sterling by Music Man dem Gitarristen eine Signature-Gitarre in mittlerer Preisklasse gewidmet hat, dürfte einige Gitarristen aufhorchen lassen. Die ergonomische Bauweise, das Griffbrett und viele anderen Features sollen, wie wir sehen werden, das Shredden vor dem Herrn vereinfachen. Was sagen die Pickups? Kopiert der Tone im Grunde nur das, was John macht oder hat sich Sterling getraut, dem Ganzen eine eigene Note beizumischen? Wir nehmen dieses heiß ersehnte Stück hier mal genauer unter die Lupe.

Facts and Features – John Petrucci JP160

Gleich zu Beginn wird deutlich: Die JP-Bauform ist aufgrund ihres stark konturierten Korpus enorm schnittig und liegt unheimlich angenehm an – Forearm Contour lautet auch sinngemäß der Name des Korpus. Auf der linken Hälfte der Unterseite flacht die John Petrucci JP160 ein wenig ab, sodass der Unterarm perfekt aufliegen kann.

John Petrucci JP160 Headstock

 

Das Material, aus dem der Korpus besteht, ist erwartungsgemäß Mahagoni. Federleicht wie eine Strat ist die Gitarre also nicht, sie liegt aber auch nicht so schwer um wie eine Paula. Eingelassen in das Stück Mahagoni ist ein Hals aus Roasted Maple, fest und souverän mit fünf Schrauben über einer Metallplatte befestigt. Das samtige Griffgefühl des Roasted Maple rührt nicht von ungefähr – der Prozess des „Roastings“ stabilisiert das Holz und trocknet die Oberfläche aus, wodurch es sich ungemein sanft anlässt – man kann also froh sein, dass hier die Lackschicht auf der Rückseite des Halses weggelassen wurde. Verschraubt wurde es ebenfalls extrem genau – da passt kein Blatt Papier durch.

John Petrucci JP160 Vibrato

 

Das Griffbrett aus Palisander, das in millimetergenauer Arbeit eingelassen worden ist, weist präzise eingesetzte Inlays auf, die an den äußeren Rändern abgerundet wurden und das Spielgefühl entsprechend in keinster Weise beeinträchtigt. Nicht zu dünn, nicht zu breit, mit abgerundeter Oberfläche und einwandfreier Intonation. Mehr noch – dies ist eine Gitarre von Shredder für Shredder und um ein ergonomisches Spiel zu gewährleisten, ist die Wahl der Halsform natürlich entscheidend. Das Halsprofil ‚D‘ ist besonders abgeflacht und ermöglicht ein schnelles Wandern zwischen höheren und tieferen Bundregionen.

Eingelassen im ersten Bund ist John Petruccis „JP Shield“ Logo – klar, wo Signature draufsteht, darf der Name nicht fehlen. Mit seinen 24 Bünden und einer Mensur von fast 65 cm bringt die John Petrucci JP160 diesbezüglich keine großen Überraschungen mit sich und auch der Radius des Griffbretts liegt bei modernen 16 Zoll. Die etwas gestaucht aussehende Kopfplatte ist rein optisch vielleicht nicht der Überflieger und wirkt im Verhältnis zu den anderen regulären Maßen der Gitarre ein bisschen klein, aber das ist kein Beinbruch. Schauen wir uns mal die Hardware und die Pickups genauer an!

Pickups und Hardware – John Petrucci JP160

Die John Petrucci JP160 wird mit zwei passiven Humbuckern als Tonabnehmer geliefert, die eigens von Sterling by Music Man hergestellt wurden. Dass es sich dabei nicht um das Aushängeschild der Firma handelt, wurde bei der Recherche im Vorfeld recht schnell deutlich – der HH-Bestückung wird gerne ein etwas dumpfer Sound nachgesagt, doch das wird im Praxisteil dann genauer nachvollzogen. Die Möglichkeit, Coil-Splitting zu betreiben, ist nicht gegeben, dafür besitzt John Petrucci JP160 einen integrierten Volume-Boost von bis zu 12 dB, der durch eine aktive, batteriebetriebene Elektronik betrieben wird und aktiviert wird, indem man den Volume-Regler herunterdrückt. Auch hier ist die Neugier groß, was das im Praxisteil so herausreißen wird und ob es sich hierbei um einen sinnvollen oder vielleicht unnötigen Gimmick handelt. Tatsache ist: Wackeln tut das Poti nicht und das Einlassen des Reglers verläuft stabil und problemlos. Der andere Regler kümmert sich erwartungsgemäß um den Klang.

Der Dreiweg-Schalter befindet sich direkt neben dem Volume-Regler und aktiviert entweder Steg- oder Hals-Pickup sowie beide in der mittleren Position. Fast ein bisschen arg nahe an den Saiten befindet sich das gute Ding, aber das ist zu verschmerzen und man gewöhnt sich recht schnell dran. Auch den Locking-Sattel haben Sterling in Eigenregie verfeinert und hierbei grundsolide Arbeit geleistet. Dass er im Korpus eingelassen worden ist, soll natürlich auch hier die Möglichkeiten zu ergonomischer Spielweise unterstützen. Intonation und Stimmstabilität sind zweifelsohne hierbei gewährleistet.

Die Krux bei dem Ganzen: das Double-Locking-Vibrato, das auf der Unterseite des Sattels befestigt werden kann. Wer Dream Theater oder Liquid Tension Experiment kennt, der weiß, dass John Petruccis charakteristisches Spiel gerne mit Whammy-artigen „Squeals“ oder sogenannten Dive-Bombs abschließt. Der Mann selbst also verwendet das Vibratosystem gut und gerne, insofern darf man davon ausgehen, dass hier die richtigen Köpfe zusammengesteckt wurden, um mithilfe der Druckgussmechaniken ein stimmstabiles System zu bauen. Und in der Tat ist der erste Eindruck gut – zumindest lassen sich auch nach längerem Nutzen des Hebels keine besonderen Verstimmungen ausmachen. Standard Gurtpins und Locking-Mechaniken runden die Hardware der John Petrucci JP160 souverän ab.

Fassen wir also zusammen: Ein ergonomisch geschnittener, mittelschwerer Korpus, flacher D-Shape, superweiches Maple Holz am Hals, ein stimmstabiles Tremolo und ein integrierter Volume Boost – die John Petrucci JP160 legt hier also einiges auf den Tisch. Wie das klingt und was vor allem die Pickups hermachen, erfahren wir jetzt im Praxisteil.

John Petrucci JP160 – Sound und Praxis!

Der akustische Grundsound spricht für eine einwandfreie Verarbeitung am Steg und Hals – kein Schnarren, keine störenden Nebengeräusche. Um den Charakter der Pickups möglichst originalgetreu darzustellen, wurden die cleanen Sounds über den Hi-Z-Zugang eines Focusrite Scarlett aufgenommen. Die verzerrten Sounds jedoch wurden nicht emuliert, sondern mithilfe eines Shure Mikrofons und eines Laney Lionheart aufgenommen.

Beginnen wir mit dem Hals-Pickup. Für dunkle, klare Klänge eigentlich gedacht, wird recht schnell deutlich, dass die Pickups nach unten raus viel Präsenz zeigen, sprich dem Low-End mehr Fülle einräumen als dem Rest – das Resultat ist in der Tat ein bisschen dumpf. Wohl gemerkt – der Volume-Boost ist hierbei aktiviert.

In der mittleren Position des Dreiwege-Schalters klingt das Ganze schon besser. Wenn auch immer noch ein bisschen „dumpf“, kommen die Tiefen im Vergleich hier verbessert zum Ausdruck, ohne sich zu sehr vorzudrängen. Dass die Bundreinheit beim vorliegenden Modell nicht hundertprozentig gegeben ist, sei dahingestellt, feststeht: kein Brummen, stattdessen ordentlich Fülle!

Wir schauen uns auch mal an, was der Steg-Pickup im cleanen Kanal hergibt. Die Akzentuierungen kommen durch, doch auch hier hält sich ungewöhnlich viel Low-End für so einen Steg-Pickup. Klar wird also – das Klangbild der Sterling Humbucker ist zweifelsohne eher dunkel und am Hals sogar bisweilen dumpf.

Wie gesagt werden die verzerrten Sounds mikrofoniert abgenommen. Wir beginnen wieder mit dem Hals, wo sich die starke Tiefenbetonung ziemlich gut macht. Auffällig langes Sustain, was dem soliden Mahagonikorpus geschuldet sein dürfte.

Darüber hinaus versuchen wir uns mit ein bisschen weniger Gain an den Steg-Pickup, der für ein akzentuiertes, härteres Spiel hervorragend geeignet ist und dabei durchschlagskräftig bleibt. Gefällt!

Fazit

Die Sterling by Music Man John Petrucci JP160 RW ist eine weitere Signature, die ganz klar die Handschrift ihres Namensträgers trägt. Schnittig und schön bespielbar ist die Verarbeitung von Korpus und Hals über alle Zweifel erhaben und gelungen. Der flache D-Shape des Halses tut ebenfalls sein Übriges für das schnittige Spielgefühl. Wermutstropfen ist hierbei zweifelsohne die Angelegenheit mit den Humbuckern. Vielleicht hätten sich Sterling by Music Man besser daran getan, aus dem existierenden Fundus die Passenden rauszusuchen, fest steht, die Modelle der Hausmarke sind ein bisschen dumpf im Sound und zu sehr im Low-End beheimatet. Das ergibt noch lange keinen schlechten Klang, aber man wird das Gefühl nicht los, dass hier mehr drin gewesen wäre. Trotzdem: toll bespielbar und grundsolide im Sound.

Plus

  • Korpus ergonomisch und spielerfreundlich geschnitten
  • toller Hals
  • integrierter Volume-Boost sehr hilfreich
  • stimmstabiles Vibratosystem

Minus

  • Humbucker durchwachsen
  • dumpfer Grundsound mit zuviel Low-End

Preis

  • Ladenpreis: 899,- Euro
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