Keyboard-Controller mit MIDI 2.0 und Audiointerface
Anlässlich der NAMM Show 2025 hat der Hersteller Fatar die zweite Generation seiner Keyboard-Controller-Serie vorgestellt. In Form der drei Versionen Studiologic SL73 MK2, SL88 MK2 und SL88 GT MK2 ist diese seit Kurzem erhältlich. Rund zehn Jahre sind seit der ersten Version der MIDI-Keyboards vergangen. Schauen wir einmal, was die MK2-Versionen zu bieten haben und wie sie sich einsetzen lassen.
Kurz & knapp
- Spielgefühl & Gewicht: Die neuen Fatar-Tastaturen bieten ein gutes Spielgefühl bei gleichzeitig geringem Gewicht.
- Bedienkonzept: Die UX Logic-Oberfläche mit Farbcodierung und gutem Display erleichtert die Steuerung deutlich.
- Verarbeitung: Die robuste Bauweise mit Metallgehäuse überzeugt und ist für den Live-Einsatz bestens geeignet.
- Funktionen & Anschlussvielfalt: Zonen-Management, Audioausgänge und MIDI 2.0 machen die Controller zukunftssicher – leider fehlt ein Audioeingang.
- Kritikpunkt: Die Mini-Joysticks sind zu klein geraten und daher nur schwer präzise bedienbar.
Inhaltsverzeichnis
Aufbau der Studiologic MIDI-Keyboards
Wie eingangs bereits erwähnt, bietet Studiologic seine MIDI-Keyboards in drei unterschiedlichen Varianten an. Da hat sich zur ersten Generation nichts verändert, so dass man weiterhin die Wahl zwischen einem 73- und 88-Tasten-Keyboard sowie einer 88-tastigen Version mit Hammermechanik hat.
Bereits auf den ersten Blick wird klar, dass Studiologic die SL MK2-Serie rein optisch näher an das Numa X Piano heranbringen möchte, denn die auf unterschiedlichen Farben basierende Bedienung, die Studiologic „UX Logic“ nennt, stammt vom Studiologics Stagepiano. So machen das Studiologic SL73 MK2 und seine Brüder einen frischen Eindruck, verfügen gegenüber dem Stagepiano aber über keine interne Klangerzeugung und insgesamt auch weniger Bedienelemente.
Entsprechend des Bedienkonzepts ist das farbige 2,8″ LC-Display sowie die vier farbigen Zonen-Regler Dreh- und Angelpunkt bei der SL MK2-Serie. Hierüber werden Zonen auf den 73 bzw. 88 Tasten der Controller eingerichtet, Einstellungen vorgenommen, so dass externe Klangerzeuger, egal ob Hard- oder Software, angesteuert und gespielt werden können.
Neben einer vierteiligen Transportsektion gehören zwei zuweisbare Encoder sowie zwei kleine Mini-Joystick-/Stick-Controller zur Ausstattung des Studiologic SL73 MK2, dem SL88 Mk2 sowie dem SL88 GT MK2 dazu.
Die kleinen Mini-Controller, die an der linken oberen Seite der Bedienoberfläche untergebracht sind, setzt Studiologic bereits bei mehreren Pianos und Controllern ein. Leider können diese mich auch im Falle der SL MK2-Serie nicht überzeugen, denn sie fallen einfach extrem klein aus (Größe ca. 1,5 x 0,6 cm) und lassen sich daher nur schwer akkurat bewegen.
Tastatur von Studiologic SL 73 MK2, SL88 und SL88 GT
Ein klarer Unterschied zur ersten Generation ist die neue Tastatur. SL73 MK2 und SL88 MK2 sind mit Fatar TP/110-Tastaturen mit Aftertouch ausgestattet. Diese verbaut u. a. auch Arturia in seinem Keylab 88 Mk3, das ähnlich leichtgewichtig ist.
Letztlich ist das Gewicht auch eines der großen Vorteile dieser Tastatur, denn Fatar hat es hiermit geschafft, eine vergleichsweise leichte Tastatur zu entwickeln, die dennoch keine klapprigen Tasten besitzt.
Im Gegenteil, beim Spielen der SL73/SL88 MK2-Tastatur ist schon ein gewisser Druck notwendig, um die Tasten nach unten zu bringen. Dazu überzeugt sie mit einer guten Ansprache und lässt sich insgesamt sehr gut spielen.
Wer eine richtige Hammermechanik-Tastatur mit Holzelementen sucht, also spielerisch noch mehr in Richtung Klavier gehen möchte, sollte sich dagegen das Studiologic SL88 GT MK2 anschauen. Hier verbaut Fatar eine TP/400 Wood-Tastatur (ebenfalls mit Aftertouch).
Für den Test stand mir zwar lediglich das SL73 MK2 zur Verfügung, so dass ich keinen direkten Vergleich hatte. Ich kenne die Tastatur aber vom Numa X Piano GT und dort hat sie mir insgesamt sehr gut gefallen. Der Anschlag ist bei dieser Tastatur noch einmal härter gewichtet, was natürlich Pianisten entgegenkommt. Allerdings steigt das Gewicht des Keyboard-Controllers hierdurch auch auf 21 kg an.
Verarbeitung und Bedienung
Das Gehäuse der Keyboard-Controller besteht aus einem Metallkorpus mit angeschraubten Kunststoffelementen an den Seiten. Das ist absolut road-tauglich.
Insgesamt fällt die Verarbeitung sehr gut aus und die Bedienelemente lassen sich, bis auf die bereits erwähnten Kritikpunkte an den Stick-Controllern, sehr gut bedienen. Die Encoder lassen sich mit angenehmen Drehwiderstand bewegen, das Display ist ausreichend groß dimensioniert und bietet einen großen Informationsgehalt.
Das Menü und die daraus resultierende Bedienung sind durchdacht aufgebaut, so dass sich auch Neulinge schnell zurecht finden werden. Richtig tiefes Menü-Diving muss man hier nicht betreiben, so dass man stets gut und sicher ans Ziel gelangt. Ein gedrucktes Handbuch liefert Studiologic nicht mit, dieses lässt sich jedoch online in fünf verschiedenen Sprachen aufrufen.
Aufgrund der farblichen Codierung der vier links vom Display liegenden Encoder sowie der korrespondieren Unterteilungen im Menü, hat man stets einen guten Überblick darüber, welcher Regler welche der maximal vier möglichen Zonen steuert. Ab Werk steuern die Encoder die Lautstärke der Zonen, ein Druck darauf schaltet die jeweilige Zone stumm.
Anschlüsse des Studiologic SL73 MK2, SL88 und SL88 GT
Alle drei Versionen der Studiologic SL MK2-Controller verfügen über einen USB-C-Port, über den die Keyboards an einen Computer oder mobiles Endgerät angeschlossen werden. Nutzt man den Controller standalone, lässt sich hieran auch das beiliegende USB-Steckernetzteil anschließen. Darüber hinaus gibt es drei Pedalanschlüsse sowie je einen MIDI-Ein- und Ausgang und ein Kensington Lock.
Als Besonderheit verfügt die SL MK2-Serie über Audioausgänge sowie einen Kopfhörerausgang, so dass man sich bei Einsatz der Controller auf der Bühne beispielsweise das Audiointerface sparen kann. Signale von Software-Instrumenten müssen damit also nicht über den Host-Rechner ausgegeben werden, sondern können direkt vom SL MK2-Controller an Lautsprecher geschickt bzw. über Kopfhörer abgehört werden.
Allerdings ergibt sich die dann die Frage, wieso Studiologic seiner neuen Controller-Generation keinen Audioeingang spendiert hat. Damit könnte man in einem Live-Setup nämlich komplett auf ein zusätzliches Interface verzichten. So wirkt das irgendwie nur halb zu Ende gedacht.
Einsatz des Studiologic SL73 MK2
Die Inbetriebnahme des Studiologic SL73 MK2 ist schnell erledigt. Entweder über den USB-C-Port mit dem Computer oder über das beiliegende Steckernetzteil mit einer Steckdose verbinden, dann kann es losgehen. Auf meinem Mac unter Cubase und Logic wurde der Keyboard-Controller nach Anschluss am USB-Port sofort erkannt und ich konnte ihn direkt als Einspiel-Keyboard einsetzen.
Wie bereits erwähnt, lässt sich die Tastatur des Studiologic SL73 MK2 sowie dessen Brüder in bis zu vier Zonen unterteilen. Dabei kann jede Zone frei dem USB-MIDI- oder dem MIDI-DIN-Ausgang zugeteilt werden. Auch die Aufteilung der Zonen auf der Tastatur ist individuell einstellbar und die Zonen dürfen sich auch überlappen.
Pro Zone können alle klassischen Parameter wie Lautstärke, Velocity-Range, MIDI-Program-Change oder MSB/LSB-Parameter bearbeitet und eingestellt werden. Auch die zwei Joysticks, die Encoder A/B sowie die Pedaleingänge lassen sich mit unterschiedlichen Funktionen belegen.
Auch wenn die Einstellung und Programmierung des Studiologic SL-MK2 über das Display etwas Zeit in Anspruch nimmt, kommt man mit etwas Übung schnell ans Ziel und kann mit dem Controller Setups erstellen, die sowohl im Tonstudio, vor allem aber auch live recht komplexe Aufgaben bewältigen können. Einen Software-Editor gibt es im Übrigen nicht.
Alle Einstellungen speichert man in einem Programm, von denen der Controller bis zu 100 intern ablegen kann. Die Programme können individuell benannt werden. Praxisgerecht ist auch die Favoriten-Funktion, über die man Programme in einer Art Setliste zusammenstellen und anordnen kann, beispielsweise um die gewünschten Programme für den Gig am Wochenende vorzubereiten.
Beim Einsatz des Studiologic SL73 MK2, SL88 MK2 oder SL88 GT MK2 im Tonstudio können die Controllerkeyboards auch für die Steuerung der DAW herangezogen werden. Die Keyboards arbeiten dabei auf Basis des weitverbreiteten Mackie-Control-Protokolls, wobei für die drei DAWs Ableton Live, Apple Logic Pro und Cubase Steinberg eine separate Datei installiert werden muss.
In meinem Fall hat das wunderbar geklappt und der Controller konnte daraufhin für die Steuerung des Transportfunktionen genutzt werden. Da das ganze Prozedere auf dem erwähnten Mackie-Control-Protokoll basiert, sind die Steuerungsfunktionen nicht so tiefgreifend, wie man das mittlerweile von anderen Controller-Herstellern kennt, die für ihre Keyboards eigene DAW-Mappings kreieren, woraufhin auch weitergehende Funktionen vom Keyboard aus gesteuert werden können.
Fairerweise muss man jedoch anmerken, dass die SL-MK2-Serie darauf nicht ausgerichtet ist, dafür fehlen einfach Fader, Buttons und Potis. Studiologic richtet seine Controller einfach anders aus.
Dass man bei Studiologic zukunftsweisend denkt, stellt die Implementation von MIDI 2.0 klar. In der Praxis sorgt das u. a. dafür, dass die Dynamik der Tastatur bzw. Reglerbewegungen höher aufgelöst werden kann, was letztlich zu einem feinfühligeren und detaillierteren Steuern führt, aber – und jetzt kommt ein großes Aber (wofür aber Studiologic nichts kann) – sofern es der gegenüberliegende Partner auch versteht. Und da hapert es leider aktuell noch. Denn nur langsam bringen die Hersteller MIDI 2.0-fähige Geräte auf den Markt, so dass die Studiologic SL-MK2-Serie diesbezüglich aktuell noch etwas alleine ist.
Numa Player 2
Ein tolles Extra für das Studiologic SL73 MK2 sowie die zwei anderen Versionen ist der Numa Player. Hierbei handelt es sich um eine kostenlos erhältliche Software, die 24 Sounds enthält und unter macOS, Windows und iPad/iOS eingesetzt werden kann. Für die Controller-Keyboards ist diese Host-Software eine tolle Erweiterung, bietet sie doch gute bis sehr gute Sounds aus den Bereichen Acoustic Pianos, Electric Pianos, Keys und Strings & Pads. Direkt in die Software integriert sind dazu neun Insert-Effekte pro Part sowie ein Master-Effekt.
Der Numa Player kann in den Formaten VST3, AU2 und AU3 zum Einsatz kommen und lässt sich auch mit Nicht-Studiologic-Keyboards nutzen.
Ein Video zum Numa Player 2 findet ihr hier.














































Diese machen auf den ersten Blick einen super Eindruck. Studiologic hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm und hatte Zweifel, ob es diese überhaupt noch gibt. Kenne sie eigentlich nur vom Sledge Synthesizer und dieser ist auch schon fast als digitaler Vintage-Synthesizer zu bezeichnen. Eine echte Konkurrenz zu den dezent überteuerten Midikeyboards von Native Instruments. Abgesehen von der NKS-Integration was natürlich denen ihr Steckenpferd ist. Studiologic is back!
Noch eine Anmerkung zum Thema Controller, bzw Mini-Joysticks: Schon für die MKI-Versionen der SL-Keyboards hatte Studiologic den Controller SL Mixface angeboten, der speziell dafür ausgelegt war, bei Bedarf die SL-Keyboards mit weiteren Controlelementen zu ergänzen. Der sollte auch mit den MKII Versionen funktionieren.
Ich hatte auf der Superbooth 2025 das Studiologic SL88 GT mk2 angespielt. Das war mal richtig toll zu spielen. Aber ich habe mal gelesen, dass es bei Studiologic (früher) öfters mal Kompatibilitätsprobleme gibt und die Treiber nicht immer Optimal sind. Das macht dann schon etwas vorsichtig.
Schade, dass es die „großen“ Hersteller nicht schaffen sich diese Tastatur anzueignen. Oder noch besser: Die Gehäuse so konstruieren, dass man sie bei Bedarf selber austauschen könnte.. Wäre doch auch mal was.. Custom Keyboards zum selber konfigurieren. Beim PC klappt das seit Jahrzehnten. Wäre schön, wenn sich da mal ein paar Hersteller zusammentun würden. Man weiß ja nie, was man nehmen soll. Die Tastatur vom Studiologic, Die Software und Bildschirm vom Kontrol MK3 und die Controller vom Keylab.. Das wäre mal meine Wunsch-Bestellung :D
Prima Tastatur, schön leicht – aber leider für mich völlig unbrauchbar gemacht durch diese Spielzeug- Joysticks anstelle eines ordentlichen Paars Pitchbend-/Mod-Wheels.
So kann und will ich nicht das Allergeringste damit anfangen.
@defrigge Zur Tastatur kann ich nichts sagen, da ich ein Gerät mit diesen Stummeln nicht kaufen werde. Meine Nachfragen ergaben, dass sich dieser Zustand wohl zumindest bei der bestehenden Geräte-Generation nicht ändern wird.
Ein anderer italienischer Hersteller hat das jetzt viel besser gemacht. Da hat man Wheels und auch Controller.
@ukm Welcher ?
Welches Modell ?
@maga Gute Frage, weil es gibt eigentlich keinen anderen Hersteller in Italy außer CME und Fatar selbst.
@Filterpad Viscount, Crumar und Dexibell tät mir da noch einfallen, aber da finde ich nix Vergleichbares in deren Portfolio…..
(Fatar ist ja Studiologic….)
Die Kombination aus Masterkey und eingebautem Audiointerface (wenn auch ohne Ins) finde ich ziemlich praktisch.
Die TP100 fand ich ehrlich gesagt schrecklich, die TP110 soll aber deutlich besser sein und müsste ich mal antesten.
Für den Preis würde ich sogar über die „komischen“ Wheels hinweg sehen….
Als Nutzer des SL73 MK1 wäre interessant zu wissen, warum ein MIDI-Out eingespart wurde und ob am MK2 der Aftertouch besser reagiert.