Test: SuperStereo DN78, Rotary-Mixer

2. August 2018

Ein audiophiler Dreher mit Röhren-Unterstützung?

SuperStereo DN78 – ein Rotary-Mixer mit Crossfader. Bäm. Ich wollte es direkt einmal sagen. Warum? Nun, da man so oft hört, lustig oder leicht abschätzend meckernd, „der hat keinen Crossfader, das ist doch kein Mixer!“. Dieser hat einen. Und jetzt? Geh lernen mit einem Rotary zu spielen, du Meckerfritze, denn wer nicht mit einem Rotary spielen kann, ist kein echter DJ!
Wer zuletzt lacht, lacht am besten! Und ich lache doppelt, denn der Crossfader ist natürlich … zum Drehen. Wäre dies eine Rede, ich würde jetzt lachend von der Bühne gehen und das Publikum verdutzt zurücklassen. Einfach aus Prinzip. Ist es aber nicht und zugegeben, zum SuperStereo DN78 gibt es abseits davon noch verdammt viel anderes Gutes zu berichten.

SuperStereo ist eine kleine Schmiede von der Insel nebenan, UK. Ziel? „Manufacturing of high- grade custom audio mixers“. Custom made ist ein gutes Stichwort, ebenso Röhren. So ist der SuperStereo DN78 ein Teil der DN78 Phantom Valve Series, ein wenig verwirrend, denn es gibt nur den DN78, diesen aber in der Standard-Version und in der audiophilen Version. Diese ist mit anderem Preamps ausgestattet, wahlweise können bei dem DN78 aber auch noch weitere Teile gewechselt werden, Preamps für Input und Output, verschiedene Röhren, andere Switches und Kappen und mehr. Aber auch jeder „normale“ DN78 kann nach Kundenwunsch modifiziert werden, dafür gibt es verschiedene Vorschläge auf der Homepage des Herstellers. Wohlgemerkt, primär geht es um die Veränderung/Verbesserung der inneren Werte oder der Funktionen, nicht darum, dass man statt der schwarzen eine weiße Oberfläche erhält.

Bevor es in den Test geht, könnte man sicher kurz erwähnen, dass SuperStereo derweil zu Formula Sound gehört, sicher kein Schritt zu schlechterer Produktionsqualität.

SuperStereo DN78

SuperStereo DN78 – ein erster Blick

Erster Eindruck? Anders. Ungewohnt ein wenig. Geil. Der SuperStereo DN78 ist ein Rotary-DJ-Mixer mit zwei Kanälen plus Mikrofon-“Kanal“. Dazu kommt noch ein weiteres Feature, welches man bei einem Rotary-Mixer definitiv nicht erwarten würde, dazu später mehr. Der DN78 geht definitiv mehr in die Breite, als in die Tiefe. Für einen Dreher nicht ungewöhnlich, so ist auch der weitere Aufbau im ersten Moment übersichtlich gestaltet. 33 cm breit, 22 cm tief, 8 cm hoch. Die Außenseiten werden durch dunkle Holzpaneele verdeckt, der Rest des Mixers zeigt sich im massiven Metallkörper, sehr dunkel blau bis schwarz, etwas sehr dunkles Grau – es ist ein wenig schwierig zu definieren. Front, Oberseite wie auch Unterseite sind mit einer zusätzlichen Cover-Plate versehen, sorgsam verschraubt. Das erklärt auch das Gewicht von 3,2 kg. Das ist nicht besonders viel, jedoch würde man beim Anheben einen leichteren Mixer erwarten.

Die Oberseite wird dominiert durch … gar nichts. Eigentlich ist sie recht voll und somit ist ein kleiner Überblick gar nicht verkehrt. An der Spitze befindet sich der Master-Isolator. Drei Bänder, keine Mittenrasterung. Darunter befindet sich das analoge VU-Metering, LED-beleuchtet. Ab dann ist ein genauerer Blick sinnvoll. Links und rechts befindet sich ein 3-Band-EQ für jeden Kanal, angeordnet im Dreieck. Mitten oben, darunter Bass und Höhen.
Mittig des Mixers wird man vier weitere Potis erblicken können, zwei mal zwei in einer Reihe. Etwas ungewöhnlich an dieser Position sind dort die Input-Wahlschalter angebracht, mittig zwischen diesen der Booth- und der Kopfhörer-Level-Regler.
Verbleibt eine Reihe noch unkommentiert. Drei Regler, zwei Knöpfe. Endlich geht es zu den großen Potikappen für das Level der beiden Kanäle. Die beiden Druckschalter sind für die Cue Auswahl der beiden Kanäle, in der Mitte dieser befindet sich der bereits erwähnte Crossfader. Als Drehregler wohlgemerkt.

Soweit, so gut für die Oberseite. Wer denkt, damit sei alles gesagt, hat die Front übersehen. Wer sich aufregt, dass es keinen Gain gibt, kann durchatmen. Wer sich freut, dass es keinen Gain gibt, der kann gleich meckern.

SuperStereo DN78

Gut bestückt mit Reglern ist die Front

An der Frontseite findet der Nutzer sieben weitere Potis, dazu den Kopfhörerausgang in Form einer 6,3 mm Klinkenbuchse – von innen rötlich per LED beleuchtet. Was fehlt noch? Der Gain, der wurde schon erwähnt. Auch einen Master-Level hat man auf der Oberseite noch nicht gefunden.

Alle drei Potis befinden sich an der Front, mittig ein größeres Master-Poti, an den beiden Seiten jeweils ein Gain-Regler. Verbleiben noch vier unerwähnt. Zwei davon entfallen auf den Send- und Return-Weg. Minimal mit einem Send-Level und einem Return-Level, aber immerhin. Ein weiterer ist für den Kopfhörerweg zuständig, als Phones-Crossfader benannt, für viele sicher als Cue-/Master-Mix-Regler bekannt. Aber Achtung, entgegen des Gewohnten ist der Mix hier links, Cue rechts.

Als letztes Poti verbleibt die Einstellung für die Mittenfrequenz des Master-Isolator, welche rasterlos von 300 Hz bis 1,5 kHz eingestellt werden kann – mit der Option, den Master-Isolator zu bypassen.

Einen Überblick über die Funktionalität konnte man schon gewinnen, schauen wir einmal auf die Rückseite.

SuperStereo DN78

Schönheit findet sich auch hinten

Diese ist nicht weniger bestückt als Oberseite und Front, viele Ein- und Ausgänge. Der Reihe nach: Links befindet sich der Stromanschluss für das externe Netzteil. Eine kleine Buchse ist hier eingelassen, passend für den Mini-XLR-Stecker, kommend vom Netzteil, an dem auch der Schalter sitzt. Darunter sitzt der Rec-Out, in diesem Fall in Form einer 3,5 mm Klinkenbuchse. Da mag der ein oder andere ein wenig die Nase rümpfen und auf Cinch oder Klinke verweisen, dem gebe ich gerne Recht. Bei einem so hochwertigem Mixer ist ein Mini-Klinkenausgang als Rec-Out wie eine Delle auf der Rückseite. Nicht sichtbar, aber dennoch ärgert es einen. Es gibt allerdings zwei Master-Ausgänge. Klar, was ich damit andeuten möchte, oder?

Forum
  1. Profilbild
    psv-ddv  AHU

    Stolzer Preis!
    Das Design wurde schön bei Shadow Hills abgekupfert.

    Ein Foto vom Inneren wäre interessant gewesen.
    Anhand der technischen Daten kann ich das prädikat „Audiophil“ nicht unbedingt nachvollziehen und die Verwendung von Röhren genügt da auch nicht alleine.

    Danke trotzdem für den ausführlichen Bericht!

  2. Profilbild
    lightman  AHU

    Hat optisch was von einer Nagra. Schon ein bissi hipster-mäßig, das Gerät, aber wenn’s der Klangfindung dient…

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