ANZEIGE
ANZEIGE

Test: Surfy Industries Surfybear Studio Reverb, Federhall

Federhall de luxe

8. Juli 2024
surfy industries surfy bear studio reverb

Surfy Industries Surfybear Studio Reverb, Federhall

Das Surfy Industries Surfybear Studio Reverb ist ein Federhallgerät im 19‘‘-Rack-Format, das vor allem für den Tonstudiobetrieb gedacht ist. So verfügt das Hallgerät über True-Bypass und Stereo-Ein- und Ausgänge für das Originalsignal, die auch als symmetrische XLR-Buchsen vorliegen. Dazu kommen einige besondere Features, die man sonst nicht bei Federhallgeräten findet. Dazu gehört eine Gate-Funktion für die Bearbeitung der Hallfahne und ein Width-Regler für einen Pseudo-Stereohall.

ANZEIGE

Der Hersteller Surfy Industries

Die italienische Firma Surfy Industries hat sich mit ihren Federhallgeräten voll und ganz dem Klangideal eines Klassikers verschrieben: Der Fender 6G15 Standalone-Hall war lange das Maß aller Dinge für einen guten Gitarrenhall. Diese Philosophie prägt die bisherigen analogen Pedalmodelle Surfybear Classic, Surfybear Metal und Surfybear Compact, die hier zum Teil bereits vorgestellt wurden. Dabei wurde speziell ihre Eignung als Gitarrenhall getestet. Deshalb erschien es sinnvoll, das Studio Reverb auch im Kontext mit Keyboards, Percussion und Gesang auszuprobieren.

Am Anfang eine Reggaeton-Nummer, deren Titel von der phonetischen Wirkung des Vocal-Samples inspiriert wurde. Einige Spuren der Mischung sind im Anschluss auch isoliert zu hören.

Test: Surfybear studio Reverb

Für einen Federhall besitzt das Surfybear Studio Reverb erstaunlich viele Regler (Foto: Costello)

Dem Vorbild des Fender 6G15 ist die Firma auch beim Spitzenmodell treugeblieben, das allerdings noch eine ganze Menge Extras mitbekommen hat. Bevor wir auf diese Features näher eingehen und sehen, ob sie den stolzen Preis von 599,- Euro rechtfertigen, möchte ich kurz das Vintage-Original vorstellen. Ein großes Dankeschön geht an Thunder Road Guitars Seattle, WA, die mir erlaubt haben, ihre Fotos einer bildschönen Fender 6G15-A Reverb Unit aus dem Jahr 1962 zu verwenden.

Die Fender 6G15 Reverb Unit ähnelt einem Gitarrenverstärker (Foto mit freundlicher Genehmigung von Thunder Road Guitars Seattle, WA)

Das legendäre Vorbild: Röhren-Federhall Fender 6G15

Hinter dem Kürzel 6G15 verbirgt sich ein Röhren-Federhall, den Fender 1961 auf den Markt brachte und der bis 1966 produziert wurde. Damals wurde der 6G15 durch das Transistormodell FR1000 ersetzt. Das Hallgerät bietet drei Einstellmöglichkeiten: Dwell für die Eingangsempfindlichkeit, Mix für das Mischverhältnis von trockenem und nassen Signal und Tone für die Klangregelung.

Die Bedienelemente am Fender 6G15 sind im Vergleich zum Surfybear Studio Reverb geradezu spärlich (Foto mit freundlicher Genehmigung von Thunder Road Guitars Seattle, WA)

Charakteristisch ist für den Fender-Federhall ein heller Klang voller „splash and sparkle“, wie er für den Surfgitarrensound typisch ist. Die Verstärkung besorgen beim Original zwei Preamp-Röhren und eine Power-Tube.

Ein vergilbter, über 60 Jahre alter Hinweis auf die Röhrentechnik im Fender 6G15 (Foto mit freundlicher Genehmigung von Thunder Road Guitars Seattle, WA)

Zur ikonischen Ausstrahlung des Effektgerätes trug zweifellos auch die Optik bei, die an einen kleinen Verstärker erinnerte. Die mit Tolex bespannte Box wurde einfach zwischen Gitarre und Verstärker gehängt. Bald schon wurde die Hallspirale in die Amps selbst integriert. Ein Gerät weniger, das die Gitarristen zum Gig schleppen mussten. Fans schwören aber weiter auf die Original Fender 6G15 Reverb Unit und zahlen Liebhaberpreise, die bei 2.000 Euro beginnen und je nach Erhaltungszustand auch bis zu 4.000,- Euro erreichen können.

Ein Blick ins Innenleben des Fender 6G15 (Foto mit freundlicher Genehmigung von Thunder Road Guitars Seattle, WA)

Surfybear Studio Reverb: Modifizierte Accutronics-Hallfedern und MOSFET-Transistoren

Surfy Industries verwendet Hallfedern von Accutronics, die aber nach eigenen Spezifikationen angepasst wurden. Normalerweise würde man ja bei Nachhall denken – je länger, desto besser. Nicht so die Soundspezialisten von Surfybear. Die klassische Accutronics 4AB3C1B klingt etwas länger aus, als die von Fender genutzte Original Hallspirale in den 60er-Jahren, die „einen spritzigeren Sound erzeugte und die Hallfahne reduzierte.“ Also setzten sich die Schweden mit Accutronics in Verbindung und machten Vorschläge für einen „verbesserten Federhall mit vollerem Sound und einem angepassten Ausklingverhalten“.  (Surfy Industries) Anstelle der Röhren, die noch im Fender 6G15 ihren Dienst verrichtet hatten, verwendet die Firma allerdings JFET/MOSFET-Transistoren der Klasse A.

ANZEIGE

Hier ein Beispiel mit Gitarre, auf der zusätzlich ein leichtes Echo vom Roland RE-201 liegt:

Auch optisch ein Schmuckstück fürs Rack: das Surfybear Studio Reverb. (Foto: Costello)

Surfybear Studio Reverb: Ein Schwergewicht im Rack-Format

Schon beim Auspacken merkt man: Das Surfybear Studio Reverb ist kein Leichtgewicht. Das Gerät wiegt 3 Kilo – also ein halbes Kilo mehr als das Vermona VSR 3.2.  Die Abmessungen betragen 48,6 x 19,5 x 4,4 cm. Im direkten Vergleich zu den oben genannten Pedalen Surfybear Classic, Surfybear Metal und Surfybear Compact besitzt das Surfybear Studio ein dickes Stahlgehäuse, um das Gerät besser gegen Störungen abzuschirmen. Allerdings mahnt die Bedienungsanleitung an, trotzdem Sorge zu tragen, den Hall von bekannten Störquellen wie Netzgeräten und Hochspannungsgeräten fernzuhalten.

Der Anschluss für das 12 V Netzteil (Foto: Costello)

Aus demselben Grund wird auch ein externes 12 V Netzteil verwendet, allerdings eines der besseren Art, das eine sehr feste Verbindung von Buchse und Stecker gewährleistet. Auch Vermona ist bereits vor Jahren dazu übergegangen, die festverbauten Netzteile gegen externe auszutauschen, da es aufwändig ist, die Hallwandler hundertprozentig gegen Einstreuungen abzuschirmen. Eine Ausnahme ist das Top-Modell Vermona DSR-3, das über zwei unabhängige Federhall-Kanäle verfügt und über 1.000,- Euro kostet.

Beim Behringer 646 hatte ich es schon angemerkt: Ich mag 19‘‘-Effekte lieber als Desktop-Geräte. Und das Surfybear Studio ruft wirklich danach: Bau mich ins Rack ein. Denn lose aufgestellt, wie bei mir während der Testphase, stößt man schon mal gegen das Tischchen, was die Hallspirale mit vernehmlichen Scheppern quittiert. Ja, teilweise reichte schon die Betätigung des Standby-Schalters, der das von den Hallfedern kommende nasse Signal deaktiviert, um ein leises Plätschern auszulösen.

Test: Surfybear Studio Reverb

Zur gehobenen Ausstattung des Surfybear Studio Reverbs gehören u. a. symmetrische Ein- und Ausgänge (Foto: Costello)

An dieser Stelle wieder ein musikalischer Einschub: Ein Beispiel mit Synthesizern, bei dem der Federhall mit den perkussiven Sequencer-Sounds vom Yamaha Mox 6 und auch den Phaserstrings vom ARP Quadra keine Probleme hat. Dem Leadsound vom Prophet-5 hätte ich „im wirklichen Leben“ allerdings gern zusätzlich ein wenig Echo gegönnt, um ihn zum Fliegen zu bringen.

Stereo-Ein- und Ausgänge für das Nutzsignal und XLR-Anschlüsse

Neben der soliden und wertigen Bauweise fallen die stereophonen Line-Pegel-Eingangs und Ausgangsanschlüsse sofort ins Auge, die an der Geräterückseite als 1/4‘‘-Klinke oder als professionelle XLR-Anschlüsse vorliegen.

So schön die Anschlussmöglichkeiten des Surfybear Studio Reverbs sind, den Monoschalter hätte man sich auch gut auf dem Frontpanel vorstellen können (Foto: Costello)

Wer das Surfybear Studio Reverb klassisch als Gitarreneffektgerät nutzen möchte, findet an der Gerätefront aber auch einen Klinkeneingang und zwei Ausgänge. Und selbst wenn man die rückwärtigen Anschlüsse nutzen möchte, lässt sich statt eines Stereosignals auch ein Monosignal einspeisen. Dafür gibt es einen Stereo/Mono-Umschalter. Ist er aktiviert, liegt das Monosignal auf dem linken und rechten Eingangskanal an.

Im nächsten Beispiel ist die Gitarre in einen kompletten Song integriert. Auch die Gesangsspur wurde mit dem Surfybear Federhall bearbeitet. Drums, Bass und Clavinet wurden dagegen  trocken  abgemischt. Es ist ganz reizvoll zu hören, wie die mit Federhall bearbeiteten Signale aus der Mischung herausstechen.

Das Surfybear Studio Reverb läßt sich alternativ auch über die Ein- und Ausgänge auf der Frontseite verkabeln (Foto: Costello)

Vielleicht haben einige aufgemerkt, als von stereophonen Ein- und Ausgängen die Rede war. Zur Klarstellung: Das Surfybar Studio Reverb ist zwar für die Verarbeitung von Stereosignalen ausgelegt. Der Halleffekt dagegen ist Mono. Er kann allerdings mit einem Phasenverschiebungseffekt stereophon aufgehübscht werden. Doch dazu kommen wir noch.

Die Eingangssektion des Hallgeräts erlaubt es zum Beispiel, den linken und rechten Ausgang einer Hammond XK-4 anzuschließen, sich in Stereo am wirbelnden eingebauten Leslie-Effekt zu erfreuen und das Signal gleichzeitig stilecht mit einer Hallfeder räumlich zu machen.

Auch für die Einbindung des Effektgeräts in den Mixer bieten sich die rückwärtigen Anschlüsse an. Ich persönlich habe gerne das Originalsignal und das Effektsignal auf separaten Spuren auf dem Mixer zur Verfügung, was eine optimale Kontrolle über das Lautstärkeverhältnis erlaubt. Der Dry-Wet-Regler am Hallgerät ist bei mir also immer auf komplett „nass“ eingestellt. Nimmt man dagegen die Mischung von nassem und trockenem Signal per Mixer direkt am Hallgerät vor, muss man mit dem Nachteil leben, dass das Signal umso leiser wird, je stärker der Nachhall ist.

Test: Surfybear Studio Reverb

Der Tone- und der Mixer-Regler sind hier ziemlich genau so eingestellt, wie ich sie überwiegend verwendet habe: Die Klangfarbe mit herausgefilterten Höhen und der Mixer ganz rechts – also auf „wet“ gestellt (Foto: Costello)

Die Bedienelemente des Surfybear Studio Reverb

Der Power-Schalter erweckt das Surfybear Studio Reverb lautlos zum Leben. Durch eine Verzögerungsschaltung wird das Einschaltknacksen vermieden. Eben haben wir schon „en passant“ den Mixer-Regler eingeführt. Ganz links befindet sich der Regler für die Eingangslautstärke des Signals, das an den Wandler des Hallgeräts gesendet wird. Er heißt Dwell – die etwas ungewöhnliche Bezeichnung ist eine direkte Referenz an den Fender 6G15. Eine Clip-LED hilft dabei, die Eingangslautstärke zu justieren. Manchmal macht es durchaus Spaß, den Regler etwas weiter aufzudrehen, was in Verbindung mit einem üppigen Federhall zu interessanten Ergebnissen führen kann.

Auf der rechten Seite befindet sich das Gegenstück zu Dwell, das etwas konventioneller mit Volume beschriftet ist und die Ausgangslautstärke regelt.

Ebenfalls relativ selbsterklärend ist der Tone-Regler, mit dem Klangfarbe von dumpf bis klirrend-hell eingestellt werden kann. Ich neige dazu, diesen Klangregler eher auf der linken, also der dunklen Seite zu belassen. Aber das ist eigentlich nicht der Sound, der den Fender-Hall berühmt gemacht hat, der hell und drippy ist. In der Bedienungsanleitung heißt es dazu: „Der Frequenzgang des Wet-Signalwegs ist der Schlüssel zur Nachbildung dieses traditionellen Klangs. Der SURFYBEAR STUDIO basiert auf den gleichen Schaltungen, einschließlich des Class-A-Treibers und dem Frequenzgang der Verstärkerstufe. Das Ergebnis ist ein Klang, der dem Original sehr nahe kommt.“ Wunderbar für den typischen Surfgitarrensound,  für Keyboards allerdings ist das manchmal schon etwas zu viel des Guten.

Beim folgenden Beispiel mit einem Hohner Clavinet D6 ist schön zu hören, wie allein ein weit geöffneter Tone-Regler den Klang halliger erscheinen lässt. Dabei wurde der Dry-Wet-Regler nicht angerührt, sondern nur mit dem Tone-Regler gespielt.

Es ist übrigens möglich, beim Surfybear Studio Reverb den Frequenzgang des Wet-Signalwegs zu verändern. Doch dafür muss das Gerät geöffnet werden, was ich im Sinne der Vermeidung von Schrammen tunlichst vermieden habe. Mutige Besitzer des Surfybear Studio Reverbs vor!

Dwell als Bezeichnung für die Eingangslautstärke verweist auf den Fender 6G15. Komplett neu ist dagegen die ausgefuchste Gate-Schaltung des Surfybear Studio Reverbs. (Foto: Costello)

Spezielle Funktionen: Gate für maßgeschneiderte Hallfahnen und Width für Pseudo-Stereohall

So langsam nähern wir uns den spezielleren Funktionen, die wir bei anderen Federhallgeräten nicht finden. Die Gate-Funktion besitzt gleich zwei Regler: Einen für Threshold und einen für Decay. Wenn der Threshold-Regler rechts auf Anschlag ist, ist das Gate komplett geschlossen. Dann ist kein Hall zu hören und als Nichteingeweihter fängt man an, wild die Regler zu drehen. In der ganz linken Position ist das Gate komplett offen, der Hall geht 1 zu 1 durch. In dieser Stellung ist der Decay-Regler wirkungslos. Decay regelt die Abklingphase der Hallfahne von 100 Millisekunden bis 2 Sekunden. Ich musste ein bisschen rumprobieren, um eine Vorstellung vom Zusammenspiel der beiden Regler zu bekommen. Immerhin kann man sich auch optisch orientieren: Die Gate-LED informiert über die Abklingzeit. Der Threshold-Regler sollte schon mindestens halb geöffnet sein, damit das Decay zum Tragen kommt. Um ehrlich zu sein, konnte ich die Wirkung bei Klängen, bei denen der trockene und der Effektklang ungefähr ausbalanciert war, gar nicht so richtig wahrnehmen. Deshalb ist im Klangbeispiel zunächst auch nur der reine Wet-Anteil zu hören.

Als Faustregel kann man sich merken: Für lange Ambientsounds ist der Threshold-Regler weiter links und Decay ganz rechts, bei perkussiven Klängen ist es umgekehrt.

Die Regler für Width, Volume und der Bypass-Schalter. Das Verbreitern des Stereoeffekts mit der Width-Schaltung ist eines der spannendsten Features des Surfybar Studio Reverbs. (Foto: Costello)

Für mich spannender ist die Width-Funktion, deren Wirkungsweise auch unmittelbar bemerkbar ist. Zur Erinnerung: Das Originalsignal kann bei Bedarf in Stereo durch das Surfybear Studio Reverb geschickt werden. Der Hall selbst ist mono. Mit Width kann aber ein Pseudo-Stereoklang erzeugt werden. Das Signal wird mittels eines Kammfiltereffekts auf den linken und rechten Kanal verteilt, wodurch der Hall schön verbreitert wird. Eine Einstellung auf 12:00 fand ich sehr brauchbar. Der Effekt ist monokompatibel.

Hier zwei Beispiele mit Keyboards: Beim E-Grand wurde der Width-Regler zwischendurch auch mal weiter aufgezogen, der Rhodessound arbeitet durchgängig mit einer mittleren Width-Einstellung.

Test: Surfybear Studio Reverb

Die Width-Schaltung im Surfybear Studio Reverb nutzt komplementäre Kammfilter, um die Mischung aus direktem und reflektiertem Schall in einem Raum zu simulieren. (Grafik: Surfybear Studio Reverb Manual)

Wie klingt der Surfybear Studio Reverb Federhall?

Knacksfreier Einschalter, True-Bypass und XLR-Anschlüsse – das klingt alles sehr HiFi-mäßig. Im Herzen ist das Surfybear Studio Reverb aber vor allem eins – ein waschechtes Federhallgerät. Bei meiner Review zum Behringer 646 hatte AMAZONA.de-User mofateam in den Kommentaren geschrieben: „Ich kann auch den Surfybear empfehlen, wenn’s trashiger sein soll.“ Und das war natürlich als Kompliment gemeint. Ein Federhall ist nun mal die Antithese zu einem Digitalhall à la Bricasti – und das soll er auch sein. Er klingt voll und warm und bei Bedarf auch wässrig und scheppernd. Er passt toll zu Percussion und Gitarren, aber auch Keyboards und Gesang. Ich will zum Sound auch nicht zu viele Worte machen, da mögen die Klangbeispiele für sich sprechen. Nebengeräusche sind dabei nie völlig vermeidbar – das gilt auch für den Edel-Federhall von Surfy Industries. Normalerweise würde man auch einen Federhall nicht als Masterhall für einen Mix verwenden. Aber ich schrecke vor nichts zurück. Der Rap Iced out Audemars bekommt dadurch eine hübsche LoFi-Komponente. Außerdem kann zusätzlich die Wirkung des Federhalls bei einem Celesta-Klang, einem Stringsound und Mellotron-Flöten überprüft werden.

Surfybear Studio Reverb – wo noch Luft nach oben ist

Es gibt nicht viel zu kritisieren am Surfybear Studio Reverb. Die Soft-Knee-Funktion des Gates wäre durch eine eindeutige Beschriftung sicher anwenderfreundlicher. Denn wenn man Pech hat, sind bei der ersten Inbetriebnahme die Regler der Gate-Sektion so eingestellt, dass gar kein Hall zu hören ist. Und es wäre ja ein bisschen schade, wenn man das Gerät dann als vermeintlich defekt wieder in den Karton stecken würde. Den Mono-Knopf hätte man vielleicht auch auf der Gerätevorderseite unterbringen können. Einmal im Rack eingebaut, ist er schwer erreichbar. Ein Thomann-User bemängelte die Qualität der verbauten Schrauben, die schnell ausleiern würden. Warum das Gerät überhaupt öffnen? Nun, wie oben erwähnt, lässt sich im Inneren der Low-Cut für den Wet-Signalweg ein- oder ausschalten. Und da möchte ich mich gleich seiner Anregung anschließen, diesen Umschalter doch einfach auch extern zugänglich zu machen.

Die Alternativen: Jeder Federhall klingt (etwas) anders

Das Surfybear Studio ist bereits das dritte Federhallgerät, das ich innerhalb kurzer Zeit teste. Für mich überraschend: Trotz des gleichen Grundprinzips der Hallerzeugung klingen alle etwas unterschiedlich. Das Behringer Spring Reverberation 646, das das Grampian 636 zum Vorbild hat, liefert neben Federhall durch Übersteuerung der Eingangsstufe einen schönen Fuzzbox-Effekt, der – beim Original – bereits The Who-Gitarrist Pete Townshend begeisterte. Das Vermona VSR 3.2 punktet mit einem Effekt-Stop-Schalter der wahlweise pre oder post geschaltet werden kann und relativ geringen Nebengeräuschen. Beide Geräte sind mit 199,- bzw. 329,- auch deutlich günstiger als das Surfybear Studio Reverb, wobei das Vermona wie das Surfybear Studio in ein 19“-Rack eingebaut werden kann. Für Keyboarder bietet sich das Vermona auf alle Fälle als Alternative an, auch wenn die Ausstattung etwas weniger luxuriös ausfällt. Wer diese Extra-Features des Surfybear Studio Reverbs nicht braucht, aber diesen ganz speziellen Surf-Sound sucht, wird wohl vermutlich bei den Schweden bleiben und eines der preiswerteren Pedale auswählen.

Test: Surfybear Studio Reverb

Für Fans des Fender 6G15-Federhalls sicher eine Empfehlung: Das Surfybear Studio (Foto: Costello)

ANZEIGE
Fazit

Das Surfybear Studio Reverb ist ein amtliches Federhallgerät, grundsolide verarbeitet und mit einigen interessanten Zusatzfunktionen, die die klangliche Palette erweitern. Gitarristen, die den Splash- and Sparkle-Sound des Fender-Originals lieben, werden garantiert mit dem Surfybear Studio Sound glücklich. Als Entscheidungshilfe, ob es nun das Spitzenmodell sein muss,  mögen ein paar Fragen dienen: Wie wichtig sind einem die symmetrischen Anschlüsse, ein True-Bypass oder auch die Gate-Funktion? Sie alle können auch dabei helfen, Nebengeräusche zu reduzieren. Aber ganz rauschfrei wird ein Federhall nie sein. Richtig gut hat mir persönlich die Width-Funktion gefallen, die ich auch ausgiebig eingesetzt habe. Für mich war auch der Tone-Regler besonders wichtig. Indem ich die Höhen zähmte, die für den Originalsound doch so wichtig sind, wurde der Hall für meine E-Pianos und Synthesizer erst richtig brauchbar. Und das Surfybear Studio Reverb damit zum Allrounder.

Plus

  • gut klingender Federhall
  • sehr gute Verarbeitung
  • XLR-Anschlüsse
  • True-Bypass
  • Pseudo-Stereophonie für den Hall
  • Gate-Funktion für die Hallfahne

Minus

  • Mono-Umschaltung an der Geräterückseite
  • Bass-Roll-off nur im Geräteinneren umschaltbar

Preis

  • 599,- Euro
ANZEIGE
Affiliate Links
Surfy Industries Surfybear Studio Reverb
Surfy Industries Surfybear Studio Reverb
Kundenbewertung:
(2)
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Nvelope

    Interessant, dass die Federhaller in die ‚Neue Zeit‘ gerettet werden, in der doch alles kleiner, digital(er) und gelegentlich auch deutlich günstiger auf den Markt kommt . . .
    Passt als 19-Zöller auch gut zu anderen Geräten dieser Racktechnik – so lässt sich z.B. mit einer Frequenzweiche oder einem 31-Band-EQ vor einem solchen Effektgerät klanglich doch sehr viel (mehr) anfangen – man kann sehr kreativ werden mit der Kombination von Geräten!

    Als Techniker interessiert mich aber immer auch das Innenleben der Geräte – wegen dem Federhall hier nun ganz besonders! Schade, dass es davon kein(e) Foto(s) gibt … das sollte eigentlich Standard sein, wenn Geräte rundum beleuchtet und auch bewertet werden; die Hersteller und Vertreiber sollten dies für die Tester wirklich erlauben und den Blick in die Innereien freigeben.

  2. Profilbild
    ctrotzkowski

    …tja, über Geschmack läßt sich ja bekanntlich nicht streiten…
    …oder über das Ansinnen, Retro-Musik möglichst mit originalen Komponenten zu machen…
    …aber doch frage ich mich besonders bei den Percussion Beispielen und der Solo Funky Guitar:
    Werden nicht die meisten, die da nicht gerade wissen würden, daß dort an dieser Stelle nun ein cooler vintage Federhall mit historischen Wurzeln den Klang veredelt, es nicht eher als unabsichtliche Störgeräusche empfinden?

    • Profilbild
      costello RED

      @ctrotzkowski Isoliert klingen die Beispiele teilweise schon etwas roh. Im Mix, finde ich, funktioniert es wiederum sehr gut. Da gibt der Federhall diesen Sounds das gewisse Etwas, das sie unterscheidet.

  3. Profilbild
    Kazimoto AHU

    Bin im Urlaub und muss mir erstmal Earbuds besorgen, das Handy ist nun mal keine gute Abhöre. Ansonsten möchte ich mich Nvelope anschließen, eine Kette von EQ, Delay und Federhall direkt an den Fingern, das ist bestimmt sehr kreativ und eine musikalische Bereicherung. Insofern hat gerade der Federhall in Hardware seine Berechtigung. Ich habe jedenfalls noch kein VST was mich begeistert, besonders beim Arturia Grampian kann ich nicht glauben, daß es DIE Dub-Legende sein soll, was bei näherer Betrachtung aber logisch erscheint, wird der Hall während einer Performance oder Recording-Session doch regelrecht gespielt. Einen besonderen Dank an Costello für die eigenwillige Dub-Interpretation, passt gut in die Sonne der Insel Brac und den vielen Surf-Bars hier. Made me smile! 😎

    • Profilbild
      ollo AHU

      @Kazimoto Hast du AudioThing Alborosie Dub Station schonmal ausprobiert? Ich sehe grade, das Teil wird nicht mehr angeboten, schade, das Plugin ist super.

      • Profilbild
        mofateam

        @ollo Kann ich bestätige, wobei die Alborosie Dub Station nur einen Regler (vmtl 1 Impulsantwort) für Hall hat. Der Hauptbestandteil dieses Plugins ist das Delay…
        Schade, daß Audiothing das Plugin nicht weiter pflegt. Es gibt aber ein neues ähnliches Plugin :
        „Dub Filter is free for previous owners of our discontinued product Dub Station.
        If you own Outer Space and/or Springs, you can get an additional discount. Check your user area.“

        Springs ist ebnfalls ein klasse Federhall VST.

        Es gibt mittlerweile so viele gute Spring IRs , die sich sehr gut in Fabfilters Pro-R2 importireren, analysieren und modulieren lassen. . Nur auf das Rumpreln und Scheppern muss man verzichten…

        Ansonsten: als Hardware bin ich mit meinem SurfyBear Metal Black gut bedient, den Stereoeffekt macht ein Tape-Delay.

      • Profilbild
        Kazimoto AHU

        @ollo Habe den Spring mal getestet, der ist bestimmt gut aber reißt mich nicht so mit. Es gibt bestimmt auch einen riesen Unterschied zwischen klassischem Dub und modernen Dub der ITB gemacht wird. Bei letzterem wird exzessiv automatisiert, worauf ich persönlich keinen Bock habe, ich kopiere meist Spuren und switche dazwischen, das reicht mir persönlich. Gerade deswegen hätte eine echte Jam-Konfig seinen Reiz, mit fetten Knobs für fette Finger. Ich hoffe mein neuer Job lässt ordentlich Kohle über um mir sowas zu basteln. Etwas von Nord, ein Virus A/B und entsprechende FX wären geil!

    • Profilbild
      costello RED

      @Kazimoto Ich wünsche Dir gute Erholung auf Brač! Tinder in Mali ist schon etwas speziell, beim Rap von Iced out Audemars bin ich eher zuhause. 😁

      • Profilbild
        Kazimoto AHU

        @costello „Tinder in Mali“ ist klasse! Das funktioniert hier locker und hat einen gewissen Stil den du ausbauen solltest. Wird besser mit jedem hören. Alleine der Name, das ist schon derbe und hart am guten Geschmack vorbei aber ich mag sowas. Die meisten denken aber kaum soweit, was es noch krasser macht. Man sollte ja immer die Sachen machen, die nicht ganz so zu einem passen, das setzt Grenzen außer Kraft und ist hoch inspirierend. Danke für die Grüße, ich gebe mein bestes, dir aber auch ein dickes Dankeschön nach Berlin!

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum, um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Politische Inhalte und Statements werden durch die Redaktion gelöscht.

Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
X
ANZEIGE X