Der Tremolo-König im Modulformat
Der Synergy Tone King Imperial MKII Preamp richtet sich an Gitarristen, die Vintage-Röhrencharakter mit zeitgemäßer Flexibilität verbinden wollen und sich mit dem modularen System von Synergy näher beschäftigen möchten. Dieser Test bildet den Abschluss einer dreiteiligen Serie, in der wir die klangliche Flexibilität des modularen Systems beleuchtet haben.
Was ist es? Synergy Tone King Imperial MKII Preamp-Modul, Röhrenvorstufe für das modulare Synergy-System mit Vintage-Fokus
- Klang: Authentische Blackface-Cleans, dynamischer Tweed-Crunch und organisches Bias-Tremolo
- Konzept: Teil eines modularen Röhrensystems mit über 25 austauschbaren Preamp-Modulen
- Flexibilität: Erweiterbar und kombinierbar mit verschiedenen Synergy-Amps
- Einsatz: Ideal für Vintage-, Blues- und Classic-Rock-Sounds
- Fazit: Hochwertiges Boutique-Modul mit klarer Zielgruppe und großem Klangpotenzial
Inhaltsverzeichnis
Synergy Tone King Imperial MKII Preamp – Vorgezogenes Fazit
Wer dem Synergy-System nüchtern gegenübersteht, bekommt hier ein Konzept präsentiert, das mehr kann, als der erste Eindruck andeutet und das dennoch mit einigen Detaillösungen aufwartet, die aus dem Stand ordentlich Stirnrunzeln erzeugen. Für den Gitarristen, der zwischen dem Wunsch nach echtem Röhrenamp-Feeling und moderner Studiopraxis hin- und hergerissen ist, ohne dabei gleich der nächste Kemper-Jünger zu werden, ist die Kombination aus SYN-20IR Combo und Tone King Modul eine ernsthaft zu erwägende Option.
Preislich schlägt der Synergy Tone King Imperial MKII Preamp mit rund 429,- Euro zu Buche. Der zum Betrieb nötige SYN-20IR Combo in der Standardvariante liegt bei knapp 1.650,- Euro. Kein Einstiegspreis, aber für das Gebotene auch kein überzogener Ansatz.
Historische Einordnung: Das kommt uns doch bekannt vor
Es bleibt ein interessantes Phänomen, dass das Synergy-System trotz technisch überzeugender Ansätze den wirklich großen Marktdurchbruch noch immer nicht vollzogen hat. Liegt es an der Polarisierung der Gitarrenwelt zwischen glühendem Vintage-Fetischismus und der allgegenwärtigen Profiler-Gemeinde? Wer dem Synergy-System nüchtern gegenübersteht, bekommt hier ein Konzept präsentiert, das mehr kann, als der erste Eindruck andeutet, und das dennoch mit einigen Detaillösungen aufwartet, die aus dem Stand ordentlich Stirnrunzeln erzeugen.
Hinter dem Herstellernamen Synergy steht der kalifornische Vertrieb Boutique Amps Distribution, dessen Produktpalette von Vollröhrenverstärkern über Vorverstärker bis zu zugehörigen Boxen reicht. Das zugrunde liegende modulare Preamp-Konzept ist dabei keineswegs eine Erfindung von gestern. Als Erster entwickelte Bruce Egnater das MTS-System, das später an Randall lizenziert wurde. Synergy arbeitet auf einer optimierten, rückwärtskompatiblen Variante genau dieser Technologie. Ein in jeder Hinsicht interessanter Ansatz, der sich aber latent mit der teilweise stark ausgeprägten „Scheuklappenmentalität“ einiger Sechssaiter auseinandersetzen muss.
Wer sich bereits intensiver mit dem Synergy-System und dem Aufbau des SYN-20IR beschäftigt hat, wird an dieser Stelle viele bekannte Aspekte wiederfinden. Die grundlegende Funktionsweise, das modulare Konzept sowie Aufbau und Ausstattung des Combos wurden in früheren Tests bereits ausführlich beleuchtet. Statt diese Punkte erneut im Detail durchzugehen, konzentrieren wir uns im Folgenden gezielt auf das Zusammenspiel mit dem Tone King Imperial MKII Modul und die klanglichen sowie praktischen Auswirkungen dieser Kombination.
Das Modulkonzept: Stärke durch Flexibilität
Das Herzstück des Synergy-Modulsystems bilden inzwischen über 26 variable Preamp-Module, entstanden in Kooperation mit namhaften Herstellern wie Friedman, Diezel, Engl, Bogner oder Soldano. Die Installation ist mustergültig simpel. Modul bis zum Anschlag einschieben, zwei Schrauben festziehen, in unter einer Minute einsatzbereit. Konzeptionell überzeugend. Die entscheidende Frage lautet wie immer: Hält der Klang in der Praxis, was das Konzept auf dem Papier verspricht?
Im Rahmen dieses Tests stand das Synergy Tone King Imperial MKII Modul im Mittelpunkt. Seit nahezu zwei Jahrzehnten gilt Tone King als Maßstab für erstklassige amerikanische Röhrenklänge und kein Modell verkörpert dieses Erbe besser als der Imperial MKII. Dass man nun die Essenz dieses begehrten Vollverstärkers in ein steckbares Vorstufenmodul destillieren will, ist ein entsprechend ambitioniertes Unterfangen.
Das Synergy Tone King Imperial MKII Modul: Vintage-Röhrencharakter im Kleinformat
Das Synergy Tone King Imperial MKII Preamp basiert auf zwei 12AX7-Röhren und stellt zwei unabhängige Kanäle zur Verfügung: Der Rhythm-Kanal liefert glasige, Blackface-artige Klänge, ideal für schimmernde Akkorde, bluesige Leads und satte Clean-Sounds, mit Volume-, Bass-, Treble- und Attenuation-Reglern. Der Lead-Kanal öffnet das Tweed-Kapitel mit dichten, obertonreichen und anschlagsdynamischen Zerrklängen, geformt durch Volume-, Tone-, Mid-Bite- und Attenuation-Regler.
Der Mid-Bite-Regler verdient besondere Aufmerksamkeit. Er beeinflusst nicht nur den Mittenanteil, sondern greift unmittelbar in den Charakter und die Intensität der Verzerrung ein. Bei höheren Einstellungen wird der Bassbereich artikulierter und druckvoller, gleichzeitig wächst die Aggressivität des Grundklangs. Zusätzlich lässt sich der Kathodenbias auf der Platine dreifach umschalten, was dem erfahrenen Anwender eine weitere Klangformung im Bassbereich ermöglicht.
Eines der beliebtesten Merkmale des Original-Imperial MKII wurde im Modul sorgfältig nachgebildet: ein analoges Bias-Tremolo im Vintage-Stil, das einen wundervoll pulsierenden, organischen Effekt erzeugt und pro Kanal zuschaltbar ist. In Intensität und Geschwindigkeit regelbar, fügt sich der Effekt durch seine schaltungstechnische Direktintegration deutlich organischer in den Klang ein, als es ein vorgeschaltetes Pedal je könnte. Wer Tremolo-Sounds kennt und schätzt, wird hier erfreut aufhorchen.
Um die Endstufendynamik des Originals, eines Vollverstärkers ohne Master-Volume, glaubwürdig abzubilden, wartet das Modul mit einer internen 0-Watt-Endstufe samt Phasentreiber und Ausgangsübertrager auf. Die Zero-Watt-Poweramp-Technologie von Synergy integriert exakt den Phasenwechsler-Schaltkreis des Original-Imperial-MKII-Verstärkers. Der Grad der Verzerrung wird über die Volume-Regler mitsamt Endstufenübersteuerung kontrolliert. Pro Kanal lässt sich der Pegel über einen Attenuator-Regler kompensieren. Ein HF-Schalter ermöglicht zusätzlich eine Reduzierung der hohen Frequenzen.
Klanglich bewegt sich das Modul erwartungsgemäß im amerikanischen Fender-Universum der 50er- und 60er-Jahre. Der Rhythm-Kanal liefert die typischen Blackface-Charakteristika der 65er-Ära, während der Lead-Kanal sich zwischen einem „rotzigen“ Bassman und frühen Marshall-JTM-Sounds bewegt, abhängig davon, wie der Mid-Bite-Regler positioniert ist. Wer hier High-Gain-Sounds oder moderne Metal-Verzerrung erwartet, ist schlicht falsch beraten.
Maximal ein kraftvoller Crunch lässt sich aus dem Modul herauspressen, aber dieser trifft dann auch genau den Sweet-Spot der anvisierten Zielgruppe. Wer darüber hinaus mehr Zerrpotenzial benötigt, greift zu einem externen Pedal, das der saubere und druckvolle Rhythm-Kanal als Plattform dankbar annimmt.
Endstufe, Clean-Channel & Features
Für das Verständnis des Gesamtklangs spielt natürlich auch der verwendete SYN-20IR Combo eine Rolle, dessen zentrale Features wir an dieser Stelle kurz einordnen.
Die drei Structure-Modi der EL84-Endstufe verändern das Klangbild grundlegend. Mode A liefert ausgewogene Gegenkopplung mit klarem Druck. Mode B bringt einen Vintage-Phasentreiber mit entspannten Mitten und schimmernden Höhen. Mode C arbeitet mit modernem Phasenwechsler und geringer Gegenkopplung für feste Bässe und zurückhaltendere Höhen. Jeder Modus lässt sich pro Kanal getrennt speichern.
Der integrierte Clean-Channel tut das, was ein Clean-Channel tun soll: sauber bleiben, wenn möglich über den gesamten Regelweg. Er eignet sich, wie gesagt, hervorragend als Basis für Zerrpedale und reagiert feinfühlig auf Gitarren unterschiedlicher Bauart. Der Reactance-Regler, eine Art multifunktionaler Presence-Regler, der Presence, Depth und Sagging gleichzeitig justiert, funktioniert im Kontext erstaunlich gut. Leider fehlt ein Standby-Schalter. Wer seinen Röhrenamp nach dem Soundcheck kurz vom Netz nehmen will, wartet anschließend erneut auf die Betriebstemperatur.
Auf der Anschlussseite wartet der Combo mit einem symmetrischen XLR-Ausgang mit Ground Lift, einem Kopfhörerausgang mit eigenem Pegelregler, einem seriellen FX-Loop sowie mehreren Lautsprecherausgängen auf. Vier IR-Speicherplätze sind ab Werk vorhanden. Über den Editor lassen sich zudem weitere IRs aus Drittquellen nachladen.































Wird jetzt wirklich jedes verfügbare Preampmodul dieses hier bereits vom Grundkonzept her so einstimmig abgelehnten Systems (Zugänglichkeit Anschlüsse, Bedienpanel falsch herum usw.) nochmal mit einem eigenen Test gewürdigt? Man könnte fast den Eindruck bekommen, es handele sich um einen Ladenhüter 😁