Fuzz und Distortion im Doppelpack
Mit dem T-Rex Fuzztopia präsentiert der dänische Hersteller ein clever konzipiertes Dual-Pedal, das Fuzz und Distortion in einem Gehäuse vereint – ideal für Gitarristen, die rohe Vintage-Zerre und moderne Klangvielfalt auf Knopfdruck kombinieren möchten.
- Doppelte Power: Zwei Engines für Fuzz und Distortion, einzeln oder kombiniert nutzbar.
- Blend-Funktion: Cleansignal stufenlos zumischen – von subtil bis Soundwand.
- Design & Verarbeitung: Modernes Gehäuse mit beleuchteten Potis, robust gebaut und bühnentauglich.
- Fairer Preis: Boutique-Qualität aus Dänemark für unter 150,- Euro – mit kleinen Abstrichen bei der Steuerung.
Inhaltsverzeichnis
Die ersten 5 Minuten
Die Pedale von T-Rex kenne ich noch aus Zeiten des Tremster oder Mudhoneys. Damals waren die Geräte aus Dänemark unter Kennern sehr beliebt. Ich hatte wegen ihres ikonischen Designs mit den großen Gehäusen eine Art Hassliebe zu ihnen: super Qualität und auf fremden Pedalboards sofort erkennbar – aber eben auch unnötig groß. Das T-Rex Fuzztopia gehört nun zu einer neuen Generation von T-Rex-Effektgeräten, was schon das überarbeitete Design erkennen lässt. Schauen wir uns das Ganze mal genauer an!
Lieferumfang & erster Eindruck
Der Lieferumfang ist beim Fuzztopia schnell abgehandelt: Karton, Effektgerät, kurzes Handbuch – das war’s! Mehr braucht es bei einem Drive-Pedal auch nicht, finde ich. Beim Fuzztopia handelt es sich um ein Doppelpedal mit einer Fuzz- und einer Distortion-Seite. Endlich spiegelt die Größe auch den Funktionsumfang wider! Die Stompbox macht mit ihrem Metallgehäuse und dem geringen Gewicht einen qualitativ sehr hochwertigen Eindruck und kann mit ihrem modernen Look so manchen Boutique-Mitstreiter optisch ausstechen.
Aber nicht nur das Design überzeugt – auch der Preis von unter 150,- Euro erscheint für ein Doppelpedal fair und macht das Fuzztopia damit nicht nur für Profis interessant. Und dabei ist das Pedal noch nicht einmal eingeschaltet! Das Beste: Die Poti-Beschriftungen sind beleuchtet – ein echtes Design-Highlight!
Line Check
Ich sag’s, wie’s ist: Sobald diese Lichter aufleuchten, will man das Pedal haben! Hängt man das Gerät vor den Amp, kommt einem direkt eine ganz schöne Wucht entgegen. An Gain-Reserven wurde beim Fuzztopia – wie der Name bereits andeutet – nicht gespart. Schön ist, dass das Pedal absolut selbsterklärend ist: Man findet sich sofort zurecht und erzeugt ganz intuitiv gute Sounds. Dafür habe ich beide Seiten dem klassischen 12-Uhr-Check unterzogen – also alle Regler auf Mittelstellung –, um ein Gefühl dafür zu bekommen, in welchen klanglichen Welten man sich bewegt.
T-Rex Fuzztopia – Die Facts
Das T-Rex Fuzztopia ist ein echtes Doppelpedal bzw. ein Hybrid aus Germanium-Fuzz und Distortion mit zwei eigenständigen Engines, die wahlweise parallel oder vollständig unabhängig voneinander betrieben werden können. Diese Dualität ist der Kern des Konzepts: nostalgischer Fuzz-Charakter trifft auf moderne, organische Distortion – irgendwo zwischen Hendrix-Magie und Jack-White-Rohheit.
Die beiden Sektionen des Fuzztopia sind identisch ausgestattet und lassen sich mit jeweils vier Reglern intuitiv bedienen. Ein Fuzz- bzw. Distortion-Regler bestimmt den Grad der Verzerrung, ein Tone-Regler formt den Klang. Besonders spannend ist der Blend-Regler, ein bei Drive-Pedalen noch eher selten anzutreffendes Feature: Er mischt das cleane mit dem verzerrten Signal und erlaubt alles – von subtilen Fuzz-Sounds über komplexe Texturen bis hin zu wilden, experimentellen Mischsounds. Volume regelt am Ende der Signalkette die Ausgangslautstärke jeder Sektion.
Mit den beiden Bypass-Fußschaltern lässt sich jede Engine einzeln aktivieren. Ein rückseitiger Toggle-Switch erlaubt es, beide Effekte zu koppeln oder strikt voneinander zu trennen – das sorgt für zusätzliche Flexibilität. So verwandelt sich das Fuzztopia je nach Einstellung vom zweistufigen Gain-Tool in ein einkanaliges Fuzz-/Distortion-Gewitter.
Anschlussseitig bleibt alles bewusst klassisch: ein hochohmiger Mono-Input, ein niederohmiger Mono-Output sowie ein 9-Volt-DC-Anschluss. Auf der Unterseite befindet sich sogar noch ein klassisches Batteriefach für einen 9V-Block. Handgebaut in Dänemark, versteht sich das Fuzztopia als Verneigung vor den legendären Fehlern und Zufällen der frühen Fuzz-Geschichte – und gleichzeitig als Einladung, sie weiterzudenken.
Die Facts auf einen Blick
- Distortion/Fuzz
- Hybrid-Fuzz im Vintage-Stil mit klassischer Verzerrung kombiniert
- liefert alles von subtilem Biss bis hin zu vollem, gesättigtem Fuzz und satten Verzerrungen
- Regler: Fuzz, Tone, Blend, Volume, Distortion
- Ein- und Ausgang: 6,3 mm Klinke
- Eingangsimpedanz @1 kHz: 1 MOhm
- Ausgangsimpedanz @1 kHz: 1 KOhm
- Stromaufnahme: 60 mA
- Stromversorgung via 9 V DC Netzadapter (2,1 x 5,5 mm Hohlstecker, Minuspol innen)
- Abmessungen (B x H x T): 60 x 113 x 117 mm
- Gewicht: 457 g
- hergestellt in Dänemark
Das Fuzztopia in der Praxis
Fuzz- und Distortion-Pedale gibt es einzeln zuhauf. Beide Zerrcharakteristiken in einem gemeinsamen Gehäuse zu vereinen, ist dagegen eher selten. Dabei halte ich den Ansatz für durchaus sinnvoll – oft stellt sich nämlich die Frage, welche der beiden Klangwelten im Mix besser funktioniert. Mit dem Fuzztopia beides kombiniert zur Verfügung zu haben und dabei auch neue Sounds zu entdecken, ist für mich ein überzeugendes Konzept. Besonders für Wall-of-Sound-Fans oder Shoegaze-Player steckt hier viel Potenzial.
Dass die Pedale in Dänemark gefertigt werden, zeigt sich an der sehr guten Verarbeitungsqualität. Das Metallgehäuse samt den Fußschaltern dürfte selbst härtesten Bühnenalltag unbeschadet überstehen, die Regler arbeiten präzise. Die Tatsache, dass der Bypass-Status jeder Sektion durch die Hintergrundbeleuchtung der jeweiligen Regler angezeigt wird, ist nicht nur optisch ein Highlight, sondern auch praktisch – besonders auf dunklen Bühnen oder in schummrigen Proberäumen erhöht das die Lesbarkeit deutlich.
Die Möglichkeit, per rückseitig angebrachtem Switch beide Sektionen zu koppeln, ist ein nützliches Zusatz-Feature – vor allem für User, die das Pedal ohnehin nur gestackt verwenden wollen. Grobmotoriker müssen sich dabei keine Sorgen machen, denn beide Fußschalter aktivieren im gekoppelten Modus gleichzeitig beide Sektionen.
Was mir beim Fuzztopia allerdings fehlt, ist die Möglichkeit, das volle Potenzial im größeren Pedalboard-Setup mit MIDI oder einem Loop-Switcher zu integrieren. Ein Aux-Switch- oder MIDI-Anschluss ist leider nicht vorhanden. Ebenso wäre ein zusätzlicher Toggle-Modus praktisch, mit dem sich per Fußtritt zwischen den beiden Seiten hin- und herschalten ließe – das wäre eine schöne Ergänzung zum Koppel-Modus.
Der Sound
Wer hier nach mildem Low-Gain sucht, ist definitiv an der falschen Adresse! Das Pedal ist laut, dreckig, grob – und zugleich sahnig, aber gefühlt immer „on the edge“. Die Germanium-Fuzz-Seite überzeugt mit flexiblen Sounds. Besonders der Tone-Regler arbeitet hier sehr effektiv und erlaubt eine große Bandbreite unterschiedlicher Fuzz-Strukturen. Den Blend-Regler empfinde ich bei geringen Gain-Werten als sehr sinnvoll, um mehr Klarheit und Punch zu erzeugen. Bei hohen Fuzz-Einstellungen hingegen kann ich dem gleichzeitigen Mix aus komplett cleanem und vollverzerrtem Signal eher wenig abgewinnen. Insgesamt wirkt der Sound der Fuzz-Sektion allerdings etwas steril – was im Mix durchaus ein Vorteil sein kann, wenn es um Durchsetzungskraft geht.
Auch die Distortion-Sektion weiß zu überzeugen. Mit dem Blend-Regler lässt sich sogar ein sanfter Breakup-Sound realisieren. Ansonsten reicht die Bandbreite von sahnig über bissig bis hin zu total gesättigt. Klanglich ist die Distortion-Seite insgesamt dunkler abgestimmt und weist deutlich mehr Tiefmittenanteil auf als die Fuzz-Sektion. Das Pedal bietet somit zwei völlig unterschiedliche Klangwelten.
Auch im gestackten Betrieb liefert das Fuzztopia interessante und praxisnahe Ergebnisse – allerdings steigt dabei auch der Rauschanteil merklich. Wenn ich es richtig verstanden habe, liegt die Fuzz-Sektion in der internen Signalkette vor der Distortion. Sie fungiert somit quasi als vorgeschalteter Booster.
Signalkette:Fender American Ultra Strat → T-Rex Fuzztopia → Fractal FM9 → RME Fireface 802 → Ableton Live 12.
Alle Klangbeispiele sind unbearbeitet.


































Interessantes Konzept. Die cremige Distortion habe ich jetzt zwar bei keinem der Klangbeispiele gehört, aber das Pedal ist sicherlich interessanter als ein reines Fuzz Pedal, es sei denn, man hat schon diverse Oberdrive und Distortion Pedale auf dem Pedalboard. Für Liebhaber von 60s und 70s Rock in Verbindung mit einem guten Röhren-Amp bestimmt eine gute Wahl.