Test: Tascam, DP-24, Portastudio

Wie klingt der DP-24?

Kurz gesagt: einfach spitze! Und in diesem Punkt übertrifft er dann doch seine Urahnen um Längen, denn so ein transparenter und professioneller Klang war mit den alten Portastudios nur unter allergrößten Mühen und Zudrücken sämtlicher Hühneraugen möglich.

Was besonders auffiel

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Die acht Mikrofoneingänge lassen sich in 4-er Gruppen mit Phantomspeisung für Kondensatormikrofone versehen. Das ist ein guter Kompromiss und mir persönlich viel lieber als dieser Unsinn mit ausschließlich globaler Zuschaltung. So kann ich an einem 4-er Strang meine Kondenser-Mikes betreiben und SM 58 & Co. kommen an die anderen vier ohne die Spannung. Mir ist immer etwas mulmig, wenn diese nicht benötigte Spannung an dynamischen Mikros anliegt.

Das Gerät wird mit mehreren Bedienungsanleitungen ausgeliefert, eine auch deutschsprachig. Ein dickes „Danke“ an Tascam, denn wer sich schon einmal eine umfangreiche Anleitung hat ausdrucken müssen, weiß um die hohen Tintenkosten eines solchigen Unterfangens. Die Bedienungsanleitung ist reich bebildert und gut verständlich.

Ein Metronom und Stimmgerät ist eingebaut, Locator-Punkte lassen sich über separate Taster setzen. Die Monitorausgänge für die Abhörlautsprecher haben einen eigenen Lautstärkeregler, mit einem Masseanschluss lässt sich das Gerät bei evtl. Brummproblemen separat erden.

Die internen Effekte sind von der gleichzeitigen Verwendung her begrenzt und müssen eingeplant werden. Bestimmte Effektkombinationen verbrauchen mehr Rechenleistung als andere, man wird aber vom Tascam gewarnt, wenn etwas nicht mehr möglich ist. Abhilfe schafft hier ein Zwischenmix, bei dem alles incl. Effekte auf zwei neue Spuren aufgenommen wird. Danach sind alle Effekte wieder frei verfügbar.

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Obgleich das Display nicht sehr groß ist, fällt die Darstellung der Parameter sehr übersichtlich aus. Man erkennt auf einen Blick alles Wesentliche, eine gute Umsetzung der vorhandenen Fläche.

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Eine besondere Erwähnung muss die insgesamt sehr gute Verarbeitung sowie die edle Anmutung des DP-24 finden. Er sieht so dermaßen gut aus, dass man freiwillig erst einmal den Schreibtisch putzt, bevor man ihn hinstellt.

Was gibt es zu meckern?

Die wobbeligen Gain-Regler der Eingänge passen nicht so recht zum ansonst so soliden Gesamteindruck. Sie scheinen auch derberes Hinfassen wohl abzukönnen, aber gerade gut fühlt sich diese Wackelei nicht an. 

Hätte man denn nicht das Netzteil einbauen können? Ich werde wohl nie Begeisterung für separate „Tretminen“ entwickeln.

Für wen ist der DP-24 richtig?

Für alle kleinen Bands und Musiker, die einfach gerne rechnerunabhängig und an jedem Ort ihre Musik aufnehmen und mischen wollen, ist der neueste Tascam DAS Gerät. Er kann sehr viel und das in einer absolut überzeugenden Qualität. Nach einer gewissen Einarbeitungszeit entwickelt sich ein angenehmer Arbeitsfluss, ohne mit einer Überzahl an Möglichkeiten erschlagen zu werden. Man merkt deutlich, dass Tascam früher praxisgerechte Analogkonsolen und Tonbandmaschinen gebaut hat, denn an diesen orientiert sich die gesamte Benutzerführung.

Moderne Funktionen, die man von den diversen Recording-Programmen kennt, sind sinnvoll integriert, ohne aber in einer Parameterflut zu enden. Ich wage die These, dass man mit dem DP-24 viel schneller zu guten Ergebnissen kommt, als mit allen gängigen Workstations am Computer. 

Was noch erwähnt werden sollte

… ist die Tatsache, dass hinten nur so gut rauskommen kann, was vorne adäquat hineingeschickt wurde. Will heißen: anständige Mikrofone, anständige Kabel. Wer sich einen so erstklassigen „Multitracker“ wie den DP-24 zulegen will, sollte auch sein dazugehöriges Equipment auf dem selben hohen Niveau ansiedeln. Das gilt natürlich ebenso für die Lautsprecher, die sich zur korrekten Beurteilung des Materials auf einem entsprechenden Qualitätsniveau befinden sollten.

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Fazit

Der Tascam DP-24 ist ein überzeugender „Einzelgänger“, bei dem der Rechner problemlos ausgeschaltet bleiben kann. Es ist alles an Bord, was ein Singer/Songwriter benötigt und selbst kleine Bands kommen bei entsprechender Planung der Aufnahmespuren gut damit klar. Die erreichbare Klangqualität lässt sich bereits im professionellen Bereich ansiedeln und dürfte auch verwöhnte Ohren überzeugen. Die Verarbeitungsqualität ist genauso hoch wie der Spaß-an-der-Freude-Faktor. Ein wirklich ernstzunehmendes Gerät zu einem insgesamt günstigen Preis.

Plus

  • sehr guter, transparenter Klang
  • gut verständliches Bedienkonzept
  • gut strukturiertes Display
  • umfangreiche Ausstattung
  • sehr gute Hardware
  • gute Qualität der Effekte und Dynamics
  • deutsche Bedienungsanleitung in Druckform beigelegt

Minus

  • wackelige Gainpotis
  • externes Netzteil

Preis

  • UVP: 899,- Euro
  • Straßenpreis: 799,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Robert Teufel

    Ich finde die beschriebenen – sicherlich gerechtfertigten – positiven Eigenschaften des Gerätes gut, aber über Schwachstellen habe ich nichts gelesen. Leider habe ich selbst keine guten Erfahrungen gemacht. Ich habe bisher mit dem Portastudio 788 gearbeitet. Das DP24 klingt natürlich besser und hat im Handling eindeutig Vorteile, aber es gibt auch Nachteile (die nirgendwo erwähnt werden):
    – Den Tracks können keine Namen mehr gegeben werden, was dazu zwingt, die Tracks akribisch auf Papier zu verwalten (wie soll man sonst z.B. die Version 5 einer Vocalaufnahme wiederfinden)
    – Die Markerliste gibt es nicht mehr und Markernamen können nicht mehr vergeben werden (also wieder Zettelwirtschaft)
    – Die Organisation der virtuellen Tracks ist unflexibler (250 frei zuweisbare virtuelle Tracks beim 788, je 8 den Kanälen fest zugeordnete virtuelle Tracks beim DP24)
    Das schlimmste aber ist, dass (nach meinem derzeitigen Kenntisstand) die Mixer-Automatisierung via Midi überhaupt nicht funktioniert – zumindest nicht so wie im Handbuch angegeben. Die Kanäle 9 und höher können nicht angesprochen werden, da Tascam mit den Bank-Select-Befehlen offenbar Probleme hat. Ich habe mich sowohl an Tascam/Teac Wiesbaden (Tascam-Support) als auch an die Tascam Service-Station in Hürth (Firma Teqsas) gewandt. Dabei habe ich eine Hardcopy des Listen-Editors (Cubase) mit den gesendeten Events vorgelegt. Bei Tascam-Support konnte man keinen Fehler bei den gesendeten Bank-Select-Befehlen feststellen und hat das Problem nach Japan weitergegeben. Sie wollten sich melden, sobald von da eine Nachricht eingeht. Danach war ich mit dem Gerät bei der Fa. Teqsas (Tascam-Servicestation). Der Service-Techniker konnte die Kanäle 9 und höher auch nicht ansprechen und sagte, Tascam hätte ein Problem bei der Bankauswahl (?). Ich sollte das Gerät dann wieder mitnehmen. Es bleibt noch abzuwarten, ob der Tascam-Support nach Rücksprache mit Japan eine Lösung anzubieten hat. Sollte dies nicht der Fall sein, muss ich leider das Gerät zurückgeben, da für mich die Mixerautomatisierung unverzichtbar ist.
    Hat vielleicht jemand Informationen, die mir bezüglich der Mixerautomatisierung weiterhelfen könnten? Mit den anderen genannten Nachteilen könnte ich leben. Ich kann immer noch nicht glauben, dass eine namhafte Firma wie Tascam, ein Gerät auf den Markt bringt, dass die im Handbuch beschriebenen Funktionen nicht erfüllt.
    Vielen Dank im voraus und einen guten Rutsch in das neue Jahr 2014.

  2. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Ich gehöre anscheinend zu den wenigen Synthesisten, die immer noch ihre Audio-Aufnahmen auf einem Multitracker machen. Ich sah bisher jedoch keinen Grund, meine Dekaden lange Arbeitsweise zu ändern. Mit meinem DP-32 kann ich mir erstmals den Luxus erlauben, so gut wie jeden Synth auf seiner eigenen Stereo- Spur aufzunehmen und mit MIDI zu synchronisieren. Leider funktioniert das nur in eine Richtung mit dem DP-32 als Master. Tempo-Änderungen während der Aufnahme sind leider nicht möglich. Trotz dieses Minuspunktes bietet die Sync-Möglichkeit besonders in Verbindung mit dem Akai Rhythm Wolf als flexibles Interface für USB, MIDI & CV/Gate viele Möglichkeiten für meine Modular-Ecke.

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