Test: Tascam DR-680 MKII, Fieldrecorder

Wie klingt der Tascam DR-680 MKII?

Um diesen Punkt vorwegzunehmen: die Aufnahmeergebnisse sind erstklassig. Mein Sennheiser MD 46, ein dynamisches Reportermikrofon, neigt an manchen Verstärkern zum Eigenrauschen, nicht aber beim DR-680 MKII. Die Qualität erinnert mich an die Audiointerfaces Tascam US-1×2 und US-2×2, die ich ebenfalls getestet habe und die über dieselben Mic-Preamps verfügen. Die Abtastung gibt kein Grund zur Klage und ist gemessen am Preis absolut amtlich. Dabei ist es egal, ob man den Tascam DR-680 MKII als Reportergerät oder zur Aufnahme von Synthesizern einsetzen will. Einzig als Medienspieler eignet er sich nicht, weil man nicht frei auf Dateien auf der SD-Karte zugreifen kann. Das ist zwar gemessen am Einsatzzweck vertretbar, hätte jedoch die Nutzung durchaus erweitert.

Als Dateiformate stehen neben WAV/BWF mit 16 und 24 Bit Wortbreite bei 44,1, 48 und 96 kHz (192 kHz nur bei reiner Stereoaufnahme) auch MP3 mit 96, 128, 192 und 320 kbit/s zur Verfügung. Wie üblich bei diesen Recordern sollte man auch hier von geringeren Bitraten Abstand nehmen und MP3-Dateien nur dann aufzeichnen, wenn eine direkte Weitergabe unabdingbar ist. Die beste Qualität erreicht man im Linear-PCM-Modus. Während die Aufnahmen extrem rauscharm sind, rauscht der Verstärker im Gerät allerdings etwas. Bei hoher Lautstärke wird dieses Rauschen am internen Lautsprecher hörbar.

Der Tascam DR-680 MKII in der Praxis

Tascam DR-680MKII im Betrieb

Ein bisschen erinnert mich der Recorder an meine Erfahrungen mit dem Uher Report in den 80er Jahren, eine tragbare Bandmaschine mit integriertem Lautsprecher. Ähnlich einfach lässt sich mit dem Tascam DR-680 MKII arbeiten, Aufnahmen erstellen und über den vergleichsweise guten Lautsprecher kontrollhören. Dieser dient auch als Monitor, so dass man beim Einsatz von Mikrofonen auf Rückkopplungen achten muss. Daher sollte man den Lautstärkeregler vor der Aufnahme auf Minimum regeln oder alternativ den internen Lautsprecher über das Menü abschalten.

Ein Blick in die ausführliche und gut geschriebene Anleitung macht Sinn, um alle Features zu entdecken. Neben den Schaltern auf der Oberseite und den bereits erwähnten Einstellmöglichkeiten für den Stereomix gibt es im Menü den Zugriff auf Limiter und Lowcut-Filter, die allerdings nicht über einstellbare Parameter verfügen. Dafür lassen sie sich global oder für jeden Kanal einzeln festlegen. Beim Tascam DR-680MKII wird zwischen dem Menü mit mehreren Bildschirmseiten und Funktionen unterschieden, die sich ein- und ausschalten lassen. Drückt man die entsprechende Taste, durchläuft man fix die Einstellungen und drückt das Rad. Auf diese Weise lassen sich schnell die wichtigsten Einstellungen überblicken.

Ein mehrseitiges Menü durchläuft man mit einem der Einstellräder oder drückt die Menütaste, um zur nächsten Seite zu gelangen. Das erinnert mich an Digitalkameras von Sony und ist vergleichbar intuitiv. Die Grundeinstellungen sind an sich wenig, Datum und Uhrzeit, automatisches Abschalten und Deaktivieren des Lautsprechers sind schon die wichtigsten Parameter.

Die Aufnahmeeinstellungen sind etwas umfangreicher, was dem großen Funktionsumfang geschuldet ist. Voraufnahme von zwei Sekunden, Stereo- oder Mehrspuraufnahme, Zuweisung der Kanäle 5/6 (analog oder Digitaleingang) und Aufnahmeformat lassen sich regeln. Im Mehrspurmodus werden sechs Einzeldateien oder drei Stereo-Dateien je Eingangspaar geschrieben, wahlweise kann auch eine sechsspurige Einzeldatei erzeugt werden.

Auf die Spuren sieben und acht wird entweder ein Downmix aller Spuren aufgezeichnet, der sich an den Einstellungen für Lautstärke und Panorama orientiert, alternativ lässt sich auch der Digitaleingang als Stereospur abtasten. So können mit einem zweiten Rekorder zwölf Kanäle aufgezeichnet werden. Diese Flexibilität erlaubt auch das Aufzeichnen von M/S-Stereophonie und First-Order-Ambisonics. Im MP3-Modus sind die Spuren auf maximal vier begrenzt, vermutlich benötigt das Gerät die Rechenleistung zum Rekodieren.

Tascam DR-680MKII vorne

Leider gibt es keine Makroeinstellungen, so dass man vor jeder Aufnahme alle Parameter im Menü und auf der Funktionsseite verändern muss. Dadurch ist der Einsatz mit verschiedenen Komponenten mitunter etwas kompliziert. Wer beispielsweise wechselnd zwei Mikrofone für eine Interview-Situation und ein Setup für Atmo-Aufnahmen verwendet, wird sich die notwendigen Parameter, einschließlich Lowcut, Limiter und Trim-Einstellungen, merken müssen.

Immerhin lassen sich die grundsätzlichen Eingangsparameter über die Schiebeschalter schnell wählen. Wechselt man auch zwischen verschiedenen Abtastraten und Formaten, muss man diese zuvor korrekt einstellen, damit die Auswahl zwischen Mono, Stereo und Sechsspur gelingt. Praktisch ist auch die Auswahl, ob man nach Drücken der Pause-Taste die Aufnahme in derselben Datei fortsetzt oder eine neue Datei schreiben möchte, Tascam nennt diese Aufnahmen Takes.

Als Weiteres können auch mehrere Spuren gruppiert werden oder lassen sich einzeln abwählen, die dann nicht aufgezeichnet werden. Zu guter Letzt lässt sich jeder Kanal einzeln konfigurieren, so dass man verschiedene Eingangsquellen miteinander kombinieren kann, das macht die Anwendung sehr flexibel. Was nicht geht, ist die Nutzung als Audio-Interface, per USB ist nur der Zugriff auf die Speicherkarte möglich. Weiterhin können keine Effekte oder EQ-Einstellungen hinzugemischt werden, der Tascam DR-680 MKII ist schließlich auch kein Portastudio.

Wer gute Aufnahmen bevorzugt und unterschiedliches Equipment auch für unterwegs einsetzt, erhält mit dem Fieldrecorder ein solides Aufnahmegerät, das kaum Wünsche offen lässt und zu diesem Preis eine ordentliche Leistung abliefert. Zumindest bis auf die Batterielaufzeit, welche sich durch den Einsatz phantomgespeister Mikrofone drastisch verkürzt.

Fazit

Der Tascam DR-680 MKII ist ein robuster und gut ausgestatteter Fieldrecorder, der noch dazu relativ preisgünstig ist. Acht Spuren lassen sich aufzeichnen und verschiedene Betriebsmodi machen ihn unglaublich flexibel. Das mitgelieferte Netzteil erlaubt den stationären Einsatz, acht Batterien lassen ihn allerdings auch mobil werden.

Die sechs Eingänge (vier davon als XLR/Klinke-Kombo) mit zuschaltbarer Phantomspeisung, Digital-Ein- und Ausgang, sechs Einzelausgänge, übersichtliche Bedienstruktur und Unterstützung von SDXC-Karten mit hoher Speicherkapazität lassen kaum Wünsche offen.

Die Tasche ist leider optional und lediglich der Lautstärkeregler wirkt etwas fragil. Schön wäre noch eine Overdubbing-Funktion gewesen, das hätte ihn zudem für Musiker sehr interessant werden lassen. Dafür kann der Rekorder um einen zweiten Tascam DR-680 MKII ergänzt werden, das verdoppelt die Eingangsanzahl.

Plus

  • rauscharmer, guter Klangcharakter
  • übersichtliche Bedienstruktur
  • brauchbarer Lautsprecher zur Kontrolle
  • vielseitige Einsatzmöglichkeiten

Minus

  • Kunststoffbuchsen
  • etwas wackeliger Lautstärkeregler
  • Schalter für Phantomspeisung etwas leichtgängig
  • kein Overdubbing

Preis

  • Ladenpreise:
  • Tascam DR-680 MKII: 474,- Euro
  • Tascam CS-DR680 Bag: 89,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Der Vorgänger ohne »MKII« war ein beliebter Recorder für Kunstkopf-Hörspiele beim Rundfunk.
    Ich hatte ihn auch und genau dafür benutzt. Die Tasche zum Gerät fand ich auch sehr gut.
    Leider scheint die Zeit für Recorder bei Tascam vorbei zu sein. Mich konnten die neuen Modelle jedenfalls nicht überzeugen.
    Heute verwende ich den »ZOOM F8« und finde ihn von den Features und der Bedienung deutlich besser.
    Eine Frechheit sind die Steinzeit-Displays der neusten Geräte. Jede Waschmaschine hat ein besseres Display. Wer meint es ginge nicht, sei ein Blick auf den »Nagra LB« von 2008 oder den »Nagra Seven« Recorder von 2013 zu empfehlen.
    Die Aaton »CantarX3« ist aktuell der Recorder mit dem besten und größten Recorderdisplay.

  2. Profilbild
    Stephan Merk  RED

    Ganz davon ab, dass sich Nagra in preislich ganz anderen Sphären bewegt, verstehe ich Deine Aussage nicht. Du schreibst, der Vorgänger habe Dir gefallen, aber die Zeit bei Rekordern scheint bei Tascam vorbei zu sein. Wieso? Er ist doch nicht schlechter und kann mehr. Ich finde wichtig, dass man das Bedienkonzept versteht und die Aufnahmen sehr gut swind. Ein Display ist mir Prinzip bedingt zwar wichtig, so dass die App das schlagende Argument für den Zoom H3-VR für mich ist, wäre aber für mich primär kein Auswahlkriterium. Transflektive Displays haben immerhin den Vorteil, dass sie beleuchtungslos, somit ohne mögliche Störungen der LEDs, selbst bei schummrigem Licht die Einstellungen sichtbar machen. Ich erinnere mich noch an den Olympus LS-100, das Farbdisplay war ursächlich für Störungen. Sony argumentiert beim PCM-D100 entsprechend, warum man auf ein modernes Display verzichtet hat. Solche Störungen sind mir auch im Amateurfunkbereich nicht fremd.

    • Profilbild
      Franz Walsch  AHU

      Gerne noch ein paar Worte zur Kanfentscheidung.
      Für den »ZOOM F8« war und ist mir der eingebaute und sehr präzise Timecode Clock sehr wichtig.
      Außerdem die variable Stromversorgung via Hirose-Anschluß und »Sony BP-U60«-Akku.
      Das Display hat bei mir keine Einstreuung erzeugt. Ich finde ein farbiges Display und die verschiedenen Anzeigemodi äußerst gelungen. Für Film- und Liveton ideal.
      Auch hat sich die Bedienung durch das letzte Firmware Update und neuen Funktionen
      (z. Bsp. Auto-Mix) nochmals verbessert. Es sind oft die kleinen Dinge, die die Arbeit leichter machen.
      Den »Tascam« habe ich mit einem »Hawk-Woods MDV-Adapter« »Sony NP-F«-Akku tauglich gemacht, aber der Tascam zeigt dann keinen Akkustand an! Ein NO-GO!
      Tascams sind für Einstreuungen via Bluetooth (bei den Geräten mit Bluetooth) bekannt.
      In meinem Umfeld verwendet auch keiner Tascam-Recorder.

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