Test: Tascam HS-20, Solid-State-Recorder

1. Juni 2020

Ein Recording-Monster wie aus der Zeitmaschine

tascam hs 20 recorder test

Tascam HS-20, Solid-State-Recorder

Das ist ja was: Zwei Höheneinheiten, Speicherkartensteckplätze und irgendwie dann doch vom Design an vergangene Tage erinnernd, der Tascam HS-20. Ein vollprofessioneller und grundsolider Recorder für den stationären Einsatz. Und nicht nur das, aber schauen wir doch mal zu Beginn in die Anleitung. Hier heißt es: „Bei der Nutzung dieses Geräts im Wohnbereich sind Störungen sehr wahrscheinlich. In diesem Fall hat der Nutzer die Beseitigung solcher Störungen auf eigene Kosten zu übernehmen.“ So einen Hinweis bei einem Gerät der Schutzklasse I hätte ich nicht erwartet. Ein Kurztest zeigte immerhin keinen Feldeffekt im VHF/UHF-Bereich, vielleicht habe ich diesen Hinweis auch falsch interpretiert.

Was und für wen ist der Tascam HS-20?

Die HS-Serie von Tascam umfasst professionelle Audiorecorder, tragbar und stationär, mehrspurig und wie in diesem Fall reines Stereo. In etwa ist der Tascam HS-20 ein abgespeckter HS-8, eben nur mit Stereospur. Gedacht ist er nicht zum Aufnehmen von Podcasts, obgleich er für diesen Zweck interessante Funktionen wie den FTP-Upload mitbringt. In der HiFi-Anlage könnte er durchaus den DAT-Recorder ersetzen, die seitlichen Einbauhalterungen lassen sich abnehmen.

Primäre Zielgruppe sind Studios, Radiostationen, Theater und alle Bereiche, in denen es um solide und schnell zu erstellende Aufnahmen geht, notfalls auch zeitgesteuert. Der erforderliche Anschaffungswiderstand scheint zwar auf den ersten Blick ambitioniert, dafür bietet der HS-20 einige Alleinstellungsmerkmale. Er ist übrigens auch Player und erlaubt mit den Sofortstart-Tasten von einer der optionalen Fernbedienungen das schnelle Abfeuern von Musik, Jingles und was es sonst noch als Audio gibt. Ein denkbares Szenario wäre eine Live-Darbietung, wenn Sounds und Musikpassagen direkt eingespielt werden sollen.

tascam hs 20 recorder test

Flexibel nutzbar ist der Tascam HS-20 aufgrund der zwei verschiedenen Betriebsarten. Im Timeline-Modus ist er die Stereo-Bandmaschine der Neuzeit und nimmt am Stück auf. Man kann entsprechend spulen, eine Passage überspielen und Sprungmarken setzen. Im Take-Modus funktionieren die proprietären Playlisten und Sofortstart-Tasten, ohne optionale Fernbedienung lässt sich dafür auch die Computertastatur verwenden. Der gleichzeitige Betrieb als Recorder und Player ist zwar nicht möglich, dafür lassen sich Aufnahmen zur Sicherheit simultan auf zwei Speicherkarten ablegen.

Die Ausstattungsliste ist so umfangreich, das würde diesen Test sicher sprengen. So ist das zeitgesteuerte Aufnehmen und Abspielen ebenso möglich, wie der automatisierte Datei-Up- und -Download per FTP.

Der HS-20 kann WAV-Dateien abspielen, als Aufnahmeformat wird jedoch ausschließlich BWF genutzt, so dass Markierungen eingefügt werden können. Die Quantisierung kann mit 16 oder 24 Bit erfolgen, die Abtastraten der Eingangssignale gelingt von 32 bis 192 kHz mit allen Zwischenstufen. Analoge und digitale Audioanschlüsse sind dabei ebenso selbstverständlich wie BNC-Buchsen für Video- oder Wordclock-Signale.

Das optionale Erweiterungsboard SY-2 ergänzt den HS-20 um das SONY-P2-Protokoll mit einer RS-422-Schnittstelle und SMPTE-Timecode. Teac hat ihn nicht grundlos so flexibel konstruiert, denn er kann auch sehr gut das Bindeglied zwischen alter Studiotechnik und modernen Aufnahmeformaten sein. Im Musikbereich wird man heute kaum ohne DAW auskommen, aber als Recorder für das Mastering ließe sich der HS-20 gut einsetzen, vor allem wegen der dualen Aufnahmemöglichkeit und Pre-Recording.

Auspacken und erster Eindruck

Mit Einbauhalterung ist der Tascam 48,3 cm breit und mit zwei Einheiten 9,4 cm hoch. Die Einbautiefe beträgt 31,4 cm und mit 4,9 kg ist er vergleichsweise leicht. Während das Blechgehäuse nichts Besonderes ist, wirkt die schnörkellose Front massiv. Das gilt ebenso für die Bedienelemente, die mit Ausnahme der Transporttasten etwas Spiel haben. Die Aufnahmetaste ist mit seitlichen Stegen vor Fehlbedienungen geschützt und sitzt neben Play, Pause und Stop nahezu bündig im Gehäuse. Darunter befinden sich die schmalen Tasten unter anderem zum Spulen, Markieren und Umschalten des Jog-Shuttle-Modus. Die weiße Beschriftung ist gut lesbar und erinnert an HiFi der 80er-Jahre. Mein Testgerät ist nicht fabrikneu und so fehlen die Gerätefüße, die ohnehin zur besseren Passgenauigkeit für den Einbau laut Handbuch abgenommen werden sollen.

Das Jog/Shuttle-Rad ist leicht zu drehen, gummiert und läuft beim Anschubsen nicht nach, doch bin ich als Funkamateur die Kurbelnut gewohnt, um es mit einem Finger drehen zu können. Teac hat bei der Entwicklung offenbar mitgedacht und so lässt sich das Rad entsprechend anpassen.

Tascam HS-20 Drehknopf ohne Abdeckung

Entfernt man nämlich die Gummihülle, kommt ein Kunststoffdrehknopf mit entsprechender Nut zum Vorschein, was durchaus sinnvoll sein kann. Überhaupt ist das Gerät aufgrund seiner vielfältigen Anschlussmöglichkeiten extrem vielseitig einsetz- und nutzbar. Wäre da nicht die Bedienung, aber dazu komme ich später noch.

Tascam HS-20 Drehknopf

Abgezogen bleibt die stabile Achse übrig, die fest mit dem Gehäuse verbunden ist. Theoretisch ließen sich bei Bedarf auch andere Kappen aufsetzen, besonders im Timeline-Modus wird man das Rad zum Suchen und Auffinden bestimmter „Bandstellen“ häufiger nutzen.

In der Gehäusemitte ist das 3,5 Zoll messende TFT-Touchdisplay mit einer Auflösung von 320×240 Pixeln verortet. Zur besseren Ablesbarkeit lässt sich die Einheit entriegeln und nach oben anwinkeln, allerdings nicht stufenlos. Seitlich vom Display befinden sich die zugehörigen Bedientasten für Home und die Menüsteuerung sowie ein drückbares Datenrad. Ungewohnt empfinde ich, dass man es nur für die Werteeingaben verwendet, nicht aber zum Scrollen oder Auswählen von Menüeinträgen.

Hinter einer Klappe sind die beiden Kartenschächte verborgen, SDXC-Karten mit hoher Kapazität können genutzt werden. CF-Karten freut Fotografen, diese sollten allerdings ausreichend schnell sein und den UDMA-Modus unterstützen. Von DeLock gibt es einen Adapter von CF- auf microSD-Karten, damit könnte man den zweiten Schacht womöglich flexibler nutzen. Links daneben lässt sich ein USB-Stick zur Datenübertragung oder eine USB-Tastatur anschließen. Wer noch eine mit PS/2-Stecker übrig hat, kann sie mit dem darunter liegenden Anschluss verbinden. Das Layout ist allerdings auf Japanisch eingestellt, man kann und sollte es auf US-Englisch ändern. Umlaute können nicht direkt eingegeben werden und Sonderzeichen sind anders positioniert, der Einfachheit halber könnte man die Kappen der Tasten Y und Z vertauschen.

Der regelbare Kopfhörerausgang mit 6,35 mm Klinkenbuchse und der ebenfalls hinter einer Klappe verborgene Netzschalter schließen links das Gerät ab. Die Kopfhörerbuchse liefert zwar ein kräftiges Signal, rauscht im Gegensatz zu den rückseitigen Ausgängen etwas. Glücklicherweise wird die Lautstärke mechanisch geregelt, so fällt dies nur bei hohem Pegel oder empfindlichen Kopfhörern auf.

Rückseitig gibt es eine ganze Batterie von Anschlüssen, sowohl unsymmetrische Cinch-Buchsen als auch symmetrische XLR-Anschlüsse mit jeweils passendem Pegel und Verriegelung. Für die digitale Welt stehen RCA-Buchsen für S/PDIF und symmetrische AES/EBU-Ein- und -Ausgänge zur Verfügung. Im Menü muss man auswählen, welche Ein- und Ausgangsbuchsen man verwenden möchte, eine Kombination aus verschiedenen Möglichkeiten ist nicht vorgesehen.

tascam hs 20 recorder test

Hinter zwei Klappen verborgen findet man zum einen die RJ45-Buchse für die separaten Fernbedienungen, Tascam warnt ausdrücklich davor, hier das Netzwerkkabel einzustecken. Die zweite Abdeckung verbirgt den Schacht für das optionale SY-2-Modul. Weiterhin erlauben zwei BNC-Anschlüsse die für Videoaufzeichnungen wichtige Synchronisation mit der Video- oder Wordclock, die auch HDTV-Signale verstehen. Über einen Schalter kann der Endwiderstand von 75 Ohm zugeschaltet werden, sofern der HS-20 das Ende der Kette markieren soll. Darüber hinaus kann er über eine parallele oder serielle Schnittstelle von einem Computer oder einem anderen Gerät ferngesteuert werden, das Handbuch informiert ausführlich über die Pinbelegungen. Der Netzwerkzugriff erfolgt über eine Gigabit-LAN-Buchse. Das mitgelieferte Netzkabel gehört in die Kaltgerätebuchse und ist neben den Rack-Schrauben das einzige Zubehör im Paket. Was an der Verpackung außerdem schwer wiegt, ist die Dokumentation, Tascam-typisch sehr ausführlich und in gutem Deutsch verfasst.

Der HS-20 in der Praxis

Tascam HS-20 Display schräg

Der erste Eindruck ist schon mal sehr positiv, nun ist die Frage, ob auch die Praxis mit dem Recorder überzeugen kann. Für meine Arbeitsweise ist die Timeline-Aufzeichnung in der Theorie sehr willkommen, denn gerade bei Sprache lässt sich schnell etwas einfügen oder überschreiben. Dieses Feature dürften Musiker weniger benötigen, immerhin wäre die Take-basierte Aufzeichnung am ehesten mit typischen Audiorecordern zu vergleichen. Die Aufnahmen lassen sich nachträglich übrigens auch verbinden und sogar überblenden. Ob das allerdings mit dem kleinen Display ein Spaß im Vergleich zu einer DAW sein kann?

Beim Einschalten zeigt sich zunächst alles, was leuchten kann. Die Transporttasten erinnern mich an die Steuerung alter Bandmaschinen und müssen ähnlich tief gedrückt werden, sie sind hell und nicht zu übersehen. Beim Ausschalten machen sich die Kondensatoren positiv bemerkbar, über eine Sekunde dauert es, bis das Gerät abschaltet. Das ist im vollprofessionellen Umfeld sehr wichtig und schützt vor spontanen Stromschwankungen. Bei Bedarf lassen sich Display und Tastenbeleuchtung, auch getrennt, dimmen oder ganz abschalten. Ist das Display aus, wird es nach dem erneuten Einschalten des HS-20 wieder beleuchtet, es kann auch zeitgesteuert abgeschaltet werden.

Tascam HS-20 Main Menu

Bezüglich der Bedienung bin ich etwas zwiegespalten. Ergonomisch hat der HS-20 alle wichtigen Tasten im Direktzugriff, Markierungen lassen sich setzen und anspringen, die letzte Position auffinden und spulen, sowie das Jog/Shuttle-Rad aktivieren und es kann zwischen Tempokontrolle und Durchsuchen des Audiomaterials gewechselt werden. Eine Shift-Taste erweitert den Direktzugriff entsprechend, die Belegung ist jedoch sehr kontextbezogen und eingängig. Das Pegelmeter, Fortschritts- und Zeitdarstellungen finden sich im Display und die Anordnung ist ähnlich zu anderen Recordern. Das Hauptmenü mit den 12 Kacheln und großen Lettern wirkt etwas antiquiert, erlaubt aber den prompten Zugriff auf die verschiedenen Einstellungsbereiche. Ob Eingangsquelle, Aufnahmemodus, Dateimanager, Sync- und Remote-Einstellungen ist jeder Punkt klar aufgegliedert und bedarf nur einem Fingerzeig. Von der Hauptseite lassen sich schnell bestimmte Menüseiten aufrufen, wie beispielsweise für die Wiedergabe. Allerdings finde ich es nicht immer ganz eindeutig, auf welches Element man tippen kann.

Tascam HS-20 Rec Settings

Die Kategorien innerhalb der Einstellungen sind als Register am unteren Display-Rand angeordnet und gut strukturiert, das Design erinnert mich irgendwie an Windows CE, der Tascam DP-32 SD sieht dagegen richtig modern aus.

Tascam DP-32 SD Hauptseite

Dafür können insgesamt die grundlegende Bedienung und Klangqualität überzeugen. Die Aufnahmen sind erwartungsgemäß amtlich, klar definiert, detailreich und die Schnittarbeit geht gut von der Hand, wenn man die Zoom-Funktion benutzt. Die Zeitauflösung bis in den Frame- bzw. Millisekundenbereich ist in dieser Preisklasse zu erwarten. Trotzdem reicht der Komfort natürlich nicht an eine DAW heran, das ist sicher auch nicht das Ziel des HS-20, aber zeitgemäßes 32-Bit Float könnte man vielleicht schon erwarten. Immerhin lassen sich Eingangsempfindlichkeit und Pegel vielfältig einstellen. Dass er gut klingt, zeigen auch die technischen Angaben, Abweichungen von +/-1 dB.

Tascam HS-20 Recording

Schaut man jedoch tiefer in das Bedienkonzept, wird die Lernkurve steiler und es zeigt sich, dass die Ergonomie bedingt durch das verhältnismäßig kleine Display etwas auf der Strecke bleibt. Um mich nicht auf meinen subjektiven Eindruck zu verlassen, habe ich zwei Personen aus meinem Umfeld gebeten, die Bedienung zu beurteilen. Beide bemängelten neben dem teils vollen Display mit gelegentlich seitlichen Scrollbalken auch eine recht kleine Darstellung. So lässt sich das Datenrad für Eingaben zwar nutzen, allerdings nicht für Dateilisten oder zum Scrollen in Menüs, hier vermisse ich etwas Komfort, persönlich auch einen deutlicheren Kontrast. Natürlich ist das alles erlernbar und das sehr ausführliche Handbuch hilft hier auch gut weiter. Für mich allerdings ist die Handhabung im Gegensatz zu anderen Recordern gefühlt komplizierter, auch wenn diese natürlich über weniger Features verfügen.

Der HS-20 für die Wiedergabe

Tascam RC-HS20PD

Neben der Aufzeichnung ist der HS-20 ein fernbedienbarer Player, der sich vorzugsweise im Broadcasting-Umfeld, als Jingle-Maschine oder als Zuspieler von Musik gut einsetzen lässt. Das geht mit einer PC-Tastatur, aber sinnvoller ist die optionale Fernbedienung Tascam RC-HS20PD mit Touchscreen, die mehr kostet als der Recorder selbst und gleichermaßen mit dem HS-8 genutzt werden kann. Sie ist eine Steuerkonsole und erlaubt den komplexen Fernzugriff auch über große Distanzen, aber muss direkt über ein CAT6-Kabel mit dem Recorder verbunden sein. Tascam nennt als Beispiel Regie und Sendestudios, so dass sich Abläufe aus der Ferne realisieren lassen. Dabei erkennt das Gerät offenbar keine Standard-Playlisten, es ist also Handarbeit gefragt und die einzelnen Takes müssen in Reih und Glied auf die Sofortstart-Tasten zugeordnet werden. Eigenständig betrachtet ist das natürlich eine sehr schöne und solide Arbeitsweise, aber vermutlich wären moderne Broadcasting-Anwendungen etwas leistungsfähiger. Selbst wenn man andenkt, den Fernzugriff zu nutzen, ist das Gerät im Speicherplatz natürlich etwas begrenzt. Außerdem frage ich mich, warum man neben FTP-Client und NTP-Server-Zugriff keinen Webserver implementiert hat oder wenigstens eine offene Software, so dass die Anpassungen an spezifische Aufgaben noch flexibler wären. So bleiben nur die Schnittstellen, die sich immerhin auch per Software ansteuern ließen, obgleich ein USB-Port den Zugang zu modernen Computern erleichtern würde.

Gemischte Gefühle

Der Tascam HS-20 ist für mich nach fünf Jahren Schreiben für AMAZONA.de das erste Gerät, bei dem ich richtig zwiegespalten bin. Einerseits ist er technisch über jeden Zweifel erhaben, erstellt solide Aufnahmen und ist für Hardware-Freunde eine gute Möglichkeit, sowohl computerlos hochwertige Aufnahmen zu erstellen als diese auch bearbeiten zu können. Alternativ kann man ein Computersystem mit dem HS-20 um einen redundanten Recorder ergänzen, damit die wertvolle Arbeit auch als duale Aufnahme in jedem Fall gesichert wird. Wer Bandmaschinen mag, wird das Gerät sicher schätzen lernen. Immerhin ist der Tascam HS-20 mit seinen Anschlüssen hoch flexibel und auch für Videoproduktionen ein interessanter Kandidat, kurz um ein sehr gutes Gerät.

tascam hs 20 recorder test

Auf der anderen Seite ist das Display praktisch viel zu klein, es gibt weder LED-Ketten, noch hat man wirklich alles im Blick und einige Funktionen hätte ich lieber als dedizierte Bedienelemente und nicht im Menü. Beispielsweise die Eingangswahl, solche Einstellungen gehören hinter eine Klappe, für die Aussteuerung braucht es einen fixen Regler und wenn schon, dann bitte auch eine Sicherung für die Speicherkarten. Die beiden Leuchten zeigen zwar an, ob geschrieben oder gelesen wird und zwar recht leuchtschwach, so dass jemand unbeabsichtigt im Aufnahmebetrieb einfach die falsche Karte entfernen könnte.

Weil der HS-20 diese auch zur Pufferung nutzt, möchte ich nicht wissen, ob und welcher Schaden drohen kann. Bei dem Preis wäre eine automatische Verriegelung oder wenigstens eine mechanische Sicherungsschraube nicht nur wichtig, sondern zu erwarten. Oder wenigstens helle Leuchtanzeigen, damit man definitiv weiß, wann man die Finger von den Karten lassen muss. Die Bedienung ist auf den ersten Blick gut, aber die Lektüre für alle Funktionen ist eher etwas für den Kurzurlaub als nur abendfüllend. Trotzdem ist der HS-20 ein guter Recorder/Player, weil jeder seine Schwerpunkte anders setzen kann, sofern das Gerät in den eigenen Workflow passt. Für mich wäre er vom Handling viel zu komplex.

Fazit

Der Tascam HS-20 ist ein guter Solid-State-Recorder, der auch als Player mit der Sofortstart-Funktion eingesetzt werden kann. Zahlreiche Anschluss- und Synchronisationsmöglichkeiten machen ihn sehr flexibel, der FTP-Up- und -Download ermöglicht auch den Fernzugriff. Die grundlegenden Funktionen und Klangqualität geben keinen Anlass zur Kritik, wohl aber das Bedienkonzept. Ein solch komplexes Gerät hätte ein etwas größeres Display oder wenigstens einen Webserver zur Fernsteuerung mit dem PC oder Tablet sehr gut vertragen. Gerade die Audiobearbeitung ist ein Feature, das man eher weniger mit dem HS-20 erledigen sollte. Für bestimmte Anwendungsfälle, beispielsweise wenn ein Computer nicht erwünscht ist und ältere Aufzeichnungsgeräte ersetzt werden sollen, könnte der Tascam HS-20 die richtige Lösung sein.

Plus

  • solide und gut verarbeitet
  • ausgezeichnete Klangqualität
  • viele Steuer- und Netzwerkfunktionen
  • zeitgesteuertes Arbeiten
  • Video- und Wordclock eingebaut, SMPTE-Timecode nachrüstbar

Minus

  • kleines, druckempfundliches Touchdisplay
  • Handhabung in Teilen etwas unübersichtlich und umständlich
  • viele Funktionen nur über Display und Menüs erreichbar
  • Speicherkarten unzureichend gesichert

Preis

  • Tascam HS-20: 1.318,- Euro
  • Tascam RC-HS20PD: 1.899,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    mdesign  

    danke für den aufschlussreichen bericht. das ding muss man wohl wirklich wollen. ein passender satz mit ‚brauchen‘ fällt mir dazu nicht ein.

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    AMAZONA Archiv

    Und wo zur Hölle schiebe ich da meine alten ADAT-Bänder rein?

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      Stephan Merk  RED

      Die musst Du zusammenfalten, dann passen sie in den CF-Kartensteckplatz. ;) Aber natürlich nur, wenn Du hinten das Erweiterungsboard einbaust und natürlich die Fernbedienung kaufst… ;)

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    iggy_pop  AHU

    Ein steiler Preis für ein Gerät dieser Art — das muß also richtig was liefern können.

    Was mich interessieren würde: Hört man die Klicker- und Schaltgeräusche der Datenübertragung, wie es der HD-P2 auch so gut konnte, wenn die Karte zu langsam war?

    Stephen

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      Stephan Merk  RED

      vielleicht war die Karte aber auch nicht langsam genug. Ich weiß aber, was Du meinst, den Effekt kennt man ja auch von Früher, wenn der Rechner beim Aufzeichnen überlastet war.Davon habe ich nichts wahrgenommen,

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    Franz Walsch  AHU

    Generell finde ich die Studiorecorder im Vergleich zu mobilen Recordern wie z. Bsp. den »ZOOM F8n« überteuert und nicht besonders bedienungsfreundlich.
    Auch ist die gesamte Reihe der Studiorecorder in die Jahre gekommen.
    Der »TASCAM HS-20« steht seit Dezember 2014 im Händlerregal. Ich würde eher zum preislich interessanteren TASCAM DA-3000 (seit September 2013 im Handel) greifen.
    PS.: Studios verfügen generell über stabilisierte Stromanschlüsse. Von »FURMAN« gibt es eine breite Palette an Geräten und ich benutze sie auch im Wohnbereich.

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    swift  

    Für einen Stereorecorder habe ich keine Verwendung, aber schade, dass es keine 16 oder 24 Spur Multitrackrecoder wie seinerzeit von Fostex oder Alesis mehr neu zu kaufen gibt.

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      Stephan Merk  RED

      Wieso, gibt es doch beispielsweise mit dem DA-6400. Der HS-8 scheint jedenfalls nicht mehr verfügbar zu sein.

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        swift  

        Abgesehen davon, dass es auch optional keine analogen Eingänge gibt, ist der Preis auch nicht von schlechten Eltern. Einen anderen aktuellen Mehrspurrecorder im Rackformat kenne ich nicht.

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            Stephan Merk  RED

            Der LiveTrak L-20R ist ja eher ein Portastudio bzw. Mischpult mit Recorder, diese Gattung würde ich eher als All-in-Ones bezeichnen. Sicherlich vielseitiger, aber zeit- und ferngesteuerte Aufzeichnung und was der HS-20 alles kann, können die halt alle nicht. Dafür haben sie mehrere Eingänge und können in anderen Bereichen wieder mehr.

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    kiro7   3

    Vielen Dank für diesen tollen Testbericht! Das mit dem Jog Rad zum wechseln ist ja echt mal innovativ! Leider hat das Ding kein MIDI.

    Ich war selbst ewig auf der Suche nach einem Recorder der mal eben per Midi trigger was abfeuert, bequem ohne den Sampler zu bemühen, und sich auch in beide Richtungen syncen lässt. Nach Test von Tascam, Teac, Boss & Co. bin ich nun beim fast vergessenen KORG D16 gelandet. Mehr Features in einem Gerät habe ich nirgends gefunden. Trotz des Alters schon mit Touchscreen, und Jograd mit Mulde hat er auch! :-)

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      Stephan Merk  RED

      Moin, MIDI hatte ich in der Tat ganz vergessen. Aber eigentlich müsste man das über einen Converter doch mit den Seriellbuchsen realisieren können, ist aber natürlich Bastelei und das möchte man ja vermeiden, wenn man viel Geld auf den Tisch legt.

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    dAS hEIKO  AHU

    als Jingleeinspieler:
    Ein Instant Replay von 360Systems ist ja auch nicht gerade ein Mitnahmeartikel und das Konzept nicht mehr ganz taufrisch. Aber 1900 Euro für einen Controller aufzurufen? Respekt Tascam, ihr habt ja gar kein Schmerzen. Vielleicht solltet ihr dann auch gleich ein Logo mit angebissenem Obst draufkleben.

  8. Profilbild
    SoundForger2000

    Für mich ist immer noch nicht nachvollziehbar, warum auch dieses Gerät kein FLAC unterstützt !

    Ein FLAC-Support zusätzlich zu BWF, sollte ja nun so schwer nicht sein, schließlich befinden wir uns im Jahre 2020.

    Man stelle sich eine DAW vor die kein FLAC „kann“.

    ~~~ Kopfschüttel ~~~

    • Profilbild
      Stephan Merk  RED

      Zunächst können DAW-Systeme ohnehin alles, was aus meiner Sicht zwar primär für ein gutes Gefühl sorgt, zwangsläufig aber nicht zu guten Ergebnissen führen muss. Ich mag hier durchaus falsch liegen, kann mir aber kaum vorstellen, dass man im professionellen Umfeld, wo Timing wichtig und Speicher kein Thema ist, mit dem FLAC-Format arbeitet, davon habe ich zumindest noch nichts gehört oder gelesen. An Recordern kenne ich nur den Olympus LS-P4, der nimmt in FLAC auf, dann aber stehen die Bearbeitungsfunktionen nicht zur Verfügung. Bezogen auf den HS-20 kann der auch kein MP3. Hier habe ich oft schlechte Codecs festgestellt, so dass es im Ergebnis eh stets besser ist, das Rohmaterial am Computer nachzubearbeiten und zu komprimieren. Bei Samples ist mir FLAC Auch noch nicht untergekommen. Nicht falsch verstehen, ich nutze FLAC sehr gerne zur Archivierung von Endproduktionen, aber bei der Bearbeitung halte ich es für absolut ungeeignet.

    • Profilbild
      Franz Walsch  AHU

      »FLAC« ist ein asymmetrischer Codec, der für Streaming und Verteilung von Audiodateien z.Bsp. HiRes-Sounddateien entworfen wurde und kein Aufnahmeformat. Es gibt keinen Hardwarerecorder mit »FLAC« als Aufnahmeformat. Recorder im professionellen Umfeld brauchen eher »BWF« BroadcastWaveFormat, was eine Teilmenge des Wave-Audioformtes ist. Ziel dieses Formates ist der einfache Austausch und Verteilung in Sendeanstalten/Fernsehen/Produktion. Fairerweise sollte man auch nur das erwarten was es ist, ein Master/Stereorecorder, kein universeller Mediaplayer oder eine DAW! Das Gerät hat den Stand von Dezember 2014.

  9. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Es gibt noch zwei weitere Fernbedienungen, die auf der TASCAM-Webseite vorgestellt werden.
    »RC-SS20 Fernbedienung für die Direktwiedergabe« und die »RC-900 Fernbedienung« die ein Jog/Shuttle-Rad besitzt und seit Februar 2019 erhältlich ist.
    Alle Fernbedienungen sind kabelgebunden. Der Aufwand und die geringen Stückzahlen eines rundfunktauglichen Geräts machen hier den Preis.

    • Profilbild
      Stephan Merk  RED

      Richtig, ich hatte noch überlegt, die alle aufzulisten, aber das hatte für mich keinen Sinn ergeben, dazu hätte ich sie auf dem Tisch haben müssen. Theoretisch ist das immer schwierig, daher hatte ich mich auf die bezogen, welche Tascam im Handbuch erwähnt hat. Diese sind aber meine ich universell und steuern auch andere Geräte, sogar mehrere gleichzeitig.

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