Test: Tascam iXR, USB-Audiointerface

9. Januar 2017

Mobiler Flachmann

Günstige Audiointerfaces gibt es inzwischen zuhauf. Da muss man sich als Hersteller schon etwas einfallen lassen, um aus der Masse hervor zu stechen. Tascam hat das mit dem Tascam iXR getan, in wieweit das Konzept aufgeht, werden wir überprüfen.

Übersicht

Das neue Tascam iXR Interface ist ein 2×2 USB 2.0 Audiointerface mit zusätzlichem MIDI-Anschluss. Auf der Vorderseite finden sich zwei Kombibuchsen, die Einstellungen Mic/Line oder Instruments werden mit einem Schalter gewählt. Pro Kanal sind außerdem ein Gain-Poti und zwei Austeuerungs-LEDs vorhanden. Eine weitere LED zeigt die Phantomspeisung an, die auf der Rückseite für beide Kanäle gleichzeitig geschaltet wird.

Die Vorderseite

Die Vorderseite

Weiter geht es mit einem Überblendregler zwischen den Eingangssignalen und der DAW Zuspielung. Es folgen die Potis für Line-Out und Kopfhörer. Für den steht rechts außen eine Miniklinke parat. Eine LED zur Anzeige der USB-Verbindung schließt die Vorderseite ab.

Rückseitig finden sich rechts die Line-Out-Buchsen als Klinke, es folgen die beiden MIDI-Buchsen In/Out. Mit einem Schiebeschalter wird die Phantomspeisung aktiviert.

Die Rückseite

Die Rückseite

USB-Buchsen sind zwei vorhanden, je eine vom Typ A und Typ B. Auch eine Kensington Sicherheitsbuchse ist vorhanden.

Daten

Das Tascam iXR ist als mobiles Interface konstruiert. Deshalb soll es klein und handlich sein. Das macht sich vorwiegend in der geringen Bauhöhe bemerkbar. Gerade mal 35 mm ist das Alu-Gehäuse hoch. Auch Breite und Tiefe sind mit 210 x 141 mm nicht überbordend. Zwei Winkel an den Seiten der Frontplatte schützen die Potis vor Beschädigung.

Technisch bietet das Interface gehobene Standardkost. Aufnahmen sind mit 16 oder 24 Bit möglich, die Abtastraten reichen von 44,1 bis 96 kHz.  Einige Mitkonkurrenten bieten hier inzwischen auch 192 kHz an, aber mal ehrlich, wer braucht das schon?

Die Eingangsverstärkung beträgt in allen drei Anschlussarten gute 57 dB. Das Eigenrauschen der Mikrofonvorverstärker ist mit  -125 dBu angegeben.

Unterstützt werden PCs ab Windows 7 und Macs ab OS X 10.8.4. Zusätzlich lässt sich das Interface an Apple iOS-Geräten ab iOS 7 mit Lightning-Anschluss betreiben. Dafür ist also der USB Typ A Anschluss.

Zubehör

Geliefert wird das Tascam iXR mit Handbuch, USB-Kabel und einer Lizenzkarte für Cubase LE. Das mir vorliegende Trackpack geht deutlich weiter. Hier liegt noch das Batterie gespeiste Kondensatormikrofon TM-60 mit Kunstledertasche, Tischstativ, Mikroklemme, Anschlusskabel und Windschutz bei. Zum Schutz der Aluoberfläche des iXR wird eine knallorange Silikonhülle geliefert.

Das Trackpack

Das Trackpack

Am Computer

An mein MacBook angeschlossen wird das Tascam iXR sofort erkannt und kann angewählt werden. Wichtig ist mir erst einmal die zu erreichende Latenz. Hier zeigt mein Rechner bei praxisnahen 64 Samples Puffergröße 3,5 ms für den Ausgang und 7,2 ms im Roundtrip an. Das ist ein zeitgemäßer Wert, mit dem sich gut arbeiten lässt.

Latenzzeiten

Latenzzeiten

Für das Interface ist auch eine Software unter dem Namen TASCAM iXR Settings Panel vorhanden. Download und Installation von der Tascam Seite gehen flott. Einzustellen gibt es hier nicht all zu viel. Die beiden Eingänge lassen sich unabhängig voneinander ein- oder ausschalten. Direkt abhören lässt sich in Mono oder Stereo. Der Ausgang kann entweder unter „Monitor-Mix“ die Mischung des entsprechenden Reglers am iXR ausgeben oder unter „Computer-Out 1-2“ nur die Signale aus der DAW. Komischerweise wird das Signal in dieser Einstellung wesentlich lauter. Ein letzter Eintrag betrifft die Stromsparfunktion. Ist sie angewählt, schaltet sich das Gerät nach 30 Minuten ohne Eingangssignal auf Standby. Reaktivieren lässt sich das Interface dann nur wieder durch Aus- und Einstecken des USB Kabels.

iXR Settings Panel am Mac

Tascam iXR Settings Panel am Mac

Mein erster Test soll die Ausgänge checken. Line-Out und Kopfhörerausgang führen dasselbe Signal, sind aber getrennt in der Lautstärke regelbar. Der Line-Out liefert ein ordentliches, lautes Signal. Im Vergleich zu meinem UA Apollo Interface sind die Höhen etwas matter und nicht so offen und die Tiefmitten klingen ein wenig komprimiert. Im Hinblick auf den Preis des Interfaces wird aber ein wirklich gutes Ergebnis erzielt.

Positiv ist auch der Headphone-Out, der anständig laut anbietet. Schön wäre hier trotzdem eine 6,3 mm Klinkenbuchse gewesen, aber im Hinblick auf die mobile Ausrichtung des Interfaces ist die kleine 3,5 mm vertretbar.

Nun aber zu den Eingängen. Ich starte mal wieder mit meinem eher ausgangsschwachen Sennheiser Profipower.

Das Sennheiser Profipower

Das Sennheiser Profipower

Dafür muss der Preamp schon ordentlich aufgerissen werden, was er aber problemlos und ohne lästige Nebengeräusche meistert. Das Klangbild ist völlig in Ordnung, das Sennheiser bietet für ein dynamisches Mikrofon sehr angenehme untere Höhen, die hier auch sehr schön zur Geltung kommen.

Für den Test mit einem Kondensatormikro wähle ich dieses Mal ein recht preisgünstiges Exemplar, das EV Cardinal.

Das EV Cardinal

Das EV Cardinal

Das im Retro Style gehaltene Mikrofon wird gerne als Bläsermikro eingesetzt, ist aber live auch als Gesangsmikrofon ein absoluter Hingucker. Auch das Kondenser wird vom Tascam iXR adäquat und problemlos übertragen. Dafür wird natürlich die Phantomspeisung aktiviert, die leider nur auf der Rückseite Platz gefunden hat.

Durch die Kombibuchsen ist auch eine Verarbeitung von Line- und Instrumentensignalen möglich. Während Line eher unspektakulär funktioniert, ist der Instrumenteneinsatz schon spannender. Diese Funktion wird mit einem Druckschalter aktiviert.

Hier teste ich nun mit meiner Breedlove Akustik und meinem Billigbass. Die Ergebnisse sind in beiden Fällen brauchbar, bei der Gitarre ist aber eine gewisse Leblosigkeit im Sound zu verzeichnen. Positiv ist die recht hohe Verstärkung, so dass hier Nebengeräusche absolut keine Chance haben.

Am iOS-Device

Das iXR kann auch mit einem iOS-Gerät zusammen arbeiten und das ganz ohne die üblichen Adapterlösungen. Dafür wird das Netzteil des iPads, iPhones oder iPod touch mit dem normalen USB-Kabel mit der USB Typ B Anschluss verbunden. Vom Anschluss Typ A geht es nun in den Lightning-Anschluss des iOS-Gerätes.

Das iXR am iPad

Das iXR am iPad

Damit ist klar, das Tascam iXR ist zwar mobil, kann aber nicht vom iPad mit Strom versorgt werden. Laut Aussage der Bedienungsanleitung ist es aber möglich, mit dem optionalen Tascam BP-6AA Batteriepack oder einem Powerpack mit denselben Leistungsdaten wie das Apple Netzteil (5 V, mind. 700 mA) zu arbeiten.

Wie beim Mac klappt auch hier die Verbindung sofort und ohne Probleme. Ebenso ist hier das iXR Settings Bedienprogramm erhältlich, das aus dem Appstore geladen werden kann. Es ist optisch etwas anders gestaltet als die Rechnersoftware, beinhaltet aber dieselben Funktionen.

iXR Settings Panel für iOS

iXR Settings Panel für iOS

Mit dem iXR, einem iPad, der nötigen Software und einem Kopfhörer hat man also tatsächlich ein kleines, mobiles Studio oder ein gut klingendes Software-Instrument. Mit einer mobilen Stromversorgung sogar unabhängig vom Stromnetz.

Forum
  1. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Das Tascam Modell wird ja auch als iPad-Interface beworben, nur ist die USB-Stromversorgung alles andere als ideal, denn so fällt auch schon wieder eine Schnittstelle weg (gerade bei Apple Geräten ein Problem) und ein Hub braucht dann sowieso ein Netzteil.
    Von einem mobilen Interface kann man die Phantomspeisung für Mikrofone erwarten. Leider wird dies nur bei wenigen Modellen wirklich ohne weiteres Netzteil gelöst.
    So gefällt mir die Batteriespeisung der beiden ZOOM-Interfaces U-24 und U-44 als besseren Weg die Mikrofone mit Strom zu versorgen. Leider wird auch bei den Modellen die Phantomspeisung global geschaltet.

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Globale Phantompower ist in dieser Preisklasse kein abwertender Punkt. Negativ wirkt sich das nur auf das beigelegte Mikro aus, da kann das Interface nix dafür. Batterie- oder Powerbank Betrieb ist nach Aussage von Tascam hier möglich, nur eben nicht direkt im Gerät verbaut.

      Die beiden Zooms hatte ich schon im Test, eigentlich ein guter Ansatz, nur die maximale Verstärkung der MikPres ist mit 43 dB eindeutig zu gering.

    • Profilbild
      gaffer  AHU

      @Franz Den Teil: „dann fällt schon wieder eine Schnittstelle weg“ kann ich nicht verstehen. Das Netzteil speist das Interface, damit ist doch am iPad nach wie vor die einzige Schnittstelle frei, die verbinde ich mit dem anderen USB Anschluss des Interfaces.

      Ansonsten guter Test, Armin. Die Zukunft gehört eindeutig den treiberlosen (ClassCompliant) Interfaces, die auch bei einem möglichen 10.18 noch gehen

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