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Test: Tascam VL-S5, Studiomonitor

Die Tascam VL-S5 in der Praxis

Tascam VL-S5 schräg rechts

Auspacken, anschließen, einschalten – nichts. Kein Rauschen, Brummen, Knistern, das auch nur annähernd erwähnenswert wäre. Aus unmittelbarer Nähe ist ein ganz leises Eigenrauschen zwar hörbar, bei normalem Abstand und absoluter Ruhe muss ich mich schon extrem darauf konzentrieren. Das ist vergleichsweise überragend, denn dieser Zustand verändert sich auch nicht bei voll aufgedrehter Lautstärke, sofern die Vorverstärker des angeschlossenen Geräts kein Eigenrauschen mitliefern. Im Falle des Tascam DP-32 SD ist dies der Fall und so muss man die Lautstärke beider Boxen separat regeln.

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Weil die Drehregler keine fühlbare Nase haben und auch nicht wenigstens in Mittelstellung einrasten, ist etwas Geduld und Übung geboten. Trotz des Drehwiderstandes passiert es nicht selten, dass man den Regler beim Ein- und Ausschalten verdreht, weil er schräg über dem Schalter sitzt. Als Tipp empfehle ich in diesem Fall, nicht von oben hinter die Box zu greifen, sondern von der linken Seite, dann ist diese Gefahr etwas gebannt, alternativ kann man auch zu einem passiven Monitorcontroller greifen. In dieser Disziplin sind Lautsprecher mit passiver Box im Vorteil, konstruktionsbedingt sitzt dann aber die Frequenzweiche hinter der Endstufe und Bi-Amping ist nicht möglich.

Die ersten Töne aus der Box mit dem Korg PlugKey konnten sich durchaus hören lassen. Keine zischelnden Höhen, keine ausgeprägten Mitten und keine wirkliche Bassarmut. Nach einer längeren Einspielzeit hatte ich den Eindruck, dass besonders tiefe Frequenzen etwas konturierter abgebildet wurden. Dabei zeigt sich mal wieder, dass die Praxis über jeden Zweifel erhaben ist, denn obgleich die 60 Hz nicht besonders tief klingen, scheint sie trotzdem tief zu können.

Aus der Erinnerung und mit vergleichbaren Stücken hatte ich subjektiv nichts auszusetzen. Im Vergleich zu den Alesis M1 Active MK3 im ähnlichen Preisbereich wirken die Bässe plastischer. Auch die Swissonic ASM5 klingen etwas mehr Hi-Fi und im ersten Moment druckvoller, aber ebenfalls weniger gut aufgelöst und nicht ganz so authentisch. Beide genannten Lautsprecher gehen laut Datenblatt übrigens tiefer runter. Zur genaueren Untersuchung wählte ich ein Stück von James Blake, „Limit to your love“, das einen extrem schnellen Wobble-Bass und akustisches Piano mit Gesang enthalten. Die Kunst bei der Wiedergabe ist, den Bass mit möglichst wenigen Nebenprodukten abzubilden. Hierbei kommt auch der Tascam VL-S5 an seine Grenzen und produziert hörbare Nebenprodukte, aus größerem Abstand ist jedoch die tatsächliche Fußlage herauszuhören. Im Verlauf des Stücks verschwindet der Wobble und ab diesem Moment war ich überrascht, denn die Monitore konnten den Basslauf sauber und akkurat wiedergeben, das hatte ich so nicht erwartet und weckte bei mir Begeisterung.

In anderen Disziplinen können die Tascam VL-S5 ebenfalls punkten. Beim Durchhören verschiedener Stücke quer durch die Genres wurden selbst Kompressionsartefakte offenbart, was auf eine gute Transientenwiedergabe hindeutet. Daher erstaunte auch nicht die Klarheit von hochauflösender Musik, die meine Erwartungen ebenfalls übertroffen hat. Instrumente ließen sich gut auf der Bühne verorten und wirkten auch bei Überlagerungen nicht verwaschen, im Hochtonbereich klingt der Lautsprecher angenehm und schön abgerundet, auch das ist zu diesem Preis nicht immer selbstverständlich. Die Box kann somit auch Produktionsfehler aufdecken, sofern diese sich nicht am unteren Frequenzbereich orientieren, was bei der kompakten Bauweise ohnehin nicht zu erwarten wäre. Notfalls ließe sich auch ein Subwoofer hinzuziehen.

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Tascam macht keine Angabe über den maximalen Schalldruck, aber die Monitore können richtig laut, ohne Clipping oder Verzerrungen. Während manche digital verstärkten Lautsprecher bei hohem Pegel das Audiomaterial komprimieren, scheint dieser Umstand nicht für die Tascam VL-S5 zu gelten. Ich habe mich nicht getraut, dies bis zum Maximum auszureizen, aber das Gehörte hat mir jedenfalls absolut ausgereicht.

Tascam VL-S5 auf Millenium DM3

Eine wichtige Einschränkung gibt es jedoch, der Sweetspot. Dieser ist horizontal und vertikal etwas begrenzt, so dass man die Tascam VL-S5 unbedingt so aufstellen muss, dass die Hochtöner zur Abhörposition zeigen. Stehen sie zu tief, kann man ihre Vorteile nicht ausreizen und der Klang erscheint etwas höhenreduziert. Zu nah an der Wand verstärkt die Basswiedergabe, was im speziellen Fall auch Vorteile auf Kosten der Details bringen kann. Frei im Raum klingen sie jedoch hörbar besser und können ihre Vorzüge voll ausspielen. Für mich ist es bis dato die beste Abhöre in dieser Preisklasse, die ich getestet habe und denen ich auch das Prädikat audiophil aufdrücken kann. Für die Tischaufstellung empfiehlt sich der Millenium DM3, der höhenverstellbar ist und von der Größe genau zum Tascam VL-S5 passt.

Natürlich ist Hören immer subjektiv und daher vermeide ich verbales Geschwurbel zu irgendwelchen Stücken, die der geneigte Leser nicht nachvollziehen kann. Ich bin auch der Ansicht, dass unser Gehirn das Hören massiv beeinflusst. Höre ich stets Musik mit gutem Equipment, werde ich irgendwann keine Details mehr finden, kann aber beurteilen, ob sich Elemente überlagern und wie plastisch das Abklingen von Effekten oder das Ausschwingverhalten von Saiten und Becken im Mix wirken. Die Tascam VL-S5 sind für mich diesbezüglich eine positive Überraschung, da verzichte ich gerne auf eine Standby-Schaltung. Ziel erreicht, würde ich meinen, die zu mir passende Abhöre ist gefunden.

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Fazit

Die Tascam VL-S5 sind günstige Nahfeldmonitore, die so gut wie alles richtig machen und selbst audiophilen Ansprüchen genügen können. Einzelne Lautsprecher mit Bi-Amping, extrem geringes Eigenrauschen, neutrale Klangreproduktion bis in die Randbereiche, solide Verarbeitung und alles das zu einem attraktiven Preis. Was nicht gefällt, ist die fehlende Standby-Funktion, auch hätte der Volume-Regler etwas besser bedienbar sein können. Ebenso fehlen Gerätefüße und zur Beurteilung von Subbässen sind sie nicht geeignet. Kann man mit diesen Einschränkungen leben, sind sie zu diesem günstigen Preis eine sehr gute Wahl. Wem der Tiefgang nicht reicht, kann sich mit einem Subwoofer behelfen, unbedingt nötig ist dieser aber nicht.

Plus

  • neutral und gutes Auflösungsverhalten
  • solide Verarbeitung und Bi-Amping
  • nahezu kein Eigenrauschen
  • diskreter Schaltungsaufbau
  • keine Kompression bei hohem Schalldruck

Minus

  • kein Standby
  • Lautstärkeregler etwas knifflig

Preis

  • Ladenpreis: 229,- Euro (Paarpreis)
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Forum
  1. Profilbild
    Atarkid  AHU

    Hi Stephan, nachdem Du ja sehr kritisch bist bei den Schallwandlern, kommt ein Dreisterner fast einer Kaufempfehlung gleich.
    Danke für den Test, sollte man sich wirklich mal ansehen die Tascams.

  2. Profilbild
    Stephan Merk  RED

    Nun ja, so kritisch bin ich eigentlich gar nicht. Hören ist ja auch sehr subjektiv und die örtlichen Gegebenheiten sind ja auch ziemlich maßgeblich. Aus meiner Erfahrung vertrete ich jedoch längst nicht mehr die Ansicht, dass ein sehr teurer Lautsprecher maßgeblich für einen guten Klangcharakter sein muss. Nur wie ich es im Text ja schrieb, können mich die VL-S5 im Vergleich zu allen hier getesteten Lautsprecherinnen und Lautsprechern am Meisten überzeugen. Das hatte ich eigentlich gesucht. Direkt dahinter kämen die PM0.3dH von Fostex mit Subwoofer, aber das ist mir wieder zu viel Klüngel und alle anderen haben gerauscht oder gebrummt. Das macht beim leisen Hören Probleme, das erlebe ich tagtäglich an meinen XR824. Die finde ich total klasse, aber das Eigenrauschen senkt zwangsläufig den Dynamikbereich, gleiches gilt selbst für die KSdigital C8 Reference. Diesbezüglich machen die Tascam einfach alles richtig und nicht mit dem Kompromiss der nachgeschalteten Frequenzweiche, wie es beim Aktiv-Passiv-Betrieb ja unvermeidbar ist – da drücke ich bei fehlendem Auto-Standby auch gerne ein Auge zu. Ich habe dazu auch ein YouTube-Video gemacht, nur leider ist das mit Kamera ohne Mikrofoneingang schwierig, weshalb die Qualität nicht für Amazona reicht: https://www.youtube.com/watch?v=sa-Mvasen8Y

    • Profilbild
      Stephan Merk  RED

      Das habe ich so aus den technischen Daten von Tascam übernommen und mich auch gewundert. Die Klinkenbuchse wird tatsächlich als unsymmetrisch angegeben, kann ich mir aber auch nicht ganz vorstellen.

  3. Profilbild
    roseblood11   1

    Kann jemand die Tascam VL-55 mit den KRK Rokit RP5 G4 vergleichen?
    Ähnliche Größe und ebenfalls günstig, zumal bei den KRK Kabel und Füße dabei sind.
    Aber eben ein ganz anderes Konzept, Class D und ein digitaler EQ. Die KRK gelten ja ein bisschen als Referenz im Billigbereich, aber oft mit der Einschränkung: „Super für Elektronisches, weniger für Rock/Gitarre“ – was immer das bedeuten soll…

    Ich nehme hauptsächlich E-Gitarre auf, in einem 20qm Raum mit Dachschräge, der akustisch nicht optimiert ist.

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