Test: TC Electronic Hall of Fame 2, Effektpedal

20. Juli 2017

Jetzt mit Shimmer und MASH

Das TC Electronic Hall of Fame Hallpedal gibt es ja nun schon eine ganze Weile. Die Qualität und die Quantität der Hallsounds, die Erweiterungsmöglichkeiten mit dem TonePrint Verfahren und nicht zuletzt auch der von Anfang an günstige Preis haben das rote Pedal zu einem Kassenschlager der Dänen werden lassen. Gut sechs Jahre ist es her, als das HoF zum ersten Mal präsentiert wurde, deshalb wurde es höchste Zeit, einen Nachfolger vorzustellen. Der heißt schlicht und ergreifend TC Electronic Hall of Fame 2 und schickt sich an, die solide Qualität des Vorgängers fortzusetzen. Allerdings mit mehr, als nur neuen Sounds. An Bord befindet sich u.a. TCs neue MASH Technologie, die aus einem einfachen Metallschalter fast schon ein Expressionpedal zaubern soll.

Vorab muss ich allerdings gestehen, dass ich das Vorgängermodell nie zwischen meinen Fingern bzw. in meinen Ohren hatte. Kontakt zu einem TC-Hallpedal gab es für mich trotzdem in der Vergangenheit, so hatte ich die Gelegenheit, das TC Electronic T2 einem Test zu unterziehen. Das Ergebnis damals war eher enttäuschend, wie man hier nachlesen kann. Doch seitdem ist ja einige Zeit vergangen und TC Electronic segelt ja mittlerweile wie wir alle wissen unter der Flagge der Behringer Music Group. Schauen wir daher im folgenden Test mal, wie weit das neue TC Electronic Hall of Fame 2 mein etwas schief geratenes Bild über Hallsounds aus TC-Pedalen wieder gerade rücken kann.

Facts & Features

Bis auf eine zweite LED, den etwas kräftigeren Metallschalter und dem zusätzlichen Aufdruck auf dem Gehäuse für die neuen Features entspricht das Äußere des TC Electronic Hall of Fame 2 weitestgehend dem seines Vorgängers. Das rot lackierte Gehäuse ist nach wie vor sehr robust ausgefallen, besitzt die Stereoeingänge links bzw. rechts am Gehäuse und eine abnehmbare Unterseite zum Einsetzen einer Batterie. Geblieben ist auch der Schnellverschluss für das Batteriefach, sollte mal kein Schraubendreher zur Hand sein, dann reicht zur Not auch eine Eurocent-Münze zum Öffnen. Empfohlen sei für einen zuverlässigen Betrieb ohne unbeabsichtigte Auszeiten natürlich ein Netzteil. Dessen Anschluss sitzt an der Stirnseite zusammen mit einem Mini-USB-Port, der für die Verbindung zum Computer und damit zum TonePrint Editor sorgt.

Das TC Electronic Hall of Fame 2 verfügt nun über drei TonePrint-Slots, das sind zwei mehr als beim Vorgänger. Der Schalter ist allerdings derselbe geblieben, nach wie vor sind nur elf Presets möglich. Was wiederum bedeutet, dass die drei Presets des Vorgängers Tile, Ambient und Gate den neuen TonePrint-Slots weichen mussten. Ich finde das OK, denn wer möchte, kann sich die drei Presets mit dem Editor ja wieder zurückholen, so aber verschafft das Luft im Speicher. Zum Beispiel für das Preset „Shimmer“ – der ersten großen Neuerung an Bord des neuen Hall of Fame 2. TC hat sich für diesen Effekt beim hauseigenen Sub ‚N‘ Up Octaver bedient.

Die Bedienelemente – MASH!

Da ist so weit auch alles beim Alten geblieben. Die vier Potis für Decay (Halldauer), Tone und Level sind ebenso noch an Ort und Stelle wie der Miniswitch für das Pre-Delay und natürlich der Metallschalter zum An- und Ausschalten des HoF2 es auch sind. Der Schalter ist nur ein ganzes Stück größer ausgefallen und hier kommen wir zur zweiten großen Neuerung – dem MASH System. Der Schalter reagiert nicht nur auf einfache Schaltvorgänge, sondern ist darüber hinaus auch drucksensibel – je fester er gedrückt wird, umso stärker wird der Effekt. Jedem der Hallräume an Bord des TC Electronic Hall of Fame 2 wurde eine zusätzliche Option beigefügt. Die folgende Grafik zeigt, welchen Einfluss genau die MASH Funktion auf die einzelnen Presets nimmt:

— Auswirkungen des MASH-Schalters auf die einzelnen Presets —

Während der Schalter gedrückt wird, informiert eine orangefarbene LED im oberen Teil des Panels durch ihre Leuchtstärke darüber, wie intensiv der Zusatzeffekt eingesetzt wird. Je stärker man also drückt, umso intensiver glimmt die LED und dem entsprechend stärker ist der zusätzliche Effekt zu hören. Im Prinzip funktioniert das System ähnlich wie bei dem eines Expressionpedals. Und es funktioniert sehr gut, der Schalter reagiert sehr sensibel auf Druckveränderungen und die LED zeigt sich sehr vital in ihren Aktionen.

Zwischenzeugnis

Für diejenigen, die befürchtet hatten, dass durch die Übernahme von TC Electronic durch die Behringer Music Group vielleicht auch die Qualität der Produkte nachlässt, kann an dieser Stelle Entwarnung gegeben werden. Zumindest in Sachen Hardware, denn dort macht das TC Electronic Hall of Fame 2 nach dem ersten Check-up eine durchaus gute Figur und führt die (robuste) Tradition seines erfolgreichen Vorgängers fort. Der Verzicht auf drei Presets zugunsten dreier neuer TonePrint-Slots ist eine gute Idee und ganz besonders sind wir natürlich darauf gespannt, wie das MASH-System funktioniert und überhaupt, wie die rote Kiste denn so klingt. Damit kommen wir zum Praxisteil.

Sound & Praxis mit dem TC Electronic Hall of Fame 2 

Nun ja, Freunde des gepflegten, kristallklaren Hallsounds im Stile eines Strymon Big Sky oder Empress Reverb werden am TC Electronic Hall of Fame 2 sicherlich keine Freude haben. Beide als Beispiel Genannten kosten aber auch ungleich mehr, das muss man sich stets vor Augen führen, wenn man die Presets des TC Hall of Fame 2 durchgeht. Für ein Hallpedal dieser Preisklasse geht das Gebotene in Ordnung, nicht mehr und auch nicht weniger.

Positiv ist natürlich die große Auswahl an Sounds zu betrachten, die ja mit dem TonePrint Verfahren noch erweitert werden kann. Die Presets geben allerdings kein durchweg gutes Bild ab, besonders bei größeren Räumen neigt das Signal recht schnell zum „Verwaschen“ , bei zu kleinen Räumen hingegen wirkt die Raumillusion zum Teil recht künstlich. Im Einschleifweg des Gitarrenamps ist dies mehr spürbar, als bei der Stereoabnahme direkt aus den Ausgängen des TC Hall of Fame 2 in ein Audiointerface. Dort wirkt das Signal deutlich aufgeräumter, insofern werden Spieler von Stereo-Setups vermutlich unterm Strich besser wegkommen, als der Großteil mit ihren Monoanlagen.

Um dies zu verdeutlichen, habe ich fünf Klangbeispiele mit einem Gitarrenamp und weitere fünf direkt aus den Stereoausgängen des HoF2 aufgenommen. Und hier ist das Ergebnis.

Im ersten Klangbeispiel hören wir das TC Hall of Fame 2 mit dem Preset „Church“. Zunächst die Version mit Verstärker, einem Orange Micro Dark mit angeschlossener H & K 1×12″ Celestion Vintage 30 Box.

Nun die Stereovariante am Interface – ohne weitere Bearbeitung.

Klangbeispiel 2 – das Preset „Room“. Zunächst am Amp, dann am Interface.

Weiter geht es mit Beispiel Nummer 3 und dem neuen Preset „Shimmer“. Der Algorithmus ist den Ingenieuren von TC gut gelungen, er wirkt nicht zu aufdringlich, neigt aber bei zu großen Räumen wie alle anderen Presets auch zum Matschen. Im ersten Beispiel setzte ich bei Sekunde 0:22 und am Schluss der Figur den MASH-Schalter ein, der den Shimmer-Effekt kräftig anheizt.

Hier der Shimmer in Stereo, die Aufwertung ist überdeutlich.

Nun das Mod-Preset, den Anfang macht wieder die Variante am Verstärker. Auch hier setze ich beim Ausklingen der Akkordvoicings die Mash-Schalter ein. Erzielt wird ein zusätzlicher Mix aus Chorus, Flanger, Vibe und irgendetwas dazwischen.

In der Stereoversion ist der Sound durchaus brauchbar, wie man im nächsten Klangbeispiel hören kann.

Abschließend das TC Hall of Fame 2 in der Standardkür, dem Produzieren von einfachem Hall. Zunächst eine Variante mit Verzerrer, gespielt über den Orange Micro Dark.

Nicht besonders überzeugend. Die Variante in Stereo klingt zwar auch nicht berauschend, aber auch hier deutlich besser.

Fazit

Angesichts des Verkaufspreises kann man dem TC Hall of Fame 2 nach Abschluss des Tests ein befriedigendes Ergebnis erteilen. Die Klangqualität insgesamt reißt zwar keine Bäume aus und ist eher als solide zu betrachten, dafür rauscht die rote Kiste kaum und besitzt mit dem MASH-Schalter eine neue Technologie, die zuverlässig funktioniert und sich praxisgerecht einsetzen lässt. Wer also vorhat, den TC Hall of Fame 2 in den Effektweg seines Gitarrenamps zu setzen, dürfte mit diesem Pedal einen treuen Begleiter „für alle Fälle“ finden. Fans von hoch verdichteten und veredelten Hallräumen höchstwahrscheinlich nicht.

Plus

  • robuste Verarbeitung
  • vielseitige Klangauswahl
  • drei TonePrint-Slots
  • MASH-Effekt

Minus

  • Klangqualität insgesamt bescheiden

Preis

  • Ladenpreis: 165,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Mick  AHU

    Jetzt können wir nur noch alle hoffen, das Behringer nicht auch noch Boss von Roland abkauft.
    Dann war es das mit Preis-leistungs-Siegern.
    Dann gibt es nur noch billig, gegen teuer!
    Ich verstehe nicht, das Uli und Co. so etwas durchgehen lässt, der Ruf ist doch super aufpoliert nach den Midas und Deepmind Produkten, und jetzt lassen die so ein Kultgerät wie den HoF vor dem Baum laufen!?

  2. Profilbild
    Mort4u

    Was ich nicht verstehe ist, wenn man schon den Effekt einmal am Amp und dann in Stereo testet, warum kann man dann nicht die gleichen Chords spielen?
    Denn so hat der Vergleich nur 50% an Aussagekraft.
    Ansonsten war es ein guter test.

    VG

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