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Test: TC Electronic Mimiq Doubler, Gitarrenpedal

20. Oktober 2016

Doppeln bis der Doc erscheint!

Speziell im Metalbereich sind fette, gedoppelte Gitarrensounds das A und O, das war nie anders und wird es in Zukunft auch sicher nicht sein. Im Studio ist das Aufnehmen solcher gedoppelter Linien in aller Regel kein Problem, das gewünschte Lick oder Riff wird einfach immer und immer wieder neu eingespielt und dann später zusammengemischt. Aber auch wenn man sich noch so sehr anstrengt – absolut identisch werden diese selbst erstellten „Kopien“ trotzdem nicht. Sollen sich auch gar nicht, denn jede Nuance Unterschied bewirkt einen dichteren und räumlicheren Höreindruck der Gitarrenspur – und das gilt es schließlich zu erreichen.

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— Der TC Electronic Mimiq Doubler —

Anders sieht die Sache im Livebetrieb aus, dort hat man nicht mal eben eine Hand übrig, um auf zwei oder mehr Gitarren zugleich zu spielen. Bisher lösten viele Musiker dieses Problem mit kurzen Delays, Pitchshiftern, Choruseffekten oder gleich mit allem zusammen, was aber oft in einer Orgie aus undifferenziertem Matschen endet. Damit soll nun Schluss sein, denn der TC Electronic Mimiq Doubler steht in den Startlöchern, um auch live das gewünschte Brett fahren zu können. Wir haben uns die neue Tretmine der Dänen für euch mal näher betrachtet.

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Facts & Features

Ganz neu ist die Sache ja nun nicht, denn von Keeley gibt es ja schon längere Zeit den ADT 30 ms (ADT steht hierbei für „Automatic Double Tracking“), der durch eine Zeitverzögerung des Effektsignals von 30 Millisekunden dem Signal einen sehr räumlichen und plastischen Eindruck verleiht. Das geht aber nur auf einfachem Wege, beim TC Electronic Mimiq Doubler hingegen können bis zu drei verzögerte Spuren dem Originalsignal zugemischt werden. Die Auswahl darüber trifft der „Dubs Switch“, dessen drei schaltbare Stufen, trotz des Miniformats des Schalters, sauber und präzise einrasten.

TC Electronic Mimiq Doubler Gitarrenpedal

Ohnehin ist die Verarbeitung des Pedals gewohnt hochwertig für eine Stompbox der Dänen: Die in dem massiven Druckgussgehäuse eingeschraubten Buchsen, Potis und Schalter hinterlassen einen guten Eindruck und sollten dem Besitzer lange Freude bereiten. Schade nur, dass auch hier wieder die IN/OUT-Buchsen an der Gehäuseseite platziert wurden. Speziell beim Stereobetrieb kann das schon mal für Gedränge auf dem Pedalboard sorgen, obwohl das Pedal mit seinen Maßen von 127 x 83 x 73 mm doch schon sehr kompakt ausgefallen ist.

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— Wieviele Overdubs dürfen es heute sein? —

Der Anschluss für das Netzteil hat seinen Platz an der Stirnseite gefunden, zusammen mit einem Mini-USB-Port. Mit dem mitgelieferten USB-Kabel lassen sich so anstehende Firmwareupdates des Pedals aktualisieren. Ein Netzadapter gehört leider nicht zum Lieferumfang des TC Electronic Mimiq Doubler. Aber auch hier tut es wieder ein entsprechendes Modell aus dem IBZ/BOSS Lager, um dem Pedal Leben einzuhauchen.

Alternativ steht auch einem Batteriebetrieb nichts im Wege, allerdings sollte man bei der zu erwartenden Leistungsaufnahme des Pedals darauf doch eher verzichten: Pitchshiftalgorithmen und überhaupt alle Modulationseffekte sind ja nicht gerade durch ihren sparsamen Umgang mit Ressourcen bekannt. Und es wäre doch wirklich schade, wenn der „Wall of Sound“ beim Gig plötzlich auf eine mickrige Spur zusammenschrumpft. Zumindest hört man dann noch das Originalsignal der Gitarre und das dank der True-Bypass-Schaltung sogar vollkommen verlustfrei.

Die Potis des TC Electronic Mimiq Doubler und deren Funktionen

Die Potis laufen mit einem gesunden Widerstand auf ihren Achsen und besitzen griffige Knöpfe. „Spitze Finger“ muss man hier nicht machen, die drei Regler sind weit genug voneinander entfernt, um jeden von ihnen mit den Fingern komplett umschließen zu können. Mit „Dry“ wird bestimmt, wie viel des Originalsignals der Gitarre zu der Dopplersektion rübergeschaufelt wird, das Poti „Effect“ bestimmt wiederum die Lautstärke der gedoppelten Tracks. So weit, so gut. Richtig interessant ist aber die Funktion des Reglers „Tightness“ als Dritter im Bunde, denn er soll die gedoppelten Signale etwas „menschlicher“ klingen lassen. Durch ein Drehen mit dem Uhrzeigersinn werden die Spuren so nicht nur im Tempo, sondern auch in Sachen Anschlagsdynamik und Tonhöhe variiert. Das kann vor allem im Cleansound sehr witzig klingen – und damit ab zum Soundcheck mit der Kiste!

Sound & Praxis mit dem TC Electronic Mimiq Doubler

Ein gewisses Grundrauschen kann man dem Pedal leider nicht absprechen, das verstärkt sich noch durch das Zuschalten der Dubs – je mehr Spuren zugeschaltet werden, desto kräftiger fällt das Rauschen leider aus. Beim Einsatz mit einem Gitarrenamp und weiteren Effekten dürfte das vermutlich nicht sonderlich ins Gewicht fallen. Wenn man den Sound des Mimiq Doubler allerdings unverzerrt direkt in einen Mixer oder in den Computer befördern möchte, vielleicht schon. Klar, das „Hauptklientel“ wird dieses Pedal überwiegend mit verzerrten Sounds einsetzen wollen, doch auch unverzerrt besitzt der Mimiq Doubler durchaus seinen Reiz!

Der Cleansound macht den Effekt hörbar

Den Entwicklern bei TC Electronic ist es gelungen, aus einem Mix von Delay-, Pitchshift- und Modulationsalgorithmen, wie Chorus oder Flanger (typische „Breitmacher“) also, einen wirkungsvollen Dopplereffekt zu kreieren. Was im verzerrten Betrieb nahezu unhörbar ist, zeigt sich im Cleansound und dem folgenden Klangbeispiel. Hier wurde eine Verdopplung (Dub) ausgewählt, die Regler für „Dry“ und „Effect“ befinden sich beide in der 12-Uhr-Position, das Poti für „Tightness“ wurde auf die 3-Uhr-Position gesetzt, um eine natürliche Latenz zum Originalsignal zu erzeugen.

Das Thema besteht aus gepickten Akkorden und wird zuerst ohne den Mimiq gespielt. Am Start sind (m)eine Music Man Silhouette, ein Orange Micro Dark Top und eine Hughes & Kettner Box mit 1×12″ Celestion Vintage 30 Speaker. Aufgenommen wurde mit einem AKG C3000 Mikrofon über ein UAD Apollo Twin Interface in Logic Audio.

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Wie man hört, ist der Effekt ein Mix aus Obertönen, Bassanteilen und zum Teil deutlichen Verzögerungen (Delays) ohne jegliche Struktur, schätzungsweise nach einem Zufallsprinzip agierend. Klingt aber trotzdem sehr interessant und könnte für den einen oder anderen durchaus ein Ersatz für den Stereochorus werden!

Dieser Eindruck verstärkt sich noch beim Zuschalten des zweiten Dubs, wie man im nächsten Klangbeispiel hören kann. Die Einstellungen gegenüber dem ersten Klangbeispiel sind identisch, lediglich das Mischverhältnis zwischen den beiden Signalen wurde zugunsten des Originalsignals geändert – also weniger Effekt und mehr Gitarre. Zuerst wieder das Thema ohne Effekt und dann mit zugeschaltetem Mimiq.

Im nächsten Klangbeispiel hören wir alle drei zugeschalteten Dubs synchron. Wieder zuerst trocken, dann mit eingeschaltetem Mimiq. Das Effektsignal beginnt nun doch, etwas künstlich zu wirken. Abhilfe schafft nur ein weiteres Absenken des Effektsignals um gut ein Achtel seines Regelwegs.

Ab zur eigentlichen Bestimmung – dem Metalsound!

Nachdem wir durch die Cleansounds einen Eindruck davon gewonnen haben, welches Prinzip das TC Electronic Mimiq Doubler zum Doppeln seiner Spuren nutzt, kommen wir nun zum Haupteinsatzweck der mokkafarbenen Metallkiste. Das ist ganz klar das Doppeln von verzerrten Sounds und hier natürlich vorwiegend das Aufblasen von Riffs! Aber was bei den unverzerrten Sounds noch ganz charmant klang, kann im Overdrivebereich schnell für lange Gesichter sorgen, denn der Mimiq färbt die gedoppelten Spuren doch recht deutlich und das kann bei zu starkem Effektsignal schnell mal für eine Portion undefinierbaren Brei im Klang der Gitarre sorgen. Auch hier steigt die Anfälligkeit dazu proportional mit der Anzahl der Dubs.

Zunächst ein High-Gain-Metalriff mit einer Verdopplung. Auch bei den folgenden (verzerrten) Klangbeispielen wurde das Riff erst ohne und dann mit dem Mimiq eingespielt.

Wir erhöhen die Schlagzahl und schalten Dub Nummer zwei hinzu, wie immer zuerst ohne und dann mit zugeschaltetem Effekt. Schon werden Artefakte deutlich hörbar, also auch hier ist der Grat zwischen Plastiksound und fetter Rifflinie sehr schmal. Zum Glück agieren die Regler sehr feinfühlig und man ist so schnell in der Lage, zu künstlich wirkende Sounds nach hinten zu mischen.

Das letzte Klangbeispiel schließlich zeigt den TC Electronic Mimiq Doubler mit allen drei zugeschalteten Dubs. Hier hört man besonders deutlich die Lautstärkeschwankungen im Algorithmus des Effekts. Der Tightness Regler wurde bei diesem Sound auf Vollanschlag gesetzt, die beiden anderen Regler verharren nach wie vor brav in ihrer 12-Uhr-Position.

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Fazit

Die Allzwecklösung für fette Gitarrenriffs ist der TC Electronic Mimiq Doubler zwar nicht, aber es ist eindeutig ein Schritt in die richtige Richtung. Dezent eingesetzt kann das Pedal nicht nur verzerrten Linien, sondern auch clean gespielten Parts mit seinem räumlichen Sound auf die Sprünge helfen. Übertreiben sollte man es aber mit dem Effektanteil nicht, denn sonst wird aus eigentlich präzise gespielten Riffs schnell ein recht künstlich klingender und undifferenzierter Sound. Einen Versuch ist der TC Electronic Mimiq Doubler aber auf jeden Fall wert und das nicht nur für die „Metalklientel“.

Plus

  • Idee und Konzept
  • guter Klang bei dezentem Einsatz
  • robuste Hardware
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Grundrauschen
  • Tendenz zum Matschen bei zu stark beigemischtem Effektsignal

Preis

  • Straßenpreis: 129,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    In Stereo klingt das super, aber aus Versehen im Handy Lautsprecher der beide in Mono zusammen gefasst abspielt bringt es zu Tage – der typische Doubler flanging effekt ist vorhanden. Für Live, wenn der zweite Gitarrist lieber mit der Freundin am Strand sich bräunt…. Der Rest der Band im dunklen Proberaum sich dennoch freut über den breiten Sound, kann er bald gänzlich ersetzt werden? Fast würde ich sagen. Im Studio ist doubling durch garnix zu ersetzen. Enorm cooles Spielzeug, aber ich finde man muss es wirklich selbst im Musikalienhändler seiner Wahl durchtesten.

  2. Profilbild
    Klangzaun

    Für mich hört sich das Originalsignal in allen Beispielen viel besser an. Kommt es da beim Doppeln durch das Pedal irgendwie zu Phasenauslöschungen?

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Ja, zur Verbreiterung des Sounds wird auch das sicher im „Tightness“ Algorithmus benutzt und mit anderen Sachen zusammengemixt.

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Habe lange nach einer brauchbaren Doubling-Lösung gesucht und bin schließlich beim SDD 3000 gelandet, das wegen der kurzen Delay-Zeiten ab 1ms, den Modulationsmöglichkeiten, dem Pitch-Modus und der LCR-Funktion ein bisschen wie ein Doubling-Baukasten daherkommt, um mit den verschiedensten Verbreiterungsmöglichkeiten herum zu experimentieren. Mit dem Keeley 30ms Double Tracker habe ich erst lange geliebäugelt, aber letztlich war ausschlaggebend, dass man beim SDD3000 noch ein ziemlich geiles Delay dazubekommt (dafür beim Keeley einen Hall, aber Doubling und Hall, der Matsch lässt grüßen). Beim Mimiq-Doubler habe ich den Eindruck, es ist ein bisschen auf „Metal-Wände“ optimiert, denn die Clean-Sounds hauen mich irgendwie nicht vom Hocker. Da ist für clean vielleicht die klassische Pitch- oder Delay-Modulation doch die bessere Wahl. (Wobei man ja nicht weiß, was der Mimiq eigentlich genau macht in seinem Algo.)

  4. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Mono klingt es fast wie im Badezimmer aufgenommen. Die Stärken liegen wohl eher im Stereo-Betrieb. Aber das kann ich auch zuhause über mehrfaches Einspielen machen. Für mich wäre da viel interessanter wie das Teil in Stereo mit einem Synthesizer tut. Sollte dann eher wie ein Unisono-Modus klingen da die typischen Stereochorus-Modulationen fehlen dürften.

  5. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Das beste Ergebnis erhält man mit einer Gitarre und 2 Amps gleichzeitig, das ist die beste Lösung, wenn man es wirklich übertreiben will.

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