Eddys Legende in der Hosentasche?
Das TC Electronic V550 ist ein Preamp-Pedal, das sich am legendären Peavey 5150 orientiert und High-Gain-Sounds für Rock- und Metal-Gitarristen in kompakter Form verspricht. Mit zwei umschaltbaren Kanälen, integrierter Cab-Simulation und Direct-Recording-Funktion richtet sich das Pedal an Homerecorder, Studiogitarristen und Musiker, die ohne Vollröhrenverstärker auskommen möchten. Doch kann ein 120-Euro-Pedal zumindest ansatzweise die klangliche DNA eines Vollröhren-Boliden einfangen?
- Zwei Kanäle: Clean und Highgain mit zusätzlichem Boost für flexible Einsatzmöglichkeiten.
- Cab-Sim & Direct Out: Ideal für Homerecording und Silent-Recording ohne externen Amp.
- Klangqualität: Der Clean-Sound enttäuscht, der Red Channel liefert brauchbare Metalsounds.
- Preis-Leistung: Gute Budget-Lösung für Demo-Produktionen und kompakte Live-Rigs.
Inhaltsverzeichnis
Vorgezogenes Fazit – Was kann das 120-Euro-Pedal?
Der tc electronic V550 ist ein weiterer Versuch, einen Klassiker der Alltube-Head-Boliden so weit wie möglich in ein Pedal zu packen. Natürlich setzt die Physik wie immer ihre Grenzen, aber ich bin mir recht sicher, dass jeder Gitarrist sich bereits im Vorfeld ausmalen kann, dass ein Pedal mit einem VK von 120,- Euro nur ansatzweise den klanglichen Rundumschlag eines Vollröhrenverstärkers wiedergeben kann, dessen Nachfolger 6505 ungefähr das Zwölffache kostet.
Es bleibt also der Ansatz, wie viel Peavey von TC Electronics in das Pedal rübergerettet werden konnte, was wieder zu einem interessantem Ansatz führt. Insbesondere die Tatsache, dass das in China gefertigte Pedal mit einem vergleichsweise geringen Ladenpreis aufwartet, weckt meine Neugier. Bietet das Pedal eine preisgünstige Alternative für Homerecordings oder bleibt es wie bei vielen anderen Pedalen bei dem bloßem Versuch, dem Original in irgendeiner Art und Weise klanglich etwas näherzukommen?
Konzept und Einsatzbereich
Zunächst sollte man sich vor Augen führen, dass es sich bei dem tc electronic V550 einmal mehr um das Konzept eines Preamps mit einer zusätzlichen Direct-Recording-Möglichkeit handelt. Dies bedeutet, dass das Pedal nicht wie die klassische Overdrive-/Distortion-Abteilung vor einen Amp geschaltet wird, sondern im Fall einer „echten“ Klangerzeugung über einen Lautsprecher direkt im Return des FX-Loop greift oder aber mit einer externen Endstufe zusammenarbeitet. Alternativ lässt sich das V550 auch über die Cabinet-Simulation direkt ins Interface oder Mischpult schicken. Eine Anwendung, die gerade im Zeitalter von Silent-Recording immer relevanter wird.
Ausstattung und Bedienung
TC Electronics hat eine neue Serie von Preamp Pedalen auf den Markt gebracht. Zum einen das zum Test vorliegende tc electronic V550, das sich an den Peavey 5150 anlehnt, nebst einer JCM 800 und einer Rectifier-Ausführung. Das V550 bietet die Option, zwischen zwei Kanälen umzuschalten, einem cleanen (Green) und einem verzerrten (Red) Kanal. Das Pedal verfügt zudem über einen weiteren Schalter zum Ein- und Ausschalten des Boosts. Der Boost kann vor oder nach dem Verstärkermodell platziert werden. Wird er dahinter platziert, erhält man einen Lautstärke-Boost, der perfekt für Soli und Lead-Parts geeignet ist. Wenn man sich entscheidet, den Boost davor zu verwenden, werden Gain und Kompression verstärkt.
Auf der Vorderseite des tc electronic V550 befinden sich Regler für Low, Middle und High Gain, der den Grad der Verzerrung steuert und Level, der den Ausgangspegel des Pedals abgleicht. Ein weiterer Regler in der Mitte ist der Resonance-Regler. Er simuliert einen Bassregler, der bei einem Vollverstärker nur auf die Endstufe wirkt. Er wird primär dazu verwendet, je nach benutztem Cabinet den Klang des Verstärkers im Bassbereich mit den verwendeten Lautsprechern abzugleichen.
Dasselbe gilt für den Presence-Regler für die Höhen. Dieser Regler wurde etwas stiefmütterlich auf der Stirnseite des Pedals als kleine Rändelschraube untergebracht. Es funktioniert, ist aber alles andere als benutzerfreundlich.
Die Resonance-Schaltung war beim Original der Schlüssel zum charakteristischen Sound, insbesondere bei Downtunings und modernem Metal. Bei einem Pedal dieser Preisklasse ist es allerdings fraglich, inwieweit diese Funktion tatsächlich die komplexe Interaktion zwischen Endstufe und Speaker nachbilden kann.
Anschlüsse und Konnektivität
Die Ein- und Ausgänge des tc electronic V550 sind an der Oberseite angebracht, was die Besitzer von Pedalboards aufgrund des verringerten Platzbedarfs zur Seite hin freuen wird. Zusätzlich gibt es an der Stirnseite einen USB-Anschluss für Firmware-Updates und IR-Variationen und einen Cab-Sim-Ausgang für den Direct Recording-Einsatz. Leider verwendet TC Electronics bei diesem Pedal den veralteten Mini-USB-Anschluss, der im Pro-Bereich längst ausgedient hat. Vielleicht war es die kostengünstigere Alternative zu USB-C, aber mit den entsprechenden Adaptern zu hantieren, ist nicht mehr zeitgemäß.
Sound – die Wahrheit im Detail
Dass das Original des tc electronic V550 nicht gerade für seine „sparkeligen“ Clean-Sounds bekannt ist, dürfte wohl jedem klar sein. Was TC Electronics hier allerdings als Clean-Sound präsentiert, ist eine herbe Enttäuschung. Abgesehen davon, dass man den Green-Channel selbst bei einem Gain auf 9 Uhr nicht wirklich clean bekommt, ist der Sound in dieser Einstellung letztendlich nur als „belanglos“ zu bezeichnen. Angereichert wird das Ganze durch die klassischen IR‑Probleme, nämlich ein latent obertonarmer Sound, der zudem noch sehr undynamisch ist.
Das Ganze verbessert sich jedoch zunehmend mit einer höheren Gain-Einstellung bis hinauf zum Red-Channel, der insbesondere in Anbetracht des Ladenpreises einen brauchbaren Sound erzeugt. Mir ist schon klar, dass in Anbetracht der immer weiter zurückgehenden Ansprüche im Bereich der Tonträgerproduktionen viele Musiker mit einem solchen Sound bereits eine Platte aufnehmen würden. Meines Erachtens reicht die klangliche Güte jedoch nur für ein gutes Demo oder für eine entsprechende Vorproduktion, möchte man sich nicht in den Qualitätsstandard einreihen, der heutzutage mit täglich knapp 130.000 hochgeladenen „Songs“ auf Spotify die Perversion in Zahlen fasst.
High-Gain und Metal-Tauglichkeit
Im High-Gain-Bereich zeigt das V550 sein wahres Gesicht. Der Red-Channel liefert für rhythmisches Palm-Muting durchaus gute Ergebnisse, auch wenn ihm die brutale Aggressivität und das entsprechende Attack des Originals fehlen. Was beim echten 5150 oder 6505 diesen unverwechselbaren, komprimierten und dennoch transparenten Sound ausmacht, lässt sich eben nicht vollständig in digitale Schaltkreise pressen.
Besonders im direkten Vergleich mit anderen Amp-in-a-box-Lösungen fällt auf, dass das V550 im Low-End etwas schwammiger agiert. Während das Original für seine knackigen, definierten Bässe auch bei extremen Downtunings bekannt ist, neigt das Pedal bei zu hohen Resonance-Einstellungen zur Matschigkeit. Hier hilft der vorgeschaltete Boost, der die Tightness merklich verbessert und dem Sound mehr Kontur verleiht.
Vergleich mit der Konkurrenz
Im Segment der High-Gain-Preamp-Pedals gibt es mittlerweile einige Alternativen. Die Friedman BE-OD spielt preislich zwar in einer anderen Liga, bietet aber auch deutlich mehr klangliche Finesse. Das kürzlich erschienene Peavey-eigene Pedal verspricht etwas mehr Originaltreue, kostet aber auch entsprechend mehr. Das V550 positioniert sich bewusst als Budget-Lösung, die den Spagat zwischen Erschwinglichkeit und brauchbarer Klangqualität versucht.
Praxis: Studio und Live
In der Studiopraxis zeigt sich das V550 als durchaus nützliches Werkzeug für schnelle Demoproduktionen. Wer nachts ohne Vollröhrenamp Ideen festhalten möchte, bekommt hier eine funktionale Lösung. Die mitgelieferte Celestion G12M Heritage Impulse Response klingt zwar etwas eindimensional, lässt sich aber bei Bedarf durch eigene IRs ersetzen.
Für den Live-Einsatz im Return eines FX-Loops oder vor einer neutralen Endstufe funktioniert das Pedal besser als erwartet. Gerade als Backup oder für Gigs in kleinen Clubs, wo man keine schweren Heads schleppen möchte, erfüllt das V550 seinen Zweck. Die Bedienung ist unkompliziert und die Grundsounds sind schnell eingestellt.
Das leidige Thema Dynamik
Was bei allen digitalen Preamp-Lösungen dieser Preisklasse zum Problem wird, ist die fehlende Dynamik und Spielfreude. Ein echter Röhrenamp reagiert auf Anschlagsdynamik, auf die Lautstärke des Gitarrenpotis, auf die Interaktion zwischen Endstufe und Lautsprecher. Das V550 liefert im Vergleich hierzu einen statischen Sound, der zwar konsistent, aber auch ermüdend wirkt. Wer lange Sessions spielt, wird diesen Unterschied schmerzlich bemerken.
































