Test: Tech 21 SansAmp PSA 2.0, Gitarren Preamp

6. September 2020

Zurück in die Neunziger!

Klein, kleiner, am kleinsten. Schaut man sich die Abmessungen des Tech 21 SansAmp PSA 2.0 an, stellt man fest, dass das Bodenpedal gerade mal die Abmessungen eines iPhone X plus vielleicht 40% aufweist. Ob das Zwergenpedal in seiner 30th Anniversary Edition den Erwartungen aktueller Klangansprüche gerecht wird, zeigt der folgende Testbericht.

Tech 21 SansAmp PSA 2.0 Test

Tech 21 SansAmp PSA 2.0 Aufsicht

Die gute alte Zeit …

Man muss schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, um mit dem Namen Sansamp wirklich etwas anfangen zu können. Der Autor dieses Artikels kam erstmals 1993 mit der Bezeichnung in Berührung, als die Band CLAWFINGER mit ihrem Hit „Nigger“ nicht nur die Musikrichtung Crossover mächtig nach vorne brachte, sondern auch gleichzeitig zwei technische Neuerungen in den Mainstream brachte, die bis dato noch niemand in einer Gitarrenband gehört hatte. Zum einen war es die Arbeit mit Gitarren-Samples und zum anderen die Aufnahme einer verzerrten Gitarre direkt ins Pult. Zwar hatte Tom Scholz mit seinem ultraweichen „Rockman“ Direkt-ins-Pult-Sound bereits Ende der Achtziger maßgeblich zu gigantischen Erfolgen wie zum Beispiel „Hysteria“ von Def Leppard beigetragen, hartes Staccato-Gehacke direkt ins Pult war bis zu diesem Zeitpunkt allerdings so gut wie nirgends zu hören.

Der für heutige Verhältnisse höhenbetonte und vergleichsweise kratzige Sound hatte schon damals einen sehr hohen Wiedererkennungswert und polarisierte die Gitarrenfans umgehend. Was im Gitarrenlager eventuell noch auf unterschiedliche Meinungen stieß, wurde im Basslager mit offenen Armen empfangen. Noch heute wird in unzähligen professionellen Tonstudios eine Pedal- oder 19 Zoll Variante des Sansamp für die Zerre bei einem Bass benutzt, entweder über den gesamten Frequenzbereich oder mittels einer Frequenzweiche nur für den oberen Bereich. Nun denn, mal sehen, ob der Winzling auch heute noch seinen Platz im Meer der mehr oder minder guten Modeling-Pedale findet.

Tech 21 SansAmp PSA 2.0 Test

Tech 21 SansAmp PSA 2.0 Profil

Die Konstruktion des Tech 21 SansAmp PSA 2.0

Sagte ich Modeling? Dann mal direkt in die Bremse getreten, das Tech 21 SansAmp PSA 2.0 ist komplett analog aufgebaut, bietet aber dennoch 49 interne Presets und 77 Speicherplätze für eigene Kreationen. Abgerufen werden die Sounds über drei Schalter, welche entweder durch die unterschiedlichen Sounds scrollen oder aber im Performance Mode die drei favorisierten Sounds auf die drei Schalter legen, so dass diese mit einem Druck abrufbar sind.

Optisch hat sich Tech 21 vom klassischen Schwarz entfernt und dem Tech 21 SansAmp PSA 2.0 ein gebürstetes Aluminium-Silber spendiert, nicht ohne mit einem stilisierten Aufkleber auf die 30-jährige Jubiläumsausgabe hinzuweisen. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie erinnert mich das Pedal in seiner Aufmachung an einen großen Riegel Edelschokolade. Wie dem auch sei, die schwarzen Seitenteile und der ebenfalls in Schwarz gehaltene Boden sind ebenfalls aus Metall und hinterlassen einen hochwertigen Eindruck.

Wie bereits erwähnt, setzt der Tech 21 SansAmp PSA 2.0 in Sachen Handlichkeit echte Maßstäbe. Spricht man im Normalfall bei der Möglichkeit, ein Preamp-Pedal in der Fronttasche eines Gigbags verstauen zu können, bereits von einem kleinen Pedal, passt das Sansamp Pedal tatsächlich in nahezu jede Jackentasche. Dabei kann für die Übertragung die interne Speaker-Simulation, welche mit einem Druckknopf auch zu deaktivieren ist, verwendet werden oder aber man platziert den Amp vor einer Endstufe, welche es mittlerweile ja auch bereits in Zigarettenschachtelgröße wie zum Beispiel bei der Electro Harmonix 5MM gibt. Der Transportaufwand könnte kleiner nicht sein.

Entsprechend klein sind auch die Bedienungsregler, welche bei einem Durchmesser von nur 8 mm schon ein wenig Feingefühl verlangen. Zudem sind die Regler nicht mit dem Gehäuse gekontert, so dass seitliche Einwirkungen direkt auf die Platine weitergeleitet werden. Neben den Standards wie Level und einem zweibandigen EQ, bietet das Pedal aber auch jede Menge unerwartete Komponenten und Bezeichnungen. So wurde zum einen der Grad der Verzerrung in zwei Regler mit der Bezeichnung Gain und Drive ausgelagert. Auch die Bezeichnungen „Crunch“, „Punch“ und „Buzz“ liefern eine dreibandigen EQ, der speziell auf den verzerrten Sound eingeht. Mit dem Regler „Trim“ hat man eine Art Mastervolume-Regler, der die Lautstärke aller Presets gleichermaßen regelt, unabhängig von ihrer programmierten Lautstärke. Zwei kleine Druckschalter, mit denen man zum einen die Lautsprechersimulation abschaltet und zum anderen die gewählten Presets abspeichern kann, runden die Vorderseite ab. Wer hier nun nach den mittlerweile üblichen Tausenden von Boxen-, Lautsprecher- und Mikrofon-Emulationen sucht, sucht leider vergebens, da voll analog. Simulation an oder aus, so einfach ist das.

Sollte man den Tech 21 SansAmp PSA 2.0 primär als Preamp im Rack oder innerhalb einer Schaltzentrale platzieren wollen, so verfügt das Pedal über einen MIDI In Anschluss, welcher seitlich angebracht wurde. Ein sehr sinnvolles Feature, allerdings darf man auch nicht vergessen, dass das Pedal mit einem Ladenpreis von 455,- Euro in der gehobenen Klasse spielt. Ein Teil des Preises ist allerdings auch der Fertigung in den USA geschuldet, wo Tech 21 auch seinen Firmensitz hat. In Sachen Input und Output könnte das Pedal einfacher nicht aufgebaut sein, beides jeweils als einfache Klinke, fertig. Bzgl. der Betriebsspannung zeigt sich der Tech 21 SansAmp PSA 2.0 sehr flexibel, alles von 9 – 12 Volt mit mind. 150 mA Leistung wird akzeptiert. Ein Multispannungsnetzteil mit 300 mA liegt dem Pedal bei.

Geliefert wird das Pedal nebst Netzteil in einer der verschiedenen Varianten der allseits bekannten Tech 21 Metall Box, welche mit ihrer schwarzen Grundfarbe nebst goldenem Aufdruck immer einen Hauch Vintage mit sich bringt und das Pedal optimal schützt. Es empfiehlt sich aber, die Schatulle etwas mit Schaumstoff auszupolstern, sofern man das Pedal darin transportieren möchte.

Tech 21 SansAmp PSA 2.0 Test

Tech 21 SansAmp PSA 2.0 Stirnseite

Der Tech 21 SansAmp PSA 2.0 in der Praxis

Wie es sich für einen Anbieter geziemt, der seinen Wurzeln Anfang der Neunziger hat, orientiert man sich mit seinen Presets natürlich auch an den großen Namen, welche seiner Zeit trotz des großen 19 Zoll Hypes immer noch die Nase vorne hatten. So wundert es auch nicht, dass im Handbuch neben knapp 10 verschiedenen Pedal-Emulationen die restlichen Presets mit Adaptionen der Marken Marshall, Fender, Mesa Boogie und Ampeg belegt wurden. Dass man mit einem Halbleiter Preamp und eine Speaker-Simulation natürlich keinen Klon der oben genannten Produkte generieren kann, versteht sich von selbst, aber ich war doch sehr neugierig, wie weit es das Pedal schafft, eine Assoziation zu den genannten Marken aufkommen zu lassen.

Um eine möglichst große Vielfalt zu erzeugen, habe ich ca. 5 Sounds der jeweiligen Anlehnungen hintereinander weg gespielt, wobei ich mich für 2x Marshall, 2x Fender und 1x Mesa Boogie entschieden habe.

Interessant ist, dass die Marshall Emulationen vom Attack und der Kompression her gar nicht mal so weit von den Vorstufen des Originals entfernt sind, allerdings erreichen die folgenden Komponenten wie Endstufe, Lautsprecher und Mikrofon die Vorbilder nicht wirklich. Insbesondere die Auflösung des Signals ist zu grobschlächtig, was dazu führt, dass trotz des vorab beschriebenen Sansamp latent höhenbetonten Sounds, das Signal immer etwas „belegt“ klingt.

Das ändert sich mit abnehmendem Verzerrungsgrad in den Fender Presets. Hier gewinnt das Signal deutlich an Durchsichtigkeit und die sehr umfangreiche Klangregelung kann ihre Stärken deutlich besser ausspielen als in den Marshall Presets. Findet man jetzt noch den optimalen Abgleich zwischen dem Ausgangspegel des Pedals und der Eingangsempfindlichkeit des Pultes, so gelingen einem schon sehr angenehme Sounds, welche qualitativ durchaus einer weiteren Verwertung zugeführt werden können.

Der Mesa Boogie Bereich kann mit den vornehmlich High-Gain ausgerichteten Presets mehr überzeugen als die Marshall Abteilung, leidet aber auch etwas unter der begrenzten Authentizität der Speaker-Simulation. In Zeiten, wo gleich mehrere Hersteller sich auf die Fahne geschrieben haben, der Königsklasse der Mikrofonabnahme möglichst nahezukommen, wird sich Tech 21 anstrengen müssen, nicht den Anschluss zu verlieren.

Das Ganze relativiert sich natürlich wieder, wenn man das Pedal vor einen Amp schaltet und sich über den Return im FX Loop die Kombination Endstufe/Lautsprecher zu Nutze macht. Hier macht sich insbesondere die flexible Klangregelung bemerkbar, wobei man auch hier zunächst den optimalen Pegel zwischen Preamp und Endstufe finden muss.

Fazit

Mit dem Tech 21 SansAmp PSA 2.0 bietet der amerikanische Hersteller die 30-jährige Sonderedition einer der legendären Sounds der Neunziger an. Ausgestattet mit einer umfangreichen Klangregelung, bietet das Pedal eine große Möglichkeit des persönlichen Editierens und liefert mit 126 Speicherplätzen jede Menge Platz, die Ideen abzuspeichern.

Wer den polarisierenden Sansamp Sound mag, findet in diesem Pedal die gesamte Bandbreite jener Sounds, welche bis heute auf vielen Aufnahmen zu hören sind und kann sich diese zu Nutze machen.

Plus

  • große Klangvielfalt
  • MIDI In
  • massives Gehäuse

Preis

  • 455,- Euro
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