Test: Tegeler Audio Manufaktur – Magnetismus 2

11. August 2008

Magnetismus 2

Die Tegeler Audio Manufaktur ist – wie der Name schon sagt – in Berlin-Tegel beheimatet. Die Firma wurde 2005 von Michael Krusch gegründet, nachdem er bereits einige Geräte für den Eigenbedarf gebaut hatte und immer wieder Anfragen von Freunden und Bekannten nach den Geräten erhielt.

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Michael Krsuch entwickelt die Geräte aus Anwendersicht , je nachdem was im Studio zu praxisgerecht zu gebrauchen ist. Dabei fließen natürlich auch Wünsche aus Gesprächen mit Tontechnikern und Kunden ein. Feedback ist generell willkommen, und die Chance, dass diese auch in ein neues Produkt oder eine Weiterentwicklung einfließt, ist laut Krusch recht groß:

„Generell entwickle ich die Geräte für ein modernes computerbasiertes Studio, das Analoggeräte gezielt zur Klangveredelung einsetzt. Im Vordergrund steht dabei die Klangqualität, nicht der Preis. Der Magnetismus 2 ist nach der akustischen Analyse alter Tracks und dem Vergleich mit modern klingenden Sachen von CDs entstanden. Ich hab mich gefragt, warum Aufnahmen der Prä-Digital-Ära im Kopfhörer angenehmer klingen als moderne Aufnahmen (abgesehen vom extrem lauten Mastering). Der Magnetismus ist eine Antwort auf diese Frage. Die Fluxschaltung dient dazu, scharfen Transienten, wie sie besonders bei computergenerierten Signalen entstehen, abzurunden und angenehmer klingen zu lassen. Der „Mag2″ eignet sich naturgemäß natürlich besonders für Signale, die transientenreich sind. Andererseits erzeugt die Fluxschaltung aber auch sehr schön klingende Verzerrungen, wenn sie überfahren wird.
Zusammen mit dem zupackenden VCA-Kompressor ergibt sich eine schöne Kombination, um auch etwas rabiater mit Drumsubgruppen umzugehen. Generell braucht es zwar etwas Einhör- und Einarbeitungszeit, bis man mit den Klangmöglichkeiten des Magnetismus 2 vertraut ist, dann hilft er aber einen feinen aber doch deutlich wahrnehmbaren Unterscheid zu erzeugen.“

Magnetismus 2
Auch wenn es der Produktname vermuten lässt: Das Gerät verfügt nicht über mehrere Übertrager, die mit verschiedenen Materialien gewickelt wurden und so jeweils einen bestimmten Sound generieren – das wäre möglicherweise zu esoterisch.  Bei Übertragern wirkt sich nämlich viel mehr deren mechanische Konstruktion auf den Klang aus, als das Metall, aus dem sie gefertigt sind.

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Der Magnetismus 2 besteht aus einem Kompressor, dem ein so genannter „Transient Shaper“ nachgeschaltet ist. Dies hat wiederum nichts mit SPLs Transient Designer zu tun, viel mehr formt der Magnetismus die Transienten, also die breitbandigen Attackphasen des Signals, neu, indem sie verzerrt und gefiltert werden. Das Ganze soll dann in einem fetteren Sound münden, was wir weiter unten in den Klangbeispielen vorführen. Tegeler beschreibt den erzielten Klang so, dass das Klangmaterial in der Richtung positiv beeinflusst wird, wie es aus der Prä-Digital-Ära bekannt ist. Dabei werden prinzipbedingt Transienten verschliffen, was in einem weniger akkuraten, aber für das Ohr gefälligeren Klang resultiert. Ich stelle mit dabei zahlreiche typische 70er und 80er Jahre Produktionen vor, bei denen die Höhen besonders weichgezeichnet zu sein scheinen. Damals musste ein Audiosignal zahlreiche Übertrager, Operationsverstärker, PreAmps. RC-Glieder und Bandüberspielungen durchlaufen, bis es auf das Master-Band ausgezeichnet wurde, welches wiederum auf Vinyl geschnitten wurde. Kein Wunder also, dass klanglich so einiges mit dem Ausgangsmaterial passierte. Heute nimmt man meist direkt über einen hochwertigen PreAmp und einen modernen AD-Wandler auf und der Rest passiert rein digital, also mit äußerst voraussehbaren Effekten. Wie das Resultat des Magnetismus 2 dann wirklich aussieht, sehen wir weiter unten.

Die beiden Ausgänge des Magnetismus 2 sind mit Übertragern, die Eingänge jedoch als reine OpAmps ausgeführt. Es handelt sich um ein Stereogerät, welches somit auch für die Summenbearbeitung einsetzbar ist. Übertrager haben schon für sich genommen einen nicht von der Hand zu weisenden Einfluss auf das Klangmaterial. Ob dieser Einfluss nun positiv oder negativ zu werten ist, liegt im Auge des Betrachters. Für meinen Geschmack empfinde ich den Sound eines Übertragers als sehr angenehm, ein guter Gegenpol zu rein technisch perfektem Klang. Je höher man einen Übertrager mit Pegel beschickt, desto mehr treten nichtlineare Verzerrungen zutage, die sich in einem vor allem im Bassbereich fetteren Sound bemerkbar machen. Dabei solle man natürlich darauf achten, die folgende Eingangsstufe nicht zu überfahren.

Klangbeispiele
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    Sehr interessantes Gerät. Ich kann aus dem Testbericht keine klaren Schwächen erkennen. Warum dann nur ein "Gut mit Einschränkungen". Selbst ein 1176 ist keine Allzweck-Wunderwaffe und dessen Sound wie bei den meisten Geräten dieser Art reine Geschmackssache..

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      Leider gibt es zwischen Gut und Sehr Gut bei uns keine Zwischenstufe, sonst hätte ich die genommen. Ein Sehr Gut ist mir aber wegen des relativ kleinen Anwendungsbereichs eine Stufe zu hoch.

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    Schade, dass die unbearbeiteten Originalsignale nicht bei den Hörbeispielen enthalten sind. So könnte man das besser beurteilen.

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    Auf der Homepage des Herstellers steht der Magnetismus 2 bereits unter "Frühere Produkte", währende der Magnetismus 3 als neues Produkt geführt wird.

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      Ich finde diese Werbeaussage vom Hersteller mit der Ankündigung des neuen Gerätes für nicht sehr kundenfreundlich, da komme ich mir total verar…t vor. Habe mir erst vor ein paar Wochen den Magnetismus 2 gekauft und bin mit dem Gerät auch total zufrieden. Bis das Nachfolgemodell herauskommen wird, vergeht bestimmt noch einige Zeit. Man kennt das ja…

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    Eigentlich sehr erschöpfend.

    Ein paar Unklarheiten und Fragen:

    1. Was sind "Emphasis-Anwendungen"?

    2. Was stand auf den Übertragern drauf?

    3. Schön wäre gewesen, wenn ein paar Erläuterungen zu den Audiobeispielen abgegeben worden wären. Bei manchen Beispielen wird innerhalb des Testbeispiels an irgendwelchen Reglern gedreht und man weiß nicht, was genau da gemacht wurde.
    Ganze Mixe wären im Rahmen einer Mastering-Anwendung interessant gewesen.

    4. Selbst testen ist natürlich Pflicht. In Teilen erinnern mich die klanglichen Ergebnisse an die eines Steinberg QuadraFuzz. Ob das vorliegende Gerät also wirklich alternativlos ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

    5. Unklar ist mir noch, ob man die Intensität, mit der die Ausgangsübertrager angefahren werden, einstellen kann. Und ob man den erhöhten Ausgangspegel mit Hilfe nachgeschalteter Di-Boxen oder ähnlichem wieder herunterregeln muss.

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      zu1: Bei Emphasis wird vor einer Übertragungsstecke zunächst der Höhenbereich angehoben, um dann danach wieder gleichermaßen abgesenkt zu werden. Damit erhält man einen besseren Dynamikbereich. Vergisst man die Höhen wieder abzusenken zischeln die meist wegen Übersteuerung.

      zu2. Die Übertrager werden durch die OpAmps angefahren, die mit dem Output-Regler eingestellt werden. Wie Du danach den Pegel runterbekommst ist eine andere Sache.

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    Ich hatte mich so über den Kauf geärgert, daß ich einen Testbericht auf dieser Seite schrieb. Schade, daß jener nicht publiziert wurde. Ich würde jeden gern dringend davor warnen sein Geld in Magnetismus an zu legen. Es ist eine schöne Deko, mehr aber nicht. schade ;-(

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