Test: Tegeler Audio Manufaktur TSM, Tube Summing Mixer

9. November 2015

Audiophiler Weichzeichner ohne Ecken und Kanten

Es gibt Testobjekte, da freut man sich als Autor schon im Vorfeld diebisch auf die anschließenden Foren-Schlachten, die selbsternannte Fachleute und Experten in die Runde schmeißen, um sich gnadenlos in bester Troll-Manier Inkompetenz bzgl. pro oder contra des Testgerätes vorzuwerfen. Je nachdem, aus welchem Lager man gerade kommt. Ein solch polarisierendes Testgerät liegt bei mir heute auf dem Studio-Arbeitsplatz, der Tegeler Audio Manufaktur TSM Tube Summing Mixer, der in Konzeption und Einsatzbereich als klares Nischenprodukt beste Vorraussetzungen für eine breit gestreute Diskussion auf allen Ebenen bietet.

Tegeler Audio TSM - Front 1

Tegeler Audio Tube Summing Mixer

Konstruktion

OK, was macht eigentlich ein Summierer und warum stellt er einen Streitpunkt in der Audio-Szene dar? Letztendlich greift die Frage tief in die teils mit schweren Vorurteilen behaftete Grundsatzdiskussion „was ist besser, analog oder digital“ ein, womit wir schon mitten im großen Pool des Halbwissens sitzen. Jeder professionell arbeitende Künstler, Techniker oder Produzent wird diese Frage keiner Synapse würdigen, denn sie kann niemals ernsthaft beantwortet werden. Auf beiden Audio Ebenen und selbst in ihrer Kombination sind alle Qualitätsstufen von ganz erbärmlich bis hinauf zur absoluten Spitzenklasse vertreten. Von daher gibt es kein generelles Besser oder Schlechter.

Was man jedoch eindeutig mit den Adjektiven besser oder schlechter bewerten mag, ist das Erreichen eines bestimmten Klangs, den man im Kopf geformt hat und nun versucht, diesen mit seinem Equipment zu erreichen. Nahezu überall findet man den Anspruch, in der letzten Bearbeitungsstufe einen möglichst dichten und „fetten“ Sound zu generieren, bevor es in die finale Wandlung des Signals geht. Was früher Bandsättigung und Röhrenkompression konzeptionell bedingt ganz von alleine mitbrachten, wird heute von verschiedenen Plug-ins übernommen, die abhängig von der Qualität der programmierten Algorithmen diese Aufgabe von lausig bis brillant absolvieren.

Genau hier setzt der Tegeler Audio Manufaktur TSM Tube Summing Mixer an, der mittels seiner Röhrenbauweise einem digitalen Signal den Stempel der analogen Arbeitsprozesse aufdrückt, was sich in der CPU der DAW laut Puristenmeinung nicht wirklich emulieren lässt. Das Konzept besagt, dass das Zusammenführen mehrerer Einzelspuren auf analoger Ebene einen anderen Klang erzeugt als auf rein digitaler Ebene, oder anders gesagt, „esoterischer Mumpitz gegen wärmeres Obertonverhalten“. Das wird spannend!

Klangbeispiele
Forum
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    Pflosi  

    Vielen Dank für den hübschen Bericht. Tegeler hatte ich schon länger auf dem Radar, insb. der Crème interessiert mich. Ich nehme an, im Gegensatz zu GAP gab es diesmal auch keine Probleme mit einem verkratzten iDesk? :)

    LG!

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    zulu

    Loop 1. Fürchterlich. Ganz ehrlich, das hört sich verzerrt und einfach nur billig an, wie eine niederbitratige MP3 mit zugemischten Höhen.

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    Markus Galla  RED

    Man hätte vielleicht noch erwähnen sollen, dass der Hauptgrund für analoges Summieren im digitalen Umfeld der ist, dass digitale Systeme einen Sweet Spot besitzen, in dem das digitale Signal ohne Verluste summiert werden kann. Hat man 16 Kanäle mit Vollaussteuerung und summiert diese, kommt nur noch brutales Kratzen aus den Boxen. Reduziert man nun den Pegel der einzelnen Kanäle stark, um den Ausgang nicht über 0dB FS zu fahren, klingt der Mix schnell kraftlos und schlapp. Deshalb ist es z. B. auch gar nicht unbedingt sinnvoll, bei der Aufnahme den Headroom auszunutzen, da man sonst später beim Mix die Probleme bekommt. Hier kommt das analoge Summieren ins Spiel: beim analogen Mischen ist der „Sweet Spot“ erheblich größer. Über der 0dB Marke liegt noch der Headroom und eine analoge Verzerrung klingt in Maßen sogar sehr angenehm und ist oft gewollt. Schickt man 16 Busse mit Vollaussteuerung auf die digitale Summe, wird das böse enden. Schickt man diese hingegen auf ein analoges Pult oder einen Summierer, sieht es plötzlich ganz anders aus. Die großen SSL und Neve Konsolen vergangener Tage werden deshalb heute oft als Summierer verwendet.

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      zulu

      Sorry aber das stimmt so nicht.
      Digitale Signalverarbeitung geschieht normalerweise mit Gleitkommazahlen, die weder ein 0 dBFS Limit haben noch einen „Sweetspot“.

      Selbst eine Summierung direkt mit 24-bit Signalen ergibt ein saubereres Ergebnis, da wir hier über 30-40 dB mehr Dynamikumfang haben als wie mit einer analogen Kette.

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        Markus Galla  RED

        Dann summier doch mal 10 Signale, alle mit Vollaussteuerung oder leicht darunter und schau, was am Ausgang ankommt. Der Master wird hoffnungslos übersteuert und verzerrt brutal. Über das Gain Staging in DAWs könnte man mehrere Bücher verfassen…..und auch bei 24 Bit sind Grenzen gesetzt. Und bei vielen Kanälen, möglichst bei Laien auch noch normalisiert, dann mit EQs und Kompressoren noch pro Kanal drauf, ist schon ziemlich früh Schluss. Und dann regele mal alle Kanäle runter, um die Summe nicht zu überfahren und vergleiche das mit dem Ergebnis, welches der analoge Summierer bietet. Danach weiß man, was in den 80ern und 90ern als digitale Kälte beschrieben wurde. Das heißt nicht, dass unmöglich ist, in-the-box zu summieren. Doch es gibt bis heute Toningenieure, die nur analog summieren, weil sie keine Lust haben, sich mit dem digitalen Gain Staging auseinander zu setzen – oder weil sie ständig normalisierte oder schon stark komprimierte Tracks für das Mixing angeliefert bekommen und es anders gar nicht mehr geht…..

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          zulu

          10 Signale sind doch gar nichts. Mit einem Klick kann ich dir 16, 32, 64, 128 … Signale digital addieren … mit viel sauberem Ergebnis als über die analoge Schiene.

          Das ist auch trivial einfach zu implementieren. Wenn das die DAW-Entwickler nicht schaffen, dann hätte ich keine zu große Erwartungen an den Rest der DAW.

          Normalisierte und komprimierte Tracks machen keinen Unterschied.

  4. Profilbild
    Macilias

    Ein Aspekt wurde den Nutzern leider nicht, bzw nur sehr schlecht präsentiert und zwar wie klingt das Ding wann man es dafür Einsätzt wofür es gedacht ist, also für das SUMMIEREN eines Mixes! Einen fertigen Loop zu summieren ist nicht der Grund weshalb man einen summierer kaufen würde. Außerdem ist die Audio Qualität der Beispiele wirklich sehr schlecht – entweder macht der TSM den Sound völlig kaputt, oder er macht etwas was der hier leider offensichtlich verwendeten Komprimierung Steine in den Weg legt. Können wir nicht unkomprimierte Audio Beispiele bekommen in guter Qualität, und Mix Summierung bitte!?

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