Große Räume und große Namen
The Hit Factory Plugins HitVerb ist eine naturgetreue Nachbildung verschiedener Aufnahmeräume der Hit-Factory-Studios (New York, Miami und London), deren bewegte Geschichte 1969 begann und sich bis heute fortsetzt. Es wurden viele bekannte Alben vieler bekannter Künstler in diesen Räumen aufgenommen, u. a. Graceland von Paul Simon und Born in the U.S.A. von Bruce Springsteen, um nur zwei zu nennen. Auf der Wikipedia-Seite könnt ihr euch einen tieferen Einblick verschaffen. Das Plug-in bildet nun 12 Recording-Räume der insgesamt 26 über die Jahre entstandenen (und vergangenen) ab und nutzt dazu die Impulshall-Technik.
Was ist es? The Hit Factory Plugins HitVerb, Faltungshall-Plug-in zur Simulation klassischer Aufnahmeräume
- Klang: Sehr natürliche und offene Hallräume mit authentischem Charakter.
- Bedienung: Übersichtlich mit wenigen Reglern, schnelle Einarbeitung möglich.
- Flexibilität: Eingeschränkte Klangformung typisch für Impulshall, aber gute Positionierungsoptionen.
- Ausstattung: Zwölf ikonische Räume, solide Presets, aber einfache Verwaltung.
- Preis/Leistung: Mittelklasse-Preis für solide, bodenständige Hallqualität mit kleinen Extras.
Inhaltsverzeichnis
Installation und Preset-Verwaltung
Die Software ist durch iLok kopiergeschützt, weswegen ihr einen entsprechenden iLok-Account benötigt. Zusätzlich müsst ihr euch noch auf der The Hit Factory Website anmelden. Nach dem Kauf erhaltet ihr einen Freischaltcode, mit dem ihr die Lizenz auf dem Rechner, auch ohne USB-Dongle, aktivieren könnt. Dabei könnt ihr zwei Aktivierungen mit einer Lizenz durchführen. Wenn ihr einen USB-Dongle besitzt, könnt ihr so auch eine portable Aktivierung nutzen.
Lauffähig ist The Hit Factory Plugins HitVerb ab Windows 10 bzw. macOS 15 und es bietet die Plug-in-Formate AAX, AU und VST3. Apple-Silicon und Windows AMD werden unterstützt.
Die Preset-Verwaltung beschränkt sich auf ein Drop-down-Menü, das zunächst nur die Werks-Presets anzeigt. Ihr könnt an einem beliebigen Ort einen neuen Ordner erstellen, der dann eure Presets enthält.
Dieser wird jedoch erst sichtbar, nach einem Neustart des Plug-ins, das finde ich nicht optimal. Es empfiehlt sich, einen Ordner zu erstellen, der neben dem Werks-Preset-Ordner liegt. Dessen Pfad könnt ihr über das Drop-down-Menü aufrufen, damit ihr nicht lange suchen müsst.
Es gibt also keine Kategorien, Schlagwörter oder ähnliches. Bei den begrenzten Einstellungsmöglichkeiten beinahe verzeihlich, bei großem Projekten aber dennoch nicht ideal – ihr müsst eure Ordnung dann über die Ordnerstruktur herstellen.
Oberfläche von The Hit Factory Plugins HitVerb
Den meisten Platz auf dem GUI nehmen die 3D-Gitter-Darstellung des Raums und dessen Fotos ein. Zudem könnt ihr noch einen Text zur Geschichte des jeweiligen Raumes oder dessen Grundriss aufrufen. Letzteres alles eher Spielerei und es hätte auch genügt, die entsprechenden Informationen im englischsprachigen PDF-Handbuch zu lassen, das nicht intern verlinkt ist, sodass ihr nicht vom Inhaltsverzeichnis auf eine Seite springen könnt.
In der Anleitung werden auf fünf Seiten kurz und knapp die Einstellungen beschrieben und danach auf dreizehn Seiten die Geschichte der The Hit Factory Studios.
Ihr könnt die Größe des GUI von 50 % bis 250 % verstellen, wobei 125 % bereits die Höhe eines Full-HD-Monitors ausfüllt. Aufgrund der großen Bedienelemente im unteren Drittel reicht aber sogar die 50 %-Darstellung aus, um das The Hit Factory Plugins HitVerb sicher bedienen zu können.
Der eigentliche Regler-Bereich unterteilt sich in die drei Abschnitte
- Mixer,
- Shape und
- Source.
Die Darstellung ist in einem nicht übertriebenen fotorealistischen Stil gehalten und bietet durch die hellgraue Färbung einen recht angenehmen Anblick, in Zeiten wo der alles beherrschende Darkmode angeblich einer Augenermüdung vorbeugen soll.
Die Mixer-Sektion sorgt für die Lautstärkeverhältnisse von Early-Reflections, Reverb-Tail und Dry/Wet-Mix. In der Shape-Sektion könnt ihr nochmal die Länge des Nachhalls bestimmen sowie einen Low- und High-Cut-EQ einsetzen. Die Source-Sektion schließlich ermöglicht euch die Positionierung der Signalquelle im Raum sowie Wahl und Aufstellung der Mikrofone.
The Hit Factory Plugins HitVerb – Bedienung und Klang
Wie ihr sehen könnt, ist mit insgesamt elf Reglern sowie drei Schaltern die Bedienung recht einfach. Nach einer Weile könnt ihr das alles im Schlaf bedienen.
Den eigentlichen Raum wählt ihr über ein Drop-down-Menü aus, der unter dem der Preset-Verwaltung zu finden ist. Zusätzlich könnt ihr noch einige Sonderparameter einstellen, die einen eher subtilen Einfluss auf den Klang haben.
Zum Teil überschneiden sich die Bedienelemente auch. Hier fällt mir vor allem der Carpet-Schalter auf, mit dem ihr einen virtuellen Teppich in den jeweiligen Aufnahmeraum legen könnt.
Nach einigen Experimenten, unterstützt von einem Goniometer, komme ich zu dem Schluss, dass diese lediglich die Early-Reflections in der Mixer-Sektion um ca. 12 dB senkt. Einen Einfluss auf das Nachhallsignal, also den Reverb-Tail, hat dieser Schalter nicht – müsste er aber, denn dieses würde sich hörbar verändern, wenn der ganze Boden mit Teppich ausgelegt wäre.
Vielleicht wäre eine leichte Absenkung der Tail-Length von Vorteil gewesen, um den Klang eines virtuellen Teppichs besser zu modellieren, eventuell auch einen leichter High-Cut. Die Nachhalllänge arbeitet bei einem Impuls-Hall anders als bei einem algorithmischem Hall. Denn ein Impuls-Hall ist in Prinzip nichts anderes als eine Audiodatei, die ständig dem Quellsignal über eine Faltung aufgeprägt wird. Was ihr also mit der Tail-Length macht, ist lediglich eine Lautstärkenhüllkurve auf die zugrundeliegende Impulsantwort zu legen. Falls euch das Thema Faltungshall interessiert, findet ihr hier einen Workshop dazu.
Wenden wir und den anderen Sektionen zu. Die Besonderheit in der Mixer-Sektion besteht in der Verschränkung der beiden Regler für die Early-Reflections und den Reverb-Tail – so bleiben diese immer im gleichen Verhältnis, was euch später bei der Positionierung im Raum noch helfen kann.
Positionierung der Klangquelle
Diese könnt ihr nämlich recht genau in der Source-Sektion des The Hit Factory Plugins HitVerb bestimmen. Dazu habt ihr fünf Parameter zur Verfügung. X-, Y- und Height-Regler in der ersten Reihe bestimmen die Position der Klangquelle, die ihr auch optisch in der 3D-Darstellung verfolgen könnt. Die Mikrofonen haben zwar einen festgelegten Platz, ihr dürft jedoch den Abstand der Kapseln (0 – 2 m) und die Höhe (50 cm bis 2,5 m) bestimmen.
Der Height-Parameter der Mikrofonposition wirkt hauptsächlich auf die Early-Reflections aus, in dem er die Phasenlagen im Frequenzspektrum ein wenig ändert. Einfach ausgedrückt, klingen die Early-Reflections ein wenig heller, wenn ihr die Höhe verstellt.
Der Width-Parameter im The Hit Factory Plugins HitVerb scheint lediglich zwischen der Mono- und der Stereo-Version der Impulsantwort zu überblenden. Ich höre allerdings ab dem Kapselabstand von 60 cm im Nachhall keine Veränderung, sondern ausschließlich in der Phasenlage der Early-Refelctions, auf die sich der Parameter klanglich ebenfalls auswirkt.
Das bringt uns zur Positionierung der Klangquelle im Raum. Der X-Parameter, der in dem Fall den Abstand der Quelle zum Mikrofon bestimmt, wirkt sich wieder hauptsächlich auf die Phasenlage der Early-Reflections aus, während die Y- und Height-Einstellungen auch hörbar den Nachhall beeinflussen. Der X/Y-Positionsbereich ist natürlich abhängig vom Aufnahmeraum – größere Räume bieten größere Positionierungsfreiheit. Ihr könnt die Positionierung auch direkt mit der Maus vornehmen.
Dabei ist der Klangeindruck natürlich immer relativ zu den Mikrofonen, sodass der Y-Parameter, der optisch eher der X-Achse zugeordnet ist, auch noch seitenverkehrt agiert. Vielleicht wäre es besser gewesen, den Raum so zu drehen, dass die Mikrofone quasi in Ohrposition sind. Außerdem wäre der Tausch der Bezeichnungen X und Y auch intuitiver.
Auf jeden Fall könnt ihr damit eure Quelle im Raum verteilen, was auch gut funktioniert. Falls ihr tatsächlich mehrere Instrumente platzieren möchtet, so müsst ihr natürlich mehrere Instanzen von The Hit Factory Plugins HitVerb als Insert-Effekt einsetzen, was bei dem schlanken CPU-Fußabdruck auch kein Problem darstellt.
Mikrofonauswahl
Zu guter Letzt könnt ihr dann noch aus drei Mikrofonpaaren auswählen, namentlich
- Neumann U67,
- Coles 4038 Studio Ribbons und
- Sennheiser MKH 800.
Der Tooltip bedeutet auch schon, dass der Effekt eher subtil ist und ich würde sogar sagen, dass im fertigen Mix überhaupt kein Unterschied zu hören sein wird. Ich war natürlich neugierig und ein Test über Phasenauslöschung bestätigte dann auch – ja, es gibt Unterschiede, aber de facto sind sie kaum hörbar. Aber urteilt selbst.
Der Klang von Impuls-Hall-Plug-ins ist im Allgemeinen sehr natürlich, was auch auf The Hit Factory Plugins HitVerb zutrifft. Die Räume klingen authentisch und offen. Problem ist bei dieser Art von Plug-ins ist immer, dass ihr nicht viel am Grundklang ändert könnt – entweder gefällt euch dieser oder eben nicht.
The Hit Factory Plugins HitVerb versucht hier sein Bestes, um euch zumindest mit der Beeinflussung der Nachhallzeit den wichtigsten Parameter an die Hand zu geben.
Die Early-Reflections scheinen jedoch algorithmisch erzeugt zu sein und so habt ihr eben doch noch mehr Kontrolle über den Klangeindruck, insbesondere was die Positionierung des Signals im Raum angeht.


















































Bis auf die etwas spezielle Presetverwaltung und der nicht gerade günstige Preis macht dieses Plugin einen soliden Eindruck. Das GUI gefällt mir sehr! Toll auch die Auswahl verschiedener Mics. Frage: Normale Studioräume und Kathedralen nützen mir, sprich für meine Produktionen, tatsächlich wenig. Gehen hier auch größere Hallen, Stadien, gar Open Air Stages?
Bis auf Bildchen zu den Räumen erkenne ich keinen Unterschied von Anzahl der Räume und Effektregler zu Stock-Plugins, bspw. Fruity Convolver bei FL Studio…🤔 Danke für die Hörbeispiele, aber Reverb auf Solotönen können viele Plugins, spannend wird es im Mix, ob das Reverb sich dann auch durchsetzt?
@teofilo ….oder alles zukleistert wie Sand im Eimer. Sehr berechtigte Frage von dir. Irgendwas fehlt mir auch noch im Vergleich zu anderen Mixes und ich komme nicht dahinter. Es könnte unter anderem am Hall liegen. Sicher ist es aber nicht.
Bei diesem Plug-In frag ich mich, wie, wann und auch warum die Impulsantworten aufgenommen wurden. Die Aufnahmeräume, die man auswählen kann existieren teilweise seit über 20 Jahren nicht mehr – leider meist, weil die guten Lagen für Luxusapartments lukrativer waren als für Tonstudios. Einige der Studios im Plug-In waren aber auch schon vor über 30 Jahren keine Studios der Hit-Factory-Gruppe mehr (z.b. das Studio am Time Square oder auch jenes in London). Also entweder hat da jemand vor langer Zeit sehr vorausschauend gehandelt, oder das Plug-In ist vielleicht gar nicht das, was es vorgibt zu sein.