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Test: Thomann DP-33, Digitalpiano

27. August 2014

Das neue Low-Budget-Digitalpiano

Günstige Eigenmarken von deutschen Musikhäusern sind ja bei Weitem keine Seltenheit mehr. Aber wieviel Digitalpiano darf man bei einem Preis von unter 400,- Euro eigentlich erwarten? Genau das wollten wir wissen und haben uns das neue Digitalpiano Thomann DP-33 einmal genauer angeschaut.

Thomann DP-33

Thomann DP-33

Info

Zunächst einmal sieht das Thomann DP-33 genau so aus, wie man sich ein Digitalpiano eben vorstellt. Die Maße von 1365 x 330 x 790 mm ähneln denen der Konkurrenz und mit 37 kg Gewicht ist es zwar etwas leichter als die Kollegen, aber dennoch massiv genug gebaut, um fest an seinem vorgesehenen Platz stehen zu bleiben. Der Unterbau des Digitalpianos besteht aus zwei Seitenteilen und einer Querverstrebung, an der die 3-fach Pedaleinheit befestigt ist. Das alles zusammen schraubt man an den Spieltisch und fertig ist das neue Thomann.

Das DP-33 ist ausschließlich in der Farbe Mattschwarz erhältlich. Andere Farbvarianten wie das klassische Rosenholz oder Kirsche werden nicht angeboten. Optisch erinnert das DP-33 ein wenig an das Roland F-120, was vorwiegend auf die etwas luftigere Bauweise und die hochklappbare Tatstaturabdeckung zurückzuführen ist. Diese wird nämlich nach dem Hochklappen zum Notenständer.

Bedienung und Anschlüsse

Wie in der günstigen Einstiegsklasse üblich, erfolgt die Bedienung des DP-33 vorwiegend mit Hilfe von bestimmten Tastenkombinationen. Sounds wählt man beispielsweise durch gleichzeitiges Drücken der Function-Taste und einer entsprechenden Taste der Klaviatur aus. Andere Funktion gleich andere Taste der Klaviatur. Das Prozedere bleibt jedoch gleich. Glücklicherweise hat Thomann sich dazu entschieden, alle Tasten mit ihren jeweiligen Funktionen zu beschriften. Das sieht vielleicht nicht elegant aus, ist beim Spielen und Arbeiten mit dem DP-33 jedoch sehr hilfreich. Andere Hersteller verzichten auf Beschriftungen, was das Arbeiten ohne Handbuch nahezu unmöglich macht. Klar, mehrere Bedienelemente oder Displays erlauben natürlich ein weitaus komfortableres Arbeiten mit einem Digitalpiano, aber bei einem solchen Verkaufspreis muss man die Kirche wohl auch mal im Dorf lassen.

Die Bedienung erfolgt weitestgehend mit Hilfe der Function-Taste.

Die Bedienung erfolgt weitestgehend mit Hilfe der Function-Taste

Beim DP-33 findet man die üblichen Anschlüsse eines Digitalpianos. Unterhalb des Spieltisches hat der Hersteller eine kleine Box untergebracht, die zwei Kopfhöreranschlüsse und einen USB-to-Host Anschluss beherbergt. Entgegen anderer Digitalpianos sitzt diese Anschlussbox relativ weit in der Mitte des Spieltisches. Beim Anschluss von zwei Kopfhörern und einer USB-Verbindung zum Computer hat man also notgedrungen drei Kabel am linken Bein hängen. Nicht dramatisch, schön aber auch nicht. Die anderen Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite des Pianos. Dazu zählen ein Stereoausgang (6,3 mm Klinke), ein gleichartiger Stereoeingang sowie die Anschlüsse für Netzteil und das integrierte 3-fach Pedal. Das Fehlen eines USB-to-Device Ports lässt schon darauf schließen, dass Daten jeglicher Art nicht extern abgespeichert werden können.

Klangerzeugung

Das Thomann DP-33 verfügt über 26 Sounds, die sich von A- und E-Pianos bis hin zu Orgeln, Mallets, Streichern, Trompeten und Saxophonen ziehen. Schade ist, dass von den 26 Sounds gerade einmal vier auf A- und E-Pianos entfallen. Dazu kommt, dass es sich bei den beiden E-Pianos ausschließlich um FM-Sounds handelt. Kein Rhodes, kein Wurlitzer und das obwohl diese Sounds zur Grundausstattung jedes Stage- und Digitalpianos gehören.

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Ingesamt sind die Sounds des Thomann DP-33 sehr einfach aufgebaut. Keine ausufernden Velocity-Stufen, keine überlangen Samples – hier kommt einfach das Nötigste vom Nötigsten zum Einsatz. Klangformung, die ja bei einem echten Klavier oder Flügel durch die unterschiedlichen Anschlagsstärken betrieben werden kann, lässt sich aufgrund des einfachen Aufbaus der Sounds nicht betreiben. Statisch ist der Sound der Pianos deshalb, weil eben nur eine bis maximal zwei Velocity-Stufen gesampelt wurden und diese über die gesamte Lautstärke gestreckt werden. Laut und leise geht also natürlich, aber der Charakter des Klangs ändert sich bei zunehmender Lautstärke nur wenig bis gar nicht.

Die beiden A-Pianos sind trotzdem zumindest in den mittleren Lagen recht ordentlich. Geht man weiter in Richtung Randbereiche der Tastatur, wird der Sound jedoch recht schnell dünn und verliert stark an Authentizität. Die Holz- und Blechbläser haben allesamt etwas viel Vibrato abgekommen, dazu sind viele Presets von Haus aus mit viel Hall zugekleistert. In Anbetracht der Tatsache, dass das DP-33 in der Lage ist, Layer und Splits der Tastatur zu vollziehen, wäre es sicherlich schön gewesen, wenn dem Digitalpiano zumindest ein Bass-Instrument spendiert worden wäre. Denn Splits mit Streichern und Trompete oder Saxophone und E-Piano machen herzlich wenig Sinn.

Trotz aller Kritik muss man festhalten, dass es sich hierbei um ein 400,- Euro Gerät handelt und die Soundauswahl zumindest zahlenmäßig deutlich größer ist als bei anderen Digialpianos. Manche Hersteller haben im Preisbereich zwischen 1.000,- und 1.500,- Euro noch nicht einmal halb so viele Sounds wie das DP-33.

Die Anschlussbox unterhalb des Spieltisches.

Die Anschlussbox unterhalb des Spieltisches

Effekte und Extras

Das Thomann DP-33 hat sowohl einen Reverb als auch einen Chorus an Bord. Beide sind nicht in ihren Eigenarten veränderbar, aber es lässt sich zumindest die Intensitätsstufe in vier Stufen einstellen. Die Qualität ist ok, aber nicht wirklich berauschend. Einfluss auf den Gesamtsound des DP-33 hat der Master-EQ, der sich zwar ebenfalls nicht in den Eigenarten verändern lässt, aber zumindest drei Presets bietet, mit dem man den Sound etwas knackiger und durchsetzungsfähiger gestalten kann.

Etwas zu kurz geraten: Die Pedale des DP-33.

Etwas zu kurz geraten: die Pedale des DP-33

Ansonsten sind die herkömmlichen Extras mit an Bord. Transpose, Tune und eine separate Aufnahmemöglichkeit für linke und rechte Hand. Songs werden intern als MIDI-File gespeichert. Eine Exportierung, so dass man die MIDI-Songs evtl. am Computer weiter bearbeiten kann, ist leider möglich.

Tastatur und Soundsystem

Gegenüber den Vorgängern DP-25 und DP-30 hat Thomann die Tastatur auf alle Fälle verbessert. Sie ist nun nicht mehr ganz so schwammig, federt aber weiterhin recht träge in die Ausgangsposition zurück. Die Tastatur sitzt fest im Gehäuse verankert, allerdings haben die einzelnen Tasten etwas zu viel Spiel nach links und rechts. Bei vollem Anschlag ist die Tastatur recht laut, was sowohl beim Spielen mit Kopfhörern als auch den internen Lautsprechern störend wirkt.

Zur besseren Bedienung sind alle Tasten der Klaviatur mit ihren Funktionen beschriftet.

Zur besseren Bedienung sind alle Tasten der Klaviatur mit ihren Funktionen beschriftet

Das Soundsystem des DP-33 leistet 2x 15 Watt und bietet einen angenehmen Klang bei leiser und mittlerer Lautstärke. Dreht man den Lautstärkeregler voll auf, beginnt es jedoch schnell zu zerren. Dann ist man jedoch auch bei einer Lautstärke, die weder einem selbst, noch dem Verhältnis zum Nachbarn gut tut. Insgesamt fehlt es dem Sound des DP-33 aber an einem ordentlichen Bassfundament. Tiefe Töne kommen zuweilen recht dünn am Ohr des Spielers an.

Fazit

Mit dem DP-33 erweitert das Musikhaus Thomann seine eigene Produktpalette an Digitalpianos. Zu einem absoluten Schnäppchenpreis bekommt man hier ein gut verarbeitetes Digitalpiano, das mit 26 Sounds eine breite Klangpalette abdeckt. Allerdings sind die klanglich sehr deutlichen Qualitätsunterschiede zu den Einstiegsgeräten der namhaften Hersteller nicht wegzureden. Die Sounds sind sehr einfach gehalten und bieten daher nur das Nötigste an Authentizität. Eine kleine Effektsektion, die Möglichkeit Songs intern aufzuzeichnen und das DP-33 auch in Verbindung mit einem Computer zu nutzen, rundet das neue Thomann Digitalpiano gut ab. Für absolute Einsteiger sicherlich gut geeignet, alle anderen sollten sich zunächst einmal die Einstiegsgeräte der bekannten Platzhirsche anhören und -schauen.

Plus

  • Preis
  • Anzahl der Sounds

Minus

  • Soundqualität nur durchschnittlich

Preis

  • 385,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    1-Mann-Band Berlin  

    Mittlerweile kann man schon in der Preisklasse unter 1000 EUR erstaunlich gut klingende Digitalpianos bekommen, aber unter 500 EUR scheint genau dies nicht möglich zu sein.
    Ich kann nur den Sound beurteilen – und dieser erinnert zu sehr an den Pianosound, den man in einem 400 EUR-Keyboard findet.
    Mich wundert, dass Thomann trotzdem den Preis auf 399 EUR erhöhte.

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