Test: Thomann DP-95, DP-31, Digitalpianos

25. Mai 2016

Wer spart, gewinnt?

Auch im Jahr 2016 bringt das Musikhaus Thomann wieder eine neue Runde Digitalpianos auf den Markt. Nicht nur bei den großen Herstellern, sondern auch bei den Eigenmarken der deutschen Musikhäuser wird die regelmäßige Runderneuerung gepflegt. Technologisch geschieht da in der Regel nicht viel, was sich aber durchaus auf die Produktupdates anderer Hersteller in diesem Bereich erweitern lässt. Aber schauen wir einfach mal, was die aktuellen Digitalpiano-Modelle Thomann DP-31 und Thomann DP-95 zu bieten haben.

Thomann DP-95

Thomann DP-95

Aufbau

Optisch kommen beide Digitalpianos als klassische Homepianos daher, d.h. ein kompakter Spieltisch mit allen Bedienelementen, Tastatur und Anschlüssen sitzt auf einem Holzunterbau auf. Der Aufbau ist einfach und schnell erledigt. Ein paar Schrauben als Verbindung von Unterbau und Spieltisch, Kabel stecken, an den Platz schieben und los geht es. Beide Digitalpianos sind jeweils in den Farben Schwarz und Weiß erhältlich, andere Farbkombinationen gibt es nicht.

Das Thomann DP-95 macht gegenüber dem kleineren Bruder DP-31 den etwas massiveren Eindruck, hier hat der Hersteller nämlich zusätzlich noch zwei Stützen am vorderen Ende des Spieltisches angebracht. Ansonsten unterscheiden sich die beiden Modelle vor allem hinsichtlich der Sound- und Style-Anzahl sowie dem Lautsprechersystem. Während das DP-31 über 220 Sounds und 120 Styles verfügt, bietet das DP-95 mit 500 Sounds und 200 Styles fast doppelt so viel Auswahl. Zusätzlich besitzt das größere Modell vier statt zwei Lautsprecher, was klanglich einen großen Unterschied macht. Der Preisunterschied liegt bei gerade einmal 65,- Euro, da sollte man also gut überlegen, ob es nicht Sinn macht, sich gleich für das größere Modell zu entscheiden.

Thomann DP-31

Thomann DP-31

Tastatur und Anschlüsse

Die beiden Thomann Digitalpianos sind mit 88er Hammermechanik Tastaturen ausgestattet, wobei Hammermechanik in diesem Fall mit Vorsicht zu genießen ist. Die Tasten sind relativ leicht gewichtet und nicht mit dem Härtegrad echte Klavier- oder Flügeltastaturen zu vergleichen. Die Verarbeitung ist für den Preis ok, wobei die DP-95 Tastatur deutlich akkurater gefertigt ist, diese macht auf mich den besseren Eindruck. Auch das Spielgefühl ist beim DP-95 besser als beim kleineren Bruder.

Hinsichtlich der Anschlüsse bieten beide Modelle einen Stereoausgang zum Anschluss an eine Beschallungsanlage, zwei Kopfhöreranschlüsse, MIDI Ein- und Ausgang sowie einen USB-Anschluss. Das DP-95 verfügt zusätzlich über einen Aux Eingang, über den man Smartphone oder MP3-Player anschließen kann. Direkt ins Gehäuse integriert ist bei beiden Modellen ein 3-fach Pedal.

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Sounds

Wie bereits erwähnt, verfügt das DP-31 über 220 Sounds, das DP-95 über satte 500 Sounds. Somit bleiben die Thomann Pianos ihrem Motto treu, quantitativ wurde auch bei den Vorgängern schon immer viel geboten. Qualitativ gibt es zwischen den beiden Modellen durchaus Unterschiede, wobei sich viele Sounds auch 1:1 decken. Im Piano-Bereich gefällt mir das DP-95 aber beispielsweise klar besser, hier hat der Hersteller mit besseren bzw. mehr Samples und längeren Ausklingphasen gearbeitet. Das hört man einfach.

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Die Bandbreite der Sounds ist sehr vielfältig, hier bekommt man von allem etwas geboten. Wenn auch nicht alle Sounds immer sehr realistisch klingen, gerade im Bereich der Holz- und Blechbläsersounds, gibt es doch deutliche Defizite, so bieten beide Digitalpianos eine für den Einsteiger ausreichende Qualität. Preislich sind die Thomann Pianos etwas entfernt von den Einstiegsgeräten von Roland, Yamaha oder Kawai und das hört bzw. fühlt man auch.

Die Standardfunktionen wie Split, Layer und Vier-Hand-Modus beherrschen die beiden Pianos. Es lassen sich somit also maximal zwei Sounds parallel bzw. nebeneinander auf der Tastatur verteilen. Und vierhändig lässt sich die Tastatur auch spielen.

Styles und Lautsprecher

Bei den Styles ergibt sich ein ähnliches Bild wie bei den Sounds. Auch hier hat das DP-95 mit 200 Begleitrhythmen klar die Nase vor dem DP-31. Jeweils vier Variationen jedes Styles gibt es, dazu ein passendes Intro und Ending sowie zwei Fills. Einige Arrangements der Rhythmen sind schön ausgearbeitet, aber vieles klingt dann doch etwas steif und zu einfach gestrickt. Die Akkorderkennung funktioniert gut, hier konnte ich während des Tests keine Problem feststellen. Als nette Ergänzung ist die Begleitautomatik somit zu gebrauchen, richtige Entertainer-Qualität hat diese Sektion aber nicht.

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Dass bei einem Digitalpiano nicht nur die internen Sounds zum Klangeindruck beitragen, sondern auch das Lautsprechersystem erheblichen Anteil am Klang hat, sollte jedem klar sein. Auch bei DP-31 und DP-95 lässt sich dies sehr gut nachvollziehen. Obwohl beide Pianos aus demselben Haus kommen und technisch sehr ähnlich aufgebaut sind, klingt das DP-95 aufgrund seines etwas größeren Lautsprechersystems und den zwei zusätzlichen Boxen deutlich angenehmer und druckvoller. Das DP-31 ist insgesamt etwas schwach auf der Brust und verzerrt bei voller Lautstärke, das konnte ich beim DP-95 glücklicherweise nicht feststellen.

Bedienung

Obwohl die Oberfläche der beiden Pianos übersichtlich angeordnet ist, fällt der Überblick aufgrund der schlechten Farbgebung von Tastern und Schriftart schwer. Die graue und rote Schrift hebt sich nur schwer von der Farbe des Gehäuses ab, hier hätte man zu einer anderen Farbkombination greifen sollen. Hinzu kommt, dass viele Taster mit Mehrfachfunktionen ausgestattet sind, auch das kennt man von der Konkurrenz bzw. früheren Thomann Modellen teilweise besser.

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Die 500 Sounds des DP-95 sind in acht Oberkategorien einsortiert. So schön die große Anzahl der Sounds auch ist, so langwierig kann sich dann die Suche nach dem passenden Eintrag gestalten. Beispielsweise bietet die Piano-Sektion 97 Einträge, die nach Drücken des Kategorie-Tasters mühsam mit Jogdial oder Plus-/Minus-Taster durchgesteppt werden müssen. Das kann dann schon mal etwas dauern.

Extras

Wie fast jedes Digitalpiano können auch die beiden Thomann Modelle DP-31 und DP-95 intern Musikstücke aufzeichnen. Audioformate werden zwar nicht unterstützt, dafür aber das klassische MIDI-Format. Während das DP-31 intern leider nur Platz für einen Song bietet, kann das DP-95 maximal drei Lieder im internen Speicher unterbringen. Dazu dürfen diese bis zu sechs separate Spuren enthalten, fünf für Melodieninstrumente, die sechste für die Begleitung. Das reicht schon für die ersten eigenen Arrangements, obwohl die Steuerung des Sequencers mit Hilfe des dafür zu klein geratenen Displays etwas schwierig ist. Auf den heimischen Computer lassen sich die fertigen Dateien dann per USB übertragen.

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Fazit

Die beiden Pianos Thomann DP-31 und Thomann DP-95 sind gute Weiterentwicklungen der Thomann eigenen Digitalpianos. Schön, dass auch hier qualitätstechnisch immer wieder eine Schippe drauf gelegt wird. Rein quantitativ sind beide Pianos extrem gut ausgestattet, beim Anspielen merkt man jedoch schnell, dass das nur geringfügig teurere DP-95 deutlich bessere Sounds an Bord hat. Nicht nur deswegen sollte man sich gut überlegen, den Aufpreis von aktuell 65,- Euro zu investieren.

Auch beim Lautsprechersystem überzeugt das DP-95 deutlich besser als das kleinere Modell DP-31. Gleiches gilt für den Punkt der Verarbeitung. Insgesamt ist bei den Thomann Pianos aber weiterhin ein Unterschied zu den bekannten namhaften Herstellern zu spüren, nicht ohne Grund gehen die Thomann Digitalpianos für deutlich weniger Geld über die Ladentheke. Dennoch alles in allem befriedigende bzw. gute Einsteiger-Produkte.

Plus

  • Preis
  • Verarbeitung (DP-95)

Minus

  • mittelmäßige Soundqualität (DP-31)

Preis

  • Ladenpreise:
  • DP-31: 459,- Euro
  • DP-95: 525,- Euro
Klangbeispiele
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