Test: Thomann SP-320, mobiles Digitalpiano

7. Oktober 2020

Günstige 88 Tasten für zu Hause und unterwegs

thomann sp-320 test

Thomann SP-320, mobiles Digitalpiano

Das Musikhaus Thomann bietet mit dem SP-320 ein sehr günstiges Digitalpiano für den Einsatz zu Hause, bei Proben oder kleineren Auftritten an. Ausgestattet ist es mit 88 anschlagsdynamischen Tasten, Sounds und Effekten. Wie sich das SP-320 im Alltag schlägt und für wen es geeignet ist, erfahrt ihr im folgenden Test.

SP-320: Aufbau und Optik

Das Thomann SP-320 präsentiert sich als sehr dezent gestaltetes E-Piano. In einem mattschwarzen Kunststoffgehäuse untergebracht, fällt es sofort aufgrund seiner kompakten Maße auf. 88 Tasten brauchen natürlich Platz (bzw. Länge), so dass sich das SP-320 zunächst mal auf 127,5 cm breit macht. Die Tiefe und die Höhe belaufen sich allerdings auf überschaubare 27,5 und 8,5 cm. Damit gehört das SP-320 sicherlich zu den kompaktesten Pianos mit 88 Tasten, die man derzeit kaufen kann. Ebenfalls erfreulich ist das geringe Gewicht von 9,0 kg. Ein weiteres Indiz dafür, dass das Piano für den Transport zu Proben oder Auftritten prädestiniert ist.

Als Einspiel-Keyboard für die DAW ist es auch nutzbar, kann allerdings nur per USB an den Computer angeschlossen werden. MIDI-Buchsen bietet es nicht.

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Ein solch geringes Gewicht, wie es das SP-320 an den Tag legt, geht oftmals mit einer nur mittelmäßigen oder gar schlechten Material- und Verarbeitungsqualität einher. Glücklicherweise beweist das SP-320 das Gegenteil, denn das Piano ist ordentlich verarbeitet und vermittelt einen guten haptischen Eindruck. Im Vergleich zu höherwertigen Pianos der Platzhirsche Kawai, Roland oder Yamaha ist durchaus ein qualitativer Unterschied festzustellen, allerdings braucht man beim SP-320 keine Angst zu haben, dass das Piano nur ein vorübergehendes Gastspiel im heimischen Wohn-/Kinderzimmer gibt. Qualitativ ist das schon in Ordnung.

Die Bedienoberfläche ist strukturiert aufgebaut und entsprechend schnell findet man sich hierauf zurecht. Knapp zwei Handvoll Bedienelemente reichen offensichtlich, um das Piano zu bedienen. Neben einem Power-on/off sowie einem Lautstärkerad bietet das SP-320 sechs Buttons zur Anwahl der Sounds. Mit Hilfe des Bank-Buttons schaltet man zwischen der Doppelbelegung der Sounds hin und her. Darüber hinaus bietet das Piano zwei Buttons für die Effekte Reverb und Chorus sowie die globalen Funktionen Metronom und Tempo.

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Auf der linken und rechten Seite der Bedienoberfläche schließen sich die Lautsprecher des internen Verstärkersystems an. Diese bringen eine Leistung von 2x 20 Watt und bieten ein gutes Klangbild. Etwas zu kraftlos kommen allerdings die Bässe rüber, was aber aufgrund der Konstruktion und des geringen Gewichts des Pianos nicht verwunderlich ist. Im mittleren und hohen Frequenzbereich klingt das aber schon recht ordentlich, was das SP-320 ans Ohr des Spielers bringt.

Die Lautstärke reicht für den Heimgebrauch, die Musikschule oder Chorproben vollkommen aus, auch kleinere Auftritte wird man damit gut umsetzen können. Allerdings kann es nicht schaden, bei Auftritten eine kleine Aktivbox oder PA anzuschließen, einfach weil man hierdurch einen deutlich runderen Sound bekommen wird.

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Tastatur und Anschlüsse

Die 88 Tasten des Thomann SP-320 sind anschlagsdynamisch und leicht gewichtet, die Anschlagsdynamik lässt sich in drei Stufen einstellen. Von einer Hammermechanik kann man hier definitiv nicht sprechen, dafür ist die Gewichtung viel zu leicht. Die Tastatur erinnert eher an eine klassische Synthesizer-Tastatur. Mit dem roten Saum am oberen Tastaturende sieht sie aber schon mal sehr schick aus. Etwas Enttäuschung macht sich dann aber bereits bei den ersten Tönen breit, denn das Spielverhalten ist leider nicht das Beste. Die einzelnen Tasten machen einen labbrigen Eindruck, haben recht viel Spiel nach links und rechts und besonders in leisen Passagen finde ich es sehr schwierig, den entsprechenden Anschlagsdruck auszumachen.

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Bei den Anschlüssen setzt das Musikhaus Thomann auf Cinch-Buchsen, die als Stereoausgang dienen. Zusätzlich bietet das Piano einen Kopfhöreranschluss. Die Verbindung zum Computer, beispielsweise um das SP-320wie bereits erwähnt als Einspielkeyboard für die DAW zu nutzen, wird per USB-Kabel hergestellt. Auch ein Haltepedal lässt sich anschließen.

Strom bezieht das Digitalpiano über ein externes Netzteil, das ebenso zum Lieferumfang gehört wie ein einfach gehaltenes Sustain-Pedal und ein Notenständer. Alternativ lässt sich das SP-320 auch mit sechs Monozellen-Batterien betreiben. Für den mobilen Einsatz, bspw. für Walking Acts oder Straßenmusiker, ein klarer Pluspunkt, den nur die wenigsten Pianos bieten.

Eine gedruckte Anleitung in deutscher Sprache liegt dem Piano bei. Zusätzlich bietet Thomann diese in Form einer PDF-Datei auf seiner Website zum Download an.

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Sounds

Die Klangpalette des Thomann SP-320 besteht aus 12 nicht veränderbaren Preset-Sounds. Diese verteilen sich auf zwei akustische und zwei elektrische Pianos, zwei Orgeln, Streicher, Bass, Vibraphone, Harpsichord, Gitarre und Chor auf. Wie bereits erwähnt, stehen zur Anwahl sechs Buttons zur Verfügung, die allesamt mit zwei Sounds belegt sind.

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Die maximale Polyphonie liegt bei 32 Stimmen, was im Hinblick auf die Mitbewerber ernüchternd ist. Denn diese bieten durch die Bank weg bis zu 64 Stimmen, in der Mittelklasse sind in der Regel 128 Stimmen Standard.

Die beiden A-Pianos des SP-320 sind grundsätzlich brauchbar, klingen aber – wie die gesamte Sound-Palette – leider etwas statisch. Viel Klangveränderung kann man hier durch Variation des Anschlags leider nicht herausholen, was einfach daran liegt, dass die Sounds nur rudimentär gesampelt wurden. Auch beim Ausklingverhalten können die beiden Pianos leider nicht wirklich überzeugen. Auf zusätzliche Extras wie (einstellbare) Geräusche zur Saitenresonanz, Hammergeräusche etc., die man teils schon in den Einsteiger-Pianos anderer Hersteller findet, muss man hier verzichten.

Im Prinzip zieht sich diese Qualität durch die gesamte Palette der SP-320 Sounds. Auch bei den E-Pianos und Orgeln erhält man beim Thomann Piano befriedigende bis gute Presets geboten, die aber allesamt recht einfach aufgebaut sind und viele instrumententypische Charakteristika und Geräusche vermissen lassen.

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Die internen Effekte Reverb und Chorus schaffen da nur wenig Abhilfe, können aber hier und da durchaus überzeugen und den Sounds, wie beispielsweise bei den E-Pianos, etwas aufwerten.

Extras

An zusätzlichen Extras bietet das Thomann SP-320 einen Layer-Mode, d. h. zwei Sounds können parallel über die gesamte Tastatur verteilt und gleichzeitig gespielt werden. Dabei lässt sich die Lautstärke der einzelnen Sounds individuell regeln. Ein Metronom mit einstellbarem Tempo zwischen 20 und 280 BPM sorgt für den richtigen Takt beim Üben.

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Über eine Aufnahmefunktion, über die vor allem Klavierschüler ihr eigenes Spiel kontrollieren könnten, verfügt das SP-320 nicht. Auch die mittlerweile fast überall verfügbare Bluetooth-Funktion, um das Piano komfortabel vom Smartphone oder Tablet zu steuern, bietet das Piano nicht.

Fazit

Mit dem SP-320 hat das Musikhaus Thomann ein sehr günstiges mobiles E-Piano im Angebot, das über den gesamten Tastaturumfang von 88 Tasten, 12 Sounds und einer kleinen Effektsektion verfügt. Qualitative gut verarbeitet, bringt es das Piano auf gerade einmal 9 kg und ist somit perfekt für den gelegentlichen Transport zur Probe oder den Auftritt prädestiniert. Auch dass das Piano mit Batterien betrieben werden kann, ist ein Pluspunkt.

Qualitativ weniger hochwertig zeigt sich das Thomann SP-320 bei den internen 12 Sounds. Die Klänge sind nur rudimentär gesampelt und bieten wenig Spielraum für klangliche Variation.

Wer sich mit wenigen Velocity-Stufen und dem damit einhergehenden leicht statischen Klang zufrieden gibt, bekommt mit dem SP-320 aber ein befriedigendes Piano, was sich leicht transportieren und verstauen lässt.

Plus

  • gute Verarbeitung
  • geringes Gewicht

Minus

  • nur mittelmäßige Sounds
  • nur kleine Effektsektion
  • kein Split, keine Aufnahmefunktion

Preis

  • 229,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Organist007  AHU

    Ein wenig was drauflegen und ich bin beim Casio PX 1000, auch batteriebetrieb, Super akustische Pianos und gewichtete Tastatur – und das bei geringem Gewicht: Hammer !

  2. Profilbild
    Martin Andersson  RED

    Die Frage ist, für wen ein solches Instrument überhaupt gedacht ist?
    Für Anfänger? Besser nicht, da die Tasten nicht gewichtet sind.
    Für Hobby Musiker? Da gibt es klanglich weit bessere Alternativen, die nur wenig mehr kosten.
    Für Leute, die Gewicht sparen möchten? Dann doch besser ein Numa Compact, das mehr kann, besser klingt und zwei Kilo leichter ist.

    • Profilbild
      Schuli

      Mein erster Gedanke war, das Ding einfach in einen Proberaum zu stellen wo man eine einfache möglichst günstige Lösung, die trotzdem 88 Tasten hat und ohne Laptop Sounds erzeugt, möchte.

    • Profilbild
      k.rausch  RED

      Antworten auf diese Fragen kann man sich im Musikgeschäft abholen. Dort stehen sie, die Eltern, die dem Kind einen Wunsch erfüllen wollen, aber unsicher sind, ob das Instrument eventuell nach 1 Woche ungenutzt in der Ecke steht. Oder jemand, der gerade knapp 250 Euro anlegen kann, und selbst nur 50 Euro mehr einfach nicht hat. Auch der Drummer, der lediglich als ein paar Akkorde drauf spielen möchte, und es als Nebeninstrument nimmt. Die Witwe im Seniorenheim, die sich nicht besonders wichtig nimmt, obwohl sie was gerissen hat im Leben, und nach 60 Jahren Klavierabstinenz es einfach nochmal möchte, die Rente aber nicht mehr übrig lässt dafür als gerade 250 Euro, und auch das nur gerade so.

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        Dimension D  

        Stellt sich dann die Frage ob ein Gebrauchtkauf eines etwas hochwertigen Instrument dann nicht mehr Sinn macht wenn man so wenig Geld hat.
        Klar hat nicht jeder Lust rumzufahren und Gebrauchtkauf stellt natürlich immer ein Risiko dar so ohne Garantie und eventuell klappernde Tastaturen.
        Aber ob ich im Laden ein Instrument anspiele oder beim Gebrauchtverkäufer macht eigentlich nicht viel Unterschied.
        Dafür wird man aber mit einem hochwertigen Klang belohnt der einen weiter motiviert beim Spielen als wenn es nur aus den Lautsprechen quäckt.

      • Profilbild
        Martin Andersson  RED

        Wenn das Geld knapp ist, rate ich immer zum Gebrauchtmarkt, aber klar, das ist nicht jedermanns Sache.
        Wer etwas Neues kaufen möchte, bekommt für gerademal 100 Euro mehr gewichtete Tasten und bessere Sounds (z.B. von Casio). Auf mehrere Jahre gerechnet ist das zu vernachlässigen. Und wer sich nicht sicher ist, wie lange die Freude am Klavierspielen anhalten wird, kann auch ein Instrument mieten. Akustische Klaviere gibt es schon ab ca. 40 Euro pro Monat.
        Als Klavierlehrer, der ich auch bin, möchte ich noch folgendes zu bedenken geben: der beste Weg, um Kindern den Spaß an der Musik zu verderben, ist es, ihnen ein schlechtes Instrument hinzustellen.

  3. Profilbild
    anttimaatteri  

    wie schon erwähnt wurde gibts für etwas mehr geld besseres. und ich setz noch etwas drauf und sage, beim ökonomischen gegner von big t gibts das auch noch via ratenkauf und nicht nur gegen kneteaufdentischoderraushier.

    jedenfalls ist das safer als gebrauchtmarkt mit beschisstendenzen. erst recht für die „arme oma“ (ihr wisst schon, die ohne enkel oder kinder mit geld…)

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