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Test: Tierra Audio Calima, Mikrofonvorverstärker

5. Oktober 2020

Audio Gear für Öko-Freunde?

tierra audio calima preamp test

Tierra Audio Calima, Mikrofonvorverstärker

Manche Firmen sind auf Anhieb sympathisch. So geschehen beim Anblick der Produkte von Tierra Audio aus Madrid. Die noch junge Firma stattet die Geräte ihrer noch überschaubaren Produktpalette mit Frontplatten aus Kirschholz aus und das spricht mich als Holzfan doch gleich an.

Das Tierra Green Project

Damit nicht genug, Tierra verspricht bei der Herstellung und Verpackung ihrer Produkte, auf recycelbare Materialien zu setzen. Zusätzlich hat Tierra Green im Norden von Spanien 30.000 qm Land erworben, das aufgeforstet werden soll. Je verkaufter Einheit soll ein neuer Baum gepflanzt werden.

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Das Tierra Portfolio

Im Moment bietet der spanische Hersteller Tierra Audio zwei Preamps, zwei Kompressoren und jeweils einen Equalizer und Summierer an. Gemeinsam ist den 19“ Geräten die Kirschholz-Front, Beschriftungen in Lasergravur und die speziell gefertigten VU-Meter.

Auch die griffigen und gut ablesbaren Alu-Potiknöpfe und die weiß illuminierten Druckschalter gehören zum optischen Erscheinungsbild.

tierra audio calima preamp test

Die Frontblende ist natürlich nicht komplett aus Holz gefertigt, sondern auf der Metallfront ist eine ca. 2 mm starke Holzblende zusätzlich aufgebracht. Sehr schön mitgedacht sind die Plastikumrandungen der Langlöcher zur Rack-Befestigung, so bleibt die hübsche Holzdeko immer unbeschädigt.

Bei den Kompressoren stellt Tierra Audio den einkanaligen Borela FET-Compressor her, der Gravity VCA-Bus-Compressor ist natürlich stereo ausgelegt. Auch der Canyon 16 Summing-Mixer arbeitet stereo, logisch eigentlich. Mono ist hingegen wieder der Icicle Equalizer, der vier Bänder bietet.

Die beiden Preamps sind ebenfalls Monokanäle, die jeweils neben dem Mikrofon- einen Instrumenteneingang bieten. Der Lava Preamp wird mit einer gewissen Wärme und Direktheit beschrieben, der Calima Preamp soll dagegen besonders schnell und definiert ansprechen.

Preamp Calima

Der Vorverstärker Calima bietet schon beim Auspacken die ganz große Show. In der Umverpackung aus Kartonage befindet sich eine Schatulle aus Paulownia, eine schnell wachsende asiatische Holzsorte. Der Clou, die Kiste ist versiegelt, da kommt schon eine Exklusivität auf.

Tierra Audio Calima Preamp

Versiegelte Holzumverpackung

Innenseitig finden sich, neben dem 19“ Gerät, ein Netzkabel, eine 10-seitige Garantie- und Support-Anleitung sowie zwei DIN A5 Blätter. Hier bedanken sich die beiden Gründer für den Kauf des Produkts und erläutern nochmals ihre Philosophie. Das zweite Blatt ist ein Zertifikat, das die Produktionsdaten, ein Diagramm zum Gerät und die abgehakte Komponentenliste des zuständigen Mitarbeiters mit Unterschrift und Siegel enthält. Eine Bedienungsanleitung gibt es, auch online, nicht. Das dürfte aber bei dem überschaubaren Bedien-Layout verschmerzbar sein.

Ein kleines braunes Papierpäckchen enthält zudem Rack-Muttern und -Schrauben mit Unterlegscheiben aus Kunststoff. Wäre ja schade, wenn die hübsche Front verkratzt würde. Fein mitgedacht.

Tierra Audio Calima Preamp

Sogar Muttern und Schrauben sind dabei

Beim Herausnehmen klappert etwas im Inneren. Normalerweise würde ich das Gerät nun aufschrauben und nachsehen. Einen Blick auf die Verarbeitungsqualität innen gönne ich mir sowieso ganz gern. Ist hier leider nicht möglich, auf vier Schrauben klebt ein Siegel, beim Aufbrechen erlischt die Garantie. Ich entdecke aber auf der Unterseite eine Schraube, die etwas schräg steht und Spiel hat. Die angezogen und es scheppert nichts mehr. Hier scheint einer der Übertrager locker gewesen zu sein. Wäre nett gewesen, wenn das der Qualitätskontrolle aufgefallen wäre. Wir hängen das mal nicht zu hoch und gehen von einem Einzelfall aus.

Aber zurück zum Preamp. Der Calima bietet auf 1 HE einen Mono-Vorverstärker, dessen Gain von +28 dB bis +72 dB reicht und mit einem gerasterten Drehregler in 4 dB-Schritten geschaltet wird. Zusätzlich gibt es eine Ausgangsanpassung, die von -10 dB bis + 5 dB eingestellt wird.

Tierra Audio Calima Preamp

Schaltbar sind Phantomspeisung, die Phase und ein 20 dB PAD. Die Taster sind weiß illuminiert. Eine Besonderheit weist die Phantomspeisung auf, denn hier wird neben der Eingangsbuchse auf der Rückseite noch eine rote LED geschaltet. So ist man sich auch beim Rack-Einbau immer über diese Funktion im Klaren. Schön mitgedacht.

Tierra Audio Calima Preamp

Auch die Rückseite zeigt 48 Volt an

Der Pegel wird durch ein schnell reagierendes SIFAM VU-Meter angezeigt, das die Ausgangslautstärke misst. Der Powerbutton ganz rechts außen schaltet sauber und fügt sich optisch gut ein.

Der Preamp verfügt auch über einen Instrumenteneingang, der ganz links auf der Front Platz gefunden hat. Wird hier eine Klinke eingesteckt, wird der Mikrofoneingang automatisch abgeschaltet.

Neben dem Mic-Eingang finden sich auf der Rückseite noch der Line-Ausgang mit einer Neutrik XLR-Buchse und die Netzgerätebuchse. Die Spannung ist zwischen 220 und 110 Volt umschaltbar.

Tierra Audio Calima Preamp

… und hier die Rückseite

Das Gehäuse ist aus Aluminium gefertigt, das thermisch gute Werte liefert und zudem recycelbar ist. Die Frontplatte aus Kirschholz ist natürlich der Hingucker und individualisiert durch seine Maserung jedes einzelne Gerät.

Im Inneren des Preamps arbeiten neben dem Netztrafo noch zwei Übertrager. Für Ein- und Ausgang wurden Exemplare von Cinemag gewählt, für die Spannungsversorgung ist ein Carnhill verbaut. Leider finde ich keine Info, ob auch der Klinkeneingang über die Übertrager geführt wird, hier könnte der Hersteller nochmals ein paar Infos nach reichen.

Tierra Audio schwört auf Handarbeit „Made in Madrid“. Aufgrund fehlender Fotos von Inneren und der fehlenden Möglichkeit zum selber Nachsehen verlassen wir uns hier einfach mal auf die Auskünfte der Erbauer.

test Tierra Audio Calima Preamp

Schon ein Schmuckstück

Was geben die Werte noch so her? Die Impedanz des Mikrofoneingangs liegt bei 600 Ohm, auf 400 Kiloohm bringt es die Instrumenteneingang. Ausgangsseitig ist die Impedanz kleiner 75 Ohm.

Der maximale Output liegt bei +23 dBu, die Harmonic Distortion ist mit kleiner 0,03 % über das gesamte Frequenzspektrum von 20 Hz bis 20 kHz bei +4 dBu Output angegeben. Das Signal-Rausch-Verhältnis beträgt 90 dB über das Frequenzspektrum.

Im Einsatz

Trotz seiner Übertrager ist der Calima vorwiegend dafür gebaut, einen direkten, schnell ansprechenden Sound zu liefern, der das Signal nach vorne bringt. Tierra Audio dokumentiert das mit einer weiblichen Stimme im Vergleich zu den Mikrofoneingängen eines Antelope Audio Interfaces.

Ich nehme zum Vergleich meinen neuen Lieblings-Preamp, den Camden 500 von Cranborne Audio hinzu. Zuerst mit einer eher unaufgeregten Gesangspassage.

Mir fällt es schwer, hier Unterschiede auszumachen. Auch meine Methode, durch Phasendrehung einer Spur gleiche Anteile auszulöschen zeigt, dass hier eine fast identische Spur vorliegt.

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Also probiere ich mit einer Art arg amateurhaften Beatbox-Darbietung beide Preamps mit Transienten aus der Reserve zu locken.

Auch hier fällt das Ergebnis nahezu deckungsgleich aus, beide Vorverstärker sind da nicht aus der Ruhe zu bringen.

Versuch 3, eine hohe Gesangslinie. Bevor jemand meckert, meine Kopfstimme ist schon längst hinüber.

Wieder fällt es extrem schwer, einen Unterschied auszumachen, beide Probanden gehen Kopf an Kopf ins Ziel.

Wie sieht es nun aber mit Instrumenten aus? Dafür wird das Mikrofon vor meine Abhöre gestellt und das Signal pegelgleich aufgenommen. Ich starte mit einem Shaker, der die Impulshaftigkeit der Aufnahmen austestet.

Und wieder liegen beide Spuren gleichauf, wer einen Unterschied findet, sage mir Bescheid, dann habe ich was an den Ohren.

Weiter geht es mit den Ceramic Drums, die ein weites Frequenzspektrum abdecken.

Hier endlich kann ich einen geringen Unterschied definieren. Der Calima Preamp klingt in den tiefen Lagen etwas bauchiger, der Camden bietet die hohen Mitten ein wenig präziser an. Aber auch hier kleinste Unterschiede.

Das setzt sich bei der nächsten Aufnahme mit Bouzouki so fort.

Da klingen die schnellen Einzeltöne des Saiteninstruments beim Camden etwas deutlicher im Vordergrund und erklingen minimal feiner artikuliert. Aber wir kennen das ja nun schon, eigentlich Gleichstand.

Das Ergebnis überrascht bisher, sind doch der übertragersymmetrierte Calima und der übertragerlose Camden grundsätzlich unterschiedlich aufgebaut. Trotzdem erzielen beide Layouts fast deckungsgleiche Aufnahmen.

Nun kann man einige Preamps mit Übertragern ja auch ordentlich überfahren und somit Sound erzeugen. Hier sei nur der berühmte Neve 1073 genannt. Das probiere ich nun mit dem Tierra Audio Calima und einer Rhodes Einspielung. Zuerst wird das Gain auf +40 dB gestellt und der Output ganz angehoben, dann folgt eine Erhöhung des Gains auf +60 dB bei gleichzeitiger Absenkung im Output. Der Gain-Unterschied wird in der DAW angeglichen.

Tierra Audio Calima Preamp

Das Output-Gain bietet -10 dB bis +5 dB

Hier sind die Unterschiede recht gering, die zweite Spur scheint ein wenig weiter vorne zu liegen. Von einer klaren Klangformung kann hier nicht die Rede sein.

Damit hätten wir den Mikrofon-Teil soweit durch und widmen uns nun dem Instrumenteneingang.

Tierra Audio Calima Preamp

Die Klinke schaltet Mic automatisch ab

Hier spiele ich mit der akustischen Gitarre ein paar Akkorde ein.

Beide Spuren entstanden nacheinander, sind also nicht identisch. Leicht zu hören ist, dass der Calima mehr Höhen bietet, dadurch aber auch etwas hart klingt. Das bekommt der Camden natürlicher hin, der zudem in den tiefen Mitten straffer artikuliert.

Gleich noch ein zweiter Versuch mit Single-Notes.

Die Charakteristik der beiden Preamps deckt sich mit dem vorhergehenden Beispiel, der Calima bietet mehr Höhen, der Camden den runderen Sound. Gut ins Klanggeschehen zu integrieren sind beide.

Zur Nachhaltigkeit

Tierra Audio gibt sich viel Mühe, ihr Produkt als grüne Alternative anzubieten. Viel ist für den Käufer allerdings leider nicht nachprüfbar. Leider gibt es keine weiteren Informationen über Standort und Entwicklungsstand des Projekts Tierra Green. So bleibt nur darauf zu hoffen, dass der Hersteller sein Ziel ernst nimmt und auch entsprechend umsetzen kann.

Ein guter Ansatz ist sicher die Holzverpackung, die schädliche Dämm- und Verpackungsmaterialien ersetzt. Das verwendete Holz ist schnellwachsend, wird aber vorwiegend in Asien angebaut und dürfte importiert werden.

Tierra Audio Calima Preamp

Hübsch in der Holzschatulle

Auch die Verwendung recycelbarer Stoffe ist zu begrüßen. So kann das Aluminium des Gehäuses tatsächlich unendliche Male wiederverwendet werden. Allerdings gibt es unzählige Legierungen, die nicht trennbar sind und zusammen eingeschmolzen werden, so dass sich daraus im Endeffekt ein Produkt niederer Qualität entsteht.

Das Holzpanel der Front ist zwar nett und sicher ein Eycatcher, es ist aber zusätzlich aufgebracht und spart kaum andere Materialien ein.

Tierra Audio Calima Preamp

Die Holzfront ersetzt das Alu nicht

Wie es im Inneren des Gerätes aussieht, können wir im Moment nur vermuten.

Ich nehme Tierra Audio ihr Bemühen um die Umwelt sicher ab, wenn es aber nicht zum reinen Marketinggag verkommen soll, würde die Firma sicher gut daran tun, die tatsächlich eingesparten Ressourcen aufzuzeigen, die Aufforstungsbemühungen besser zu dokumentieren und evtl. noch ein paar Schritte, z. B. bei den Transportwegen weiterzugehen. Die Firma ist aber noch jung und hat sicher keine unendlichen Ressourcen, ich denke da kommt sicher noch was.

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Fazit

Der Tierra Audio Calima ist ein guter Preamp, der für Gesang wie auch für Instrumente ein ehrliches Handwerkzeug abgibt. Dabei liefert er, trotz Übertrager im Ein- und Ausgang, ein vorwiegend neutrales Klangbild, das dynamisch und gut formbar auftritt. Auch in Optik, Verarbeitung und Ideologie liefert der Hersteller gute und neue Ansätze.

Problematisch ist die Preisgestaltung, die wohl durch kleinere Stückzahlen, hochwertige Komponenten und viel Handarbeit zustande kommt. Damit bewegt sich der Preamp in einem Bereich, in dem sich schon viele etablierte Hersteller tummeln und auch schon ganz ordentliche 2-Kanäler erworben werden können.

Um bei meinem Einstiegssatz zu bleiben, Tierra Audio ist auf Anhieb sympathisch, ich drücke die Daumen, dass sie sich am Markt behaupten können.

Plus

  • guter, dynamischer Sound
  • schöne Optik
  • made in Madrid
  • gute Detaillösungen
  • Holz-Tansportverpackung

Minus

  • (zu) teuer
  • wenig Variabilität im Klang
  • Instrumenteneingang klingt (mir) zu hart
  • kleine Mängel in der Endkontrolle (Einzelfall?)

Preis

  • 1.439,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Lewis  

    Wieder ein schöner ausführlicher Test. Schon verrückt, die Unterschiede zwischen Camden und Calima bei Sound und Preis …
    Bzgl. Nachhaltigkeit stellt sich auch die Frage, ob das Ganze nicht auch in einem 9,5 Zoll-Gehäuse machbar gewesen wäre.

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