Polymoog-Feeling für dein Eurorack
Der Tiptop Audio Resonator ist ein analoges Filter fürs Eurorack, das dem Resonator-Bereich des Polymoog aus den 1970er-Jahren nachempfunden ist – einer wahren Legende. Die Version von Tiptop Audio bietet auf den ersten Blick bereits Vorteile wie die separate Umschaltung der Filtertypen pro Band und CV-Modulation für alle neun Parameter – und das zu einem moderaten Preis. Wir haben uns das Modul genauer angesehen.
- Authentischer Klang: Inspiriert vom legendären Polymoog Resonator für organische Filterverläufe und Klangverfremdung.
- Volle Kontrolle: Drei Bänder mit CV-modulierbaren Parametern und umschaltbaren Filtertypen.
- Mono-Modul: Kein Stereo, aber durch Kaskadierung mehrerer Module flexibel erweiterbar.
- Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis: Umfangreiche Funktionalität für unter 200,- Euro.
Inhaltsverzeichnis
TipTop Audio Resonator, analoges Filter
Vorgeschichte
Als ich zum ersten Mal den Klang der klassischen Resonator-Sektion eines Polymoog gehört habe, war ich hin und weg. Besonders fasziniert hat mich dabei die Möglichkeit, mit Hilfe der Filter einen Synthesizerklang überraschend authentisch in verschiedenste Richtungen – etwa in Richtung des Klangs einer menschlichen Stimme, von Bläsern, Woodwinds oder einer Orgel – formen zu können. Ein sehr gutes Video mit entsprechenden Klangbeispielen einer originalen Polymoog-Sektion ist unten verlinkt.
Im Laufe der Jahre danach habe ich einige Software-Emulationen testen dürfen. Natürlich kommt es im Detail auf den Klang des jeweils getesteten Gerätes an. Ein finales Urteil über dessen Qualität im Vergleich zum Polymoog kann ich nur mit einiger Vorsicht fällen, denn es hängt auch stark vom eingehenden Audiosignal ab – dieses kann die Resonatoren besonders gut klingen lassen oder eben nicht.
Als das Tiptop Audio Resonator-Eurorack-Modul erschien, weckte das natürlich meine Neugier. Ein ähnliches Modul in einem anderen Format wurde bei amazona.de in Form des C1610 getestet. Der originale Polymoog wurde ebenfalls besprochen, wobei Florian Anwander einen Nachtrag zum Resonator lieferte und dasselbe Video verlinkte, das ich oben bereits erwähnt habe. Auch ich bin bei meiner Recherche auf dieses gestoßen, da es das Klangpotenzial des Vorbild-Resonators extrem gut herausarbeitet. Interessanterweise ist der Resonator-Teil dabei unabhängig vom Polymoog im Einsatz und in ein separates Gehäuse eingebaut – so wie auch der Tiptop Audio Resonator hier ein Tool ist, das im Rack hinter jeden beliebigen Klangerzeuger verkabelt werden kann.
Basics
Die Funktionen des Moduls sind schnell erklärt: Es gibt drei gewissermaßen vollparametrische Bänder – allerdings handelt es sich hierbei nicht um einen klassischen EQ, sondern eher um ein Filter oder eine Mischung aus beidem. Jedes Band verfügt über eigene Einstellungen für Gain, Frequenz und Resonanz.
Die wählbaren Frequenzbereiche sind für die drei Resonatoren jeweils etwas eingeschränkt und entsprechen grundsätzlich einem hohen (1,5 kHz–7,5 kHz), einem mittleren (300 Hz–1,5 kHz) und einem tiefen Band (60 Hz–300 Hz). Die Filtercharakteristik bildet keinen Bell-EQ ab, sondern ist pro Band zwischen HP-, BP- und LP-Filter umschaltbar. Beim Moog-Original erfolgte die Umschaltung übrigens für alle Bänder gleichzeitig – diesbezüglich bietet Tiptop Audios Resonator etwas mehr Komfort.
Für jedes Band erlaubt die Gain-Regelung grundsätzlich nur Absenkungen bis 60 dB. Tendenziell schmalbandige Anhebungen sind jedoch ebenfalls möglich bzw. ergeben sich durch die Betonung der Frequenz- und Resonanzeinstellungen von 0,5–10, die mit dem Q-Faktor bzw. der Bandbreite bei anderen EQs vergleichbar sind. Zudem können sich die Regel- bzw. Wirkungsbereiche ändern, wenn zusätzlich eine CV-Modulation aktiv ist (Erläuterungen hierzu gibt es im Praxisteil unten).
Ein Q-Faktor von 1 ergibt sich in der EQ-Theorie beispielsweise dann, wenn die Breite der Glocke bzw. Kurvenform bei einer Anhebung 3 dB unter dem Spitzenwert genau der mittigen, angehobenen Frequenz entspricht. Mit anderen Worten: Wenn ich das Filter bei 1000 Hz betone, ist die Kurvenform 3 dB unterhalb der maximalen Betonung genau 1000 Hz breit. Bei einem hohen Q-Faktor von 10, wie er hier einstellbar ist, spricht man auch von hoher Resonanz oder hoher Güte. Wenn auf diese Weise – wie oben angedeutet – Anhebungen möglich sind, betreffen diese also nur einen sehr engen Frequenzbereich bzw. erfolgen „schmalbandig“.
Ganz unten finden sich noch Regler für die Input- und Output-Lautstärke sowie der nicht unwichtige Bypass-Schalter, um den Resonator temporär deaktivieren zu können.
Das Modul bezieht sich explizit auf die Filtersektion des Polymoog und ist daher logischerweise „nur“ in Mono ausgeführt. Die Filter des Resonators sind jedoch nicht selbstoszillierend – das heißt, sie geben ohne eingehendes Audiosignal keinen Ton von sich. Der Begriff „Resonator“ mag daher etwas irreführend sein, schließlich gibt es auch selbstresonierende Varianten, ist hier aber authentisch gewählt. So oder so: In diesem Test geht es neben Funktions- und Bedienaspekten vor allem darum, den Klang des Moduls zu beurteilen. Vom Funktionsumfang her ist es auf jeden Fall schon ein weiterer Pluspunkt, dass alle drei Parameter eines Bandes via CV modulierbar sind.
Praxis
Will man den Klang eines Bandes weitgehend isoliert hören, muss man die anderen Bänder herunterdrehen – laut Angaben des Herstellers ist dies bis -60 dB möglich. Von einem einzelnen Band des Tiptop Audio Resonators, das man auf diese Weise komplett absenkt, hört man dann in der Praxis kaum noch etwas. Das habe ich bei den folgenden Beispielen mehrfach gemacht, sodass man alle drei Bänder hier einmal „solo“ hören kann.
Beim Modulieren des Frequenzbereichs eines Bandes via CV gingen die regelbaren Frequenzbereiche im Test deutlich über das hinaus, was man mit dem Parameterregler einstellen kann. In allen Bändern konnten durch CV-Modulation sowohl tiefere als auch höhere Frequenzen erreicht werden, als es allein durch den Frequenzparameter möglich wäre – wie auch im Video unten demonstriert und im ersten der beiden folgenden Audiobeispiele zu hören ist.
Mit extremer CV-Modulation ist beim Mittenband – bei höchster Frequenz sowie maximalem Gain- und Q-Wert – sogar ein eigenes, hohes Krächzen zu vernehmen (ebenfalls im ersten Klangbeispiel zu hören), das allerdings verschwindet, sobald ich die Frequenz wieder herunterdrehe.
Nach dieser Erkenntnis lag es nahe zu testen, ob sich auch der Regelbereich der anderen Parameter bei CV-Modulation verändert. Das Ergebnis: Im Bereich der Bandbreite bzw. des Q-Faktors änderte sich das Regelverhalten nicht – im Bereich Gain hingegen schon. Für das jeweilige Band konnte in der Regel noch einmal ordentlich „Gain“ draufgepackt werden (außer wenn es ohnehin bereits krächzt). Dies ist im zweiten Klangbeispiel unten zu hören, in dem ich zwischendurch das Kabel mit der eingehenden CV-Modulation ein- und ausstöpsele.
Als Modulationsquelle habe ich unten ein Rides in the Storm QUA-Modul verwendet, das eine Ausgangsspannung von 0–10 V liefert. In einem weiteren Versuch nahm ich die Modulation in einen Squarp Hermod+ auf. Hier lässt sich einstellen, ob eingehende Modulation beispielsweise als -5 V bis +5 V oder als 0 bis 5 V interpretiert wird. Stelle ich Letzteres ein, kann ich die 0–10 V Modulation im Hermod aufnehmen und anschließend als -5 V bis +5 V ausgeben. Im Test ließ sich danach feststellen, dass auch der untere Frequenzbereich durch Modulation erweitert werden kann (wie ebenfalls im unten verlinkten Video zu sehen).
In der Praxis ist es oft sinnvoll, die drei Resonatoren jeweils unterschiedlich einzusetzen. So könnte zum Beispiel ein Band breitbandig alles andere etwas stützen, ein zweites mit hoher Resonanz eine Art „erste Geige“ spielen, während ein drittes leicht moduliert wird und mit mäßiger Resonanz für etwas „Salz in der Suppe“ oder Bewegung sorgt.
Im letzten, etwas lauteren Klangbeispiel mit einer Laufzeit von über fünf Minuten habe ich alle möglichen Regler des Resonant EQ verdreht, zwischendurch auch mal die Filtermodi oder den „Bypass“-Schalter betätigt und ein polyphones Signal bearbeitet.
Alternativen und Ausblick
Der Haible CV Poly-Resonator ist ein deutlich teurerer Nachbau der Polymoog Resonator-Sektion von Random Source. Random Source zeichnet wiederum auch für den Serge Resonant EQ verantwortlich, der sehr wohl selbst oszillieren kann.
Ein weiterer Synthesizer mit integrierten „Resonator“-Filtern ist der KORG PS-3300, der kürzlich von KORG sowohl als Hardware (mit 49-stimmiger Polyphonie!) als auch als Software-Emulation neu aufgelegt wurde. Dort finden sich drei separate Klangerzeugungssektionen mit jeweils eigenen Resonator-Sektionen, ausgestattet mit einem „Resonance Intensity“-Parameter und drei Frequenzreglern pro Sektion. Das ergibt in der Summe neun Resonatoren im PS-3300 – plus weitere resonanzfähige Filter pro Klangsektion. Hochgedrehte Resonatoren klingen in der Praxis mitunter so, als käme ein weiterer Oszillator hinzu.
Ich will hier niemanden verführen (oder doch?), aber es kann offensichtlich durchaus sinnvoll sein, sich mehrere Resonator-Module zuzulegen – zumal eines davon ja stets nur in Mono arbeitet. Man könnte also zwei benötigen, um ein Stereosignal zu bearbeiten oder drei, um im Stil des PS-3300 Klänge zu gestalten.
Videos
Hier ein Link zu dem oben erwähnten Video mit dem (ausgebauten) originalen Polymoog Resonator und verschiedenen eingehenden Klangquellen.
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Hier ein weiteres kleines selbstgemachtes sound.report Video zum Modul Tiptop Audio Resonator:
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Ein schöner Bericht, danke dafür und für die aussagekräftigen Soundbeispiele.
Das Teil macht Appetit…
Betreffend Alternativen und Fazit: leider bietet das Modul keine Möglichkeit, die Filterbänder separat herauszuführen oder intern zu pannen, um schöne Stereoeffekte zu erzielen. So wird mein alter MAM RS3 nicht durch den TipTop Resonator ersetzt, auch wenn die erweiterte CV-Steuerung verlockend ist. Dezente bis drastische Stereofizierung ist m.M.n. eine der schönsten Anwendungen für diese Art Resonatoren.
@swellkoerper fehlende Stereo-Optionen sind sicher ein Manko bzw. du bräuchtest 2 Geräte, dafür kannst Du hier die Bandbreite einstellen…
@swellkoerper dafür brauchst Du dann einen AllPass Filter. Der macht dir dann das Stereo Phasing ;-)
und ja, das Modul ist schon soundmäßig echt spannend!