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Test: Tiptop Audio Z8000, Eurorack Sequencer

Hier moduliere ich die Bit-Reduction einzelner Assimil8or-Spuren. Parallel dazu wird auch die Tonhöhe einer geloopten Sine-Wave gesteuert, was einen interessanten Zusammenhang zwischen beiden Modulationen ergibt. Mit noch 9 freien Kanälen wähle ich als nächstes zwei der „geraden“ aus, um zwischen verschiedenen Samples zu wechseln. Schon auf dieser einfachen Ebene entstehen so viele kleine Happy-Accidents auf eine spielerisch-schöne Art. Spielen auf der Poti-Wiese bringt eine Menge Spaß. So ganz einsehen kann ich es dann doch nicht und tweake eine kleine Melodie zurecht, die ihr im Audiobeispiel 3 hören könnt.

Auch hier nutze ich gleichzeitig mehrere Kanäle, um nicht nur Pitch, sondern auch Bit-Reduction und Aliasing zu steuern. Etwas freakig, doch es geht noch mehr; jetzt heißt es komplette Zone-Kontrolle mit Clock-Reset. Mit einem zweiten Gate-Signal aus meinem Pamela’s New Workout-Modul füttere ich also den Reset-Eingang den Zick-Zack-Kanals. Jetzt startet der alle 24 Schritte neu und erzeugt somit einen Polyrhythmus.

Tiptop Audio Z8000 Verkabelt

Dieses Spiel lässt sich auch prima mit den 8 geraden Kanälen durchführen, wobei es vor allem bei unterschiedlichen Zählzeiten pro Kanal interessant wird. Hier kann man zusammenhängende Melodien schmieden, die sich ineinander verdrehen und sich dynamisch zueinander bewegen. Dafür eignen sich unquantisierte CV-Werte allerdings kaum, womit wir wieder bei der Ausgangskrux wären. Aber noch ist nicht aller Tage Abend und auch ohne Quantizer bringt der Z8000 Matrix Sequencer einiges an den Tisch. Also wieder zurück zu den Audiobeispielen: Während die Audiobeispiele 4 und 5 ebenfalls die Sample-Zonen mithilfe des Z8000 wechseln, entfernen wir uns für den weiteren Teil des Tests vom Assimil8or und wenden uns dem MS-20 mini zu.

Hier findet der Z8000 eine Aufgabe, für die er wie geschaffen zu sein scheint: Die Modulation der Cutoff-Frequenz eines Lowpass-Filters. Das funktioniert kinderleicht und klingt sehr schön dynamisch. Die alte Kiste erwacht zu ganz neuem Leben und liefert mit dem Z8000 zirpende Percussion-Klänge ab. Hier geht der Matrix Sequencer voll auf und arbeitet schnell und elegant. Einmal kurz drehen und fertig, so soll es sein.

Tiptop Audio Z8000 + MS-20mini

Auf eine Option bin ich allerdings noch gar nicht eingegangen: der Verwendung des Z8000 als Speicherplatz und Schaltzentrale für Arrangements. Zu verdanken hat man das der Möglichkeit, die Einzelteile des Moduls separat zu bearbeiten. Wer über entsprechende Clock-Verteiler verfügt, kann sich so 10 Spuren zunutze machen, um zum Beispiel die Lautstärke mehrerer Klangerzeuger in einer festgelegten Reihenfolge zu modulieren. Es ist durchaus vorstellbar, dass sich so ein ganzer Song arrangieren und komponieren ließe.

Auch die Hersteller gehen auf diese Fähigkeit ein und preisen den Z8000 als „programmer of events“ an. Soweit zumindest die Theorie. In der Praxis wirken solche Ideen zwar realisierbar, erfordern aber extrem vorsichtige Planung. Da das Gerät weder über Speichermöglichkeiten noch ein Display verfügt, kann man den Überblick auch schneller verlieren. Gerade wenn man mehr als 2-3 Kanäle nutzt und deren Abspielrichtung- oder -geschwindigkeit noch von außen moduliert. Während der Zeit, die der Z8000 in meinem Rack verbringen durfte, habe ich ihn deshalb am liebsten zur Verkettung verschiedener Elemente genutzt. Das Potenzial als Arrangement-Speicher fiel bei mit dann doch eher auf Geräte mit tatsächlicher Save-Funktion und etwas mehr Überblick zurück.

Fazit

Am Ende des Testberichts angekommen, stehe ich vor einem kleinem Dilemma. Der Tiptop Audio Z8000 Matrix Sequencer ist für mich ein zweischneidiger Schwert: Einerseits finde ich die Grundidee des „Sequencer aus Sequencern“ extrem interessant und die Umsetzung gut gelungen. Andererseits fehlt mir die interne Quantisierung schon sehr.

Ein einfacher Kippschalter, der auf 1V/Oktave umstellt, hätte da schon gereicht, um aus dem Matrix-Sequencer ein echtes Multitalent zu machen. So wie es jetzt steht, bleibt er aber auf Hilfe angewiesen und kann kein Rack alleine dirigieren. Ich hätte mir wirklich eine entsprechende Option gewünscht. Abgesehen von diesem Manko ist der Z8000 aber trotzdem eine runde Sache. Man kommt schnell zu interessanten CV-Läufen, die man dann ebenso einfach durch die Mangel drehen kann. Separate Tempo- und Richtungswechsel, sowie die klugen Normalisierungen der Einzelkanäle machen den Z8000 zu einer soliden Kontrolleinheit für eine Vielzahl an CV-Aufgaben.

Plus

  • saubere Verarbeitung
  • 10-in-1 Sequencer
  • viele Einsatzmöglichkeiten

Minus

  • nicht quantisiert
  • keine Save-Funktion

Preis

  • Ladenpreis: 347,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Den Umstand, dass der Z8000 kein Quantizing für Noten-CVs bietet, sehe ich nicht als Nachteil. Man braucht dafür ja auch eine Clock, und ein A-156 Quantizer kostet ja nicht die Welt. Ich sehe den Z8000 auch eher als zusätzliche Modulations-Quelle in Zusammenarbeit mit anderen Sequencern…

  2. Profilbild
    swellkoerper  AHU

    Ein Paradebeispiel für gelungenes Moduldesign. Ein Knopf pro Funktion, alles auf einen Blick, bei Bedarf komplex ohne Ende. Quantizer? Nein danke. Von riesigen All-in-one Sequenzern gibts doch schon genug.

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