Test: TL Audio A3

10. November 2009

TL Audio A3

Bilde ich mir das ein, oder ist die Zahl der Neuvorstellungen an puristischen 19 Zoll Mono-Channel-Strips in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen? Nun gut, im High-End Bereich à la Red Series trifft man die Protagonisten des ultimativen Klangs immer noch in den Referenz-Studios dieser Welt an, aber wie viele Jahre haben diese Produkte seit ihrer tonalen Inkarnation schon auf dem Buckel? In Zeiten der Flexibilität wird immer mehr „Swiss Army Knife Outgear“ kreiert, das neben einer akzeptablen Aufbereitung eines Mikrofonsignals auch Keyboards, Sampler oder andersartig gelagerte Line-Signale der finalen Konservierung zuarbeiten soll.

Nicht selten kommt es dabei zu einer ähnlichen Problematik wie bei preiswerten Multi-FX-Geräten im Gitarrenbereich. „Zwanzig verschiedene Effekte, bis zu fünf Effekte gleichzeitig abrufbar“ und dabei alles einer überforderten CPU aufgeladen, die inklusive Gehäuse und peppiger Verpackung unter 150 Euro kosten soll. Der Klang, insbesondere in rechenintensiven Algorithmen wie zum Beispiel Reverb, gestaltet sich entsprechend. Umso erstaunlicher, als dass TL Audio mit dem A3 aus der Ebony Serie einen rein mono ausgelegten Kanalzug auf den Markt bringt, der natürlich nicht ohne die TL Audio typische Affinität zu einer Röhrenschaltung auskommt.

Mal sehen, was „British Tube“ so alles auf der Pfanne hat.

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Konstruktion

Wie die gesamte Ebony Produktreihe basiert auch der A3 auf einer Class-A Transistorschaltung, die jedoch um eine zuschaltbare Röhrenstufe erweitert wurde. Diese wird durch ein Relais in den Signalweg integriert oder aber komplett aus dem Signalweg heraus genommen. Das Gerät belegt 2 Höheneinheiten und ist bei einem Gewicht von 6 Kilogramm problemlos ohne rückseitige Halteschrauben im Rack zu platzieren. Die Verarbeitung des Produktes ist sehr gut, zudem wurden nur ausgewählte Komponenten verarbeitet.

Bezüglich der Anschlussmöglichkeiten verfügt der A3 frontseitig über einen unsymmetrischen Klinkeneingang, rückseitig stehen symmetrische Line- und Mikrofoneingänge in XLR-Format zur Verfügung, zudem ein XLR-Output. Ebenso verfügt das Produkt über einen rückwärtigen Einschleifweg in symmetrischer Klinke. Kaltgerätestecker und Feinsicherung schließen den Zugangsbereich ab. Neben der Vorverstärkung des Signals übernimmt der Prozessor bei Bedarf ebenfalls eine Kompressorfunktion nebst der Entzerrung des Signals mittels eines 3-Band Equalizers.

Die einzelnen Komponenten gestalten sich wie folgt:

Pre-Amp: Über den Regler Input Gain kann man das anliegenden Signal wahlweise zwischen +16 dB bis + 60 dB (Mikrofonlevel) anfahren oder aber bei einem Linesignal den Pegel von -20 dB bis +20 dB absenken bzw. anheben. Eine Rasterung bei 0 dB erleichtert die Nullung des Pegels. Die anschließende Röhrenstufe steuert eine ECC83 / 12 AX7 an und ist stufenlos mittels des „Warmth“ Reglers regelbar. Zwei LEDs geben über den Arbeitspunkt und das Clipping  Auskunft. Über Output Gain regelt man letztendlich den Gesamtpegel, der bis zu +15 dB angeblasen werden kann.

Compressor: Wie auch schon bei seinem Schwesterprodukt, dem A2, besitzt der A3 nur rudimentäre Einstellmöglichkeiten in der Kompressorsektion. Während sich die Bereiche Schwellenwert (+10 dB bis -20 dB) und Kompressionsverhältnis (2:1 bis 20:1) nebst Aufholverstärker (0 dB bis 20 dB) noch mit stufenlosen Drehreglern einstellen lassen, kann man bezüglich der Attack- und Release-Zeiten nur zwischen den Bereichen „Fast“ (Attack 1 ms, Release 200 ms) und „Slow“ (Attack 8 ms, Release 2000 ms) wählen. Zudem hat man die Möglichkeit, den Einsatzpunkt als „Hard Knee“ oder „Soft Knee“ zu definieren.

Equalizer: Der Equalizer definiert sich über 3 Bänder, wobei die Bässe bei 80 Hz und die Höhen bei 12 kHz als Shelving-EQs ausgeführt wurden. Die Mittenregelung ist semi-parametrisch zwischen 150 Hz – 7 kHz bei einem praxisgerechten Q-Faktor von 0,7 angelegt. Alle Bänder sind mit jeweils +/-15 dB regelbar.

 

Weiterhin verfügt der A3 über eine reichhaltige Auswahl an Druckschaltern, derer dreizehn. Ihre Funktionen gliedern sich wie folgt:

– Instrument Hi / Lo: regelt den Vorverstärkungsbereich des Instrumentaleingangs zwischen +8 dB bis +40 dB (High) oder -10 dB bis +22 dB (Low) bei einer Eingangsimpedanz von 1 Mohm (High) oder 70 Kohm (Low)

– 48V: Phantomspeisung an / aus

– -30dB: eine Absenkung des Eingangspegels um 30 dB bei ausgangsstarken Kondensatormikrofonen

– LN/INST – MIC: Eingangswahlschalter des anliegenden Signals

– PH REV: Phasenumkehrschalter

– 90Hz: Trittschallfilter / Highpass bei 90 Hertz, liegt auf allen Eingängen an

– EQ PRE: schaltet den Equalizer vor den Kompressor

– EQ S/C: lässt die EQ-Sektion als Sidechain laufen, zum Beispiel für De-Esser Funktion

– EQ ON: is klar…

– COMP ON: is auch klar, ne?

– IN/OUT: regelt, ob man auf dem mittig platzierten VU-Meter den Eingangs- oder Ausgangspegel sehen möchte.

– +10 dB: erhöht die Kalibrierung des VU-Meters um 10 dB

– LEVEL G-RDN: zeigt bei Bedarf die Pegelabsenkung des Kompressors

Eine rote PEAK-LED oberhalb des VU-Meters informiert zudem ab einem Pegel von + 19 dB am Output über ausgehende Verzerrungen.

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