Test: TL-Audio Fat Track

24. Mai 2010

Null Diät!

Alles will schlank sein! Diverse Model-Shows, Diätratgeber, Heerscharen von Gesundheits- und Sonstwie-Apostel zeigen, zeugen und predigen auf allen Kanälen und in allen Gazetten vom einzig seligmachenden Körperzustand auf diesem Planeten: Slim is beautiful!

Wirklich? Also nicht nur, dass ich bei der holden Weiblichkeit durchaus die etwas griffigeren Exemplare als ein höchst erfreuliches Gotteswerk empfinde, auch bei der Gattung „Audio-Equipment“ sind schöne Rundungen in Form von großzügig dimensionierten Drehreglern und satt klickenden Druckschaltern weitaus mehr Genuss als wackelige Plaste-Potis und Schrumpfschalterchen an Audiogeräten der Magerquark-Klasse.

Null Diät!

Schon das Paket lässt es erahnen, dass der „Fat Track“ nicht nur so heißt, sondern dass da wohl auch ein „Dickerchen“ aus dem Karton entsteigen wird…… Gut, er stieg nicht, sondern ließ sich huldvoll von meiner Wenigkeit aus dem großen Karton heben und dann durch die Schöbel´sche Studiolandschaft tragen, so wie es sich eben für einen englischen Edelcontroller gehört.

Jawohl, englisch! Das tiefblaue Gerät wird tatsächlich auf der Insel hergestellt, also nicht nur dort „engineered“ und danach billig in China zusammengeklebt, wie das heute (leider) so üblich ist. Der erste Kontakt mit dem „Testling“ macht auch sofort klar, dass er zum ernsthaften Arbeiten mit Musikmaterial gebaut wurde und nicht nur als Blickfang für das Heimstudio. Denn ein Blickfang ist er mit seinem soliden und edel anmutendem Äußeren unumstritten.

Monitorcontroller gibt es ja mittlerweile etliche, aber solche mit eingebauter Mikrofonstufe plus EQ plus Inserts plus Röhrensektion gibt es so gut wie gar nicht. Und das macht schon gleich zu Anfang deutlich, dass es sich hier wohl um etwas Spezielleres handeln muss. Nicht umsonst steht ja auch groß „Tube Production Suite“ über den beleuchteten VU-Metern.

Fat is beautiful!

Fat is beautiful!

Ich bin (auch) zwei Mikrofon-Vorverstärker!

Auf der linken Seite des „Fat Track“ befinden sich zwei übersichtlich aufgebaute Kanalzüge, welche für alle Arten von Mikrofonen oder sonstige Instrumente geeignet sind. Die Ausstattung ist üppig: Neben dem bis zu 60 dB verstärkenden Gain-Regler befinden sich ein dreibandiger EQ mit semiparametrischer Mittenregelung, Panorama- und Fader-Poti sowie ein Effekt-Send in dieser Sektion. Ergänzt wird diese durch zuschaltbare Phantomspeisung für Kondensatormikrofone, einem Dämpfungsschalter für zu „heiße“ Eingangssignale, jeweils einen Schalter für Phasenumkehr, EQ on/off, Mic/Line-Umschaltung sowie einem LowCut, welcher bei 90 Hz angesetzt ist (eine in der Praxis sehr sinnvolle Eckfrequenz). Dazu gesellen sich noch ein „Mute“-Schalter zum stummschalten des Kanals sowie ein schaltbarer (!) Insert.

Ihr merkt schon, dass es sich hier um zwei vollwertige Mischpultkanäle handelt, welche einer amtlichen Konsole beinahe in nichts nachstehen. Und einen schaltbaren, analogen Insert findet man sogar bei den größeren Schiffen eher selten. Durch diese Funktion lässt sich direkt am Pult ein A/B-Vergleich mit dem eingeschliffenen Outboard-Gerät (z.B. ein Kompressor) durchführen, ein praktisches und sinnvolles Feature.

Die Mikrofonkanäle lassen sich entweder direkt auf die Stereosumme Routen oder aber (wichtig bei Aufnahmen) über jeweils einen Direkt Out separat abgreifen und zur Soundkarte/dem Audiointerface leiten.

Die Wertigkeit der verbauten Schalter ist außergewöhnlich, alle rasten satt ein und ihre Stellung ist auch ohne Kopfverrenkungen bestens zu sehen. Die Drehschalter sind der Genuss schlechthin, sie laufen weich und seidig wie in Honig gerührt. Das ist eine Anfassqualität, die einfach Freude macht.

Forum
  1. Profilbild
    Paul Tunyogi-Csapo  

    Ich bin auch sehr angetan von dem Gerät, besitze es aber nicht. Ich hätte aber gerne mal Audiobeispiele, auch wenn diese extrem ausfallen.
    Man bekommt nur in vereinzelten Foren magere Hörbeispiele.

    • Profilbild
      Onkel Sigi  RED

      Servus p.tunyogi!

      Ich kann Dir nur empfehlen, bei dem Händler Deines Vertrauens eines auszuleihen und selbst einmal mit Deinen Mischungen zu experimentieren.
      Aber ich bin fast sicher, Du wirst es dann behalten wollen.

      Musikalische Grüsse

      Siegfried Schöbel

      • Avatar
        AMAZONA Archiv

        Hallo Siegfried,

        wird es denn noch Soundbeispiele vom Fat Track geben?

        Viele Grüße,

        Daniel

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          Onkel Sigi  RED

          Hallo Daniel!

          Das Gerät habe ich schon seit einiger Zeit wieder zurückgeschickt.

          Zudem:
          Mit dem Einstellen von Klangbeispielen ist das so eine Sache. So habe ich z.B. den Fat Track mit Spuren eines zur Testzeit anwesenden Kunden durchgecheckt und das sind kpl. Songs. Es ist klar, dass der Kunde nicht möchte, dass seine Stücke hier plötzlich als Klangbeispiele erscheinen…..
          Dazu kommt noch, dass die bei Amazona eingestellten Soundbeispiele aus rechtlichen Gründen GEMA-frei sein müssen. Und GEMA-freie Musik macht keiner meiner Kunden.

          Mal sehen, ob ich zukünftig diesbezüglich eine Lösung finde, denn Soundbeispiele fände ich selber auch eine feine Sache….

          Musikalische Grüsse

          Siegfried Schöbel

  2. Profilbild
    sir stony

    Ich habe den Fat Track ebenfalls schonmal in Augenschein genommen, da ich bereits einen TLA Channel habe und diesen auch sehr schätze. Sehr gute Geräte, exzellenter Gegenwert für’s Geld, wunderbare Haptik und bisher keinerlei Zicken.
    Allerdings ist der Fat Track doch nicht ganz mit den Features gesegnet, die ihn für mich zum Top Kandidaten machen würden. Ich vermisse – wie auch andere – einen separaten Talkback Anschluß, und wenigstens einen einfachen Kompressor oder zumindest einen Limiter in den beiden Mikrofoneingängen.

    Wenn man aber kein Studio zur Verfügung hat und mit (verhältnismäßig) schmalen Mitteln amtlichen Sound aufnehmen möchte, dann ist das sicher ein genialer Wegbegleiter vor allem mit der FW Option. Nurnoch ein Notebook und ein anständiges Mikro dazu, und man braucht sich vor niemandem zu verstecken, da bin ich sicher.

  3. Profilbild
    ak47exe

    Mein Kleiner Liebling im Studio! Hab ihn zwar noch nicht lange aber weggeben werde ich ihn niiiieeeewieder!!! Das Ding ist einfach perfekt für alles was aus dem Sampler oder dem Rechner kommt! Vom einzelnen Sound bis zum Master! Macht ordentlich Druck oder legt eben das Seidentuch über den Sound. Ich habe Ihn per Adatkarte am Konnekt48! Synth und Sampler gehen analog rein… besser gehts nicht!
    Einziges Problem wie ich finde ist: Abhören über den Fattrack ist problematisch da ja eine der 2 Röhren auch im Monitorweg liegt! der Sound wird also immer verschönt… Sounds die also nur mal eben abgehört werden sollen aber nicht über den FT aufgenommen werden klingen logischerweise immer anders, wärmer, druckvoller usw…
    Deswegen sind meine Monitore, trotz der guten Monitorsektion des FT, am Interface

    Ansonsten ist das Teil einfach nur FAT…

  4. Profilbild
    toko

    Servus zusammen. Toller Bericht. Könnte jemand Quellen angeben wo man Treiber für den Fat Track beziehen kann? Ich konnte im Internet nichts finden. Die von TL Audio veröffentlichte support mail Adresse ist inaktiv. Habe einen Fat track und suche nun nach einem Treiber für win und mac. Danke im Voraus!

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