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Test: Toft Audio ATB 24, 24-Kanal Analogmischpult

Aufbau und Anwendung in der Praxis

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Die ATB-Serie basiert auf Rahmen, die jeweils acht Kanäle beinhalten, plus Subgruppen- und Mastersektion. Werkseitig werden die Module zu 16, 24 und 32 Kanal-Mischpulten zusammengesetzt. Das Pult ist mit akkuraten 12-Segmentanzeigen in den Gruppen und die Mastersektion ist zusätzlich mit sehr gut ablesbaren V.U.-Meter ausgestattet. Unser Testmodell, das ATB-24, hat 24 Kanäle, acht Subgruppen und einen Stereo-Output. Das Pult kann sehr flexibel auf seine Umgebung eingestellt werden. Aufgrund der Monitorfunktion (B-Kanäle) und Direct-Outputs pro Kanalzug kann entweder die DAW im Bandmaschinenmodus betrieben werden oder eine Bandmaschine angeschlossen werden. Für den Stereo-Mixdown stehen durch die große Anzahl der Inputs 72 Kanäle zur Verfügung. Hinzu kommen sechs AUX-Sends pro Kanal hinzu. Das macht natürlich eine große Anzahl von Reglern erforderlich. Entsprechend eng geht es auf der Konsole zu. Alle Fader sind 100 mm lang. Die Kanalzüge enthalten jeweils einen 4-Band EQ mit zwei parametrischen Mittenreglern. Für das obere und untere Ende des regelbaren Frequenzganges stehen ein Low-Shelf und ein High-Shelf Knopf zur Verfügung. Pro Kanal stehen sechs AUX-Wege zur Verfügung. Alle Ein- und Ausgangsanschlüsse befinden sich auf der Rückseite. Die meisten Eingänge sind symmetrisch ausgeführt, es gibt jedoch auch Stereo-Inputs. Jeder Kanalzug hat einen symmetrischen XLR-Eingang mit Phantompower. Die Ausgänge der Mastersektion sind allesamt Stereoklinkenbuchsen. XLR-Anschlüsse sucht man hier vergeblich. Für den Split-Monitoring-Betrieb hat jeder Subgruppenkanal hat einen Monitor-Return. So können die Input-Kanäle auf die Gruppen geroutet werden, die Gruppen zu den Aufnahmespuren und die Outputs der Bandmaschine/DAW zurück auf die Monitor-Returns geschickt und wiederum zum Stereo-Out gemischt werden. Auf diese Weise ist es möglich, Spuren abzuhören und zu mischen, während sie aufgenommen werden. Über ein Paar AUX-Sends kann man zusätzlich einen Kopfhörermix anbieten. Die Konsole kann auch als klassisches In-Line-Pult genutzt werden. Hierfür ist jeder Kanalzug mit einem Direct-Out versehen, der unsymmetrisch ausgeführt ist und nach dem Kanalfader (post-fader) geschaltet ist. Er kann beispielsweise als direkter Ausgang für die Bandmaschine genutzt werden. Die Ausgänge des jeweiligen Mehrspurrekorders können dann über dieselben Kanalzüge zurückgespielt werden. Zusätzlich kann ein Monitor-Weg erstellt werden, der auf die Stereosumme wirkt. Der 4-Band-EQ kann zwischen Aufnahmekanal und Monitor-Kanal umgeschaltet werden, ebenso auf die AUX-Sends 5 und 6. Zur Verdeutlichung: Schalter nahe den Eingängen der Kanäle erlauben das Routen des Tape-Returns in den normalen Kanalwegs, so dass die Fader zum Mischen benutzt werden können. Das erleichtert die Arbeit erheblich, als mit den Drehreglern zu mischen. Ein riesiger Vorteil des Pultes ist, dass es sowohl Split-Monitoring als auch In-Line-Betrieb ermöglicht und unfassbar viele physikalische Eingänge bereitstellt, wie es heute nur noch selten zu sehen ist: Zusätzlich zu den Mic/Line-Inputs und den separaten Tape-Returns, von denen jeder individuell auf den Gruppen zugewiesen werden kann, gibt es die genannten acht Monitor-Returns in den Subgruppen, die ihrerseits mit den Bussen verbunden sind. Über den Pegelanzeigen der Subgruppen befinden sich die Regler für acht Stereo-Effekt-Returns. So kommt man auf eine Anzahl von 72 Eingängen. Da erschließen sich ungeahnte Möglichkeiten.

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Fazit

Auf den ersten Blick fühlt man sich an der Toft Audio ATB 24 sofort zu Hause. Sind die ca. 52 kg inklusive Meterbridge erst mal auf den Tisch gehievt, offenbart sich ein bunter Blumenstrauß vieler Regler, wovon einige der metallic-grünen AUX-Regler und der violetten B-Kanalregler beim ersten Drehen die Hand nicht verlassen wollten. Bei sehr vielen Reglern waren die Kappen nicht ordentlich befestigt. Das hinterlässt keinen guten ersten Eindruck, hier sollte dringend nachgebessert werden. Wo wir gerade dabei sind zu meckern: Die Flachbahnstecker, die die Meterbridge mit dem Pult verbinden, sind ebenfalls sehr leichtgewichtig ausgeführt und eher für die Innenverkabelung eines Desktop-PCs geeignet als dafür, sie in nächster Nachbarschaft zu massiven Klinken- und XLR-Steckern zu betreiben. Zu leicht wird beim Umstecken einer der Flachbahnkabel aus dem Stecker gerissen. Hier ist Vorsicht geboten. Weiterer Kritikpunkt sind die Schrauben, die die Meterbridgehalterungen am Holzrahmen befestigen sollen. Auch unter Verwendung hochwertigen Werkzeugs brauchte es sehr viel Kraft, die Schrauben korrekt anzuziehen. Für das erforderliche Anzugsmoment sind die Schrauben aber leider etwas zu weich, dass man aufpassen muss, sie nicht zu zerstören. Dann sind da noch die verstecken Druckknöpfe, die gedrückt werden müssen, wenn man sich darüber wundert, dass auf der Meterbridge nichts angezeigt wird. Das ATB will ein ernsthaftes Pult fürs Projektstudio sein, daran besteht trotz allem kein Zweifel. Es sollte einen auch nicht stören, dass die Dokumentation auf ein Minimum beschränkt ist. Die Kritik ist kein Grund, das Pult zu reklamieren, Schwächen an dieser Stelle anzusprechen allemal. Darüber hinaus wirbt Toft mit der Servicefreundlichkeit seiner Produkte, einen Schaltplan gibt es jedoch nicht. In der Liga unverzeihlich. Das Gerät verlangt also ein wenig Leidensfähigkeit vom Anwender, aber welches Pult tut das nicht früher oder später. Trotz der Missverständnisse beim Anschließen überzeugt das Pult mit einem außerordentlich ausgewogenen Klang. Man ist für eine Vielzahl von Aufnahmesituationen bestens gerüstet. Die hohe Flexibilität macht so einiges wett, was man an Funktionen vermissen mag. Die Vorverstärker machen, was sie sollen und das sehr gründlich, ohne groß zu rauschen und mit harmonischer Sättigung. Die EQs klingen ebenfalls sehr unaufgeregt, ohne übertrieben vintagemäßig zu klingen. Im Gegenteil, die EQs klingen sehr sauber und durchaus modern. Sie scheinen mir sehr geeignet, echte Instrumente zu verschönern, weniger um Klang färbend oder verbiegend eingesetzt zu werden. Meiner bescheidenen Meinung nach ist ein Studio nur dann ein Studio, wenn dort auch ein Mischpult steht und zwar ein anständiges, kein Museumsstück, das an die Wand genagelt wurde. Die Haptik ist zum aktiven Gestalten zwingend erforderlich. Das geht nicht nur mit einem MAC, Maus und dem ein oder anderen teuren Preamp. Am Toft Pult wird das nachvollziehbar. Das hat keinesfalls etwas mit Esoterik oder sonstigem Psychogewäsch zu tun, sondern mit reiner Physik. Ein gutes Pult bietet nicht nur unschlagbar schnelle Kontrolle über alle Parameter, sondern musiziert mit. Wenn beispielsweise die Bassdrum unisono mit Synthbass und Bläsersatz auf evtl. 8 Spuren verteilt soviel Strom aus dem Netzteil zieht, dass es in die Knie geht und dabei ein lebendiger, unnachahmlicher Kompressionseffekt entsteht, der Strom quasi zu atmen anfängt. An dem Punkt wird ein Pult Teil des ganzen, zum Musikinstrument. Wer das jemals gespürt hat, braucht so ein Mischpult.

Plus

  • Klang
  • Flexibilität
  • Drehgefühl

Minus

  • Dokumentation
  • Flachbahnstecker an der Meterbridge
  • einige Potikappen lösten sich

Preis

  • Straßenpreis: 6.299,- Euro inkl. Meterbridge
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Forum
  1. Profilbild
    Wavemaster  

    Hallo,

    danke für den interessanten Test.

    Interessiere mich selbst für eine analoge Alternative für die Mackie 8-Bus Mischpulte und habe den Hersteller direkt angesprochen, welche I/O Karten es denn überhaupt gibt. Auf der Website kein Hinweis dazu.
    Auch Nachhaken kam dann von der Technik die Info, dass es zwar anfängliche Versuche gegeben hat, aber letztendlich gar keine Zusatzkarten erhältlich sind.
    Sorry, diese Angabe im Test ist daher leider nicht korrekt.

    • Profilbild
      m.muenster  AHU

      Das entzog sich meiner Kenntnis. Ich werde dem nachgehen. Das wäre sehr bedauerlich.

      Vielen Dank für die Info!

      Grüße!

  2. Profilbild
    Wavemaster  

    Hallo,

    kann nirgendwo eine Info zu Ausführung und Maßen vom ext. Netzteil finden. Möchte mir die Version mit 32 Kanälen ggfls. zulegen und muss checken, ob das so alles passt.
    Wäre also für einen Hinweis echt dankbar. Bitte Info, wie wir uns verständigen können – danke.

    Grüsse aus der Eifel

    • Profilbild
      Onkel Sigi  RED

      Das Netzteil müsste ein 19 Zoll-Teil mit 2 HE sein, meines Wissens.
      Stimmt doch, Malte, oder?

      Musikalische Grüße

      Onkel Sigi

      • Profilbild
        m.muenster  AHU

        Ich glaube es waren 2 oder 3 HE. Auf jeden Fall sollte man genügend Platz nach oben lassen, ich würde mindestens 2 weitere HE und volle Bautiefe einkalkulieren. Die Rückseite sollte ebenfalls nicht von Luftzufur abgeschnitten sein, da hier die Kühlrippen sind, die man von Zeit zu Zeit abstauben sollte. Kabel sollten auch nicht zu nah daran vorbei laufen. Es wird recht warm, da es sich um ein kontinuierliches Netzteil handelt also kein Schaltnetzteil o.Ä.

        Gruß,

        Malte

        • Profilbild
          Wavemaster  

          Hallo,

          danke soweit.

          Die Maße vom Pult selber sind ja klar aber vom Power Supply nicht.

          Dann muss ich halt nochmal die etwas trägen Techniker bemühen …

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Sag mal Malte, irgendwas stimmt nicht. Wenn ich deine Angaben mit der Bedienungsanleitung abgleiche sind die Kanal Eingänge von oben nach unten:

    LINE – symmetrisch
    MON – symmetrisch
    beide Eingänge – Sleeve / Earth – Tip / + (positive phase)
    Ring / – (negative phase)

    INSERT – symmetrisch
    Sleeve / Earth – Tip / Send – Ring / Return

    DIR. O/P – unsymmetrisch

    Deine Angaben stimmen weder in der Reihenfolge noch in der Symmetrie mit deinen Angaben im Manual überein. Was stimmt denn jetzt?! Manual oder hier?!

    Gruß

    • Profilbild
      m.muenster  AHU

      Moin tomk!

      Die Reihenfolge ist so wie in der Bedienungsanleitung auf Seite 7 abgebildet. Die Reihenfolge im Test ergab sich aus meiner individuell- verwirrten Handhabung. Sorry dafür. Habe mich intuitiv dem Pult genähert und das bescheidene Manual nur konsultiert wenn sich etwas nicht sofort aus der systemimmanenten Logik erschloss. Wozu benötigst Du die genauen Reihenfolgen der Buchsen?

      Gruß,

      Malte

      Gru

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Hi Malte,

        um das ATB24 perfekt ins persönliche Set-Up einzubinden, bedarf es schon der ein oder anderen Überlegung. Die Bedienungsanleitung ist wirklich mager, und so verschlinge ich voll des Wissendurst deinen Test. Allerdings war ich verwundert über genannte Angaben. Vor allem über – unsymmetrische Send-Receive-Klinkenbuchse – was laut Manual nicht stimmt, da dort steht:
        (KANAL) INSERT – symmetrisch
        Sleeve / Earth – Tip / Send – Ring / Return

        LG tomk

        • Profilbild
          Onkel Sigi  RED

          Hallo tomk,
          bei den Insertbuchsen handelt es sich um eine UNSYMMETRISCHE Beschaltung, Du brauchst allerdings am Pult selbst einen 3-poligen Stereo-Klinkenstecker. Das hat folgenden Grund, da auf einem Pol das Signal nach draussen abgegriffen wird und am zweiten wieder ins Pult zurückgeht, dazu kommt noch die Signalmasse auf einem dritten Pol. Deshalb brauchst Du diesen Stereo-Klinkenstecker am Pult selbst, obgleich die Verbindung schaltungstechnisch unsymmetrisch ist. Übrigens nennt man diese Stereo-Klinkenstecker auch symmetrische Klinkenstecker, da sie auch für solchige Verbindungen Verwendung finden. Nur sind sie in diesem Fall eben nicht symmetrisch verdrahtet, sondern für diese Insert-Zwecke unsymmetrisch.

          Diese Ausführung haben 90% aller Mischpulte, nur sehr wenige besitzen symmetrische Inserts mit zwei getrennten Buchsen.
          Das richtige Kabel ist ein sog. INSERT-KABEL, welches auf der einen Seite eben diese 3-polige Stereo-Klinke hat und auf der anderen Seite 2 Stück UNSYMMETRISCHE Klinke (2-polig). Diesen Klinkenstecker nennt man auch Mono-Klinke.

          Musikalische Grüße

          Onkel Sigi

          • Profilbild
            AMAZONA Archiv

            Vielen Dank euch beiden, vor allem Onkel Sigi für seine ausführliche Erläuterung!!!

        • Profilbild
          m.muenster  AHU

          Danke Dir, dass du dich so sehr für den Artikel interessierst. Das ehrt mich.
          Es handelt sich um normale Insertwege, die mit einem Y-Klinkenkabel beschickt werden die per se unsymmetrisch sind. Das ist technisch nicht anders machbar.

          LG,

          Malte

  4. Profilbild
    m.muenster  AHU

    Ich möchte noch auf ein kleines Detail bezüglich eines eventuellen Gebrauchtkaufs hinweisen:

    Das Pult wird aktuell in der neuen Version v2.5 ausgeliefert. Die Outputs und die Mute/Solo Schaltung wurde jetzt symmetrisch ausgelegt. Zudem hat die aktuelle Version andere Fader eingebaut, die angeblich sensitiver und präziser sind.

    Gruß,

    Malte

    P.S.: Dickes Danke an Sigi, das hätte man nicht besser formulieren können.

    • Profilbild
      m.muenster  AHU

      Korrektur: Die Mute/Solo Schaltung wurden nicht symmetrisch ausgelegt, sondern Mute/Solo Schaltung mit getrennter Beleuchtung hinzugefügt und die Outputs wie gesagt symmetrisch ausgelegt.

      Danke Dir nochmals Sigi für den Hinweis.

  5. Profilbild
    changeling  AHU

    Wie soll der Satz „Wenn beispielsweise die Bassdrum unisono mit Synthbass und Bläsersatz auf evtl. 8 Spuren verteilt soviel Strom aus dem Netzteil zieht, dass es in die Knie geht und dabei ein lebendiger, unnachahmlicher Kompressionseffekt entsteht, der Strom quasi zu atmen anfängt.“ eigentlich zu verstehen sein? Das klingt nach einem unterdimensionierten Netzteil, was ja nicht gerade ein Qualitätsmerkmal ist. Abgesehen davon sollte das was rein geschickt wird keine Auswirkung auf den Stromverbrauch haben, sondern höchstens die Stellung der Gain-Regler (EQ, Vorverstärker, usw.).

    Oder wird da einfach eine Mutmaßung über eine klangspezifische Herkunft angestellt? Klingt für mich so jedenfalls nicht plausibel.

    • Profilbild
      m.muenster  AHU

      Hallo changeling!

      Ich versuch mal kurz zu erklären, wie ich das meine:

      Ich beziehe mich an dieser Stelle auf das Phänomen des Spannungsabfalls
      mit dem ein kontinuierliche Netzteil auf ein transientes Signal reagiert.
      Bei Röhrenverstärkern beispielsweise ist das ein riesiges und viel diskutiertes
      Thema. Diesbezüglich ist das Netz voll mit Beiträgen. Die Art und Weise wie
      der Spannungsabfall zustande kommt und ob er in Erscheinung tritt bestimmt den Klangeindruck wesentlich. Im allgemeinen kann man von einer Art Kompression sprechen, die vom transienten Verhalten und der spektralen Dichte des Musiksignals abhängig ist.Das Signal wird ein wenig im Pegel begrenzt. Der Stromverbrauch spielt hier keine nennenswerte Rolle.

      Wie kommt das zustande?

      Ein kontinuierliches oder konventionelles Netzteil besteht gemeinhin aus Netztrafo, Gleichrichter, Widerständen und Siebkondensatoren. Alle Teile können die genannte Kompression auf ihre Weise erzeugen. Die Zeit hat gezeigt, dass es als schöner, sogar hochwertiger empfunden wird, wenn das Netzteil durch einen vom Musiksignal gesteuerten Spannungsabfall gezielt hervorruft und das erreicht man beispielsweise mit Kondensatoren deren Kapazität dementsprechend bemessen ist. Darin liegt ein fundamentaler Unterschied zur Messgeräteelektronik, dort ist ein solcher Effekt nicht erwünscht, vor der Entwicklunglung von Schaltnetzteilen aber nur durch Überdimensoinierung des Netzteils zu erreichen.

      Der Widerstand der Sekundärwindung eines Netztrafos kann einen Spannungsabfall bei transienten Signalen erzeugen. Nach dem Ohmschen Gesetz ist der Spannungsabfall über einem Leiter gleich dem Widerstand multipliziert mit der Stromstärke, die durch ihn hindurch fließt. Das bedeutet, dass es keinen Spannungsabfall ohne Strom gibt. Der Grad des Spannungsabfalls steigt mehr oder minder linear mit steigender Stromstärke. Ein typischer Netztrafo hat einen Widerstand von 50-300Ohm, je nach Leistungsfähigkeit. Wenn der Ruhestrom beispielsweise bei 7mA liegt und bei 17mA unter vollast, beträgt die Änderung 10mA in der Sekundärwindung. Wenn dieser beispielsweise 20Ohm beträgt, beträgt der Spannungsabfall 10mA*20Ohm= 2V in der Versorgungsleitung zu den Transistoren im Vorverstärker, Ausgangsverstärker, EQ etc. bei einem kontinuierlichen Signal wohlgemerkt. Ein transientes sorgt für noch mehr Abfall. Der Grad der so erzeugten Kompression kann mit großen Siebkondensatoren (die großen, runden Dinger) außer Kraft gesetzt werden, die bei plötzlichen, großen Signalamplituden ein Stromreservoir vorhalten. Siebkondensatoren gleichen die 100Hz Restwelligkeit, die aus dem Gleichrichter, aus dem „hochklappen“ des 50Hz Wechselstroms aus dem Trafo, aus.
      Mann kann nun hingehen und diese Siebkondensatoren verkleinern um den Effekt herauszuarbeiten. Macht man sie zu klein brummt es und die Transistoren geraten bei Stromunterversorung bei geringerem Eingangspegel in die Übersteuerung. Die 100Hz Restwelligkeit des gleichgerichteten Wechselstroms kann mit dem Musiksignal intermodulieren was zu Ghost-Notes führen kann (Übrigens ist das ein ein Grund warum Geräte in den USA bei 60Hz anders klingen als hier bei 50Hz, deshalb hat Neil Young immer einen Frequenzumrichter in Europa dabei). Diesen Effekt will man bei Mischpulten auf jeden Fall vermeiden.

      Ferner hatten Gleichrichterröhren der 50er/60er Jahre einen hohen Innenwiderstand von bis zu 300Ohm. Dieser sorgt für ein langsameres „nachfüllen“ der Siebkondensatoren mit Strom, lapidar ausgedrückt. Das äußert sich ebenfalls in einem Kompressionseffekt Das transiente Musiksignal kommt rein, nimmt Strom aus dem Siebkondensator, während der folgende Transient bereitsteht und auch nuckeln möchte, aber nicht mehr ganz so viel Strom in der Flasche ist und deshalb nicht ganz die volle Amplitude erreicht, also begrenzt oder komprimiert wird.

      In der frühen Techno/Acid etc. Szene waren demnach Rackmixer sehr beliebt, die diesen Effekt mehr oder minder leicht, bei entsprechendem Pegel hervorrufen können, wie der Roland M16. Mit einer Siemens Sitral-Konsole ist der Effekt auch schön, aber erst bei Vollaussteuerung zu erreichen, wie auch hier bei unserem Toft-Audio Pult. Damals war man bestrebt diesen Effekt zu vermeiden, während man heute, dank der 80er, schlauer ist und ihn extra herausarbeitet, was nicht ganz trivial ist.

      Ich hoffe ich konnte helfen und hab nicht noch mehr Verwirrung gestiftet.
      Danke für die kritische Nachlese!

      Lieben Gruß!

  6. Profilbild
    Chris Müller

    Hallo zusammen
    Ich habe mir das Pult besorgt (ATB16) und sehe noch wenig Sinn darin, dass der Aux-Send 6 in der Gruppen-Sektion post-fade ist. Aux-Send 5 ist schaltbar (pre/post), 6 aber nicht. Ich würde gerne, wenn ich 16 Mikrofone anschliesse und mir mit dem Inline-Monitoring den Mix während des Recordings mache (alle Channels und Monitor-Ins sind also belegt) und der Musiker gerne einen Stereo-Effekt haben will, diesen Effekt via den Monitor-Returns in die Gruppensektion holen und via Aux-Send 5/6 dem Musiker schicken. Das bringt´s aber nur, wenn beide pre sind…?

    • Profilbild
      Onkel Sigi  RED

      Hallo Chris,

      nein, das stimmt nicht. Einen Effekt steuert man normalerweise Post Fade an, damit der Effekt automatisch mit lauter und leiser wird, wenn Du den Fader des betreffenden Kanals bewegst. Schaltest Du auf „Pre“ und ziehst den Fader leiser, bleibt der Effekt genauso laut wie zuvor bzw. wird zu leise, wenn Du den Fader höher ziehst. Das von Dir eingestellte Verhältnis von trockenem Signal und Effekt soll ja gleich bleiben und das geht nur Post Fade.

      Musikalische Grüße von „Onkel Sigi“ Schöbel

      • Profilbild
        Chris Müller

        Hallo Onkel Sigi
        Vielen Dank für Deine Antwort.
        Ich glaube, Du hast mein Anliegen missverstanden.
        Ich will mit dem Aux-Send der Gruppen-Sektion nicht den FX ansteuern, sondern den FX der bereits in der Gruppensektion ist (via Monitor-Return) dem Musiker auf den Kopfhörer schicken.
        Ich will also Aux-Send 5 und 6 als Kopfhörer-Mix verwenden. Diese sollten unbedingt pre sein, damit ich mit dem Monitor-Level meinen Regie-Mix und mit dem Aux-Send den Kopfhörer-Mix gestalten kann.
        Weißt Du was ich meine :-)
        Danke
        Chris

        • Profilbild
          Onkel Sigi  RED

          Aha, verstehe…..

          Tja Chris, dann wirst Du wohl damit leben müssen, wie es ist. Auf jeden Fall ist die Beschaltung der Auxe eigentlich praxisgerecht, in Deiner speziellen Anwendung ist es halt nicht optimal.

          Musikalische Grüße von „Onkel Sigi“ Schöbel

          • Profilbild
            Chris Müller

            Hast Du nen Lösungsvorschlag für mich?
            Bzw. für welche Anwendung meinst Du ist es praxisgerecht, dass nur ein Aux-Send pre zu schalten geht?
            Hast Du ein Beispiel für mich? Mir fällt da nichts sinnvolles ein…
            Danke!

            • Profilbild
              Onkel Sigi  RED

              Hi Chris,

              Du musst den Kopfhörermix ja nicht zwingend in Stereo machen, Mono tut es auch. Mach eine vernünftige Mono-Mischung aus den Pre-Fade Auxen, das genügt in der Praxis völlig. Probier es einfach mal aus, das funktioniert.

              Musikalische Grüße von „Onkel Sigi“ Schöbel

          • Profilbild
            m.muenster  AHU

            Hallo zusammen,

            viele Menschen lassen ihr Mischpult nach Ablauf der Garantie von einem Spezialisten den eigenen Bedürfnissen anpassen. Man könnte gleichzeitig die OP-Amps gegen hochwertigere Austauschen, Stromversorgung pimpen etc., das übliche eben.

            Gruß,

            MM

  7. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Hallo Muenster,
    könntest du das mit den OP-Amps und Stromversorgung pimpen für mich als löttechnisch unbegabten klarer definieren? Bzw. was hätte ich für einen Vorteil dadurch, was sind die Kosten, wer führt so etwas vor Ort durch? Für eine Antwort wäre ich dir sehr verbunden :)

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