Geheimtipp (nicht nur) für schmale Gelbeutel
Mit dem Tone City Double Durple präsentiert der Hersteller ein überraschend vielseitiges Dual-Overdrive-Pedal, das sich klanglich deutlich über seiner Preisklasse positioniert. Gemeinsam mit Gitarrist „Danish Pete“ entwickelt, kombiniert das Pedal transparente Low-Gain-Sounds, dynamische Boost-Sounds und klassische Boutique-Overdrive-Charakteristik in einem kompakten Gehäuse. Wir schauen uns an, wie viel Dumble-, Bluesbreaker- und Boutique-Flair tatsächlich in diesem Doppelpedal steckt.
Worum geht es?
- Tone City Double Durple: Ein günstiges Dual-Overdrive-Pedal mit zwei separat nutzbaren Zerrsektionen.
- Sound: Von Clean-Boost über transparenten Overdrive bis zu kräftiger Classic-Rock-Zerre ist vieles möglich.
- Flexibilität: Mittenregler, Bright-/Smooth-Schalter und Stacking sorgen für vielseitige Klangoptionen.
- Praxis: Das Verzerrer-Pedal reagiert dynamisch und lässt sich intuitiv einstellen.
- Fazit: Starkes Gesamtpaket mit überzeugendem Sound zum erstaunlich günstigen Preis.
Inhaltsverzeichnis
Tone City Double Durple
Manche von euch werden vom chinesischen Hersteller Tone City Pedals womöglich noch nichts gehört haben. Gegründet im Jahr 2013, hat sich das Unternehmen inzwischen viel Lob für hochwertige Bodentreter zu erschwinglichen Preisen erarbeitet.
Gut ein Dutzend Drive-Pedale im Miniformat bietet die chinesische Firma bereits in ihrem Sortiment an, die meisten davon deutlich unterhalb der 50-Euro-Marke. Heute schauen wir uns allerdings dessen „großen Bruder“ an, der mich klanglich absolut positiv überrascht hat.
Tone Citys Firmengründer J. Wong hat es sich zur Aufgabe gemacht, in seinen Produkten hohe Qualität zu niedrigen Preisen anzubieten. Um dies erreichen zu können, lässt sich die Company „von bestehenden Designs inspirieren“ und bietet damit ihre eigenen Versionen bekannter und bewährter Pedale an. Letztlich handelt es sich dabei häufig um sehr direkte Nachbauten bekannter Schaltungen.
In China nimmt man es mit dem Copyright bekanntermaßen nicht immer ganz so genau. Entsprechend wenig verwunderlich ist es, dass viele dieser Pedale klanglich erstaunlich gut funktionieren.
Der Name des Pedals lässt bereits vermuten, dass es sich hier im Wesentlichen um einen Klon des ebenfalls lilafarbenen Analogman King of Tone handeln könnte, wobei zusätzlich sogar noch eine Bright-/Smooth-Umschaltung sowie ein Mittenregler integriert wurden.
Facts & Features
Das Tone City Double Durple ist bereits die zweite Zusammenarbeit zwischen dem chinesischen Hersteller und dem dänischen Gitarristen Peter „Danish Pete“ Honoré. Das Double Durple basiert auf Honorés ursprünglichem Signature-Pedal, dem Durple Overdrive, und wurde zusätzlich um den Schaltkreis des Tone City Blues Man erweitert.
Die Kombination aus Mid-Gain-Overdrive und Low-Gain-Boost zählt laut Hersteller zu den favorisierten Sounds von „Danish Pete“.
Die Schaltung des Double Durple sitzt im Vergleich zu seinen beiden kleineren Brüdern in einem 120 x 52 x 100 mm großen Gehäuse und bringt 358 g auf die Waage.
An der Verarbeitung gibt es nichts zu bemäkeln. Die weiße Gehäuselackierung wirkt sauber verarbeitet, die Potis bieten den gewünschten leichten Widerstand und ein Knacken beim Umschalten ist nicht wahrzunehmen – obwohl hier klassische mechanische Fußschalter und keine Relais-Schaltungen zum Einsatz kommen.
Beide Pedalhälften können unabhängig voneinander oder gemeinsam betrieben werden. Der Signalweg erfolgt dabei von rechts nach links und folgt damit der typischen Logik vieler Pedalboards. Jede Seite zeigt ihren Betriebszustand über eine weiße LED an.
Die Ein- und Ausgangsbuchsen sowie der Anschluss für die Stromversorgung sitzen stirnseitig am Gehäuse. Der Stromverbrauch liegt aufgrund der analogen Technik bei gerade einmal 15 mA.
Das Design des Pedals erinnert durch die Beschriftung und die Auswahl der Potiknöpfe grob an die legendären Dumble-Verstärker, die viele Gitarristen gerne besitzen würden. Tatsächlich besteht vor allem in der rechten „DOUBLE“-Abteilung auch klanglich eine gewisse Verwandtschaft zum typischen Dumble-Charakter.
Hier kann man bereits hören, was der Verzerrer kann. Zum Vergleich hören wir in den ersten sechs Sekunden den cleanen Amp ohne Effekt, anschließend wird die linke Seite („Durple“) aktiviert. Tone und Gain befinden sich auf der 12-Uhr-Stellung.
Das klingt sehr vielversprechend. Der Sound wirkt frisch und lebendig und reagiert angenehm auf die Spieldynamik. Später mehr davon.
Regler
Linke Seite (DURPLE)
Die vom Tone City Blues Man inspirierte linke Abteilung verfügt über drei Potis für Ausgangslautstärke (Volume), Verzerrungsgrad (Gain) und Höhenanteil (Tone).
Besonders erfreulich ist das zusätzliche kleine Poti für die Mittenregelung, mit dem sich der Klang noch präziser formen lässt. So können unangenehm harte Mitten reduziert oder für mehr Durchsetzungsvermögen – etwa bei Soli – gezielt angehoben werden.
Gerade bei verzerrten Sounds spielen die Mitten eine entscheidende Rolle. Zu viele Mitten machen den Sound schnell hart, zu wenige gehen auf Kosten der Durchsetzungsfähigkeit.
Rechte Seite (DOUBLE)
Die rechte Seite des Verzerrers ist hinsichtlich der Regler ähnlich aufgebaut wie die linke, besitzt anstelle des Mittenreglers allerdings einen Wahlschalter für zwei unterschiedliche Höhencharakteristika (Smooth/Bright).
In dieser Abteilung erreicht man Sounds von moderatem Clean-Boost bis hin zu leichtem Low-Gain-Crunch.
Die Praxis
Das Einstellen des Pedals gelingt intuitiv, wobei sich eine 12-Uhr-Position bei Gain und Tone bereits als sehr brauchbare Ausgangsbasis erweist.
Anschließend stellt man die Mitten nach Geschmack ein und experimentiert mit den Gain-Reglern sowie dem Stacking beider Effekte, um die effektivste und musikalisch sinnvollste Kombination zu finden.
Für meinen Geschmack sollte man die DOUBLE-Abteilung primär als Clean-Boost einsetzen. Sie frischt den Klang angenehm auf, verdichtet ihn leicht und bringt das Signal bei weit geöffnetem Volume-Regler sanft in Richtung Kompression beziehungsweise leichter Verzerrung.
Die DURPLE-Abteilung besitzt dagegen eine gewisse Boutique-Dumble- beziehungsweise Analogman-Prince-of-Tone-Charakteristik und bietet deutlich mehr Gain.
Damit stehen bereits zwei sehr überzeugende Grundsounds zur Verfügung, die gemeinsam betrieben gegebenenfalls noch etwas Feintuning benötigen.
Sound
Vom Clean-Boost über transparenten Overdrive bis hin zu kräftigem Classic-Rock-Gain hat das Double Durple einiges zu bieten. Entsprechend umfangreich fallen auch die Klangbeispiele aus.
Bereits als Clean-Boost eingesetzt klingt das Pedal hervorragend. Beginnt man mit der rechten Pedalseite („DOUBLE“) und sämtlichen Reglern auf 12 Uhr, empfängt einen ein frischer und lebendiger Ton, der das Signal angenehm andickt, ohne es nennenswert zu verzerren.
Auch hier wird der Effekt nach fünf Sekunden aktiviert, um die Veränderung besser beurteilen zu können.
Der Clean-Boost-Sound lässt sich mithilfe des Smooth/Bright-Schalters in Kombination mit dem Tone-Regler sehr gut an unterschiedliche Klangvorstellungen anpassen.
Der Sound erzeugt eine leichte und angenehme Kompression, ohne dabei die Bässe übermäßig zu betonen. Wir hören eine Suhr Classic Stratocaster auf dem Hals-Pickup:
Hier lässt sich außerdem gut nachvollziehen, wie sich der Bright/Smooth-Schalter auf den Klang auswirkt. Die ersten fünf Sekunden hören wir wieder den Clean-Sound, anschließend wird die rechte Seite („DOUBLE“) aktiviert. Nach 54 Sekunden erfolgt der Wechsel von Bright auf Smooth.
Auf dem Steg-Pickup entstehen schöne Crunch-Sounds, die sich beispielsweise hervorragend im Country-Rock einsetzen lassen. Tone- und Gain-Regler stehen dabei jeweils auf 12 Uhr.
Reißt man den Gain-Regler der DURPLE-Abteilung vollständig auf, erhält man einen moderat zerrenden Sound, der sich in vielen Stilrichtungen hervorragend einsetzen lässt – sicherlich perfekt für Blues.
Mit einem Steg-Humbucker und leicht angehobenen Mitten könnte das mit nahezu identischen Einstellungen dann etwa so klingen:
Beim Testen fiel außerdem auf, dass das Tone City Double Durple keine minderwertigen Schaltnetzteile mag. Nutzt man ein solches, treten unangenehme hochfrequente Einstreuungen auf, die sich bei höheren Gain-Einstellungen zusätzlich verstärken.
Das möchte man natürlich keinesfalls hören. Nach dem Wechsel auf ein hochwertigeres beziehungsweise besser gefiltertes Netzteil war dieses Rauschen allerdings sofort verschwunden.
Für viele Gitarristen, die Sounds zwischen Clean-Boost und Overdrive bevorzugen, ist das Stacken beider Effekte möglicherweise gar nicht notwendig.
Tut man dies dennoch und kombiniert beide Seiten des Tone City Double Durple miteinander, sind auch ausgesprochen satte Zerrsounds möglich.
Zum Abschluss hören wir das Pedal mit beiden gestackten Seiten und vollständig aufgedrehten Gain-Reglern – also mit maximal erreichbarer Verzerrung. Hier erreicht man mühelos mindestens klassische Classic-Rock-Gain-Regionen.
Sind die Gain-Regler beider Abteilungen voll aufgerissen, steigt naturgemäß auch das Grundrauschen. In solchen Fällen könnte ein Noise-Gate bei Bedarf Abhilfe schaffen.
Signalweg: Suhr Classic Strat → Tone City Double Durple → Peavey Classic 20 Minihead → Mesa/Boogie 1×12″ Thiele-Box mit Creamback-Celestion-Lautsprecher → Sennheiser e906 → MOTU M4 → Mac Studio mit Logic
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