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Test: Tone King Imperial Mk II Verstärker

Der heilige Gral?

12. August 2025

Der Tone King Imperial Mk II liefert einen traumhaft klaren Ton inkl. röhrengetriebenem Hall und Tremolo, aber auch die verzerrten Sounds überzeugen in jeder Hinsicht.

Bewertung

Tone King Imperial Mk II

Finger WegUngenügendBefriedigendGutSehr GutAusgezeichnetNicht bewertet
Bewertung des Autors
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Kurz & knapp
  • Was ist es? Tone King Imperial Mk II, Röhren-Comboverstärker, ein zweikanaliger Premium-Gitarrenamp mit Reverb, Tremolo und integriertem Attenuator.
  • Clean & Crunch: Herausragender Clean-Sound und überzeugende Tweed-Style-Zerre mit kanalunabhängig regelbarer Lautstärkereduktion.
  • Effekte: Röhrengetriebener Federhall und Tremolo-Effekt überzeugen mit musikalischer Tiefe und Authentizität.
  • Verarbeitung: Hochwertige Komponenten, robuste Bauweise und markantes Retro-Design, made in USA.
  • Wermutstropfen: Kein Einschleifweg vorhanden – bei diesem Preis ein oft vermisstes Feature.

Treibt man sich auf den einschlägigen YouTube-Gitarren-Nerd-Seiten herum, sieht man im Hintergrund häufiger einen Tone King Imperial Mk II Verstärker herumstehen. Gerne werden auch Gitarren oder Pedale mithilfe dieses Amps getestet, weil er momentan sicherlich zu den besten clean- und pedalfreundlichen „Plattformen“ gehört, die zu haben sind. Aber der Imperial Mk II kann auch schön zerren und bietet ein Röhrentremolo und einen röhrengetriebenen Federhall.

Als Vorbild des in Amerika gebauten Verstärkers mag sicherlich der Fender Deluxe bzw. die Fender Tweed-Amps gedient haben, doch das Innenleben wurde in einigen Punkten auf die Anforderungen der Gegenwart abgestimmt. Hierzu zählt auch der eingebaute „Reactive Load“, um dem Verstärker bei jeder Lautstärke die ersehnten Sounds entlocken zu können.

Unser Testobjekt zeigt sich in der extrem auffälligen Farbe Mintgrün, er wäre alternativ aber auch in den Varianten Schwarz, Cream und Tweed zu haben. Wer mit diesen Amp liebäugelt, weiß sicherlich, was er an ihm hätte, denn danach hätte man möglicherweise seinen Traumpartner gefunden. Viele „Amp-Nerds“ haben möglicherweise auch mehrere „heilige Grale“ am Start. Dieser macht leider auch einen tiefen Griff ins Portemonnaie erforderlich, da hierfür über 3.000,- Euro auf den Tisch geblättert werden müssen.

Tone King Imperial Mk II – Facts & Features

Der Verstärker mit den Abmessungen von 572 × 489 × 267 mm (B × T × H) bietet zwei Kanäle und wurde mit einem 12″ Custom designed made by Eminence 8 Ohm Ceramic Magnet Lautsprecher bestückt. Dafür hat Tone King sicherlich seinen Grund, denn ein Keramiklautsprecher bringt signifikant mehr auf die Waage als ein Lautsprecher mit Neodym-Magnet, der das Gewicht des Kofferverstärkers spürbar geringer gestaltet hätte. Der Comboverstärker wiegt 20 kg und ist hinten offen.

Insgesamt macht der Tone King Imperial Mk II einen sehr wertigen und robusten Eindruck und man spürt, dass man es mit einem hochklassigen Produkt zu tun hat. Im Lieferumfang eingesxchlossen sind der Fußschalter, eine ausführliche Anleitung und ein Kaltgerätekabel.Tone King Imperial Mk II Front panel

Die Potis laufen mit dem gewünschten leichten Widerstand. Die großen Chickenhead-Knöpfe sind „haptisch“ gute Freunde. Die Endstufenleistung von 20 Watt wird, ähnlich wie bei einem Fender Deluxe-Röhrenverstärker, mithilfe zweier 6V6-Röhren erledigt. Die Gleichrichtung der Netzspannung erfolgt nach „guter alter Manier“ mithilfe einer Gleichrichterröhre. In der Vorstufe arbeiten drei 12AX7A (deutsche Bezeichnung ECC83). Die Hall-Treiberröhre ist die „etwas weniger leistungsbereite“ 12AT7 (deutsche Bezeichnung ECC81). An der Unterseite hat man vier stabile Gummifüße montiert, ein Verrutschen wird dadurch unmöglich.

Deutlich kleiner und auch günstiger: Das Tone King Imperial Pedal:

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Regler

Auf der Rückseite des Tone King Imperial Mk II wird der Verstärker eingeschaltet (Power On/Off). Tut man dies, leuchtet an der Front ein weißer Diamant,  der sicherlich auch gewählt wurde, um aufzufallen. Den großen Stand-by-Kippschalter kennt man vom Fender Deluxe. Die Kanalumschaltung wird ebenfalls mithilfe eines großen Kippschalters (vorn) erledigt und kann alternativ auch mittels des Fußschalters erfolgen.

Der Rhythm-Channel besitzt die Regler Volume, Treble und Bass, ein Mittenregler ist nicht vorhanden, aber letztlich auch nicht notwendig, da man mit den beiden vorhandenen Reglern auch die Mitten beeinflusst.

Der Lead-Channel wirkt (nur) auf den ersten Blick spartanisch. Volume, Tone und Mid-Bite. Volume regelt hier das Gain des verzerrten Kanals, dessen Endlautstärke mittels des rückseitig zugänglichen Attenuator-Reglers heruntergeregelt werden kann. Der Reverb-Regler mischt erwartungsgemäß den Hallanteil hinzu. Das Tremolo besitzt die hierfür üblichen Parameter Speed und Depth.

Tone King Imperial Mk II Back Panel

Die Rückseite des Chassis mit interessanten Features

Der Attenuator-Regler auf der Rückseite des Chassis erlaubt es, die Endlautstärke des Verstärkers abzusenken. Dies geschieht mithilfe der sogenannten „Reactive Load Technologie“, die sehr musikalische Ergebnisse erzielt. Sollte man bei extremen Einstellungen (dann würde verhältnismäßig viel Leistung in Wärme umgewandelt) feststellen, dass der Klang zu stark an Höhen verliert, kann dies mithilfe des rückseitig angebrachten kleinen Kippschalters (HF‑Kompensation) wieder korrigiert werden. Befindet sich der Schalter auf der Max-Position, werden dem Sound Präsenzen hinzugefügt, der Sound wird dann etwas höhenreicher. In der Normal-Position wirkt der Sound weicher mit weniger Höhen.

Reactive Load – „die Bestie bändigen“

Im Tone King Imperial Mk II wurde ein Ironman II Compensated Power Attenuator (bis -36dB) integriert. Diesen böte Tone King auch separat an, aber er forderte gleichfalls einen vergleichsweise tieferen Griff in den Geldbeutel. Dieser Attenuator „verheizt“ mithilfe eines Hochlastwiderstands den gewünschten Teil der Leistung und sorgt somit für eine regelbare Lautstärkereduktion. Viele Gitarristen „spannen“ einen solchen beispielsweise vor ihren 50/100 Watt-Röhren-Boliden etc., um den Sound auch bei Zimmerlautstärke zu genießen.

Tone King Imperial MK II Speaker

30 Watt Lautsprecher, Konstruktion hinten offen

Hierfür existieren aber auch deutlich kostengünstige Alternativen. Tipp: Hier unbedingt auf den Widerstand achten (8 bzw. 16 Ohm), dieser darf nicht geringer als die Impedanz des angeschlossenen Lautsprechers sein, sonst riskiert man einen Schaden am Ausgangstransformator des Verstärkers. Röhrenverstärker reagieren hier besonders empfindlich.

Wer die „klassischere“ Optik liebt, sollte hier schauen:

Anbei ein Demo eines meiner Lieblingsgitarristen Shawn Tubbs, wobei man anmerken muss, dass dieser so atemberaubend gut spielt, dass er auch auf einem Besenstil und einem billigen  Transistorverstärker überzeugen würde. Man hört den Verstärker hier gut in allen seinen Nuancen:

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Mehr Informationen

Fußschalter

Die Kanalumschaltung und der Tremoloeffekt des Tone King Imperial Mk II sind unabhängig mithilfe des inkludierten Doppelfußschalters schaltbar. Wird der Fußschalter nicht angeschlossen, ist der Tremoloeffekt permanent aktiv. Wollte man kein Tremolo hören, müssten die korrespondierenden Regler lediglich auf Linksanschlag gestellt werden.

Sound

Hören wir den Tone King Imperial Mk II zunächst clean mit etwas Hallanteil:

Das klingt einfach nur großartig. Der klare Sound klingt sehr „Fender-Deluxe-mäßig“, besser geht es eigentlich nicht, auch der integrierte röhrengetriebene Hall klingt sehr angenehm.

Nun aktivieren wir zusätzlich den Röhren-Tremolo-Effekt. Gleichfalls traumhaft. Mithilfe der Depth- und Speed-Regler lässt sich der Effekt leicht an die gewünschte Klangvorstellung anpassen. Ist der Sound nun zu laut, kann man den Attenuator des klaren Kanals auf Bypass stellen und den Attenuator-Regler auf der Rückseite als Mastervolume für den Lead-Channel einsetzen, das funktioniert in der Praxis ausgezeichnet, wie oben beschrieben:

Man kann den Sound einfach nur genießen und wirken lassen und spielt deswegen vielleicht auch etwas weniger, was prinzipiell immer gut ist.

Der Lead-Kanal erzeugt eine „Fender-Tweed Style-Zerre“ und kann moderate Verzerrungen bis „satten Crunch“ erzeugen, High-Gain-Sounds gehen damit nicht oder halt nur mit dem entsprechenden Pedal. Der Amp nimmt Verzerrer-Pedale ausgezeichnet an, diese sind aber bei diesem Klang vermutlich auch gar nicht notwendig.

Wir hören nun einen angezerrten Sound mit schönem Schmutz, Hall und Tremolo, wie er in Surf- und Spaghetti-Western-Genres zu hören ist:

In der Praxis sinnvoll ist es, den Attenuator für den Clean-Channel auf der Rückseite mithilfe des kleinen Kippschalters auszuschalten (Bypass), da der verzerrte Kanal keinen Mastervolume-Regler besitzt. So ließe sich das Lautstärkeverhältnis zwischen beiden Kanälen nach Wunsch anpassen. Ohne diese Maßnahme kann der verzerrte Kanal mit viel Gain vergleichsweise schnell mal deutlich zu laut werden.

Nun verzerrt ohne Tremolo (Steg-Pickup). Nach 38 Sek. wird auf den Halstonabnehmer umgeschaltet, um auch diesen Sound beurteilen zu können. Die Verzerrung beläuft sich hier auf etwa 60 % des Erreichbaren (02 h):

Wir reißen nun den Volume-Regler voll auf, der Mid-Bite-Regler steht bei 02 h und sorgt für einen sehr durchsetzungsfähigen Klang:

Wenn man einen zweikanaligen Verstärker spielt, der hervorragende Zerrsounds liefert, wäre es natürlich wünschenswert, ein Delay im Effekt-Loop platzieren zu können, da ein Delay vor einem heftig verzerrt eingestellten Amp erfahrungsgemäß nur Matsch produziert. Unverständlich ist die Tatsache, dass man an der Rückseite einen Einschleifweg vergeblich sucht. Beim Preis des Tone King Imperial Mk II eigentlich „a must“. Möglicherweise führen diesbezüglich häufige Aufforderungen dazu, dass sich Tone King erbarmt und in die womöglich kommende Mk III-Generation diesen nun endlich einbaut.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment erstellt:

Suhr Classic Stratocaster – Tone King Imperial Mk II – Sennheiser e906 – MOTU M4 – Mac Studio mit Logic

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Klangbeispiele
Fazit

Der Tone King Imperial Mk II klingt absolut beeindruckend. Auch die beiden röhrengetriebenen Effekte können klanglich absolut überzeugen. Der regelbare, kanalweise abschaltbare Attenuator ermöglicht tolle Klangmöglichkeiten. Der Amp ist kostenintensiv, aber in jeder Hinsicht edel.

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Hall- und Tremolo röhrengetrieben
  • Design
  • Reactive Load Attenuator

Minus

  • kein Einschleifweg

Preis

  • 3.199,- Euro
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Über den Autor
Profilbild

Johannes Krayer RED

Seit 1985 professioneller Musiker. Bisher ca. 4.500 live Auftritte absolviert. Galas, Clubs, Stadien, Musical, Studio, Theater, Filmmusik... . Zusammenarbeit mit etlichen renommierten Musikern. Fußtreter-affin, eigene Stompboxschmiede im Haus.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Jan Steiger RED

    Nach wie vor das Nonplusultra an Gitarrenamps. Ich verkaufe gerade Auto, Yacht und Haus und dann wird er mir gehören. Harr harr harr….
    Nein, im Ernst! Ich durfte das Teil bei Thomann anspielen und der hat einfach den verdammt noch mal besten Cleansound, den ich je gehört habe.

  2. Profilbild
    mofateam

    Kann ich bestätigen.
    Ich spiele den Continental (die 40W Topteilversion mit passender Box, leider ohne Attenuator)…der beste cleane Ton, traumhaftes Tremolo und Federhall.

  3. Profilbild
    chris56

    Bei solchen Amp’s wie dem Tone King hat das Wort „Sparkle“ wohl die treffendste Bedeutung. Ein Klang zum „Niederknien“ !!!
    Das einzige was ich nicht verstehe, warum man die Power und Standby Schalter auf der Rückseite montiert, wo doch vorne genug Platz wäre ? O.K. Jammern auf hohem Niveau.
    Ach ja: danke an den Autor, endlich mal hochwertige Soundbeispiele, was bei vielen Tests leider oft Mangelware ist, weiter so !

    • Profilbild
      dmac

      @chris56 Exakt! Für 3000€ erwarte ich ALLE Bedienelemente vorne. Regler/Schalter hinten gehören verboten (und nach oben ausgerichtet eigentlich auch). Furchtbarer Trend.

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