Test: Tone2 Firebird

6. September 2006

Tone2 Firebird

Tone2, der deutsche Software-Discounter mit Qualitätsanspruch, schickt einen brandneuen, virtuell analogen Software-Synthesizer ins Rennen, der wenig kostet, erfrischend klingt, einfach zu bedienen ist und auch noch mit einer neuen oder besser gesagt, mit einer in dieser Form noch nicht in Erscheinung getretenen Synthese daherkommt.

- Einfach strukturiert, klares Design und wenig Schnickschnack -

– Einfach strukturiert, klares Design und wenig Schnickschnack –


Feuer und Flamme
Tone 2, das sind Markus Feil (einigen bekannt von der Firma reFX Synthesizers) und der Wissenschaftler Dr. Hartmut Pfitzinger von der Ludwig-Maximilian-Universität München. Diese etwas skurril anmutende Combo stattete bereits den beliebten Dance-Synth Vanguard mit einer Audio-Engine aus und war für die Programmierung einiger Sounds zuständig. Für Steinberg’s Xphraze und Ueberschall’s PLP und VLP entwickelte man das Filter und im BMW sorgt die Tone2-Technologie für den guten Klang – um nur einige Meilensteine zu nennen.

Mit Firebird kommt jetzt der erste virtuell analoge Synthesizer mit der sogenannten ‚Harmonic Content Morphing’ Synthese (kurz HCM) auf den Markt. Dieses neue Syntheseverfahren basiert auf 58 Morph-Table Oszillatoren – d.h. ein Oszillator besteht nicht aus einer Wellenform, sondern aus 256 Wellenformabschnitten. Macht summa summarum über 14.000 Sampleschnipsel. Dieser Wellenformenvorrat ist herstellerseitig über einen virtuellen Expansion-Slot erweiterbar – eigene Samples sind nicht erlaubt.

Morphing Bird
So, und was kann ich jetzt mit diesen Morph-Table Oszillatoren anfangen? Ganz einfach: die Morph-Osz können wie normale Oszillatoren in die subtraktive Synthese eingebaut werden. Allerdings kann man im Gegensatz zu Sinus, Pulse und Co. die harmonische Struktur manipulieren, das Klangspektrum stauchen oder dehnen, einzelne Wellenschnipsel transponieren, konvertieren und selektieren. Besondere Spezialität: das Durchwandern der 256 Wellenformabschnitte in beliebiger Geschwindigkeit (auch synchron zum Host-Tempo) und Richtung – eben typisch Wavetable. Der Wellenformvorrat ist breit gefächert: es gibt Morph-Tables aus den Abteilungen Bass, Organ, Guitar, Piano, Percussion, FX und Vocoder – selbstverständlich gibt es auch die üblichen Standard-Wellenformen, die sich allerdings dann nicht wie oben beschrieben manipulieren lassen.

- 58 Morph-Tables sorgen für den guten Ton -

– 58 Morph-Tables sorgen für den guten Ton –

Falls ein Oszillator nicht ausreichen sollte, gibt es einen zweiten, um Detune- und Crossfade-Klänge zu realisieren. Alles zusammen wird durch LFO und Rampengenerator moduliert.
Ein besonderes Schmankerl ist der Fat-Regler, der alles fett macht, was noch nicht fett genug ist: zweifach, vierfach oder sogar achtfach – 8 Oszillatoren pro Stimme sollten eigentlich reichen.
Ach ja: der Firebird verfügt über ein sogenanntes Microtuning (kurz IQM), d.h. alle berechneten Klänge werden frequenzmäßig immer schön gerundet, so dass alles sauber aus den Boxen kommt. Wem das zu ‚clean’ klingt, kann mittels Analog-Regler ein bisschen Verstimmung reindrehen. Das IQM bewirkt harmonisch reinere Akkorde.

Feuervogel
Das Filter besitzt neben den vier Grundarten Tiefpass, Hochpass, Bandpass und Notch noch ein paar nette Nebenarten wie einen Biquad-basierten Tiefpass und einen Moog-ähnlichen Typ. Das Filter beherrscht Phaser-, Amplituden und Frequenzmodulation, wird durch eine ADSR-Hüllkurve und einen LFO gesteuert und verfügt selbstverständlich über Cutoff, Resonanz und einen Distorsion (Drive)-Effekt. Über den Expansion-Slot werden später weitere Filtertypen ergänzt – wenn, so der Erzeuger, ausreichend Exemplare gekauft und nicht kopiert werden.

- reichhaltige Filterauswahl inkl. Erweiterungsmöglichkeit über Exp.-Slot -

– reichhaltige Filterauswahl inkl. Erweiterungsmöglichkeit über Exp.-Slot –


Firebird verfügt über einen kleinen aber feinen Arpeggiator, der neben den Standard-Abläufen auch ein paar dance-typische Rhythmen abspielt: ein kleines Display zeigt den Zustand von maximal 16 Noten. Einige bekannte Pattern sind gespeichert (insgesamt 11) – eigene Kreationen Fehlanzeige.

- ein einfacher Arp inklusive dance-typischer Pattern -

– ein einfacher Arp inklusive dance-typischer Pattern –


Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Fairerweise sollte man erwähnen, dass die Syntheseform dann doch in dieser Form bereits in Propellerheads Reason Malstroem eingesetzt wurde. Das spricht allerdings um so mehr für den FireBird :-)

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    AMAZONA Archiv

    "VST-Klangbrowser zeigt nicht die korrekten Namen bei Librarywechsel an"
    , also bei mir klappt das, unter folgenden Hosts: "Cubase SL3", "Hermann Seib's VSTHost". Kann diesen Minuspunkt nicht bestätigen.

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    AMAZONA Archiv

    @Carlos Costa: wenn über die Setup-Seite in FireBird eine neue Library ausgewählt wird, werden nicht die korrekten Patchbezeichnungen angezeigt. Lädt man dagegen die Bank über das SX/SL-Menü 'Bank laden' funktioniert alles so wie es sein sollte.

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