Test: Tone2 Gladiator 2

Fünf mehr oder weniger umfangreich ausgestattete LFOs (inkl. Step-LFO) bringen Bewegung in den Klang. Damit verfügt Gladiator 2 über einen LFO mehr als der Vorgänger. In der Modulation-Matrix wird dem gewünschten LFO ein entsprechender Zielparameter zugeordnet. LFO1 und 2 verfügen über 21 Wellenformen bzw. Groove-Muster, einen Geschwindigkeitsregler, einen Phase-Regler sowie einen Retrigger-Button für nicht-zyklische Wellenformen. Die LFOs können selbstverständlich synchron zum Host-Tempo schwingen. Der Step-LFO kann als Trance-Gate-Effekt verwendet werden. Mit Hilfe eines kleinen Displayfeldes werden die einzelnen Pattern mit der Maus eingezeichnet. Die eben angesprochene Modulations-Matrix verfügt über jetzt über 12 Slots (Gladiator 1 = 6 Slots) mit mehr Modulatoren und mehr Zielen als in der Vorgängerversion. Es wurde auch daran gedacht, die Modulation quasi selbst zu modulieren, um z.B. ein Vibrato auf Oszillator 1/2 nicht kontinuierlich, sondern nur an bestimmten Stellen erklingen zu lassen. Selbstverständlich verfügt Gladiator auch über einen gut ausgestatteten 16-stufigen Arpeggiator. Einstellbar sind 13 Arp-Typen, pro Step die Notenhöhe, Notenlänge und Akzent sowie die Art und Weise, wie die Sequenz zum Host-Tempo synchronisiert wird. Zu guter Letzt verfügt der Arpeggiator auch noch über eine Autochord-Funktion, mit der man mit einer einzelnen Taste komplette Akkorde bzw. Akkord-Folgen abfeuern kann. Eigene Arpeggiator-Muster können übrigens nur im Sound selbst, aber nicht als eigenständiges Pattern abgespeichert werden. Im Handbuch wird die Verwendung der LFOs und der Modulationsmatrix ausführlich mit einem kleinem Tutorial und vielen Tipps und Tricks beschrieben.

- Für die weitere Klang-Bearbeitung stehen ein gut ausgestattetes Filter, EQ, Effekte, Feedback-Delay, LFOs und eine Modulationsmatrix zur Verfügung -

– Für die weitere Klang-Bearbeitung stehen ein gut ausgestattetes Filter, EQ, Effekte, Feedback-Delay, LFOs und eine Modulationsmatrix zur Verfügung –

In der Praxis

Die Gladiator-Benutzeroberfläche ist klar und verständlich gegliedert. Alle klanggebenden Elemente sind in Modulbauweise dargestellt. Der komplette Editor lässt sich ausblenden, um wertvollen Bildschirmplatz zu sparen. Die Bedienung über Drop-Down-Listen ist stringent gelöst und platzsparend. Die Parameterwerte werden leider nicht direkt am entsprechenden Regler, sondern in einem Display rechts oben im Instrument angezeigt. Die farbliche Gestaltung ist recht düster, wurde aber in Gladiator 2 dezent überarbeitet  – Details sind jetzt besser erkennbar. Gladiator verfügt über keinen Sound-Browser, wie man ihn von anderen Instrumenten her kennt – die mitgelieferten Klänge werden auch hier mittels Drop-Down-Liste ausgewählt – aufgrund der gestiegenen Soundauswahl wünscht man sich mittlerweile eine bessere Kategorisierung der Klänge, die nur grob in Obergruppen eingeteilt wurden. Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern hat man aber alle Bedienelemente auf einer einzigen Bildschirmseite und braucht nicht zwischen verschiedenen Ansichten hin und her zu blättern. Ein weiterer Pluspunkt: Wird während des Spielens eines Sounds der Morph-Table oder der Modifier geändert, setzt Gladiator dies sofort um, ohne dass die Keyboardtaste erneut gedrückt werden muss. Zur Einstellung des Leistungsverbrauches verfügt Gladiator 2 jetzt über vier (Gladiator 1 = drei) verschiedene Klang-Qualitätsstufen und einen Stimmenbegrenzer (1-256 Stimmen, Gladiator 1 = 1-64). Das aus dem Firebird bekannte MICROTUNING für harmonisch reinere Akkorde ist auch im Gladiator zu finden. Per Expansion-Slot finden in naher Zukunft weitere Sounds, Wellenformen, Filtertypen und sogar neue Module (z.B. Sample-Modul, Vocoder) Einzug in das Instrument.

- Auf Wunsch wird der komplette Editor ausgeblendet, um Bildschirmplatz zu sparen -

– Auf Wunsch wird der komplette Editor ausgeblendet, um Bildschirmplatz zu sparen –

Viele der im ersten Testbericht genannten Erweiterungswünsche wurden in Version 2 realisiert – die Mausrad-Unterstützung bei der Eingabe von Parameterwerten, die separate Verwaltung der Arp/Step-Muster oder eine MIDI-Learn-Funktion gibt es allerdings auch in Version 2 nicht.

Die wichtigsten Änderungen in Gladiator 2:
– verbesserter Klang
– tiefe Frequenzen werden jetzt in einer höheren Auflösung berechnet und klingen deshalb besser
– die Geschwindigkeit beim Wechsel der Morph-Tables und der Modifier wurde erhöht
– neue Random-Schaltfläche erzeugt zufällige Oszillatoreinstellungen
– mit Copy- und Paste-Schaltflächen können die Einstellungen jeweils auf das andere Oszillator-Paar übertragen werden
– zwei neue Schaltflächen für eine Resynthesis- und Vocoder-Erweiterung
– zusätzliche Modifier-Abteilung für warme, analoge Klänge
– 26 neue Morph-Tables
– 21  zusätzliche Samples für Oszillator 5
– Load-Schaltfläche für eigene Samples (als Erweiterung geplant)
– 6 neue UNISON-Modi
– Moog Lowpass-Filter mit 24 dB
– 9 zusätzliche Effekte inkl. Filter für die Effektabteilung
– Feedback-Delay-Modul
– zusätzlicher LFO
– 2 zusätzliche Hüllkurven
– zusätzlicher Shape-Regler für alle Hüllkurven
– neue Modulationsquellen und –ziele
– 256 Stimmen
– Pan für jeden Oszillator
– Random-Funktion für beide Oszillatorpaare

 

Kopierschutz: Seriennummer, Wasserzeichen, kein Dongle erforderlich

Getestete Version: 2.0, PC-Version

Preis: 149 Euro, Update: 69 Euro

Hersteller/Vertrieb: Tone2

Systemvoraussetzungen:
Windows 95/98/ME/2000/NT/XP/Vista, CPU ab 800 MHz, 192 MB RAM, 80 MB Festplattenplatz, VST 2.4 kompatible Host Software
Mac OS X 10.3 oder höher, Intel MAC oder Power PC, 192 MB RAM, 80 MB Festplattenplatz, CPU ab 700 MHz
Hinweis: die Universal Binary Version unterstützt AU und VST
Prozessorunterstützung: 64 Bit, 32 Bit, multi-core CPU, single-core CPU

Fazit

Gladiator 2 hat im Bereich Klang noch einmal eine Schippe dazugelegt. Verantwortlich für die gesteigerte Qualität ist die Weiterentwicklung der HCM-Synthese; allem voran die neue Modifier-Abteilung, die insbesondere für Liebhaber analoger Klänge interessant sein dürfte. Die neue HCM-3-Synthese sorgt für ein ausgewogeneres Bass-Fundament. 300 neue Presets sind hinzugekommen, die alten Presets wurden an die neue Sound-Engine angepasst. Die 2. Auflage ist dankenswerterweise 100%ig abwärtskompatibel mit dem Vorgänger. Die über 130 Änderungen sind längst nicht so spektakulär, wie man zunächst annehmen könnte – trotzdem hat aber fast jedes Modul eine mehr oder weniger große Aufwertung erhalten. Auch die Benutzeroberfläche wurde komplett in der Farbgestaltung überarbeitet – alle Elemente sind jetzt sauberer gezeichnet und somit besser abzulesen. Weiterhin gilt auch für den Nachfolger: mit seiner umfangreichen Ausstattung ist er für den Kampf um die Gunst der Kunden bestens gerüstet. Bereits auf Oszillatorebene lassen sich komplexe Klänge erstellen. Durch die nahezu freie Kombination von verschiedenen Syntheseformen ist Gladiator äußert flexibel einzusetzen. Der CPU-Verbrauch ist erfreulich niedrig. Das Handbuch ist verständlich geschrieben und enthält jede Menge Tipps & Tricks sowie ein Tutorial zum Erstellen neuer Sounds. Damit ist der Gladiator auch Einsteigern bedenkenlos zu empfehlen. Ein überarbeitetes Handbuch für die Version 2 ist übrigens (noch?) nicht verfügbar. Schlussendlich sind die Sounds, die mit Gladiator entstehen, trotz Kombination verschiedenster Syntheseformen nicht wirklich neu – das hat man schon alles einmal gehört. Auf dem Markt tummeln sich einige Mitbewerber, die vergleichbar sind, beispielweise Rob Papen’s Predator, Sylenth 2, NI Massive oder u-he Zebra 2. Letztgenannter bietet sogar noch mehr Potential für einzigartige Klänge, ist aber aufgrund des gewöhnungsbedürftigen Oberfläche schwerer zu bedienen. Das übersichtliche Benutzerinterface, das sehr gute Handbuch und die Erweiterbarkeit stehen beim Gladiator auf der Plus-Seite. Weitere Patches sind übrigens bereits in Arbeit (von Brian Lee, Xenos, voraussichtlicher Erscheinungstermin 2.Q. 2009).

Plus

  • flexible Sound-Engine mit verschiedenen Syntheseformen
  • sehr gutes deutsches Handbuch mit Tutorials und vielen Tipps & Tricks
  • leicht bedienbares One-Window-Benutzerinterface
  • über 1000 Presets
  • geringe CPU-Auslastung
  • Expansion-Slot für neue Klänge, Filter, Wellenformen und neue Module
  • Demo-Version (10 Minuten Laufzeit)

Minus

  • keine MIDI-Learn-Funktion für Controllerzuordnung
  • Parameterwerte werden nicht am Bedienelement angezeigt
  • Arp/Step-LFO-Muster nicht separat speicherbar
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    manu1412

    Wow, der sound aus dem Gladiator klingt schon sehr anständig. Der kann schon gut mit echten Hardware-Synthesizern mithalten meine ich.

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    boa75

    Brot und Butter-Sounds, schlechte Effekte. Ein Largo von Waldorf ist um Längen besser !

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      AMAZONA Archiv

      Wenn man sich ein wenig mit den Synthesemöglichkeiten auseinandersetzt kommt man schnell dahinter was der Gladiator alles kann. Die Keys hat nicht umsonst geschrieben das der Gladiator Sounds kann die kein anderer Synth beherscht und bei über 33000 Spectren muß auch ein Wavetablesynth wie der Largo passen.

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        boa75

        tja er hat vielleicht eine Unmenge an Möglichkeiten Sounds zu erstellen, trotzdem klingen andere besser und, sorry auch vielseitiger. Schlussendlich ist das was raus kommt das was zählt. Der Synth ist ja nett für Trance, aber davon gibts schon so viel wie Sand am Meer.

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          AMAZONA Archiv

          Ist natürlich alles wie immer reine Geschmacksache.

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    tuonodriver  

    Also ich find den gladiator klasse! Allerdings bin ich mit der Preispolitik von Tone2 nicht einverstanden! Ich meine, soooo große Veränderungen zur Version 1 sind das nun wirklich nicht ! Das bekommt man bei anderen Plug In Entwicklern umsonst mehr siehe SPECTRASONICS update 1.7 von Stylus RMX ( Timedesigner ).
    Nicht mal „Midi Learn“ ist dabei, das ist doch heutzutage bei den meisten Freeware Plug Ins zu finden und sollte für ein Vollpreisprodukt auf jeden Fall Plicht sein!

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      AMAZONA Archiv

      Meiner Meinung nach ist es absolut legitim dieses Update kostenpflichtig anzubieten. Ich habe ein wenig beim erstellen des Updates mitgewirkt und einige der Morphtables erstellt. Glaub mir allein das war schon ganz schön Zeitaufwändig.
      Ob einem nun der Klang des Gladiators gefällt kann ja jeder vorher für sich entscheiden indem er sich die Demo runterlädt.

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    Dreitagebart

    Also, ich finde den Sound des Gladiators wirklich gut, er klingt fett, breit und direkt. Obwohl ich ansonsten eigentlich ein „Hardware-Fuzzy“ per excellence bin …

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    4damind

    Der Gladiator2 ist schon ein Trance-Synth. Die meisten Presets zeigen schon sehr deutlich in welche Richtung es geht und wo die Stärken liegen.

    Die Filter sind leider nicht sehr gut mit Hardware hat das gar nix zu tun. Wer Ähnlichkeiten zum Vanguard heraushört, liegt nicht falsch. Markus Feil hat ebenfalls für ReFx programmiert (Audio Engine und viele Sounds beim Vanguard sind von ihm).

    Tone2 benutzt Wasserzeichen, kodiert das in die Audiophase. Wohl die Kunden-Nummer oder Serial. In Sachen Kopierschutz treibt es da Tone2 schon bis an die Grenze des Möglichen. Markus Feil beschwört zwar immer das würde sich nicht negativ auf den Sound auswirken, aber sehr wohl ist einem da irgendwie nicht.

    Insgesamt ist der Gladiator eher befriedigend. Wer endlose Möglichkeiten sucht und dazu noch einen soliden Klang und eine freundlichere Firmenphilosophie, ist mit dem Zebra2 besser bedient.

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      AMAZONA Archiv

      Das ist ja fast schon Leichenfledderei diesen Uraltthread auszubuddeln:-)
      Ne, aber der Vergleich Gladiator und Zebra hinkt doch schon gewaltig da es zwei Grundverschiedene Engines sind aber über Geschmack…………….

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