Fazit

Studioqualität bedeutet ja, den Charakter des Audiomaterial soweit wie möglich unangetastet lassen und es „lediglich“ an gewisse Formatvorgaben anzupassen. Wobei „lediglich“ üblicherweise mit einem ausgebildeten Toningenieur und einem akustisch optimierten Raum zu tun hat. Beides in der Regel eher teuer. Während Programmierer bei musikalischen Plug-ins daran arbeiten, Artefakte und Nicht-Linearitäten zu erzeugen, müssen sie bei technischen bzw. Broadcast-Plug-ins genau dieses Verhalten unterbinden.
In dieser Disziplin überzeugen die ToneBoosters voll und ganz. Die Transparenz ist umwerfend, ohne langweilig zu sein. Der Kompressor, Limiter und Equalizer können kräftig zupacken, ohne jemals brutal zu werden, jedenfalls nicht im Sinne eines UREI 1176 oder Filtek Passive EQs. Das Delay und die Saturierung wissen auch musikalisch zu überzeugen. Sie sind jedoch immer gutwillig und neigen wenig zur Übertreibung.
Die Benutzeroberfläche ist nüchtern, aber ansprechend und vor allen Dingen aufgeräumt. Einzig, dass einige Parameter keine dedizierte Werteanzeigen besitzen, bietet Anlass zur Kritik. Dabei handelt es sich nicht um Luxusdreingaben, sondern um essentielle Angaben. So wäre es bei TB Ferox schon interessant zu wissen, wie der Frequenzumfang des Tonbandes denn nun wirklich ist oder mit welchen Werten die Kompression arbeitet. Auch ist es nicht immer ersichtlich, dass verschiedene Parameter direkt in der Anzeige manipulierbar sind, wie z.B. der Output-Gain des EZ Compressors. Das sind aber eher nebensächliche Dinge, wenn wir einen Blick auf die Preisschilder der Plug-ins werfen. Alle hier aufgeführten Plug-ins kosten gerade mal 70 Euro! Da bleiben die Konkurrenten im Gesamten, die Lawo Collection im Besonderen und auch einige Produkte von Waves oder Flux draußen im Regen stehen. Hier gibt es nichts für sie zu gewinnen, leider auch nicht für Logic und die Pro Tools User. Denn die ToneBoosters gibt es ausschließlich im x86 und x64 VST-Format für Windows ab XP und OS X ab 10.5. Da kann Steven Massey aufatmen, denn seine ebenfalls hervorragenden und preisgünstigen Plug-ins gibt’s nur für Pro Tools. Es besteht also keine Konkurrenz zwischen den beiden. Nebenbei sei noch erwähnt, dass die ToneBoosters mit Novations Automap 3.7 auch problemlos zusammenarbeiten. Im Vergleich zu Brainworx wird die Sache schon schwieriger, denn diese bieten eine Komplexität an Signalbearbeitungen, die mit den Toneboosters schlicht nicht möglich sind. Dazu zielen sie dann doch zu sehr auf gängige Standardaufgaben ab. Zu behaupten, die Plug-ins wären nicht für Standardaufgaben, wäre sowieso aus mehreren Gründen falsch. Zum ersten kommen sie von einem Menschen, der mitgeholfen hat diese Standards zu definieren und zum zweiten sind für Broadcasting die Standards recht hoch gesteckt. Ja, die Toneboosters geben dem Begriff „Standard“ sogar eine erstrebenswerte Konnotation. In diesem Sinne ist an „Standard“ und den ToneBoosters genau so wenig falsch, wie an einem Glas voll kaltem, klarem Wasser.

Plus

  • Broadcasting Transparenz
  • Preis
  • Kopierschutz

Minus

  • manche vertecken Parameter
  • manch eine vermisste Parameterwertanzeige

Preis

  • TB Trackessentials Bundle €25
  • TB Barricade €10
  • TB Isone €20
  • TB Module €5
  • TB EBU Loudness €10
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    J

    Den Barricade benutze ich schon seit Jahren in der Freeware Version, die ja nicht mehr erhältlich ist. Für mich eindeutig eins der spitzen Plugins was wahren Nutzen angeht. Die kostenpflichtige Version ist mit dem Plus an Funktionen natürlich sehr interessant, aber den Nutzen habe ich bis jetzt gescheut, da ich noch mit einm 32 Bit System unterwegs bin, und der Speicherverbrauch im Gegensatz zur Free Version doch unverhältnismäßig „gigantisch“ ist. Deswegen muss ich etwas aufpassen womit ich mein Ram fülle, und die Free Version leistet da noch ganz gute Dienste bei fast 0 Verbrauch.

  2. Profilbild
    TheTick

    Da stellt sich jetzt bei mir die Frage, in wie weit diese Plugins besser sind (oder gleichwertig) als jene, die sich bereits bei z.B. Cubase 5 im Lieferumfang befinden.

    VG TT

  3. Profilbild
    Markus Schroeder  RED

    Da ich nicht mit Cubase arbeite kann ich wenig dazu sagen, aber es gibt ja Demos der Plug-Ins.

    Aber insgesamt hat die Qualität der Werksplug-ins bei DAW ja sehr zugenommen und ist heute meist auf „kommerziellem“ Niveau.
    Realistisch betrachtet braucht man ja gar nicht mehr so viele Plug-Ins. Punktuell aber schon ;)

  4. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Herzlichen Dank, Markus, für die tolle Übersicht. Es ist schon ein Wahnsinn, was hier im Bereich technischer Signalverarbeitung für 70 € geboten wird :-))

  5. Profilbild
    Vati  

    Hallo, ich habe die Toneboosters nun seit 3 Monaten in gebrauch und ………einfach Klasse übrigens unabhängig vom Preis. Um es genauer zu Wissen habe ich denTB-EQ mit den Samplitude EQ 116 und Waves EQ sowie den TB-Barricade mit den Samplitude sMax11 und L2 bzw. L3 von Waves verglichen. Leise, laut sehr laut , kurz : Kein Unterschied. Übrigens egal ob Klassik oder Rock.
    Alles Voodoo bei den hochpreisigen Plugins? Alles bekannte algorithmen die teuer verkauft werden? Ich bleibe bei TB.
    Zum EBU-Loudness: Mir fehlt da eine Standalone-Version, habe mal bei TB nachgefragt eine einen Tag später diese Antwort erhalten:

    Thanks! No such plans for a stand-alone application at the moment,
    unfortunately. Best regards,

    Jeroen

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