Grain Looper mit Suchtpotential
Mit dem Torso Electronics S-4 OS 2 bringt der dänische Hersteller nun endlich das langersehnte Update. Beim ersten Test im November 2024 waren noch hier und da Bugs und einige Funktionen noch gar nicht implementiert, was zu einigem Stirnrunzeln meinerseits führte. Es stand die berechtigte Frage im Raum: Ist das überhaupt ein fertiges Produkt? Und soviel sei schon verraten – nun haben wir es mit einem vollständigen Produkt zu tun.
Kurz & knapp
- Vollständiges Update: Das OS 2 macht den S-4 endlich zu einem ausgereiften Produkt mit funktionierenden Scene- und Performance-Modi.
- Scene-Funktion: Mit Scenes lassen sich komplette Projektzustände speichern, automatisch abspielen und kreativ modulieren – ähnlich wie Clips in Ableton Live.
- Performance-Modus: Makros ermöglichen tiefgreifende Klangveränderungen in Echtzeit – ideal für Live-Einsatz und spontane Klanggestaltung.
- Workflow & Kreativität: Intuitive Bedienung trifft auf inspirierenden Workflow – der S-4 lädt förmlich zum Experimentieren ein.
- Klang & Charakter: Der S-4 bleibt ein charakterstarker Spezialist mit eigenständigem Sound – kein Allrounder, aber mit echtem Suchtpotenzial.
Inhaltsverzeichnis
- Kurz & knapp
- Torso Electronics S-4 OS2
- Was ist der Torso Electronics S-4 OS 2?
- Hardware des Torso Electronics S-4 OS 2
- Torso Electronics S-4 OS 2 – Installation des Firmware Updates
- Neue Funktionen des Torso Electronics S-4 OS 2
- Scenes im Torso Electronics S-4 OS 2
- Performance Funktion des Torso Electronics S-4 OS 2
- Sonstige Änderungen im Torso Electronics S-4 OS 2
Was ist der Torso Electronics S-4 OS 2?
Kurz zusammengefasst ist der Torso Electronics S-4 OS 2 ein 4-Spur-Looper/Sampler mit einer festgelegten Effektkette für jede Spur. Diese besteht aus Granular-Effekt, FFT-Filter, Noise/Distortion und Delay/Reverb.
Hardware des Torso Electronics S-4 OS 2
Anstatt hier noch einmal die Hardware zu präsentieren, möchte ich auf den ersten Testbericht verweisen, denn daran hat sich nichts geändert. Deswegen hier nur kurz ein Überblick über die Anschlüsse.
Torso Electronics S-4 OS 2 – Installation des Firmware Updates
Beginnen wir deswegen mit der Installation des Updates.
Dazu muss der Torso Electronics S-4 OS 2 in den USB MASS STORAGE Mode versetzt werden, wobei ein neues Laufwerk im Datei-Browser erscheint. Sind bereits User-Dateien auf dem S-4, so müssen diese nun zwingend gesichert werden. Denn das Update nimmt Änderungen an der Dateistruktur vor und löscht alle User-Dateien.
Die Firmware des Torso Electronics S-4 OS 2 findet sich auf der Support-Seite von Torso Electronics und ist als Zip-Datei verpackt.
Nach dem Backup muss der S-4 mit einem Factory-Reset zurückgesetzt werden. Dann erst soll die Zip-Datei auf das Laufwerk kopiert werden. Nun kann über den Menüpunkt INSTALL UPDATE das OS 2.0 installiert werden.
Neue Funktionen des Torso Electronics S-4 OS 2
Zwei Taster des Torso Electronics S-4 OS 2, „scene“ und „perform“ hatten zuvor gar keine Funktion, sondern verweisen auf ein späteres Update. Nun sind beide Funktionen vollständig implementiert – und machen den S-4 zu einem vollständigen Produkt. Was aber machen diese Funktionen genau?
Scenes im Torso Electronics S-4 OS 2
Die Scenes sind projektgebunden und stellen einen kompletten Satz aller Einstellungen am Torso Electronics S-4 OS 2 dar. Pro Projekt stehen euch so 128 Scenes zur Verfügung. Über den Haupt-Encoder wird eine Scene ausgewählt, ein Klick startet diese. Scenes können über den „copy“-Taster kopiert und mit „ctri“ + „copy“ auf andere Plätze übertragen werden.
Was ist eine Scene genau? Eine Scene sind alle Parameter und Samples jeder Sektion des Torso Electronics S-4 OS 2, mit Ausnahme der Mix-Sektion. Es könnten in einer Scene z. B. das Filter-Cutoff von Track 1 oder Einstellungen zum Grain-Effekt verändert werden. In einer anderen Scene könnten die Effekte gleichbleiben, aber das Sample wechselt.
Beim quantisierten Aufrufen der Scenes werden dann die Einstellungen übernommen. Leider können die Scenes nicht benannt werden, obwohl doch genug Platz gewesen wäre. Was auch eine tolle Option wäre, wenn die Parameter bei einem Scene-Wechsel überblendet würden. Es kann allerdings für jeden Track eingestellt werden, ob bei einem Scene-Wechsel die Parameter, die Samples oder beides unverändert bleiben sollen.
Die Scene-Seite selber besitzt weitere Einstellungen. Diese dienen dem automatischen Abrufen der Scenes in einer Kette. Dabei handelt es sich um
- CHANCE,
- RULE,
- QUANTIZE.
Diese bestimmen den Ablauf der CHAIN-Funktion. Und jede dieser Einstellungen kann über das Set von vier Modulatoren moduliert werden. Jede Scene kann verkettet werden, so dass diese nach der eingestellten Quantize-Zeit selbständig wechselt. Wenn ihr hier Ähnlichkeit zu den Clips in Ableton Live seht, habt ihr Recht. RULE bestimmt dabei wie die nächste Scene ausgesucht wird. Zur Verfügung stehen
- NEXT,
- PREV,
- WALK,
- RANDOM.
Bis auf WALK sind alle selbsterklärend. Diese Option funktioniert wie eine lokale Random-Funktion. Es wird immer entweder die nächste oder vorige Scene ausgewählt.
CHANCE ist einfach die Wahrscheinlichkeit, mit der überhaupt eine nächste Scene angesprungen wird. Im Klangbeispiel habe ich fünf Scenes verkettet und mit der RANDOM-Auswahl und einer Sprungwahrscheinlichkeit von 50 % versehen.
Ändert ihr Einstellungen an einer aktiven Scene, so werden diese sofort gespeichert. Um das zu verhindern, kann die LOCK-Funktion angewendet werden. Damit sind beliebige Scenes vor dauerhafter Veränderung geschützt. Die Parameter sind zwar weiter zugänglich, beim manuellen Starten der Scene oder einem automatische Aufruf über die CHAIN-Funktion werden die Änderungen aber zurückgenommen.
Das ist sehr wichtig, wenn ihr Live agiert, da man sich dabei leicht verzetteln kann und die Einstellungen so verändert, dass die ursprünglichen Scene-Einstellungen nicht mehr gefunden werden können.
Performance Funktion des Torso Electronics S-4 OS 2
Agieren die Scenes also wie ein Schnappschuss aller Einstellungen, so ist die Performance-Funktion des Torso Electronics S-4 OS 2 für den Echtzeiteingriff konzipiert.
Auf der Performance-Seite finden sich acht Macros (1-8), die von den acht Encodern gesteuert werden und vier (9-12), die über die Taster unterhalb des Bildschirms ausgelöst werden.
Die Encoder verstellen die Macros graduell, die Taster kennen nur die Zustände aktiviert und deaktiviert. Alle Makros wirken immer auf das ganze Projekt – es können also keine Zuweisungen für jede einzelne Scene vorgenommen werden.
Alle Macro-Zuweisungen sind relativ zu den Grundeinstellungen auf den jeweiligen Seiten. Einem Macro können beliebige viele Ziele zugeordnet werden, mehrere Macros können auch ein und dasselbe Ziel haben, wobei sich deren Anteile addieren bzw. subtrahieren.
Die Zuweisung ist denkbar einfach und ist mit der Zuweisung der Modulatoren identisch. Befinde ich mich z. B. auf der Filter-Seite, drücke und halte ich den „perform“-Taster. Die Ansicht aller Parameter auf der Reihe ändert sich farblich und nun kann ich mit den acht Encodern den Anteil des Macros einstellen.
Torso Electronics hat dabei eine clevere Reihenfolge etabliert. Lasse ich den „perform“-Taster los, gelange ich wieder in den Macro-Bildschirm. Hier kann ich dann meine Zuweisung testen. Drücke ich erneut den Taster, kann ich wieder die Anteile einstellen. Lasse ich nun los, so wird mir der eigentliche Filter-Bildschirm angezeigt, damit ich Änderungen an der Grundeinstellung machen kann. Und so geht es fröhlich reihum. In der Praxis ist das äußerst komfortabel.
Um eines der Macros des Torso Electronics S-4 OS 2 für die Zuweisung auszuwählen, ist ein wenig Fingerakrobatik angesagt – Aerobic Level. Um ein Encoder-Macro zu selektieren, drücke und halte ich „ctrl“ und „perform“ – ein Klick auf einen der Encoder 1-8 selektiert dann das entsprechende Makro 1-8. Gleiches gilt für die Taster. Eine Popup-Anzeige reflektiert die Einstellung und bei der Zuweisung wird dann der ausgewählte Encoder bzw. Taster oben links angezeigt.
Mit dieser Macro-Funktion lässt sich nun der Klang einer Scene im wortwörtlichen Handumdrehen komplett verändern. Und da ist noch nicht Schluss, alle Encoder-Macros sind auch steuerbar mit Modulatoren, von denen es einen extra Satz für die Performance-Macros gibt. Da auch die vier Modulatoren alle Macros ansprechen können und deren Wirkung sich addiert oder subtrahiert, dämmert es langsam, was alles damit möglich ist.
Sonstige Änderungen im Torso Electronics S-4 OS 2
Das Update des Torso Electronics S-4 OS 2 bietet zusätzlich viele kleine und gute Verbesserungen. So sind z. B. die Aufnahmen mit dem internen Mikrofon nun von besserer Qualität.
Eine wichtige Änderung für eine Performance dürfte aber der neue Sample-Typ („Material“ im S-4 Sprech) DISC sein. Damit können beliebig lange Samples direkt vom internen 4 GB Speicher gestreamt werden.
Ebenso wichtig für einen Live-Auftritt ist die TEMP-Funktion. Wird ein Parameter verstellt, während ich den „temp“-Taster halte, so kehrt dieser nach dem Loslassen des Tasters wieder auf den ursprünglichen Wert zurück. Das ist toll für Übergänge oder kleine Einwürfe und funktioniert übrigens auch mit den Macro-Reglern.
Die Mutes in der Mix-Ansicht sind nun über den „ctrl“-Taster zu erreichen, stattdessen befindet sich jetzt eine Track-Launch-Funktion an deren Stelle auf der Hauptansicht. Damit kann jeder Track einzeln gestoppt und gestartet werden. Das findet quantisiert statt, damit der Einsatz stets musikalisch ist. Außerdem bleiben alle nachfolgenden Effekte aktiv, so dass eine Deaktivierung des Tracks eben nicht die Reverb- oder Delay-Fahne abschneidet.
Es gibt einen neuen Modulator, den Hüllkurvenfolger. Dieser folgt dem Audiosignal und leitet davon eine Hüllkurve ab, die frei zuweisbar ist.
Im ersten Test sprach ich auch einige Probleme an, diese wurden inzwischen behoben. So kann die Modulation eines Parameters nun direkt unter dem jeweiligen Balken abgelesen werden. Im Filter wird Pitch nun auch korrekt von MIDI-CC eingestellt. Das Problem mit dem Bassverlust bei hoher Resonanz kann (und konnte) mit dem Tone-Parameter ausgeglichen werden.














































Danke für den Test.
Wäre gut gewesen den ersten Test mal hier zu verlinken, so muss man umständlich die Suchfunktion bemühen.
Wie sieht es denn nun mit Hardware Problemen aus? Man hört ja so einiges, mal gut mal schlecht?!
Und ist das Teil nun wirklich „fertig“ oder nur komplettiert aber trotzdem voller Kinderkrankheiten und Bugs?
Die Idee ist ja gut, tolles Konzept, schickes Gerät, und eigentlich gute Firma. Nur, das ist wohl doch wieder ein Beispiel des immer häufiger werdenden Trends, völlig unfertige Produkte auf den Markt zu bringen wo dann alle warten (und hoffen), dass es wirklich mal fertig und fehlerfrei ist. 1010 Music ist da wohl Vorreiter (neuestes Bsp Bento), Polyend hat sich da auch nicht mit Ruhm bekleckert in letzter Zeit.
Wie ist, ganz ehrlich, der Stand nun bei diesem Gerät hier?
Gerät ist fertig, hat aber noch kleine Bugs (aber keine showstopper mehr).
gibt wohl fehleranfällige Geräte, die müsste man austauschen, aber meins macht keinen Stress, obwohl es aus der ersten Finanzierungsrunde kommt.
@martin stimming Hey! Dank Dir für die Antwort!