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Test: Townsend Labs Sphere L22, Microphone Modeling System

Das Sphere Core Plug-in ist sehr übersichtlich abzulesen.

Das Sphere Plug-in

Links sehen wir das zu modellierende Mikrofon, ein Klick auf die Namensbezeichnung öffnet die Liste der verfügbaren Modelle.

Der Pattern-Regler bietet 9 Charakteristiken, von Acht über diverse Nieren bis zur Kugel. Diese Charakteristiken werden für jedes Modell angeboten, unabhängig davon, ob es im Original verfügbar ist. Der nächste Button bietet eine dreistufige Filtereinheit. Diese kann je nach Mikro anders belegt sein, es gibt auch Kombinationen von Low-Cut-Filter mit PAD.

Der nächste Drehregler ist mit Axis beschriftet. Hier lässt sich die Aufnahmerichtung beeinflussen. Man kann also direkt ins Mikro singen und simulieren, man hätte seitlich gestanden. So lassen sich interessante Soundnuancen problemlos ausprobieren. Mit dem letzten Eintrag Proximity ist es möglich, den Nahbesprecheffekt zu beeinflussen. Das funktioniert als Abschwächung wie auch als Verstärkung.

Rechts wird die Richtcharakteristik schön optisch dargestellt, bei anliegendem Signal wird im Polar-Meter hier in orange die Einsprechcharakteristik angezeigt. Darunter finden wir das Output-Poti, einen Phasendreher und mit Reverse werden die beiden Membrane vertauscht.

Weiter geht es unten mit dem Input-Meter. Das zeigt den Pegel beider Membranen an, die Einsprechmembran ist also lauter. Das lässt sich im Setup ausgleichen.

Das sind nun schon reichhaltige Möglichkeiten, den Klang anzupassen, deutlich komplexer wird es im Dual-Mode. Hier sind nun zwei Mikrofone vorhanden, auch die bisher aufgezählten Bearbeitungen sind pro Mikro vorhanden. Dazu addieren sich ein Mixregler für die Gewichtung der Mikrofone und ein Align-Poti, das den Abstand der beiden Mikrofone zur Schallquelle einstellt.

Jetzt mit zwei Mikrofonen

Gemeinsam lässt sich nun die Off-Axis-Correction für die beiden Mikrofone zuschalten. Hier wird übergeordnet ein weiterer Pattern-Regler geboten. Damit lassen sich die direkt in den Mikromodellen eingestellten Patterns quasi überschreiben. Für was soll das gut sein? Nun, ich kann mir ein Mikrofon als Kugel auswählen, weil mir der Klang so am besten gefällt, möchte aber, dass dieser Sound nun als Hyperniere genutzt wird, um störende Klangquellen auszublenden. Mit On Distance, Off Distance und Mode wird der Wunschklang entsprechend angepasst.

Der Proximity-Effect wird im Dual-Mode durch einen weiteren Klangbeeinflusser ergänzt. Mit Prox-EQ ist eine Anpassung der tiefen Frequenzen möglich, die entgegen dem Proximity-Regler auch in der Kugelcharakteristik anwendbar ist.

Für Stereoaufnahmen wurde das Sphere 180 Plug-in entwickelt.

Das Sphere 180 Plug-in für Stereoaufnahmen

Es entspricht weitgehend der Dual-Version des Sphere, Mix und Align werden hier aber durch Pan und Width ersetzt. Grundsätzlich sollte bei der Stereo-Arbeitsweise der Link-Button gedrückt sein, so dass zwei identische Mikrofone zur Verfügung stehen. Der Hersteller erlaubt aber auch völlig unterschiedliche Einstellungen.

Kalibrierung des Townsend Labs Sphere L22

Die Level-Calibration dient eigentlich zum Angleichen der beiden Kanäle, falls die Preamps nicht exakt genug eingestellt werden können. Dazu wird der Calibration-Switch am Mikrofon aktiviert, die 4 LEDs im Mikro fangen an zu blinken. Nun geben beide Wege dasselbe Signal aus und können mit dem Rear-Trim-Poti oder mit den Auto-Button angepasst werden.

In UAD Console lässt sich mit Calibration und Auto die Abhöre des benutzen Stereokanals in Mono wandeln, so hat man nicht mehr die Front-Membran auf dem linken Ohr und die Rear auf dem rechten. Aufgezeichnet wird natürlich immer noch getrennt und mit den entsprechenden Pegeln.

Soundcheck mit dem Townsend Labs Sphere L22

Nach soviel Theorie freue ich mich nun auf die praktische Anwendung. Beim Aufbau finde ich zwei kleine Kritikpunkte am Zubehör.

Nr.1: Bei einem Gerät der 1.500,- Euro Klasse gehören keine billigen No-Name XLR-Stecker ans Kabel, hier sollten ordentliche Neutriks verbaut sein. Die Billigstecker haben nämlich die Unart, sich schon bei der geringsten Verformung in verriegelbaren Buchsen dauerhaft zu verankern.

Bitte andere Stecker

Mein zweiter Verbesserungsvorschlag betrifft die Mikrofonspinne des Townsend Labs Sphere L22. Diese ist zwar solide und entkoppelt auch gut, die Feststellschraube ist aber mit dem schweren Mikrofon fast schon überfordert und man muss sie ziemlich zuknallen. Hier wäre eine Lösung mit sich verzahnenden Gegenflächen sicher besser.

Aber das sind Kleinigkeiten, los geht es mit den Soundproben.

Zum Einarbeiten ist sicher die 1-Mikrofon Lösung am besten. Mit Sphere Linear mache ich mich mit dem Grundklang des Mikrofons vertraut.

Eine echte Offenbarung ist das noch nicht. Die Kapsel klingt neutral mit etwas zu plakativen Höhen. Auffällig ist die extreme Rauscharmut. Trotzdem würde ich das Sphere L22 ohne Software so in der 400,- Euro Klasse verorten.

Schön lassen sich die Klang verändernden Parameter ausprobieren, das klingt alles sehr echt, nicht irgendwie künstlich verbogen. Toll ist auch das schnell reagierende Polar-Meter, das eine gute visuelle Kontrolle von Einsprechrichtung und Pegel gibt.

Für die Soundfiles habe ich mich bei den Demo-Sachen von Townsend Labs bedient. Da die Klangveränderungen bei den Gitarrenspuren deutlicher auszumachen sind, habe ich auf die Vocal-Files verzichtet.

Zuerst das Sphere Linear Modell mit Wechsel der Richtcharakteristik von Kugel auf Acht zu Niere.

Nun wird das Low-Cut-Filter von Out auf 200 Hz gestellt, noch mal neutral, dann wieder 200 Hz.

Jetzt wird die Axis von 0° auf 180° gepannt und zurück.

Der gute Eindruck setzt sich auch beim Durchklicken der angebotenen Simulationen fort. Im abgebildeten Mikrofonfeld findet sich übrigens ein Info-Button, der für jedes Modell interessante Informationen bereithält.

Einige Mikrofone probieren wir hier durch, vom Sphere Linear zum Röhrenmikro SD-251, weiter zum Bändchen RB-4038 und über das dynamische DN-57 zum Großmembraner LD-414 Brass.

Ob die Emulationen nun wirklich 1:1 den Originalen entsprechen, ist schwer zu sagen. Als Vergleichsmikro habe ich nur mein AKG C414 B-ULS da, das klingt deutlich anders als die angebotenen vier 414 Varianten. Aber schlecht klingt das alles nicht, die Grundcharakteristiken sind ganz gut getroffen, wenn es auch den Röhrenmodellen etwas an Wärme fehlt.

Nicht leicht haben es auch die Modelle, die nicht der Vorgabe Großmembra- Mikrofon entsprechen, Klar, hier gibt es einfach viel mehr zu modellieren, um aus einer Großmembran-Kapsel den Sound beispielsweise eines Bändchenmikrofons zu emulieren.

So sehe ich den größten Benefit in der freien Soundformung. Ein U 47 als Kugelmikrofon? Kein Problem. Ein SM 57 als Acht? Wieso nicht.

Klangbeispiele
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