Test: Trace Elliot ELF, Verstärker für Bass

23. Januar 2018

Grüner Giftzwerg?

Trace Elliot ELF title

„The most portable, gig-worthy amplifier ever made.“ So prangt es auf der Produktseite des Herstellers zum Trace Elliot ELF. Da nimmt man sich angesichts der riesigen Konkurrenz im Markt der ultrakompakten Class-D Bassverstärker den Mund ganz schön voll. Vielleicht muss man das aber angesichts eben jener Konkurrenz auch, um aufzufallen.

Also ein kleiner Class-D Amp der englischen Schmiede, die eher für klassische, leistungsstarke Röhren- und Transistortopteile bekannt ist. Ich leite meine Artikel ja gerne mit einer Anekdote ein, im Falle Trace Elliot fällt die aber eher unspektakulär aus. Auf einem meiner ersten Rockgigs am Bass hatte ich noch keinen eigenen Amp – der Harley Benton Combo mit 200 W für 200,- Euro blieb wohlweislich daheim. Der Bassist einer der anderen Bands war so gut, mir sein Trace Topteil zu leihen, mit dem lapidaren Hinweis „klingt eher nasal, ist halt ein Trace“. Nun gut, es war mitten in der Nacht, ich war stark angetrunken, wir spielten Doom-Metal und mir war’s egal. Dem Amp auch, der machte adäquat Lärm und fertig war die Kiste. Allerdings erfreut sich die Firma Trace Elliot seit Jahrzehnten einer großen Fangemeinde vor allem im Metalbereich und auch wenn ich danach nie wieder einen spielte, fielen mir die markant grün beleuchteten Geräte immer mal wieder auf den Bühnen dieser Welt auf und durchaus auch einige Bassisten, die damit großartig klangen.

Jetzt will Trace Elliot nach Jahren ohne Neuvorstellungen und diversen Umstrukturierungen also mit dem ELF auch im Class-D Bereich punkten – spät, aber zu einem Zeitpunkt, an dem sich der Kram langsam (zu Recht) auch bei der Heavygemeinde durchsetzt. Man präsentiert hier zum recht günstigen Kurs von 299,- Euro ein Miniaturtopteil mit doch beachtlichen 200 Watt Leistung, dem wir im Folgenden auf den Zahn fühlen werden.

Trace Elliot ELF top

— Trace Elliot ELF —

Trace Elliot ELF – Facts & Features

Der Trace Elliot ELF wird, wie inzwischen alles von Trace Elliot, im schaumstoffgepolsterten Pappcase ausgeliefert samt Nylontragetasche und zwei Kaltgerätekabeln mit deutschem und englischem Stecker. O.k, das Zeug ist da, aber wo zur Hölle ist der Amp? Ach ja, da an der Seite unter noch etwas Schaumstoff versteckt. Okay, dem Werbespruch „The ELF takes the lightweight/small size paradigm to a next level“ wird er auf jeden Fall gerecht. Das Ding ist geradezu mikroskopisch klein, mit Abmessungen von 3,4 x 17,1 x 10,4 cm und einem Gewicht von nur 730 g. Auf der Produktseite ist der Trace Elliot ELF auch direkt als Erstes in der Gesäßtasche einer Dame mit recht ansehnlichem Hinterteil abgebildet. Ob das unbedingt sein muss, weiß ich nicht, aber in der Tat passt das Ding auch in die hintere Tasche meiner Jeans! Foto erspare ich dem Leser aber besser.

Featuretechnisch ist der grüne Zwerg zunächst recht spartanisch – Gain, Dreiband-EQ, Volume, Input, Output, Kopfhörer-Out, DI-Out mit Ground-Lift, fertig. Den Werbespruch, dass der EQ die Response klassischer Trace Multiband-Equalizer emuliere, kann man getrost ignorieren. Am Ende heißt das nichts weiter, als dass man den Trace Elliot ELF so programmiert hat, dass er ungefähr wie ein normaler Trace Amp klingt, aber das war zu erwarten, alles andere wäre auch doof.

Trace Elliot ELF set

— Lieferumfang mit praktischem Gigbag —

Der Teufel liegt hingegen im Detail. Tatsächlich enthält der Trace Elliot ELF auch noch einen Kompressor, der aber nicht separat aktiviert werden kann. Vielmehr liegt neben dem Gain-Regler eine kleine LED, die bei den meisten Amps Clipping anzeigt. Nicht so beim ELF, der fängt, sollte es clippen, automatisch an zu komprimieren, mit steigendem Kompressionsgrad, je weiter man den Gain aufreißt. Erst bei Vollausschlag des Gains soll der Amp anfangen „musikalisch brauchbar“ zu verzerren. Das klingt interessant und wird im Klangtest definitiv mal ausprobiert. Innovative Lösung jedenfalls, die aber wahrscheinlich vor allem dazu dient, mehr gefühlte Lautstärke bereitzustellen.

Was Lautstärke und Leistung angeht, es wurde in den Fachforen bereits ausführlich darüber diskutiert – der Trace Elliot ELF zieht laut Beschriftung 30 Watt aus der Steckdose, soll aber „200 W Continuous“ liefern. Wenn Trace Elliot nicht aus Versehen das Perpetuum mobile erfunden haben sollte, kann eins von beiden nicht stimmen. Ein Blick in die Bedienungsanleitung verschafft Klarheit: Der ELF zieht bis zu 230 Watt, die 30 Watt sind die durchschnittliche Leistung. Das als Leistungsangabe hinten drauf zu schreiben, widerspricht guter Fachpraxis und ist auch sonst fragwürdig – allerdings sind weder 30 noch 230 Watt eine Leistung, mit der irgendein Anschluss Probleme haben sollte (Hausanschlüsse sind in der Regel auf 3700 Watt pro Phase dimensioniert).Trace Elliot ELF panel

Trace Elliot ELF back

— Vordere und rückwärtige Bedien- und Anschlussfelder —

Haptisch macht das Gerät einen guten Eindruck, dicke, satt laufende Regler aus Metall, Case aus Metall, sauber verarbeitet und ansprechend gestaltet. Der Baugröße geschuldet erfordern die Regler etwas Fingerspitzengefühl, da sie sehr nah beisammensitzen, außerdem sind alle Regler und Schalter ungeschützt und somit potenziell abbruchgefährdet angebracht. Das Problem haben aber erstens auch größere Verstärker und außerdem ist das bei einem so kleinen Gerät kaum anders realisierbar.

Zwischenfazit

Zu kleinen Class-D Topteilen muss eigentlich nichts mehr gesagt werden, aber Trace Elliot hat hier den Verkleinerungswahn tatsächlich auf die Spitze getrieben. Dadurch ergeben sich einige Einschränkungen, wie die relativ spartanische Ausstattung und die fummelige Bedienbarkeit, dafür wirkt der Trace Elliot ELF solide und gut verarbeitet.

Praxistest mit dem Trace Elliot ELF

In der Praxis stellt sich zunächst die Frage, was so ein Miniaturamp eigentlich soll, wenn man am Ende doch einen Stack Boxen mitschleppen muss, um die Luft zu bewegen. Trace Elliot bietet passende Boxen dazu an, die auch als Bundle angeboten werden. Mit einem 2x 8″ Cabinet koste der ELF 798,- Euro, etwas günstiger zu haben ist die Kombination mit einer kleinen 1x 10″ für 579,- Euro. Beide Cabinets sind passend klein und leicht, wurden allerdings nicht zum Test mitgeliefert. Also wird der Trace Elliot ELF über meinen Ampeg Fullstack (4x 10 + 1 x15) getestet, das kann ja was geben.

Klangbeispiele
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