Test: Traveler Guitar Pro Series, E-Gitarre

3. Februar 2019

Die Elegante für unterwegs

Traveler Guitar Pro Series

Traveler Guitar Pro Series

Transportable Reise-Gitarren sind in der heutigen Zeit gerne gesehen. Wer viel auf Reisen ist, will selbstredend nicht ständig seinen Gitarrenkoffer in der Gepäckabgabe einchecken und immer ein Auge drauf haben müssen. Wer mal zu Zweit Urlaub geplant hat und weiß, dass man mit vier Armen und zwei Rücken nur bedingt viel transportieren kann, kennt das eben, wenn die Gitarre schweren Herzens dann eben daheim gelassen wird und man sich vier Wochen später ohne Übung wieder dransetzt. Hach ja – die Gitarreros dieser Welt haben’s einfach nicht leicht. Vernünftig Licks üben an der Ukulele ist eben leichter gesagt als getan. Und mal ehrlich – wer traut diesen kleinen Zupfinstrumenten über den Weg, bei denen so ein kleiner Korpus eben auch kaum Sustain oder nennenswerte Tiefe im Klang erzeugen kann? Gott sei Dank gibt es Firmen wie Traveler Guitar, die mit solchen Mythen aufräumen wollen – keine einfache Aufgabe. Die vorliegende Pro-Series soll so etwas wie die totale Referenz darstellen, an der sich die restlichen Reise-Gitarren zu messen haben. Ob das gute Stück diesem enormen Anspruch gerecht wird, wollen wir nun in unserem Review herausbekommen.

Traveler Guitar Pro Series – Facts & Features

Die Traveler Guitar Pro-Series kommt mit einem robusten Stoff-Bag daher. Und wer das gute Stück dann herauszieht, staunt erstmal nicht schlecht. Unser Exemplar kommt im Antique-Brown-Finish daher und weist somit ein tiefes, erdiges Braun auf. Die gewöhnungsbedürftige Optik gefällt auf dem zweiten Blick – die Form ist elegant, die Verarbeitung hochwertig. Korpus und Hals ergeben hier eine schnittige Einheit aus Ahorn. Das Holz besticht durch seinen mattes Finish und ist frei von Lack. Auffällig sofort: Nicht mal 2 kg bringt die Pro-Series auf die Waage.

Die Sattelbreite von 44 mm ist clever gewählt – so unterscheidet sich das Feeling erst mal nicht sonderlich von dem bei regulären Gitarren. Und auch mit einer Mensur auf von 628 mm kommt hier kein allzu befremdliches Spielgefühl auf. Was in Sachen Platz hier eingespart wurde, wurde auf die denkbar effizienteste Weise umgesetzt – durch das Wegnehmen der Kopfplatte. Die Integration der Stimm-Mechaniken in dem Korpus könnte ganz schön seltsam anmuten, doch Traveler Guitar hat es durch elegante Farbwahl und ästhetischer Abstimmung im Schnitt geschafft, das Ganze richtig cool aussehen zu lassen. Aber zu den Stimm-Mechaniken später mehr.

Eine Reise-Gitarre mit totaler Bundreinheit? So was gibt’s? In der Tat und nicht nur in der Hinsicht macht die Traveler Guitar Pro-Series alles richtig. Das samtige Griffbrett aus Schwarznuss und die perfekt gelegte Stegplatte tun ihr Übriges, damit ein absolut hochwertiges Spielgefühl aufkommt. Die Stimmstabilität dürfte unter anderem von dem gefrästen Aluminium-Balken herrühren, in dem die Saiten eingelassen sind und der auch wie bei anderen Modellen von Traveler Guitars problemlos nachjustiert werden kann.

Kommen wir nun kurz zu den Stimm-Mechaniken: Der unkonventionelle Ansatz hat System. Um auch ohne Kopfplatte echte Stimmstabilität zu ermöglichen, wurden die Saiten geradewegs in die Aluminium-Platte integriert. Was jetzt die Krux des Ganzen ist und durchaus über die Stimmqualität und -stabilität entscheidet, ist die Rolle am Ende des Korpus, welche die Saiten einmal herumführt und hinterrücks an die verchromten Stimm-Mechaniken befestigt. Aus reinem Interesse habe ich ein paar der Saiten entfernt und wieder befestigt, nur um zu sehen, ob der Aufwand eventuell ein nervtötendes Detail beinhaltet, das nur auf dem zweiten Blick auffällt. Ich wurde nicht fündig: Das Wechseln und Stimmen verläuft schnell, einfach und reibungslos und ist im Zeitaufwand kaum von klassischen Gitarren zu unterscheiden. Erfreulich, aber nicht unerwartet also – das Stimmsystem ist bereits bekannt von anderen Modellen von Traveler Guitars.

Traveler Guitar Pro Series – Tonabnehmer und Stethoskop

Die Traveler Guitar Pro Series kommt mit zwei Pickups daher: Einem Singlecoil mit einem Alcino-Magnet sowie dem akustischen Piezo-Bridge-Pickup. Ein kurzes Wort zu letzterem: Das Prinzip, das Schwingungen von einem magnetischen Feld in elektrische Signale übersetzt werden, greift hier nicht. Stattdessen ist der Pickup hier in der Bridge selbst integriert und hat eine einfache Aufgabe: Die Vibration der Saiten und des Instruments als solche zu registrieren. Deshalb kommen sie vor allem bei akustischen Gitarren zum Einsatz – der Druck, den die Schwingungen erzeugen, wird hierbei in elektrische Signale übersetzt – eine Technik, die noch älter ist als magnetische Pickups. Ein klarer, sehr heller Klang ist charakteristisch für das Piezo-Prinzip, einer der Gründe, weshalb man sie in letzter Zeit auch verstärkt bei vielen E-Gitarren als zusätzlichen Pickup unter der Bridge antrifft.

Ansonsten hat man es hier noch mit einem robusten Alcino-Singlecoil zu tun sowie einem 3-Wege – Wahlschalter. Außerdem wird die Pro-Series mit einem dazugehörigen Stethoskop beliefert – ein feines Beiwerk, das die Resonanz des Körpers nutzt und es ermöglicht, auch unterwegs zum Üben zu kommen – ohne Amp, ohne Interface, einfach so. Ein Volume- und ein Blend-Regler runden das Ganze ab.

Kommen wir nun zu einer weiteren Eigenheit des Korpus – das gute Teil kann auseinandergeschraubt werden. Ganz recht – und Traveler Guitar hat sich auch hier was dabei gedacht. Um den Transport möglichst einfach zu halten, wurde die Stelle des Korpus, die normalerweise für Blend-, Tone- und Volume-Regler sowie Wahlschalter reserviert ist, auf ein separates Stück Ahorn montiert, das per Kabel mit der Elektrik der Traveler Guitar Pro-Series befestigt ist. Für den Fall, dass man eine Minute hat und nun ein bisschen in die Saiten schlagen will, kann man das Boomerang-förmige Stück an der Unterseite des Korpus befestigen. Für Reisezwecke und bevor man die Traveler Pro-Series wieder in den Gigbag packt, wird das Stück auf der Kopfseite wieder befestigt. Das ist nicht optimal, löst aber sämtliche ergonomische Probleme hinsichtlich Platz und Transport. Befestigt werden kann das Stück an beiden Stellen mit einer goldenen Edelstahlschraube.

Schön und gut also – hier wurde viel mitgedacht, was das Design und Aufmachung angeht. Natürlich steht jetzt im Raum, was der Sound so hergibt. Der Verdacht, dass bei einem so kleinen Korpus nicht viel bei rumkommt, will sich irgendwie nicht einstellen – es bleibt die Hoffnung, dass Traveler Guitars bei dem Preis auch am Sound ein paar Überraschungen parat haben.

Traveler Guitar Pro Series – in der Praxis

Um den cleanen Sound gut und möglichst repräsentativ abzubilden, verwenden wir den Direct-In einer Focusrite Scarlet. Für den verzerrten Sound kommt ein Shure Mikrofon zum Einsatz. Gleich zu Beginn ein Manko – der dünne Hals und die gewohnte Mensur sorgen zwar für ein gutes Spielgefühl, aber umhängen kann das gute Stück nicht. Macht nichts – hier geht’s vor allem um den Sound. Und das abnehmbare Boomerang-Stück ist gerade so gebogen, dass es sich perfekt auf den Oberschenkel auflegen lässt.

Beginnen wir mit dem cleanen Sound der Traveler Guitar Pro Series. Der Piezo-Pickup erzeugt einen organischen Klang, der eine gewisse Dünne offenbart, wenn man hart in die Saiten haut. Mit dem Stethoskop kommt ein ähnliches Klanggefühl zustande – zwar erfreulich viel Dynamik, kein nennenswertes Schnarren, aber auch nicht ausgewogen. Ein heller, dünner Klang ist für die Piezo-Pickups jedoch bezeichnend – ziehen wir also weiter zum Singlecoil.

Da ist das Klangbild schon ein anderes: Wärmer und voller. Der Klang ist dumpfer als erhofft, aber besser als beim Großteil der Konkurrenz. Im unmittelbaren Vergleich kann man den Sound des Singlecoils mit einem Fender Alnico II vergleichen, wobei dieser noch ein wenig heller ist.

Legt man den Wahlschalter in die Mitte und aktiviert sowohl Singlecoil- als auch Piezo-Pickup, ergibt der Sound einen gewöhnungsbedürftigen Hybriden. Aber dynamisch ist der Klang allemal, erfreulich und sauber in jeglicher Intonation. Schnarren sucht man auch vergeblich – erfreulich!

Kommen wir zum verzerrten Sound. Hier kommt auch wieder ein Shure zum Einsatz, da Zerrsounds aus einer DAW dazu tendieren, den Eigensound der Gitarre zu sehr zu verfremden. Diesmal lassen wir den Piezo-Pickup alleine weg und gehen direkt zum Singlecoil. Sofort wird deutlich: Das Sustain ist erwartungsgemäß schwach, aber bei Weitem nicht so dünn, wie man es bei so einem Korpus erwarten könnte. Der Attack passt auch und das Nachschwingen vollzieht sich ohne ein nerviges Schnarren. Insgesamt also eine erfreuliche Überraschung. Im zweiten Beispiel schalten wir den Piezo-Pickup dazu und fahren sogleich das volle Brett auf. Man hätte es nicht erwartet, aber der Sound, der hier zustande kommt, ist in Sachen Reise-Gitarren (in der Preiskategorie) außer Konkurrenz. Erwartungsgemäß wenig Sustain, dafür aber mit ordentlich „Schmackes“.

Fazit

Travel Guitar dürfte auf dem Markt der Reise-Gitarren wohl inzwischen ohne Konkurrenz dastehen. Auch die vorhergehenden Produkte wie der Speedster konnten überzeugen – Design und Klang stehen hier in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander. Schick, aber nicht nur für die Augen gedacht – die Pro-Series kommt mit einem Klang daher, der in dem Format den Preis rechtfertigt. Insofern – Daumen hoch!

Plus

  • schickes, kluges Design
  • exzellente Holzverarbeitung, guter akustischer Sound ohne Schnarren
  • Stethoskop und Gigbag im Preis inbegriffen

Minus

  • keine Buttons für Gürtel
  • wenig Sustain

Preis

  • Ladenpreis: 469,- Euro
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