Sechsmal Zerren mit einer Box
Das Tsakalis AudioWorks Six macht bereits beim ersten Check klar, dass er mehr sein will, als nur ein weiteres Verzerrerpedal.
- Was ist es? Ein analoges Boutique-Zerrpedal aus Griechenland mit sechs Gain-Modi, Cap-Less-Technologie und flexibler Klangregelung.
- Vielseitige Gain-Modi: Sechs analoge Betriebsarten von Boost bis High-Gain bieten eine enorme klangliche Bandbreite.
- Cap-Less-Technologie: Die Schaltung ohne Koppelkondensatoren sorgt für ein offenes, natürliches Spielgefühl ohne Klangverluste.
- Flexibler Klang: Mood- und High-Regler ermöglichen musikalisch fein dosierbare Anpassungen an verschiedenste Setups.
- 9/18-V-Schalter: Umschaltbare Betriebsspannung verändert spürbar Dynamik, Headroom und Klangcharakter.
- Hochwertige Verarbeitung: Boutique-Qualität mit präzisem Gehäuse, zuverlässigem Schalter und cleverem Design.
Inhaltsverzeichnis
Tsakalis AudioWorks Six Verzerrerpedal
In Zeiten, in denen der Markt für Verzerrerpedale beinahe wöchentlich mit neuen Modellen geflutet wird, gelingt es nur wenigen Herstellern, sich mit innovativen Konzepten dauerhaft zu etablieren. Einer davon ist Tsakalis AudioWorks aus Griechenland – eine kleine, aber hochspezialisierte Boutique-Schmiede mit Sitz in Athen. Seit 2004 entwickelt der Gründer und Namensgeber Leonidas Tsakalis mit einem kleinen Team von Technikern handgefertigte Effektgeräte für Gitarristen und Bassisten, die Wert auf Klangqualität, durchdachte Features und Verarbeitungsqualität legen.
Dabei verfolgt Tsakalis konsequent eine Philosophie der analogen Signalführung, kombiniert mit cleveren Schaltungsdesigns, die sowohl traditionelle Klangästhetik als auch moderne Flexibilität ermöglichen. Ein Paradebeispiel für diesen Ansatz ist das Tsakalis AudioWorks Six Boost/Overdrive/Distortion – ein kompaktes Pedal mit sechs vollständig analogen Gain-Modi, die von subtiler Anhebung bis hin zur dichten High-Gain-Verzerrung reichen. Statt separater Kanäle oder einer digital modellierten Signalführung setzt Tsakalis hier auf eine echte Analoglösung mit „Cap-Less“-Technologie, die auf Koppelkondensatoren verzichtet und dadurch ein besonders offenes, unkomprimiertes Spielgefühl bewahren soll.
Der Name „Six“ bezieht sich dabei auf die sechs Betriebsarten: Zwei Boosts, zwei Overdrives, zwei Distortion-Varianten, ergänzt durch einen schaltbaren 9/18V-Modus, der das Headroom- und Dynamikverhalten spürbar verändert.
Das Pedal richtet sich ausdrücklich nicht nur an experimentierfreudige Soundbastler, sondern ebenso an puristische Spieler, die für unterschiedliche Stilistiken und Setups ein breites Gain-Spektrum aus nur einem Pedal abrufen wollen – sei es vor einem unverzerrten Amp, als Preamp-Ersatz beim Recording oder als Ergänzung zu anderen Zerrpedalen auf dem Board.
Ob das handgefertigte Multitalent aus Griechenland den hochgesteckten Erwartungen in Hinblick auf Klangqualität, Flexibilität und Praxisnutzen gerecht wird, versuchen wir im folgenden Testbericht zu klären. Dabei interessieren uns nicht nur die sechs Gain-Modi, sondern auch die Bandbreite der Klangregelung, die Wirkung der internen Spannungsschaltung und – wie immer – der unmittelbare Praxisnutzen. Bühne frei also für ein kompaktes Kraftpaket, das mehr sein will als nur ein weiteres Verzerrerpedal!
Facts & Features
Das Tsakalis AudioWorks Six ist kompakt gebaut (60 x 112 x 50 mm), wiegt leichte 250 g und kommt in einem stabilen Metallgehäuse mit goldener Lackierung. Die Verarbeitung wirkt tadellos: Sauber eingesetzte Buchsen, präzise eingefasste Potis und ein massiver Fußschalter sprechen für eine hohe Fertigungsqualität.
Im Zentrum steht der große, zentrale Mode-Drehschalter, mit dem sich die sechs Betriebsarten anwählen lassen: Boost (BS), zwei Overdrive-Varianten (OD1 und OD2), zwei Distortion-Modi (DS1 und DS2) sowie ein kombinierter Modus namens OD1+DS2. Damit deckt das Pedal von subtiler Klanganhebung über klassische Röhrensättigung hin zu dichtem Distortion bzw. Overdrive ein weites Spektrum ab.
Zur Steuerung stehen vier Potis bereit: „Gain“, „Volume“, „Mood“ (ein interaktiver Klangregler) sowie ein separater Höhenregler „High“. Zusätzlich sitzt rechts neben dem Mode-Schalter ein kleiner Kippschalter, mit dem sich die interne Betriebsspannung von 9 auf 18 V umstellen lässt – ein Feature, das Einfluss auf Headroom, Attack und Dynamik nimmt.
Besonders interessant ist die sogenannte „Cap-Less“-Technologie, bei der vollständig auf Koppelkondensatoren verzichtet wird. Dadurch sollen keine Phasendrehungen oder ungewollte Färbungen auftreten, was dem Signal einen direkteren, natürlicheren Charakter verleiht. Laut Hersteller bleibt der Grundsound der Gitarre unverfälscht erhalten – ein hoher Anspruch, der sich im Praxisteil noch bestätigen muss. Der interne Signalweg ist rein analog und basiert auf diskreten Transistorstufen, die für jede Gain-Stufe individuell abgestimmt sind. Der Effekt ist über einen True-Bypass-Fußschalter schaltbar, eine nicht zu grelle, blaue Status-LED zeigt den Aktivzustand an.
Der Anschlussbereich ist klassisch gehalten: Mono-In und -Out (6,3 mm Klinke) sowie ein Netzteilanschluss für 9V DC (Minuspol innen). Ein Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen. Der Stromverbrauch liegt mit 10 mA im moderaten Bereich. Wer sich für das Six entscheidet, sollte also ein möglichst hochwertiges Netzteil bereithalten.
In der Praxis
Der erste Eindruck im Signalweg ist beeindruckend: Das Tsakalis AudioWorks Six reagiert blitzschnell auf Spielweise und Dynamik und vermittelt ein ausgesprochen direktes Spielgefühl. Vermutlich ist das der Cap-Less-Schaltung zu verdanken, die auf Koppelkondensatoren verzichtet und dadurch weder Höhen frisst noch den Ton komprimiert oder färbt. Das Ergebnis ist ein unverfälschter, offener Klang mit einem sehr natürlichen Einschwingverhalten.
Besonders im Boost-Modus zeigt sich diese Transparenz: Der Grundsound bleibt vollständig erhalten, während der Pegel subtil, aber effektiv angehoben wird. Ideal, um Röhrenamps gezielt in die Sättigung zu schieben oder Soli hervorzuheben, ohne dass der Ton an Klarheit verliert. Auch beim Wechsel zwischen verschiedenen Gitarren bleibt der Klangcharakter erhalten – ein echter Pluspunkt in praxisnahen Setups.
OD1 und OD2 liefern klar voneinander abgegrenzte Overdrive-Charaktere: OD1 ist britisch-knackig mit einem offenen Mittenbild – hervorragend für rhythmisches Chording oder kernige Blueslines. OD2 hingegen agiert wärmer, weicher und ist perfekt für Legato-orientiertes Solospiel oder sanfte Crunch-Sounds. Beide Modi überzeugen durch Dynamik und Transparenz – auch mit zurückgedrehtem Gitarren-Volume behalten sie ihre Charakteristik und verhalten sich fast Röhrenamp-ähnlich.
Spannend wird’s im Distortion-Bereich: DS1 zeigt sich straff, punchy und erfreulich klar – ideal für moderne Rockriffs, Hardrock-Phrasen oder Classic-Rock-Sounds im Stil eines knackigen Marshall JCM800. Der Ton bleibt stets definiert, mit festem Bassfundament und präsenten Höhen, ohne je ins Schrille zu kippen. DS2 legt in Sachen Gain und Dichte spürbar zu, bleibt dabei jedoch angenehm aufgeräumt, schiebt kräftig in den Mitten und wirkt nie überkomprimiert – perfekt für kräftige Lead-Sounds mit Sustain und Autorität.
Besonders im Kombimodus OD1 + DS2 entfaltet sich das volle Potenzial des Pedals: ein massiver, zugleich differenzierter High-Gain-Sound mit sattem Fundament, feiner Ansprache und erstaunlicher Klarheit – selbst bei tiefer gestimmten Gitarren oder komplexem Akkordspiel. Metal-Spieler werden hier ebenso fündig wie moderne Rock-Gitarristen.
Der 9/18V-Schalter wirkt sich deutlich hörbar auf das Spielgefühl aus. In der 9V-Einstellung reagiert das Pedal schneller, komprimierter und fühlt sich griffig an – ideal für Singing-Leads oder dichte Akkordwände. Im 18V-Modus öffnet sich das Klangbild, wird luftiger, detailreicher und erhält mehr Headroom – gerade bei perkussivem Spiel oder dynamischen Anschlägen sehr angenehm.
Die Klangregelung ist praxisgerecht abgestimmt und erlaubt eine schnelle Anpassung an verschiedene Setups. Der Mood-Regler agiert als breitbandiger Tilt-EQ, der das gesamte Frequenzbild in Richtung Bass oder Treble neigt, je nach Stellung. So lassen sich beispielsweise harsche Höhen mildern oder dumpfe Sounds öffnen, ohne dass einzelne Frequenzbereiche überbetont werden.
Der zusätzliche High-Regler des Tsakalis AudioWorks Six ergänzt das Konzept mit einem gezielten Zugriff auf obere Mitten und Höhen, wodurch sich die Präsenz und Brillanz des Sounds sehr fein dosieren lässt. In Kombination mit dem Mood-Regler ergibt sich eine erstaunliche Bandbreite an Klangfarben – von warm, dunkel und vintage, hin zu offen, brillant und modern.
Dabei bleiben beide Regler stets musikalisch und reagieren sensibel auf kleine Veränderungen. Ob mit Singlecoils oder Humbuckern, Clean- oder High-Gain-Setting: Die Klangregelung passt sich flexibel an und erlaubt es, das Pedal optimal an verschiedene Setups anzupassen. Selbst in extremen Einstellungen bleibt der Grundcharakter der Gitarre erhalten und der Ton differenziert – ohne dabei übermäßig ins Schrille oder Dumpfe zu kippen.
Die Klangbeispiele
Für die folgenden Klangbeispiele habe ich das Tsakalis AudioWorks Six zwischen dem Eingang eines Mesa/Boogie Studio 22+ Combos und meiner Music Man Silhouette Special verkabelt. Abgenommen wurde das Signal von einem AKG C3000 Mikro, aufgezeichnet wurde in Logic Audio ohne weitere Effekte. Lediglich ein Limiter wurde auf das Signal der Summe gesetzt, um Pegelspitzen abzufangen.
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Mal eine Frage in die Runde: Wie nützlich / sinnvoll findet Ihr solche „Sechs-in-eins-Pedale“?
Ich denke dazu: Auf der Bühne wird wohl niemand während des Konzerts die Einstellungen ändern, also bleibt es bei einem Sound – und den kann ich im Zweifel auch mit weniger Aufwand bekommen. Und im Studio würde ich eher die Einstellungen wechseln, aber gerade da ist es auch weniger problematisch, sechs „Spezialisten“ mitzubringen. Nützlich sehe ich diese „Chamäleons“ eher am Anfang, wenn ich mich in einer Effektkategorie noch nicht auskenne und erst mal schaue, welche Möglichkeiten es gibt. Was denkt Ihr dazu?
@chardt Du liegst nicht ganz falsch was die Livesituation anbelangt. Aber wenn man dieses Pedal mal im Griff hat, bzw. man seine eigenen Einstellungen weiß, dann dürfte es aus meiner Sicht kein Problem sein sich mal kurz zu bücken und den ein oder anderen Poti zu bedienen, Wahrscheinlich wird’s in den meisten Fällen eh der in der Mitte sein 😄
@chardt gute Frage
bin. zwar synthiefan hab aber eine Rat, ein mega distortion und ein metalzone.
um den Preis könnte man eine Rat und ein ds1 kaufen zb.
aber so halt platzsparend 😁
bei Gitarren wiederholt sich alles noch mehr als bei synthies. 😃
@Numitron Trittst Du mit den Pedalen am Synthie live auf?
Mir waren die „Extrapackung Kabel“ mit Brummvermehrung immer ein Dorn im Auge…
Jetzt mache ich die Connection im Laptop, mit Scuffham, Guitar Rig und anderen FX (je nach Projekt). Damit kann ich gemütlich auf die Mehrverkabelung bei Nutzung weiterer Effekte verzichten…
😂 Jetzt muss ich nir noch Zeit zum Gitarre spielen finden, dann kauf ich weiter analoge Pedale!🤪👍
@CDRowell für einen 303klon unverzichtbar!
muss mir wieder einen holen.😄
der td3mo war zwar cool, wegen mehr Möglichkeiten, aber der klassische Sound ist nicht mehr wirklich da ….
unsprünglich für eine E-Gitarre gekauft, hab’s aber aufgegeben.
leider bisher keine Auftritte gehabt. wäre cool 😃
@Numitron Anfangen geht immer leicht, nur Durchhalten ist für viele eine Schwierigkeit. 🤣
@CDRowell irgendwie nix für mich. hatte 20 Jahre die Gitarre und nie weitergekommen. und das Saitenwechseln immer 😄
Schon interessant welch hochwertige Pedale aus dem Land des Sirtakis produziert werden.
Da gibt es einerseits die Pedalschmiede Crazy Tube Circuits von denn ich den Unobtainum Raw habe ( ein großartiges Zerrpedal ) und jetzt das Tsakalis was wiederum ein hervorragend innovatives Pedal am Markt ist. ( mich juckt schon wieder das „Gas“-Syndrom 😀 ) Die Meister der griechischen Pedalschmieden, scheinen sehr von der Philosophie eines Aristoteles bzw. Platons in den Adern zu haben 😅 Die brauchen sich vor den Amis nicht zu verstecken.
@chris56 Nicht zu vergessen die wunderbaren Jam-Pedals!
Thomann hat Grad den tc Electronic „the Rat“ Clone um 30€ etwa! 3 Rats in einem. muss ich holen.. 😀
@chardt
schwierig
ich mag BD2w und OD3 die sind nicht dabei.
DS 1 & DS 2 mag ich überhaupt nicht
Fuzz ist gar keins dabei(!).
Für mich wär das nix.
Trotzdem gibts hier viel Knall fürs Geld und auf kleinem Raum.
Mal schnell den Verzerrer umschalten und am gain drehen sollte man auch live noch hinbekommen? ^^