Test: Turbosound TFX152M-AN Bühnenmonitore

27. August 2020

Der Turbo auf der Bühne

Test: Turbosound TFX152M-AN Bühnenmonitore

Turbosound TFX152M-AN Bühnenmonitor / Floor Monitor / Wedge

Groß, blau, imposant! Wer wie ich seine Prägephase, in der man noch leicht zu beeindrucken war, in einer bestimmten Dekade hatte, erinnert sich wohl auch an die klassischen Attribute dieses Herstellers. Ob es nun die Optik, der Rallye-KFZ-lastige Name, meine Hormone oder alles zusammen war, lässt sich rückblickend nicht mehr eruieren, Fakt ist jedoch, dass der Name Turbosound mir stets in Erinnerung blieb. Der mittlerweile zu der Behringer Music Tribe Global Brands gehörende Name macht aktuell mit einem mächtigen Bühnenmonitor namens Turbosound TFX152M-AN auf sich aufmerksam, der uns zum Test vorliegt.

Die Konstruktion des Turbosound TFX152M-AN

Die Leistungsdaten des Turbosound TFX152M-AN Bühnenmonitor sind wahrlich beeindruckend. 1.100 Watt, übertragen von einem 15 Zoll Tieftöner und einem 1 Zoll Titankalotten Hochtöner, aufgebaut in Koaxial-Technik, sollten dem Wedge-Fan genügend Reserven für die druckvolle Übertragung aller Instrumente offerieren. Warum Bühnenmonitor, wenn man InEar haben kann? Nun, nichts ersetzt die Körperlichkeit von bewegter Luft, inwieweit man seine Prioritäten diesbzgl. setzt, muss jeder selber entscheiden.

Die Übertragungsdaten belaufen sich laut Hersteller auf einen Frequenzgang (±3 dB): 63 – 18.000 Hz, Frequenzgang (-10 dB): 57 – 20.000 Hz bei einem Maximalpegel von 125 dB Peak. Dass solche Daten auch andere Begehrlichkeiten wecken, liegt auf der Hand, sodass der Hersteller seitlich auch einen Standard-Flansch angebracht hat, um das System bei Bedarf mittels Hochständer zu einer Beschallungsanlage/Sidefill zu konvertieren. Im Floor-Monitor-Betrieb ruht das System auf vier massiven Füßen, die das System sehr gut an der Stelle halten, wo es der Künstler haben möchte.

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Turbosound TFX152M-AN Frontansicht

Das sehr massive Erscheinungsbild des Systems, das mit einem kräftigen Strukturlack überzogen ist, hat natürlich gewichtstechnisch seinen Preis. 21,5 kg, die an einer einzigen Tragemulde an den Fingern ziehen, wollen erst einmal bewegt werden. Die Lautsprecher sind mit einem massiven Gitter gegen äußere Einwirkungen geschützt. Mit den Abmessungen 351 x 530 x 565 mm gestaltet sich das System für die Leistungsdaten sogar noch vergleichsweise kompakt. Turbosound hat bei der Formgebung den Keil außergewöhnlich flach konzipiert, um dem Zuschauer im Live-Betrieb nur ein Minimum an Sicht zu nehmen. Der Abstrahlwinkel des Systems beträgt 60° in der Horizontalen und 40° in der Vertikalen, zwei Werte, die dem aktuellen Standard bei Bühnenmonitoren entsprechen.

Dringt man in die Elektronik des Systems ein, fällt ein zweiter großer Name, der mittlerweile ebenfalls zur Music Tribe Global Brands gehört: Klark Teknik. Besagtes Unternehmen zeichnet verantwortlich für die DSP-Verwaltung, die, wie sich noch zeigen wird, eine umfangreiche Regelung und Steuerung des Systems ermöglicht. In Sachen Anschlussperipherie verfügt das System neben einer Kombibuchse (XLR/TRS) als Input und einem XLR-Out zwecks Durchschleifen des Signals auch über ein Ultranet-In/Out, um entsprechende Digitalmixer mit dem Turbosound TFX152M-AN zu verbinden. Für entsprechende Wartungsupdates ist ein USB-Anschluss verbaut.

Turbosound TFX152M-AN Test

Turbosound TFX152M-AN Seitenansicht

Über vier Drucktasten (Process / Setup / Exit / Enter) und einen Drehregler steuert man das DSP-Menü, das eine umfassende Verwaltung zulässt. Fangen wir zunächst mit dem EQ an, der über vier Presets (None, Vocal, Speech, Playback) verfügt. Im Bereich Vocals werden die Mitten etwas abgesenkt, bei Speech findet erwartungsgemäß eine Absenkung bei den Bässen und den Höhen statt, während die Playback-Einstellung eine dezente „Badewanne“ zeichnet. Natürlich kann man im Bereich „User“ auch seine eigene favorisierte Kurve in den siebenbandigen EQ einzeichnen.

Im Bereich Crossover kann man für den Subwoofer-Betrieb zwischen 120 oder 100 Hz wählen oder aber man gibt eine persönliche Trennfrequenz zwischen 75 und 400 Hz an. In diesem Menüpunkt lässt sich auch bei Bedarf die Phase des Systems um 180 Grad drehen. Das System kann natürlich auch im Standalone-Betrieb laufen, allerdings kommt man ab einer gewissen Venue-Größe nicht um die Hilfsmaßnahmen eines oder mehrer Subwoofers herum.

Im Bereich Feedback (FBQ) verfügt der Turbosound TFX152M-AN über die Möglichkeit der Selbstkontrolle. Eine sehr sinnvolle Einrichtung, um im laufenden Betrieb eine ständige Feedback-Überwachung zu generieren. Der Monitor überwacht sich selbst und regelt bei aufschwingendem Feedback die Frequenz automatisch herunter. Natürlich kann der Monitor auch erst eingerauscht werden. Eine Demonstration der Handhabung kann man sich hier ansehen.

Input & Gain regelt die Eingangsbelegung nebst der Vorverstärkung des Signals. Im Bereich Position kann man neben dem Haupteinsatzgebiet als Floor-Monitor auch die Bereiche „Stand“ (Hochständer) und „Corner“ (Aufstellung in einer Ecke) als Preset auswählen.

Sehr schön auch der Bereich Delay, indem man eine Laufzeitenverzögerung bis zu 300 ms ausgleichen kann. Wer nicht rechnen möchte, kann den Abstand zwischen den Delay-Towern auch in Meter oder Feet eintragen und die Verzögerung vom System berechnen lassen. Als Abschluss gibt es noch einen Limiter, der bei einer maximalen Leistung im vierstelligen Bereich durchaus Sinn ergibt, um den Künstler nicht unerwartet mit dem vollen Brett zu überraschen.

In der Praxis

Bei der Inbetriebnahme fällt das System sehr angenehm durch ein nahezu unhörbares Rauschen auf. Ich hatte zunächst den Eindruck, das System sei gar nicht eingeschaltet. Somit eignet sich das System auch sehr gut für Beschallungen, wo es auf einen möglichst geringen Nebengeräuschpegel ankommt.

Dann aber ein kleiner Dämpfer im sehr guten Gesamteindruck. Die XLR-Buchse ist nicht verriegelt, was im Live-Betrieb eigentlich ein Unding in dieser Leistungsklasse darstellt. Entsprechend leicht ließ sich das eingesteckte XLR-Kabel entfernen, was zur Folge hat, dass man gerade im zuweilen ruppigen Wedge-Betrieb latent Gefahr läuft, einen Aussetzer im Signalfluss zu generieren.

Das Gemüt hellt sich jedoch umgehend wieder in dem Augenblick auf, in dem das erste Signal durch das System läuft. Zunächst einmal verfügt das System erwartungsgemäß über sehr viel Headroom und ermöglicht dadurch auch in hohen Lautstärken eine sehr dynamische Wiedergabe, ohne dass erste Sättigungen oder Clippings den Klang in seiner Qualität mindern. Insbesondere im Floor-Monitor-Betrieb kann man sich bei dieser Dynamik auch das eine oder andere Sidefill sparen, da auch ein komplettes Drumset inkl. Kick tonal wuchtig und druckvoll abgebildet wird.

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Turbosound TFX152M-AN – Rückseite

Den klanglichen Höhepunkt hingegen bietet einmal mehr das Koaxial-Prinzip, was in Sachen Phasentreue und Abstrahlverhalten Maßstäbe setzt. Insbesondere innerhalb des genannten Abstrahlwinkels von 60 x 40 Grad ist es eine echte Freude zu hören, wie sich klanglich faktisch nichts für das Gehör ändert. Steht man mittig vor den Lautsprechern, ist die punktgenaue Abstrahlung des Signals über den gesamten Frequenzgang meines Erachtens durch nichts zu ersetzen, allerdings ist dies eine rein subjektive Auslegung.

Auch im Hochständerbetrieb weiß die Turbosound TFX152M-AN zu überzeugen. Trotz des vergleichsweise kleinen Gehäuses liefert das System einen kräftigen Bass und ist durchaus in der Lage, ca. 100 Personen zu beschallen. Für größere Events empfiehlt sich dann zweifelsohne der Subwoofer Betrieb. Schön auch, dass die berühmt, berüchtigte Mittensenke im 15/1 Betrieb hier beileibe nicht so stark in Erscheinung tritt, wie bei einigen anderen Vertretern dieser Bauweise. Natürlich erklärt es sich von selbst, dass man im Hochständerbetrieb nur noch mit Trittleitereinsatz an der DSP-Steuerung Änderungen vornehmen kann, aber man sollte sich immer vor Augen führen, dass diese Betriebsart nur einen Bonus für den primär als Wedge konzipierten Monitor darstellt.

Dass der Drehregler ständigen Zugriff auf die Lautstärke ermöglicht, hat in der Praxis sowohl Vor- als auch Nachteile. Für den disziplinierten Betrieb ist ein schneller Zugriff auf die Endlautstärke, ohne sich mühsam durchs Menü zu scrollen, auch während der laufenden Show ein Segen, allerdings hat man hier unter Umständen die Rechnung ohne den Fan gemacht. Gerade wenn ohne Absperrgitter vor der Bühne gearbeitet wird, muss man sich ständig mit der Spezies „Männlich-besoffen-den ebenfalls besoffenen Kumpels imponieren wollen-ich stelle mein Bier ab wo ich will-was passiert wohl wenn ich hier dran drehe“ auseinandersetzen, womit man ständig Gefahr läuft, dass einem irgendein unsensibler Zeitgenosse den Sound während der Show zerschießt. Für unbefugtes „Fummeln“ kann man das System allerdings auch mit einem Passwort sichern.

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Turbosound TFX152M-AN im Einsatz

Fazit

Mit dem Turbosound TFX152M-AN Bühnenmonitor hat der britische Hersteller mit Fertigung in China eine sehr hochwertige Floor-Monitor/Aktivbox im Programm. Das System bietet einen sehr druckvollen Sound, großen Headroom, ein ausgewogenen Frequenzbild und eine Phasentreue zum Niederknien. Die Verarbeitung ist massiv, das Konzept praxisgerecht, die Anschlussmöglichkeiten sowohl analog als auch digital ausgeführt.

Wer eine leistungsstarke, flexible Box für gehobene Ansprüche mit ausreichend Schalldruck sucht, sollte sich die Turbosound TFX152M-AN unbedingt einmal zu Gemüte führen.

Plus

  • Sound
  • Headroom
  • Phasentreue
  • Verarbeitung

Minus

  • XLR-Input nicht verriegelt

Preis

  • 488,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Kutscher  

    Hallo Axel Danke für diesen flott geschrieben Artikel.

    Generell finde ich die Fixierung der älteren Generation für “Kultmarken” Lautsprecher voll Faszinierend. Gefühlt kommt man ab einem Gewissen Qualitätsgrad/Preis mit fast jeden Hersteller zurecht sofern man die jeweiligen Nervfaktoren kennt.

    Zur Box: Das mit der XLR Buchse ohne Riegel ist schon ärgerlich (kostet aber pro Stück einen Euro mehr) dafür aber den komplett gefährlichen Ethercon doppel durchschliff verbauen.

    Dein Kritikpunkt mit dem Lautstärkerad kann ich nur halb Nachvollziehen. Das Ding gehört immer auf volle Lautstärke, den Restmacht die Tontechniker-in. Es kann also nur leiser werden, Ohne Feedback Gefahr bei Blödian Manipulation.

    Passwortschutz, eigentlich geil oder halt auch nicht. Ich hab mich mal aus einer Endstufe (Camco ID4) Ausgeschlossen weil es keine dedizierten Back und Entertasten mehr gab.
    Sprich ich konnte nur noch die Aktuelle Einstellung nutzen. Reset nur über die Software, damit waren dann aber auch gespeicherten Speakerpresets weg.
    Daher finde ich den Passwörter mit über PushEncoder total grenzwertig.

    Nächst Baustelle: Feedback Überwachung. Klingt gut, solange es nur ein einmal erstelltes EQ Setting ist. Dauerhafte Überwachung ist auch so ein Ding. Wenn du als Gitarrist dein Feedbackpedal betätigst, wird das dann auch gefiltert?

    Gruß Kutscher

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      Hallo Kutscher

      danke für das Lob, aber was meinst du mit einem „Feedbackpedal“?

      Gruß
      Axel

      • Profilbild
        Kutscher  

        Hallo Axel:

        Feedback Pedal meint einen Gitarren Effekt/Tretmine (Natürlich mit dem großen Wah/Volumen Fußregler statt des On/Off Tasters) Welches ein kontrolliertes Feedback (Gitarre gegen Cabinet lehnen) erzeugt.

        Bei meinem ersten FOH Job (da war ich noch Blutjung und vor der Ausbildung) hat der Gitarrist der Band dort fasten jeden song mit diesem Effekt begonnen. Da er GituarRIG von NI genutzt hat, konnte man es Pegelmäßig nicht sehen aber dann doch hören. Da ich das nicht wusste bin ich halb wahnsinnig geworden.

        Daher habe ich eine gewisse Bindung zu diesem prägnanten Effekt Sound.

        Beispielhafte Vertreter:
        Fender Runaway und Digitech FreqOut

        Gruß Kutscher

        • Profilbild
          Axel Ritt  RED

          Ich arbeite wenn überhaupt nur mit dem Digitech Freqout bei lang gehaltenen Tönen.

          Im Prinzip ist das Signal gefiltert, da das Pedal den Ton analysiert und dann in die Obertonwelle umschlägt, die man vorher eingegeben hat. Das klassische Feedback eines Pickups bei hoher Lautstärke / Verzerrungsgrad erzeugt es nicht.

          • Profilbild
            Kutscher  

            Die Spannende Frage ist jetzt ob ein solch erzeugter Ton von dem Turbosound Wedge als “Feedback” interpretiert wird und damit weggefiltert wird.

            Obwohl ich jetzt mal annehme dass wenn man mit so einen Effekt gut spielen will man schon hören will was man so erzeugt.

            Daher die Frage ob das dann mit dem aktiven Feedback destroyer noch hörbar ist.
            Auch bestimmte Synthie Sounds oder auch Chelli können Klänge erzeugen welche einem Feedback zum verwechseln ähnlich sind.

            Da ist ein aktiver Regelkreis dann leider nicht das richtige Mittel der Wahl.
            Eine angelernte EQ kurve allerdings schon eher.

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