Erstklassige Sounds in True Stereo und mehr
Two Notes Torpedo Captor X + verspricht gleich mehrere Vorteile: Voller Röhren-Sound inklusive Endstufensättigung bei Zimmerlautstärke und das Recording ganz ohne Lautsprecher und Mikrofone. Wie das gelingt, zeigt dir dieser Testbericht.
Worum geht es? Two Notes Torpedo Captor X + – Reactive Loadbox mit Stereo-IRs, Attenuator und umfangreicher Software-Steuerung
- Flexibel: Reactive Loadbox, Attenuator und Stereo-IR-Loader in einem kompakten Gerät.
- Sound: Hochwertige DynIR-Sounds mit True-Stereo-Engine und Virtual Load Shaper.
- Praxis: Ideal für Silent Recording, Studioeinsatz und FOH-Integration.
- Bedienung: Intuitive Steuerung über Torpedo Remote App.
- Fazit: Leistungsstarke All-in-one-Lösung für moderne Röhrenverstärker-Setups.
Inhaltsverzeichnis
Two Notes Torpedo Captor X +
Die ersten 5 Minuten
Man muss zugegebenermaßen sagen: Die ersten fünf Minuten verbringt man damit, den Captor X + korrekt anzuschließen. Bei einer Reactive Load Box muss man nämlich einiges beachten, möchte man dem eigenen Röhrenverstärker keinen Schaden zufügen. Aber gut, nach diesen fünf Minuten Setup jetzt die ersten fünf Minuten mit dem Two Notes Torpedo Captor X +!
Lieferumfang & erster Eindruck
Der Two Notes Torpedo Captor X + kommt mit dazugehörigem Netzteil, USB-C-Kabel und MIDI-Adapter. Mir kommt das Gerät beim Auspacken deutlich größer vor, als ich es erwartet hatte. Die Größe ist aber eigentlich keine Überraschung, handelt es sich doch um eine Load Box und einen Power-Attenuator, der mit dem Lastwiderstand eines bis zu 100 W starken Röhrenverstärkers umgehen muss.
Das Gewicht ist dagegen vom Gefühl her überraschend gering. Insgesamt wirkt das Gerät sehr stabil gebaut und sieht zudem edel aus. Auf einem Verstärker sitzend macht es eine gute Figur und ist trotzdem kompakt genug, bei oben sitzenden Reglern des Verstärkers nicht im Weg zu sein.
Mit einem Preis von 549,- Euro ist es auf den ersten Blick kein Schnäppchen. Der Preis ist für den Funktionsumfang allerdings auch nicht überraschend. Damit richtet es sich nicht nur an Profis, sondern kann auch von Hobbymusikern in Betracht gezogen werden.
Line Check
Das Testgerät ist in der 8-Ohm-Ausführung, man sollte hier also sichergehen, am Lautsprecherausgang des Verstärkers ebenfalls den 8-Ohm-Ausgang zu wählen. Sind alle Kabel gesteckt, kann es losgehen. Dass der Two Notes Torpedo Captor X + einsatzbereit ist, lässt er einen durch weiß leuchtendes Licht aus den Lüftungsschlitzen wissen. Cool! Die Bedienung am Gerät ist mit drei Reglern denkbar einfach und so kommt man sehr schnell in den Genuss der Virtual-Cabinet-Sounds. Den Output einpegeln, eines der sechs zugänglichen Presets wählen und einfach drauflos spielen. Klingen kann das so:
Die Specs
Der Two Notes Torpedo Captor X + ist der Nachfolger des Captor X. Wir haben es mit einer Kombination aus einer reaktiven Loadbox, einem Attenuator und einer digitalen Lautsprechersimulation zu tun. Das Gerät ermöglicht es, Röhrenverstärker bis 100 W RMS zwischen Endstufe und Speaker ohne Klangverluste in der Lautstärke zu drosseln oder komplett ohne Gitarrenbox zu verwenden. Die dann zum Einsatz kommenden IRs liefern eine hohe Flexibilität für Silent-Recording oder um das Signal im Live-Bereich zum FOH zu schicken, samt Studioeffekten wie Reverb oder Enhancer.
True Stereo DynIR Engine
Der Two Notes Torpedo Captor X + verwendet die neue True Stereo DynIR Engine. Im Gegensatz zum Vorgänger ist es nun möglich, zwei Mikrofone oder Static IRs unabhängig voneinander im Stereofeld zu platzieren – für echte Stereobreite.
Virtual Load Shaper
Der neue Virtual Load Shaper bietet verschiedene Impedanzkurven, die im Signal nach dem Lastwiderstand platziert sind. Mit Impedanzkurven lässt sich der Charakter des Verstärkers beeinflussen, etwa um mehr Wärme oder einen strafferen Attack zu generieren, ohne eine angeschlossene Box zu beeinflussen.
Alle Features auf einen Blick
- kompakte reaktive Loadbox mit eingebautem Attenuator
- für 8 Ohm oder 16 Ohm erhältlich, max. 100 Watt RMS
- Attenuation in drei Stufen: Home (-38 dB), Club (-20 dB), Stadium (0 dB)
- DynIR Technologie für DSP betriebene True Stereo Dual Mikrofon Virtuelle Boxen
- 2-kanaliger Stereo statischer IR Loader mit 512 Speicherplätzen für benutzerdefinierte IR Dateien
- Global Virtual Load Shaper für eine benutzerdefinierte Klangcharakteristik
- 32 DynIR Premium Virtuellen Boxen sind vorinstalliert
- 128 Presets
- USB C / MIDI / Wireless Torpedo Remote Konnektivität für einfache Kontrolle aller editierbaren Parameter
- XLR-DI-Ausgänge mit 3 Routing-Optionen: Stereo, Dual Mono, Dry/Wet
- lautloses Spielen mit Kopfhörern
- Stereo Post FX Suite einschließlich Reverb, semiparametrischen EQs, Twin Tracker Virtual Guitarist, Enhancer & Noise Gate
- Space und Voicing Regler
- Zugriff auf und Vorhören von über 900 Premium virtuellen Boxen über die Torpedo Remote Online Bibliothek
- beinhaltet Genome Studio Grade Boxen Simulation und mehr
- Kopfhöreranschluss: 6,3 mm Stereoklinke
- Lautsprechereingang: 6,3 mm Klinke
- Lautsprecherausgang: 6,3 mm Klinke
- Left & Right Ausgang: XLR
- MIDI Eingang: 3,5 mm Stereoklinke
- USB-C-Anschluss
- Netzteilanschluss: Hohlstecker 5,5 × 2,1 mm, innen negativ
- Abmessungen (B x T x H): 128 × 175 × 64 mm
- Gewicht: 1,3 kg
- inkl. Netzteil
Der Two Notes Torpedo Captor X + in der Praxis
Der Einsatz von Gitarrenverstärkern ohne angeschlossenes Cabinet wird zunehmend beliebt. Gerade in Umgebungen wie Home-Studios, in denen Recording mit weit aufgedrehten Verstärkern oft schlicht nicht möglich ist, aber auch auf professionellen Bühnen sind Loadboxen gern gesehene Helferlein. Sie liefern extrem zuverlässige Ergebnisse, sind kompakt, verfügen über moderne Anschlüsse und haben meistens verschiedene Preset-Slots, die sogar über MIDI steuerbar sind. Obendrein feiert der FOH fast ausnahmslos, wenn er die Nachricht übermittelt bekommt, dass die Bühne frei von Lautsprechern ist und dadurch die Übersprechung bei Mikrofonen deutlich geringer ist.
Dass der Two Notes Torpedo Captor X + leicht in das eigene Setup integriert ist, haben wir ja in den ersten fünf Minuten schon festgestellt. Aufpassen sollte man beim Anschluss, dass der Speaker-Ausgang des Gitarreverstärkers mit der roten Speaker-In-Buchse des Captor X + verbunden wird. Möchte man eine Box anschließen, um das Gerät als Power-Attenuator zu verwenden, geht diese an die Speaker-Out-Buchse.
Die an der Front angebrachten Regler ermöglichen einen kinderleichten Plug-&-Play-Einsatz. Out-Level regelt natürlich die Ausgangslautstärke, Voicing dient als globaler EQ und Space verleiht den XLR- und Kopfhörersignalen eine regelbare Raumsimulation für ein natürlicheres Spielgefühl. Über den Preset-Regler kann man sechs User-Presets direkt auswählen. Wer mehr Presets braucht oder eine Fernsteuerung anstrebt, kann via MIDI auf alle 128 Presets zugreifen.
Mit dem In-Level-Switch hat man sogar ein Input-Pad zur Verfügung. Dieser erweist sich als nützlich, wenn man den Amp weit aufdreht. Ein schönes Feature: Kommt zu viel Pegel am Input des Captor X+ an, springt das weiße Licht im Inneren des Kühlergrills zu Rot. Über den frontseitigen Kopfhörerausgang kann man hervorragend abhören, ohne dass man zusätzliches Equipment oder Editoren benötigt. Die sechs werksseitig gespeicherten Presets liefern eine große Bandbreite der klanglichen Möglichkeiten des Two Notes Torpedo Captor X +.
Beim Voicing-Beispiel drehe ich ausgehend von der 12-Uhr-Stellung zuerst in zwei Schritten nach links, dann in zwei Schritten nach rechts. Den Space-Parameter drehe ich im Klangbeispiel von Minimum in Schritten bis zum Maximum. Als Verstärker kam mein Morgan PR12 zum Einsatz. Für die cleanen Sounds habe ich den Volume-Regler des Vderstärkers auf 12 Uhr, für die Drive-Sounds ist er voll aufgedreht. Die Signalkette ist wie folgt:
Haar Tele → Morgan PR12 → Two Notes Torpedo Captor X + → RME Fireface 802 → Ableton Live 12.
Die Torpedo Remote App
Mit der Torpedo Remote App geht der Spaß aber erst so richtig los. Hier bekommt man Zugriff auf den kompletten Funktionsumfang des Two Notes Torpedo Captor X +. Die App kann entweder als Desktop-Variante mittels USB-C-Verbindung oder als Smartphone-/Tablet-App via Bluetooth verwendet werden.
Unter Virtual Cabinet kann man mit einer sehr benutzerfreundlichen Oberfläche jegliche Parameter der Boxensimulation verändern. Die simpelste Funktion ist die Auswahl der 128 Presets, wobei der Captor X + mit 34 Werks-Presets ausgestattet ist.
Zur Verfügung stehen 32 virtuelle Cabinets. Jedes Cabinet kann mit zwei Mikrofonen abgenommen werden, deren Position per Mausziehen auf der grafischen Oberfläche verändert werden kann. Die diversen Mic-Typen, Panning, Level und weitere Einstellmöglichkeiten werden im Mixing-Bereich gesteuert. Somit steht einem pro Mikro von Close-Miking über Off-Axis-Miking bis zu Distant- und Back-Miking alles offen.
Zusätzlich kann per Virtual Load Shaper eine Impedanzkurve ausgewählt werden. Im Custom-Mode können die einzelnen Parameter ebenfalls verändert werden. In der FX-Sektion stehen neben einem Equalizer für jedes der beiden Mikrofone auch noch ein Enhancer zur Erweiterung des Stereofelds, 13 verschiedene Reverb-Algorithmen sowie mit dem Twin Tracker ein automatischer Double-Tracker bereit.
Im Output-Bereich besteht die Möglichkeit, den Captor X + in True-Stereo oder Dual-Mono zu betreiben. Außerdem können hier auch noch die Hardware-Regler von der Gerätefront gesteuert werden. Die Bedienung ist sehr intuitiv. Der Fakt, dass man alle wichtigen Parameter direkt sehen kann, macht das Finden des perfekten Sounds zu einem Kinderspiel.
IR Loader und weitere Cabinets
Im IR Loader können eigene statische IRs geladen werden, die ebenfalls mit dem Virtual Load Shaper und den Out-FX versehen werden können. Des Weiteren bietet Torpedo Remote die Möglichkeit, weitere Cabinets, Presets und IRs zu verwalten. Das macht den Captor X + noch flexibler, vor allem wenn man zum Beispiel IRs der eigenen Gitarrenbox besitzt.
Neben den integrierten Impulsantworten können über den Webshop des Herstellers noch weitere IRs erworben werden, um das eigene Portfolio an Sounds zu erweitern. Außerdem gibt es zum Two Notes Torpedo Captor X + eine lebenslange Lizenz für Genome, das hauseigene Amp-Plug-in.
Klangbeispiele
Für die Klangbeispiele habe ich die Einstellungen im folgenden Bild verwendet. Beim ersten Beispiel kommt zusätzlich ein BB Preamp zum Einsatz, beim zweiten etwas Kompression von einem Diamond Comp sowie Tremolo aus dem Strymon Mobius vor dem Verstärker. Für den Virtual Load Shaper habe ich die Einstellungen des ersten Beispiels genommen und durch die sechs verschiedenen Presets geschaltet.
Signalkette (ohne die oben erwähnten Pedale):
Haar Tele → Morgan PR12 → Two Notes Torpedo Captor X + → RME Fireface 802 → Ableton Live 12.

































Goldstandard ist ja mittlerweile die doppelt so teure Fryette Power Station.
Universal Audio haben leider ihre OxBox nicht weitergepflegt.
Mich würde mal eine informierte Marktübersicht aus Anwendersicht interessieren, also kein KI-Müll.
Was meine Vorfreude auf dieses Produkt doch extrem bremst, ist die feste Ohm-Zahl.
Da hab ich leider zu viele unterschiedliche Amps, und so ein Gerät sollte dann schon bitte ein Tool sein, wo ich ALLES sorglos dran anschließen kann.
@mofateam Eine Marktübersicht über die wichtigsten reaktiven Loadboxen mit Cab-Sim inklusive Praxistest wäre tatsächlich eine interessante Sache! Vielleicht liest der Chefredakteur ja mit…
Mit vielen verschiedenen Amps wäre es tatsächlich schön, mehr Möglichkeiten bei der Impedanz zu haben. Die meisten Amps lassen einen aber in Sachen Ohm-Widerstand zwischen mindestens 8 und 16 Ohm wählen, somit kommt man mit der fixen Impedanz des Captor X + schon sehr oft zurecht!
@Matze Franz Der liest mit…
Kannst du gerne machen, wobei zu unterscheiden ist zwischen reinen Lastwiderständen und Geräten wie diesem hier, die das als Nebenjob machen und vorwiegend als IR-Cab arbeiten. Deshalb vermutlich auch der fixe Widerstand.
Statt einer reinen Marktübersicht würde ich einen Vergleichstest anregen, damit man auch den Klang vergleichen kann (einmal über den DI-Ausgang der Loadbox, 1x Amp mit Mikrofon ohne und einmal mit Loadbox). Es gibt eh nicht so wahnsinnig viele Modelle am Markt.
Und vielleicht wäre auch mal der Test eines Iso-Cabs interessant inklusive Schallpegelmessung im Raum (da reicht die Smartphone App).