Test: U-He Bazille, Software-Synthesizer

Und sonst?

Langsam geht mir ja der Atem aus, doch wir sind bei Weitem noch nicht am Ende. Wie es sich für ein stattliches Modularsystem gehört, finden sich auch in Bazille zahlreiche Hilfsmodule, kleine Helferlein zur Mischung, Invertierung oder Quantisierung von Ton- oder Steuersignalen.

Die beiden Inverter sind dazu da, um Spannungen zu invertieren. Na, wer hätte das gedacht? Beispielsweise um eine Melodie des Sequencers gespiegelt zweistimmig zu spielen. Das klingt dann so:

 

Die Quantizer transformieren ein beliebiges Signal in eine Folge fester Spannungen, es werden also „Treppen“ gebildet mit freier Anzahl von Stufen. Füttert man den Quantizer mit einem Sinus, erhält man danach einen „Treppen“ Sinus, der soweit vereinfacht werden kann, bis nur eine Rechteckschwingung bleibt. Moduliert man den Sinus in seiner Frequenz mittels eines LFOs, ist das Ergebnis eine Pulsschwingung mit modulierter Breite.

Dann sind noch die Lag Generators zu nennen, die man auch als umgekehrte Quantizer bezeichnen können: Aus einer diskreten Spannung wird eine kontinuierliche abgeleitet mit einstellbaren An- und Abschwellwerten.

Die Rectifier transformieren alle negativen Werte einer anliegenden Spannung in positive mit gleichem Betrag. Eine Sinusschwingung sieht danach so aus:

 

Eine Sinuswelle mit dem Rectifier modifiziert.

Eine Sinusschwingung mit dem Rectifier modifiziert

 

Und schließlich hat man auch an eine Sample & Hold Schaltung gedacht, die eigentlich ähnlich arbeitet wie die Quantizer, mit dem einzigen Unterschied, dass hier die Schrittlänge und nicht deren Höhe bestimmt wird.

Besonderes Augenmerk verdienen auch die vier Multiplex Module. Sie sind in erster Linie kleine Mischer für beliebige Signale. Da sie zudem auch mit einem Modulationseingang versehen sind, dienen sie indes auch als Ring- oder Amplitudenmodulatoren – je nach Belegung der Eingangsbuchsen. Schade bloß, dass man dies in der Anleitung nachschlagen muss. Eine Beschriftung auf dem Modul hätte es ja auch getan. (Die linken Buchsen für RM, die rechten für AM).

Multiplex: Kleine Mischer mit Modulationseingang ("RM") für Ring- und Amplitudenmodulationen.

Multiplex: kleine Mischer mit Modulationseingang („RM“) für Ring- und Amplitudenmodulationen

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    nativeVS  

    Mann kann doch für kleine verstimmungen den u-he feintrieb verwenden (bei windows shift gedrückt halten und poti drehen).
    Die effekte sind halt erst nach den abschwächern, da sie monophon gehalten wurden. Würde man die effekte in die signalkette integrieren müssten sie polyphon aufgebaut sein. Ausserdem kann man die reihenfolge der effekte zueinander ändern.

  2. Profilbild
    tompisa

    DAS nenn ich einen Test. Vielen Dank für den Hinweis , dass das Teil endlich geboren ist und vor allen Dingen Danke bezogen auf den hervorragend geschrieben Testbericht samt pers. Einschätzungen und Klangbeispielen.

  3. Profilbild
    Triple-U

    Hallo Martin, das mit den Polyrythmen musste ich gestern gleich mal ausprobieren. Mit dem Mod-Sequenzer geht das wirklich nicht. Aber mit einer Kombination aus LFO, Mapping Generators, evtl. auch den Stack Voices kann man sehr viele rythmische Kombinationen (z.B. 7/4 auf 3/4 aber auch viel abgedrehtere Sachen) verwirklichen. Als kleine Rätselaufgabe… ;)

    Mit dem Sequencer wäre es vllt. praktischer und man würde nicht so viele Module verbrauchen, aber man würde auch nicht auf NOCH ungewöhnlichere Rythmen kommen.

  4. Profilbild
    Urs  

    Hi,

    das ist ein super Test, vielen Dank!

    Kleine Anmerkung: Die Effekte lassen sich per Drag’n’Drop in der Reihenfolge verändern. Dort ist momentan noch dasselbe Bedienelement am Werke, das auch in Zebra die modulare Verschaltung ermöglicht. Da dies leider etwas unkomfortable ist, habe ich vor, dieses noch vor dem offiziellen Release für Bazille’s Bedürfnisse zu verbessern, weshalb dies auch noch nicht vollständig im User Guide berücksichtigt ist – und wer weiß, vielleicht erlauben wir auch eines Tages paralelle Verschaltungen.

    Allerdings wird es sehr schwiereig, die Parameter der Effektsektion über Kabel zu kontrollieren. Alles was verkabelt ist, ist ja polyphon. Wenn man mit sowas dann die Effekte steuert wird’s schnell brenzlig. Das wäre eher was für eine monophone Variante, die dann auch bei losgelassenen Tasten noch prozessiert.

    LG,

    – Urs

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Hallo Urs

      danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Was Du schreibst, leuchtet natürlich ein. Wie ich schon im Text schrieb, ist meine Kritik an den Effekten als Anregung gedacht.

      Hingegen ist die fehlende Potiskalierung durchaus ein Problem, zumindest für meine Wenigkeit. Aber vielleicht habe ich da auch etwas Fundamentales übersehen?

      Alles in Allem ist dies ein wunderbarer, modularer Software Synthesizer, der mich (beinahe) wunschlos glücklich macht.

      Lieben Gruß

      Martin

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