Test: U-He Bazille, Software-Synthesizer

Bedienung

Die Bedienung von Bazille ist meistens ziemlich logisch und intuitiv; auch die graphische Anordnung der Module scheint mir sinnvoll gestaltet. Dass die umfangreiche Klangsynthese auf zwei Menüseiten verteilt ist, mag zu Beginn etwas verwirrend sein; man gewöhnt sich schnell daran. Das zentrale Oszilloskop erweist sich als äußerst hilfreiches Instrument, um sich Schritt für Schritt mit der noch ungewohnten Klangsynthese vertraut zu machen.

So sehr ich eigentlich von Bazille begeistert bin, gibt es leider zwei Eigenheiten der Bedienung zu beanstanden. Zum einen ist es auf die Dauer störend, nicht mehr als ein Kabel gleichzeitig mit einem Eingang zu verbinden. Gewiss entspricht dies der Realität von Eurorack Modulen, doch muss dieses Manko wirklich in die digitale Welt übernommen werden? Jedesmal ein Multiplex Modul zu bemühen, ist zwar technisch kein Problem, indes nicht sonderlich übersichtlich oder praktisch.

Mein anderer Kritikpunkt betrifft die Bedienung der virtuellen Potis. Nebst der Tatsache, dass sie eher klein ausgefallen sind und ich als Halbspastiker oft daneben klicke, könnten sie nach meinem Geschmack etwas mehr Informationen anzeigen. Beispielsweise Frequenzen in Hertz und Stimmungen in Halbtönen, Obertönen und Cents, anstelle der etwas gewöhnungsbedürftigen relativen Werte der zentralen Anzeige, die ohnehin nur einen Wert aufs Mal anzeigt. Will man beispielsweise wissen, wie schnell ein LFO klingt, wird man zu kleinen Rechnereien angehalten: 1 Sekunde multipliziert mit dem eingestellten Wert von sagen wir mal 2,5 ergibt… 5 Hertz, während die Hüllkurven-Zeiten auf einer Skala von 0 bis 100 eingestellt werden. Ob damit Sekunden gemeint sind, ist der Anleitung nicht zu entnehmen. Es tut mir leid, das ist mir schlicht zu unlogisch und inkonsequent. Im Handbuch wird dazu lapidar geschrieben: It’s not worth thinking about a conversion formula here – just use your ears! Naja, mich überzeugt es nicht. Für mich fühlt es sich eher nach einem Tappen im Dunkeln an. Da auch ein blindes Huhn hie und da ein Korn findet, sind mir ohne großen Aufwand viele spannende Klänge gelungen, doch spielt da der Zufall mit. Tatsache ist, dass man die Einstellungen der Oszillatoren nicht auf einen Blick erfassen kann. Steht das Tuning beispielsweise auf Ober- oder Untertönen, sehe ich dem Poti beim besten Willen nicht an, auf welchen Oberton er eingestellt ist. Ein Klick auf das Poti zeigt zwar den Wert an, doch ist man danach auch nicht viel schlauer, es sei denn, man lernt die Obertonreihe auswendig und hat verinnerlicht, dass die Oktaven beim 1., 3., 7. und 15. Oberton zu finden sind. Ansonsten hilft nur ein Blick in die Anleitung. Dies hätte man eleganter lösen können, beispielsweise durch eine kleine LED, die bei allen Oktavstimmungen aufleuchtet. Und anscheinend sind auch manche Nutzer mit dem Tuning Konzept von Bazille überfordert, denn anders ist es nicht zu erklären, dass einige der bisher veröffentlichten User-Presets nicht auf A = 440 Hz gestimmt sind, sondern ein oder zwei Halbtöne daneben.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    nativeVS  

    Mann kann doch für kleine verstimmungen den u-he feintrieb verwenden (bei windows shift gedrückt halten und poti drehen).
    Die effekte sind halt erst nach den abschwächern, da sie monophon gehalten wurden. Würde man die effekte in die signalkette integrieren müssten sie polyphon aufgebaut sein. Ausserdem kann man die reihenfolge der effekte zueinander ändern.

  2. Profilbild
    tompisa

    DAS nenn ich einen Test. Vielen Dank für den Hinweis , dass das Teil endlich geboren ist und vor allen Dingen Danke bezogen auf den hervorragend geschrieben Testbericht samt pers. Einschätzungen und Klangbeispielen.

  3. Profilbild
    Triple-U

    Hallo Martin, das mit den Polyrythmen musste ich gestern gleich mal ausprobieren. Mit dem Mod-Sequenzer geht das wirklich nicht. Aber mit einer Kombination aus LFO, Mapping Generators, evtl. auch den Stack Voices kann man sehr viele rythmische Kombinationen (z.B. 7/4 auf 3/4 aber auch viel abgedrehtere Sachen) verwirklichen. Als kleine Rätselaufgabe… ;)

    Mit dem Sequencer wäre es vllt. praktischer und man würde nicht so viele Module verbrauchen, aber man würde auch nicht auf NOCH ungewöhnlichere Rythmen kommen.

  4. Profilbild
    Urs  

    Hi,

    das ist ein super Test, vielen Dank!

    Kleine Anmerkung: Die Effekte lassen sich per Drag’n’Drop in der Reihenfolge verändern. Dort ist momentan noch dasselbe Bedienelement am Werke, das auch in Zebra die modulare Verschaltung ermöglicht. Da dies leider etwas unkomfortable ist, habe ich vor, dieses noch vor dem offiziellen Release für Bazille’s Bedürfnisse zu verbessern, weshalb dies auch noch nicht vollständig im User Guide berücksichtigt ist – und wer weiß, vielleicht erlauben wir auch eines Tages paralelle Verschaltungen.

    Allerdings wird es sehr schwiereig, die Parameter der Effektsektion über Kabel zu kontrollieren. Alles was verkabelt ist, ist ja polyphon. Wenn man mit sowas dann die Effekte steuert wird’s schnell brenzlig. Das wäre eher was für eine monophone Variante, die dann auch bei losgelassenen Tasten noch prozessiert.

    LG,

    – Urs

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Hallo Urs

      danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Was Du schreibst, leuchtet natürlich ein. Wie ich schon im Text schrieb, ist meine Kritik an den Effekten als Anregung gedacht.

      Hingegen ist die fehlende Potiskalierung durchaus ein Problem, zumindest für meine Wenigkeit. Aber vielleicht habe ich da auch etwas Fundamentales übersehen?

      Alles in Allem ist dies ein wunderbarer, modularer Software Synthesizer, der mich (beinahe) wunschlos glücklich macht.

      Lieben Gruß

      Martin

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