Test: U-He Bazille, Software-Synthesizer

Frequenz- und Phasenmodulation

In der Grundstellung schwingen die Oszillatoren in einem sinusförmigen Verlauf, der anschließend durch verschiedene Modulatoren so richtig in die Mangel genommen wird. Als erstes ist eine Frequenzmodulation möglich. Eine? Falsch! Bazille bietet sieben verschiedene Modi der Frequenz- bzw. Phasenmodulation: Phasenmodulation in drei Stufen (fine, medium und course), lineare FM mit zwei Wirkungsbereichen (0 bis 100 Hz bzw. 0 bis 1 kHz) sowie die letzte Option, die mit Relative Frequency Modulation umschrieben wird, auch in zwei Stärken. Diese sieben Modi können sich je nach Frequenz und Schwingungsformen von Modulator und Trägeroszillator stark unterscheiden. Als kleines Beispiel hier die sieben Modi mit den jeweils gleichen Werten (ein Sinusoszillator als Klangquelle, ein zweiter als Modulator, ungefiltert, ohne Effekte).

 

Mit dieser einfachen Konstellation lassen sich im Handumdrehen wunderbare Klänge erstellen. Beim folgenden Beispiel moduliert ein Sinusoszillator einen anderen mittels relativer FM, garniert mit Delay. Alle übrigen Parameter sind deaktiviert.

 

Phase Distortion

Bei der Phase Distortion Synthese (nennen wir sie von nun an schlicht PD), werden im U-He Bazille die Anfangspunkte der Schwingungszyklen der Oszillatoren moduliert; es geht hier also um die Frage: wo beginnt eine Schwingung? Oder anders ausgedrückt: Diese Synthese arbeitet mit der Phasenlage der Schwigungen und nicht etwa mit Phasenauslöschungen, wie dies in einem Phaser der Fall ist.

Der Carrier ist streng genommen kein Oszillator sondern lediglich eine Wertetabelle, die die Schwingungsform darstellt, während der Modulator die Richtung und Geschwindigkeit definiert, wie diese Werte ausgelesen werden. Soweit die Theorie. Wer es genauer wissen möchte, dem empfehle ich den Artikel meines Kollegen Holger Gerdes  (Link am Ende dieses Artikels). Die PD bietet verschiedene Schwingungsformen, die stufenlos aus dem Sinus eingeblendet werden können:

Die 8 Grundwellenformen der Phasedistortion Synthese.

Die 8 Grundschwingungsformen der Phasedistortion Synthese

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    nativeVS  

    Mann kann doch für kleine verstimmungen den u-he feintrieb verwenden (bei windows shift gedrückt halten und poti drehen).
    Die effekte sind halt erst nach den abschwächern, da sie monophon gehalten wurden. Würde man die effekte in die signalkette integrieren müssten sie polyphon aufgebaut sein. Ausserdem kann man die reihenfolge der effekte zueinander ändern.

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    tompisa

    DAS nenn ich einen Test. Vielen Dank für den Hinweis , dass das Teil endlich geboren ist und vor allen Dingen Danke bezogen auf den hervorragend geschrieben Testbericht samt pers. Einschätzungen und Klangbeispielen.

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    Triple-U

    Hallo Martin, das mit den Polyrythmen musste ich gestern gleich mal ausprobieren. Mit dem Mod-Sequenzer geht das wirklich nicht. Aber mit einer Kombination aus LFO, Mapping Generators, evtl. auch den Stack Voices kann man sehr viele rythmische Kombinationen (z.B. 7/4 auf 3/4 aber auch viel abgedrehtere Sachen) verwirklichen. Als kleine Rätselaufgabe… ;)

    Mit dem Sequencer wäre es vllt. praktischer und man würde nicht so viele Module verbrauchen, aber man würde auch nicht auf NOCH ungewöhnlichere Rythmen kommen.

  4. Profilbild
    Urs  

    Hi,

    das ist ein super Test, vielen Dank!

    Kleine Anmerkung: Die Effekte lassen sich per Drag’n’Drop in der Reihenfolge verändern. Dort ist momentan noch dasselbe Bedienelement am Werke, das auch in Zebra die modulare Verschaltung ermöglicht. Da dies leider etwas unkomfortable ist, habe ich vor, dieses noch vor dem offiziellen Release für Bazille’s Bedürfnisse zu verbessern, weshalb dies auch noch nicht vollständig im User Guide berücksichtigt ist – und wer weiß, vielleicht erlauben wir auch eines Tages paralelle Verschaltungen.

    Allerdings wird es sehr schwiereig, die Parameter der Effektsektion über Kabel zu kontrollieren. Alles was verkabelt ist, ist ja polyphon. Wenn man mit sowas dann die Effekte steuert wird’s schnell brenzlig. Das wäre eher was für eine monophone Variante, die dann auch bei losgelassenen Tasten noch prozessiert.

    LG,

    – Urs

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Hallo Urs

      danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Was Du schreibst, leuchtet natürlich ein. Wie ich schon im Text schrieb, ist meine Kritik an den Effekten als Anregung gedacht.

      Hingegen ist die fehlende Potiskalierung durchaus ein Problem, zumindest für meine Wenigkeit. Aber vielleicht habe ich da auch etwas Fundamentales übersehen?

      Alles in Allem ist dies ein wunderbarer, modularer Software Synthesizer, der mich (beinahe) wunschlos glücklich macht.

      Lieben Gruß

      Martin

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