Test: U-He Bazille, Software-Synthesizer

Filter 

Ganze vier (Multimode) Filter stehen im U-He Bazille zur Verfügung, wobei zwei etwas einfacher gehalten sind. Beginnen wir mit den beiden Hauptfiltern: Über zwei Eingänge gelangt das Audiosignal in die Filter, wo es zunächst mit einer kleinen Vorstufe verstärkt bis verzerrt werden kann. Daneben finden sich die klassischen Parameter für Cutoff und Resonanz, beide mit entsprechenden Eingängen für Steuerspannungen. An sechs Ausgängen können die verschiedenen Filtercharakteristiken abgegriffen werden (Lowpass  mit 6, 12, 18 und 24 dB pro Oktave, 6 dB Bandpass und 12 dB Hochpass), wobei alle bis zur Selbstoszillation reichen. Sehr praktisch ist, dass die Cutoff des zweiten Oszillators abhängig vom ersten steuerbar ist: In einem kleinen Popdown Menu finden sich die Betriebsarten Offset (Cutoff verschiebt sich um ein festes Intervall nach oben oder unten inklusive aller Modulationen) und Spread (macht eigentlich das Gleiche, zusätzlich wird hier die Cutoff von Filter 1 in die entgegengesetzte Richtung verschoben). Offset und Spread sind selbst auch spannungssteuerbar, so dass hier mit wenigen Verbindungen sehr lebendige Filterverläufe möglich sind.

Die beiden Hauptfilter.

Die beiden Hauptfilter

 

Filter 3 und 4 sind etwas einfacher gehalten und begnügen sich mit drei Filtercharakteristiken und nur einem Modulationseingang.

 

Filter3:4

Filter 3 & 4 und die beiden RAMP Generatoren: Hüllkurven im Stille von EMS und Buchla

Hüllkurven und VCAs

Bazille bietet vier ADSR-Hüllkurven, die auf den ersten Blick nach Standard aussehen und uns dennoch mit kleinen und feinen Details überraschen: Zum einen sind sie durch eine beliebige Quelle spannungssteuerbar (!), der Parameter Rate Mod legt dabei die Stärke der Modulation fest. Ein klassisches Beispiel ist die Steuerung der Hüllkurven-Zeiten in Abhängigkeit der Tonhöhe, so dass hohe Töne kürzer ausklingen als tiefe, was dem Verhalten vieler akustischer Instrumente entspricht. Interessant ist auch der Fall/Rise Parameter, der auf die Sustainphase wirkt. In zwölf Uhr Stellung verhält sich diese wie gewohnt: Sie hält dasselbe Niveau bis zum Loslassen der Taste. Nach links gedreht klingt die Sustainphase allmählich aus, eine Drehung nach rechts bewirkt das Gegenteil, die Amplitude nimmt wieder zu. Man mag sich fragen, wozu das gut sein soll. Beispielsweise kann man so das Verhalten von Klavieren nachbilden, deren Sustainphase auch langsam abnimmt oder Crescendo Brassklänge, die nach einer scharfen Attack erst kurz abklingen, um danach wieder anzuschwellen. Dass die Hüllkurven auch von der Velocity steuerbar sind, brauche ich nicht extra zu erwähnen.

Davon gibt es vier Stück: die ADSR Hüllkurve.

Davon gibt es vier Stück: die ADSR Hüllkurve

 

Zusätzlich beglückt uns Bazille mit zwei Ramp Generators, einfache, loopbare Hüllkurven, wie man sie beispielsweise von EMS oder Buchla Synthesizern kennt.

Die Parameter Up und Hold definieren die Ein- und Ausschwingzeit, Hold legt die Dauer von Sustain fest und Rest bestimmt die Zeit bis zum nächsten automatischen Triggen der Hüllkurve. Somit ist diese auch für zyklische Modulationen zu gebrauchen, die selbstredend zur Master Clock synchronisierbar sind.

 

 

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    nativeVS  

    Mann kann doch für kleine verstimmungen den u-he feintrieb verwenden (bei windows shift gedrückt halten und poti drehen).
    Die effekte sind halt erst nach den abschwächern, da sie monophon gehalten wurden. Würde man die effekte in die signalkette integrieren müssten sie polyphon aufgebaut sein. Ausserdem kann man die reihenfolge der effekte zueinander ändern.

  2. Profilbild
    tompisa

    DAS nenn ich einen Test. Vielen Dank für den Hinweis , dass das Teil endlich geboren ist und vor allen Dingen Danke bezogen auf den hervorragend geschrieben Testbericht samt pers. Einschätzungen und Klangbeispielen.

  3. Profilbild
    Triple-U

    Hallo Martin, das mit den Polyrythmen musste ich gestern gleich mal ausprobieren. Mit dem Mod-Sequenzer geht das wirklich nicht. Aber mit einer Kombination aus LFO, Mapping Generators, evtl. auch den Stack Voices kann man sehr viele rythmische Kombinationen (z.B. 7/4 auf 3/4 aber auch viel abgedrehtere Sachen) verwirklichen. Als kleine Rätselaufgabe… ;)

    Mit dem Sequencer wäre es vllt. praktischer und man würde nicht so viele Module verbrauchen, aber man würde auch nicht auf NOCH ungewöhnlichere Rythmen kommen.

  4. Profilbild
    Urs  

    Hi,

    das ist ein super Test, vielen Dank!

    Kleine Anmerkung: Die Effekte lassen sich per Drag’n’Drop in der Reihenfolge verändern. Dort ist momentan noch dasselbe Bedienelement am Werke, das auch in Zebra die modulare Verschaltung ermöglicht. Da dies leider etwas unkomfortable ist, habe ich vor, dieses noch vor dem offiziellen Release für Bazille’s Bedürfnisse zu verbessern, weshalb dies auch noch nicht vollständig im User Guide berücksichtigt ist – und wer weiß, vielleicht erlauben wir auch eines Tages paralelle Verschaltungen.

    Allerdings wird es sehr schwiereig, die Parameter der Effektsektion über Kabel zu kontrollieren. Alles was verkabelt ist, ist ja polyphon. Wenn man mit sowas dann die Effekte steuert wird’s schnell brenzlig. Das wäre eher was für eine monophone Variante, die dann auch bei losgelassenen Tasten noch prozessiert.

    LG,

    – Urs

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Hallo Urs

      danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Was Du schreibst, leuchtet natürlich ein. Wie ich schon im Text schrieb, ist meine Kritik an den Effekten als Anregung gedacht.

      Hingegen ist die fehlende Potiskalierung durchaus ein Problem, zumindest für meine Wenigkeit. Aber vielleicht habe ich da auch etwas Fundamentales übersehen?

      Alles in Allem ist dies ein wunderbarer, modularer Software Synthesizer, der mich (beinahe) wunschlos glücklich macht.

      Lieben Gruß

      Martin

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