Test: U-He Bazille, Software-Synthesizer

Effekte

Bazille bietet eine kleine Auswahl hochwertiger Effekte: Distortion, Phaser, Delay und Spring Reverb, die sich klanglich alle an analogen Vorbildern orientieren.

Distortion besticht durch verschiedene Röhrensimulationen, eine simple Klangregelung sowie einer Lautsprecher-Simulation (Guitar Cab 4×12″).

Der Phaser bietet zwei Modi Stoned und Flanged und ist ein Stereoeffekt, dessen Breite stufenlos regelbar ist. Die Modulationsrate lässt sich synchronisieren.

Für Stereoeffekte ebenfalls zu empfehlen ist das Delay mit unabhängiger Intensität und Delay-Zeit für beide Kanäle sowie die Mitte. So stehen insgesamt drei Delay-Linien zur Verfügung.

Eine  kleine und sinnvolle Auswahl an hochwertigen Effekten.

Eine kleine und sinnvolle Auswahl an hochwertigen Effekten

 

 

Während ich die Qualität dieser drei Effekte als soliden Durchschnitt bezeichnen würde, bin ich von der virtuellen Hallspirale schlicht begeistert. Das Spring Reverb gehört zu den besten, die mehr je zu Ohren kamen und klingt beispielsweise viel besser als das viel gerühmte Hall of Fame von TC Electronic. Augenfällig ist der große Shake Regler, zum Zupfen an den beiden virtuellen Hallspiralen. Drive ist eine dezente Übersteuerung, Tone blendet den Ton von dark to bright, Decay regelt die Halldauer und Tension beschreibt, wie fest die Hallspiralen gespannt sind, was wiederum deren Eigenresonanz beeinflusst (je höher die Spannung, desto höher die Oszillationsfrequenz).

 

Klanglich überzeugen die Effekte mit authentischen Klängen, die den Vergleich mit entsprechender Hardware nicht zu schauen brauchen. Schade ist indes, dass das Routing fest vorgegeben ist und stets am Ende der Signalkette des Synthesizers steht. Für mein persönliches Verständnis von Modular greift dies zu kurz. Mag sein, dass sich diese Anordnung in den meisten Synthesizern etabliert hat, klanglich sinnvoll ist die Beschränkung nicht. Es spielt nämlich sehr wohl eine Rolle, wo in der Signalkette beispielsweise ein Hall eingeschleift oder das Signal verzerrt wird. Und wäre es nicht interessant, das Delay Signal zu filtern, den LFO zu verzerren oder nur einen von mehreren Klangquellen mit Hall zu versehen? Naja, da hilft kein Lamentieren, schade ist es trotzdem. Und wenn wir schon dabei sind: Bei einem modularen Synthesizer wünschte ich mir spannungssteuerbare Effekte, so dass beispielsweise die Verzerrung auf die Anschlagsstärke reagiert und der Hallanteil von der Hüllkurve gesteuert würde, während der Sequencer rhythmisch an der Hallspirale zupft. Dies alles nur als kleine Klammerbemerkung und Anregung für zukünftige Entwicklungen.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    nativeVS  

    Mann kann doch für kleine verstimmungen den u-he feintrieb verwenden (bei windows shift gedrückt halten und poti drehen).
    Die effekte sind halt erst nach den abschwächern, da sie monophon gehalten wurden. Würde man die effekte in die signalkette integrieren müssten sie polyphon aufgebaut sein. Ausserdem kann man die reihenfolge der effekte zueinander ändern.

  2. Profilbild
    tompisa

    DAS nenn ich einen Test. Vielen Dank für den Hinweis , dass das Teil endlich geboren ist und vor allen Dingen Danke bezogen auf den hervorragend geschrieben Testbericht samt pers. Einschätzungen und Klangbeispielen.

  3. Profilbild
    Triple-U

    Hallo Martin, das mit den Polyrythmen musste ich gestern gleich mal ausprobieren. Mit dem Mod-Sequenzer geht das wirklich nicht. Aber mit einer Kombination aus LFO, Mapping Generators, evtl. auch den Stack Voices kann man sehr viele rythmische Kombinationen (z.B. 7/4 auf 3/4 aber auch viel abgedrehtere Sachen) verwirklichen. Als kleine Rätselaufgabe… ;)

    Mit dem Sequencer wäre es vllt. praktischer und man würde nicht so viele Module verbrauchen, aber man würde auch nicht auf NOCH ungewöhnlichere Rythmen kommen.

  4. Profilbild
    Urs  

    Hi,

    das ist ein super Test, vielen Dank!

    Kleine Anmerkung: Die Effekte lassen sich per Drag’n’Drop in der Reihenfolge verändern. Dort ist momentan noch dasselbe Bedienelement am Werke, das auch in Zebra die modulare Verschaltung ermöglicht. Da dies leider etwas unkomfortable ist, habe ich vor, dieses noch vor dem offiziellen Release für Bazille’s Bedürfnisse zu verbessern, weshalb dies auch noch nicht vollständig im User Guide berücksichtigt ist – und wer weiß, vielleicht erlauben wir auch eines Tages paralelle Verschaltungen.

    Allerdings wird es sehr schwiereig, die Parameter der Effektsektion über Kabel zu kontrollieren. Alles was verkabelt ist, ist ja polyphon. Wenn man mit sowas dann die Effekte steuert wird’s schnell brenzlig. Das wäre eher was für eine monophone Variante, die dann auch bei losgelassenen Tasten noch prozessiert.

    LG,

    – Urs

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Hallo Urs

      danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Was Du schreibst, leuchtet natürlich ein. Wie ich schon im Text schrieb, ist meine Kritik an den Effekten als Anregung gedacht.

      Hingegen ist die fehlende Potiskalierung durchaus ein Problem, zumindest für meine Wenigkeit. Aber vielleicht habe ich da auch etwas Fundamentales übersehen?

      Alles in Allem ist dies ein wunderbarer, modularer Software Synthesizer, der mich (beinahe) wunschlos glücklich macht.

      Lieben Gruß

      Martin

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