Test: Ueberschall Liquid Horn Section

9. Dezember 2010

Horny horny horny...

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Benutzt man statt „echter“ akustischer Instrumente Samples bei der Produktion eines Songs, klappt das für manche Instrumente – wie z. B. einem Klavier oder Drums – recht überzeugend, bei anderen hingegen – wie z. B. einem Saxofon oder einer Trompete – klingt das Ergebnis am Ende oft recht bescheiden. Der Grund ist einfach: Wenn man die Saitenresonanzen mal außer Acht lässt, ist es z. B. der G3-Taste eines Klaviers egal, ob bzw. welche Taste vor ihr angeschlagen wurde – ein „Binden“ der Töne ist beim Klavier nicht möglich. Anders sieht es eben beim Saxofon aus, dort werden die Töne sehr wohl von einem zum nächsten gebunden, und dies ist mit einzeln gesampelten Tönen nur sehr schwer bis gar nicht zu imitieren.

Daher gibt es für solche Fälle Loop-Librarys, bei denen komplette musikalische Phrasen aufgenommen werden. Diese klingen zwar meist hervorragend, sind aber oft schwer in den eigenen Song zu integrieren, da Tonhöhe und Tempo natürlich in der Regel nicht mit dem übereinstimmen, was man gerade braucht. Außerdem eignen sich solche Librarys überhaupt nicht, wenn man schon eine genaue Melodie im Kopf hat, die das Instrument spielen soll.

Als Lösung bzw. Kompromiss bietet der deutsche Hersteller Ueberschall seine Instrumente der Liquid Reihe an, die sich nun schon seit Jahren großer Beliebtheit erfreuen. Hier werden kurze Instrumenten-Loops geliefert, die sich dank des mitgelieferten Liquid-Players, der auf der Melodyne-Engine basiert, problemlos im Tempo und der Tonart anpassen lassen. Im Player ist außerdem ein Editor integriert, der auch tiefer greifende Korrekturen der Loops erlaubt.

Da die Liquid-Reihe nun schon mehrere Instrumente umfasst und der Player hier schon mehrmals ausführlich vorgestellt wurde, werde ich ihn hier nicht mehr in allen Details beschreiben. Wer den Liquid Player bisher nicht kennt, sei auf die älteren Testberichte zu dem Thema verwiesen, z. B. auf diesen hier:

http://www.amazona.de/index.php?page=26&file=2&article_id=908

Überblick

Dieses Kapitel der Liquid Reihe liefert uns komplette Bläsersätze aller Art. Jeder, der schon einmal versucht hat, Bläsersätze selbst zu programmieren und mit handelsüblichen Samples umzusetzen, wird mir wohl zustimmen, dass dies zu den schwierigsten Übungen gehört, wenn es darum geht, wirklich authentisch klingende Ergebnisse zu erzielen. Nichtsdestotrotz weiß ich nicht, ob der Titel „Horn Section“ sehr glücklich gewählt ist und ob jeder potentielle Kunde diese Instrumente darunter vermuten würde.

Zu den Instrumenten, die hier vertreten sind, zählen Trompete, Saxofon (Bariton, Tenor und Alt), Posaune und Flöte, wobei die Flöte allerdings recht selten vorkommt. Die anderen 3 Instrumente sind bei jedem Loop vertreten, allerdings in wechselnder Anzahl. Die Minimalbesetzung liegt bei je einer Trompete, Posause und Saxofon, gelegentlich kommen jedoch auch z. B. 3 Trompeten vor. Da bei jedem Loop alle Instrumente einzeln vorliegen, ist eine Anpassung der Loops zueinander kein Problem, da sich Loops mit mehr Instrumenten problemlos „ausdünnen“ lassen.

Installation

Der Umfang der Sample-Library ist nach heutigen Maßstäben sehr gering – nur 658 MB belegt die komplette Library auf der Festplatte. Da brauchen heute schon manche mehr Platz für ihre Kuhglocken-Samples. Trotzdem bekommt man wirklich eine große Menge musikalisches Ausgangsmaterial geliefert, das man ja, wie eingangs schon beschreiben, an seine eigenen musikalischen Bedürfnisse auch noch anpassen kann. Da die meisten Loops nur 1-2 Sekunden lang sind, kann sich jeder ausrechnen, wie viele Loops man braucht, um auf 658 MB zu kommen.

Die Registrierung gestaltet sich problemlos per Challenge Response Code, den man über die Ueberschall-Homepage bezieht. Nach der Installation hat man 8 Tage Zeit, um sich zu registrieren. Wer bereits ein Liquid-Instrument besitzt, muss den Player natürlich nicht noch einmal installieren, sondern nur die Soundbank auf die Festplatte kopieren und registrieren. Alle anderen haben die Auswahl zwischen der Standalone-Version des Players und den Plug-in-Formaten VST, RTAS und AU (letzteres natürlich nur für Mac OS X), so dass niemand außen vor bleibt.

Getestet wurde mit der Standalone-Version und der VST-Version unter Cubase 5.5 sowohl auf einem iMac (Snow Leopard) als auch einem PC mit Windows 7 64 Bit. Während der Player auf dem Mac sehr stabil lief, kam es bei Windows 7 64 leider wiederholt zu Abstürzen des Host-Sequencers bei Einsatz des VST-Plug-ins, außerdem funktionierte die wichtige Vorhörfunktion, mit der man die ungemappten Samples anspielen kann, überhaupt nicht. Auf Nachfrage teilte mir der Ueberschall Support mit, dass das Plug-in 64 Bit Systeme offiziell nicht unterstützt – sehr schade, denn für Nutzer dieser Betriebssysteme ist die Library damit quasi unbrauchbar, und inzwischen wird fast jeder neue PC mit der 64 Bit Version von Windows 7 ausgeliefert. Da sollte Ueberschall schleunigst Abhilfe schaffen.

Klangbeispiele
Forum

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